[Rezension]: J.R.R. Tolkien – Der Herr der Ringe

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Thema: Ein Buch, den Leser zu knechten, in den Lesesessel zu treiben und ihn ewig daran zu binden

„Flieht, ihr Narren!“

Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Reihe starten, in der ich Bücher vorstelle, die mein Leseverhalten hinsichtlich dem, was ich heute lese, geprägt haben und bei denen mich auch der Stoff Jahre nach dem ersten Mal lesen immer noch beschäftigt. Dabei geht es mir bei der Vorstellung dieser Bücher vordergründig nicht um den Inhalt, sondern darum, wie sich diese Bücher in mein Leben geschlichen haben und was ich für Erfahrungen mit Ihnen gemacht habe. Ich wünsche viel Spaß beim 1.Teil der Reihe „Macg’s persönliche Leseerfahrungen“.

Es gibt diese Bücher, die verfolgen einen von dem Tag an, an dem man die erste Seite aufschlägt und in die Geschichte eintaucht und die einen das ganze Leben über nicht mehr loslassen. „Der Herr der Ringe“ von J.R.R.Tolkien ist eines dieser für mich seltenen Spezies von Buch, welches mich bis jetzt jedes Mal, in denen ich es gelesen habe, in den Bann nahm. Anfang dieses Jahres habe ich es zum dritten Mal begonnen und mir richtig viel Zeit dafür gelassen, um genau zu sein waren es 5 Monate, die ich für diese 1300 Seiten investiert habe, und es war wieder einmal wunderbar. Doch bevor ich weiter ins Schwärmen komme, möchte ich einen kleinen Bogen schlagen zu der Zeit, als ich die ersten Berührungen Der Herr der Ringe hatte.

„Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden im Lande Mordor, wo die Schatten drohen.“

Das erste Mal habe ich von diesem Buch gehört, als ich noch zur Schule ging, was jetzt auch schon mehr als 15 Jahre her ist, als mir einer meiner Freunde sagte, dass ich viele Bücher lesen könne, aber an diesem einen werden sich alle messen müssen und ich werde mich, nachdem ich es gelesen habe, ständig daran erinnern. Ich habe das damals als törichte Schwärmerei abgetan, da mich Literatur als solches noch nicht in einem großen Maß interessiert hat. Der zweite Kontakt war dann eher unvermeidlicher Natur, da mit großem Tamtam die Geschichte als Trilogie in die Kinos kommen sollte und als Fan des Fantasy- Sektors auf Zelluloid war ich sofort dabei. Zufälligerweise bekam ich im Jahr des Erscheinens von „Die Gefährten“ im Kino die Trilogie geschenkt und es war um mich geschehen. Ich sah mich trotz dessen, dass es die neuere Übersetzung von Wolfgang Kregge war, dem Ring- Fieber ausgesetzt und konnte mich die darauf folgenden Monate nicht von der Geschichte loseisen. Ich hatte das Buch innerhalb kürzester Zeit ausgelesen (ich glaube es waren um die 2 Monate) und habe somit, jedenfalls zu 2 Dritteln, das Buch eher gelesen als die Filme gesehen. Einen Vergleich zwischen dem literarischen und dem filmischen Werk finde ich schwierig. Es haben beide in meinen Augen ihre Daseinsberechtigung und Jackson hat sich größtenteils an den Stoff aus dem Buch gehalten, auch wenn er an manchen Stellen gravierende Änderungen vorgenommen hat, die für mich beim Filmgenuss aber nicht so im Vordergrund standen.

Bis Anfang dieses Jahres war es in den zurückliegenden 10 Jahren ein zweifacher Wechsel aus Buch lesen und dann die Filme anschauen, wobei letzteres jetzt auch schon wieder 6 Jahre her ist. In dieser Zeit konnte ich in Erfahrung bringen, dass ich mit der Übersetzung von Wolfgang Kregge immer die gelesen habe, die von eingefleischten Fans von der deutschen Ausgabe von „Der Herr der Ringe“ mit Verachtung gestraft wurde. So kam ich zu dem Wissen, dass es noch eine alte Übersetzung durch Margaret Carroux gibt, die in persönlicher Zusammenarbeit mit Tolkien entstanden ist. Dazu gibt es eine wunderschöne Gesamtausgabe, die aber zum Zeitpunkt des Interesses meine Budgetgrenze sprengte, die ich mir für einen Bucherwerb gesetzt habe (ich glaube ich habe es mal für 75,-€ gesehen). Vor 3 oder 4 Jahren war es dann der Zufall, der mich ein bisschen ziellos durch den Buchladen stöbern ließ, als mich die nun vorliegende Ausgabe erblickte, die zwar immer noch teuer war, aber es spielte irgendwie keine Rolle mehr – ich wollte es in diesem Moment haben, unbedingt. An mich genommen, gekauft und erst einmal beiseitegelegt, denn wann hat man mal die Muße sich solch einen Wälzer vorzunehmen.

Doch der dritte Leseanlauf wollte mir nicht aus dem Kopf gehen. Jedes Mal, wenn ich am Bücherregal entlang ging, um zu schauen, welches Buch ich mir als nächstes vornehme, hatte ich auch immer wieder diesen roten Klotz vor Augen, aber mir schien es nie passend genug, wieder einmal nach Mittelerde zu reisen. Doch inspiriert durch den uninspirierten Kinoauftritt des Hobbits packte mich doch wieder das Reisefieber und Anfang dieses Jahres fühlte ich mich wieder bereit mit Frodo, Sam, Streicher, Peregrin, Gandalf, Legolas, Gimli und allen anderen Figuren in den Ringkrieg zu ziehen und ich war auch gespannt, was die Zeit mittlerweile mit dem Stoff in meinem Kopf angerichtet hatte. Würde es mir immer noch gefallen oder haben sich mittlerweile gewisse Abnutzungserscheinungen eingeschlichen? 5 Monate habe ich für das gesamte Buch jedenfalls gebraucht, was aber mehr an den schlafarmen Nächten (Stichwort Babygeschrei) lag, als das ich mich durch die Geschichte wurschteln musste, doch ich habe an fast jedem Tag ein paar Seiten in diesem Mammutwerk gelesen und mich immer wieder von der Stimmung und den detaillierten Beschreibungen Tolkiens gefangen nehmen lassen.

Wie fühlte es sich das neuerliche Lesen dieses Buches an? In einem einfachen Wort: wunderbar. Allein schon der erste, eher haptische Eindruck, ist einer, der pure Begeisterung weckt. Nimmt man den, von der gestalterischen Seite aus gesehenen, semi-gelungenem Umschlag weg, besticht das Buch mit rotem Einband und rot eingefärbten Seitenrändern, die dem Buch etwas Edles verleihen. Dazu ist das Kartenmaterial Mittelerdes und des Auenlandes, entgegen der Kregge- Ausgabe, herausnehmbar in den Einband integriert. Die erste Seite aufgeschlagen und man ist sofort wieder gefangen in der Geschichte, in der es um nichts weiter als die Zukunft von Mittelerde und des Auenlandes geht. Es macht zu Beginn wieder richtig Spaß in den Hobbitgefilden umher zu wandeln und mit all den Figuren alles Gute und Schlechte, was die Geschichte um den einen Ring mit sich bringt, erneut zu erleben. Doch an manchen Stellen ginges auch etwas zäh voran, aber in der Summe breitet Tolkien eine wunderbare Geschichte vor dem Leser aus, die durch ihre einfache Einteilung in Gut und Böse (bis auf die Figur von Gollum, die beides in sich trägt) einen gewissen Märchencharkter hat und die nicht so sehr von der Spannung lebt, wie die Geschichte ausgehen wird (man hat von Anfang an ein Gefühl), sondern bei der man mit den Figuren leidet und den Weg mit ihnen geht, um bei dem unmöglichen Unterfangen ein moralischer Wegbegleiter zu sein.

Auch wenn es 5 Monate gedauert hat und ich an manchen Stellen etwas Ermüdungserscheinungen an der Geschichte zeigte, so legte sich am Ende, als ich die letzte Seite gelesen hatte und das Buch zuschlug, eine Art Wehmut ein, die man sich bei dieser Art von Büchern einfach nicht erklären kann. Wer an dieser Stelle immer noch nicht genug hat von der Geschichte rund um Mittelerde, kann sich dann noch mit den sehr umfangreichen Anhängen beschäftigen. Dazu hatte ich noch nicht die richtige Muße, aber beim flüchtigen Durchblättern konnte ich heraus lesen, dass die Geschichte des 1. Und 2.Zeitalters kurz umrissen wird und in einer Zeittafel der weitere Werdegang der liebgewonnene Figuren in kurzen Stichpunkten wiedergegeben wird. Alles in allem ein riesengroßes Rundum- Sorglos- Paket für den Fan von „Der Herr der Ringe“.

Um zu der törichten Schwärmerei vom Anfang zurück zu kommen. Ich wäre nicht so vermessen zu sagen, dass sich andere Bücher an diesem Epos messen lassen müssen, aber ich würde dieses Buch jedem ans Herz zu legen, der mit Fantasy- Literatur etwas anfangen kann und wahrscheinlich gleich mit hinterherschieben, dass man von dieser Geschichte alles andere als enttäuscht sein wird. Ich habe zwar mittlerweile eine andere Buchreihe gefunden, welches den Rang von „Der Herr der Ringe“ als eines der besten Bücher bzw. Buchreihen in meiner persönlichen Bestenliste abgelaufen hat (dieses wird in dieser Reihe auch noch vorgestellt), aber dieses Buch wird mich trotz dessen mein ganzes weiteres Leben begleiten und ich werde es nicht versäumen, es von seinem Ehrenplatz im Regal zu nehmen und immer mal wieder darin zu schmökern.

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