[Rezension]: Cody McFadyen – Double Feature mit Smoky Barrett

Jetzt in ihrem Buchregal mit folgenden Abschnitten:

Das Böse in uns (Teil 3)

Ausgelöscht (Teil 4)

Thema: Es ist ein Kreuz mit diesen lobotomiesierenden Serienkillern

Nach der ganzen „schweren“ Kost, die ich bisher vorgestellt habe, gibt es diesmal zwei Bücher aus dem Bereich der (manchmal auch schwer verdaulichen) Fast Food- Literatur (das nehme doch gleich in meine Kategorieliste auf). Cody McFadyen ist der Autor dieser Reihe, die sich einem Ermittlerteam des FBI aus LA widmet, welches  auf der Jagd nach Serienkillern ist. Er ist ein amerikanischer Schriftsteller, der sein Leben vollständig dem Schreiben von Büchern respektive Kriminalromanen gewidmet hat. Er lebt und arbeitet zurzeit in Kalifornien.

Intro

Worum geht es in diesen Büchern allgemein? In jedem der Bücher wird eine kranke oder verwirrte Seele vorgestellt, die immer einen Masterplan verfolgt, der beinhaltet so viele Menschen wie möglich auf die eigene Schlachtbank zu führen und ihnen unter dem Deckmantel Gutes zu tun, so viele schreckliche Dinge wie nur möglich an diesen Menschen zu verüben. Auf der anderen Seite des Gesetzes stehen Smoky Barrett, die Hauptprotagonistin in dieser Reihe, und ihr Team beim FBI, die diese Serienkiller jagen und fangen. Dabei bringt jeder in diesem Team ganz spezielle Begabungen mit ein, die bei der Jagd nach diesen Monstern hilfreich sind. Persönliche Schicksale des Teams werden konkret mit eingebunden, so wird Smoky zum Beispiel gleich im ersten Band Opfer eines dieser Serienkillers und sie verliert dabei gleichzeitig ihre Familie. Die Geschichten sind aus der Sicht von Smoky Barrett in Ich- Form geschrieben, so dass immer wieder ihre Gedanken an den aktuellen Fall oder über die Vergangenheit mit eingeschoben werden. So wird diese Frau als begabte Profilerin vorgestellt, aber auch als Mensch, der an seinem Schicksal zuweilen arg zu knabbern hat.

Religiöser Übereifer

Der dritte Teil der Reihe mit dem Titel „Das böse in uns“ beginnt ganz klassisch mit einem Mord an der „Tochter“ (Tochter nur im übertragenen Sinne, denn das Mordopfer Lisa war zuvor ein Mann namens Dexter) eines Senatorenehepaares. Smoky und ihr Team werden dazu gerufen, um die Ermittlungen zu übernehmen. Da die erwähnte Senatorenfamilie mitten im Wahlkampf steckt und die Ermittlungen außerhalb des Zuständigkeitsbereiches stattfinden, sollen diese Ermittlungen unter größter Vertraulichkeit vonstattengehen. Bis auf ein Kreuz mit einer eingravierten Nummer, welches in Lisas Körper injiziert wurde, finden die Ermittler nichts Verwendbares. Zurück in L.A. wollen Smoky und ihr Team weiter Puzzleteile finden, als sich die Ereignisse überschlagen, indem ein weiteres Opfer gefunden wird und der Täter mittels eigens erstellten Videoaufnahmen an die Öffentlichkeit geht. Er stellt sich als Der Prediger vor und gibt diesem Fall eine noch nie dagewesene Dimension, denn das Kreuz von Lisa trug die Zahl 143, und der religiöse Deckmantel unter dem die Taten ausgeführt werden, wird immer offensichtlicher.

Geht es hier etwa um Geld?

Der 4.Teil der Reihe um Smoky Barrett beginnt mit der Hochzeit einer Kollegin und die soll eigentlich ausgiebig gefeiert werden. Doch dann wird eine verwahrloste Frau während der Zeremonie vor die Füße der Hochzeitsgesellschaft gesetzt und schon stecken Smoky und ihr Team wieder in einem Fall, der die Vorstellungskraft dessen, was man sich an Brutalität ausmalen kann, bei weitem übersteigt. Dabei war die Frau, die bei der Hochzeit ausgesetzt wurde, nur die Spitze des Eisberges, denn wie sich im Verlaufe der Ermittlungen heraus stellt, ist der Täter auf Männer aus, die ihre Ehefrauen loswerden wollen, da sie das Leben mit ihnen satt haben. Dabei gehen die Männer mit dem Täter, der sich selbst Dali nennt (wird im Buch in einer kurzen Passage erklärt), einen Pakt ein, der zum einen die Entführung der Frauen beinhaltet und zum anderen, dass Dali ihnen die Vorgabe macht, sieben Jahre zu warten, dann die Frauen für tot zu erklären, um dann die Summe der Lebensversicherung zu kassieren und mit Dali zu teilen. Da Dali seine Opfer in speziellen Foren im Internet sucht und findet, setzen Smoky und ihr Team einen verdeckten Ermittler auf Dali an, damit sie ihn zu fassen bekommen. Doch dann rückt Smoky selbst in den Fokus des Täters, da sie ihm mit ihren Ermittlungen zu nahe gekommen ist.

Echte Monster gibt es doch gar nicht?

Diese Reihe stößt ab und fasziniert zugleich. Nachdem ich vor einigen Monaten „Die Blutlinie“ gelesen hatte, musste ich erst einmal Abstand Smoky Barrett gewinnen, denn diese Geschichte und die darin beschriebenen Grausamkeiten waren bisher das deftigste was ich in meinem bisherigen Leseleben gesehen hatte und ertragen musste. Wenn es eine Altersfreigabe für Bücher gäbe, dann müsste dieser Band die höchste Einstufung bekommen. Doch das Interesse, ein weiteres Buch dieser Reihe zu lesen, war höher als der Ekel, der mich beim Lesen des 1.Bandes befallen hatte und von dem ich befürchtete, er würde wieder zuschlagen. Doch in den oben beschriebenen Geschichten hält sich McFadyen angenehm zurück mit blutigen Beschreibungen und konzentriert sich mehr auf den Fall an sich, was er teils gut (in „Ausgelöscht“) und teils nicht so gut („Das Böse in uns“) macht. Es gibt zwar wieder grausame Szenen, die er aber angenehm zurückhaltend beschreibt, so dass der Spannungsaufbau im Vordergrund steht und die Tötung von Menschen nicht als Mittel zum Zweck dient.

Diese Sorte von Büchern hat nur einen Zweck, sie sollen spannende Unterhaltung sein. Man kann sie, wenn sie gut geschrieben sind, nicht aus der Hand legen, bis man weiß, wer der Täter ist und welche Motivationen er hatte, seine Taten auszuführen. Mit seiner einfachen Sprache schafft es McFadyen mühelos, diese Funktion zu erfüllen. Doch es gibt Mangelerscheinungen, die man nicht unerwähnt lassen sollte und die mich persönlich beim Lesen gestört haben beziehungsweise, den Lesegenuss gemindert haben.

Ein Punkt ist die Selbstreflexion von Smoky Barrett. Sie denkt ständig darüber nach, wie sie Familienangelegenheiten und ihre Arbeit unter einen Hut bringen soll und wie sie sich von dem ganzen Grauen, mit dem sie ständig konfrontiert wird, abschotten kann. Das ist stellenweise ganz nett zu lesen und gibt dem ganzen einen etwas authentischeren Anstrich, aber es ist auch nervig, da es für das Fortkommen des Falles meistens keine Bedeutung hat und mir persönlich an bestimmten Stellen zu gefühlsduselig daherkommt.

Ein zweiter Punkt ist das Auftreten von Klischeefiguren in all diesen Büchern. Zum einen gibt es jede Menge sexhungrige attraktive Frauen um Smoky herum. Wahrscheinlich wollte McFadyen gegen die durch Gesichtsnarben entstellte Smoky Kontrapunkte setzen. Doch er übertreibt es damit ganz gehörig und irgendwann nervt es nur noch. Wenn man sich das Team genauer anschaut, dann entdeckt man noch mehr Klischees, die wahrscheinlich unvermeidbar sind in dieser Art von Roman. Zum einen gibt es da den Bären von Mann, der keiner Fliege was zuleide tun kann, aber im richtigen Moment seine Stärken ausspielt. Dann hätten wir noch das Arschloch, den keiner gern hat, der aber trotzdem seinen Job exzellent erledigt. Und zu guter Letzt dürfen die PC- Nerds nicht fehlen, die an den Stellen unter die Arme greifen, wenn die armen FBI- Agenten im Kosmos der neuen Techniken verloren wirken. Das ist manchmal etwas des Guten zu viel und McFadyen wird nicht müde, jeden Menschen, der irgendwann um die Ecke kommt, um in den Fall einzugreifen, ausschweifend zu charakterisieren.

Und es gibt sie doch!

Im Gesamtfazit halte ich für mich fest, dass die 3 bis jetzt gelesenen Bücher der Smoky Barrett- Reihe von Cody McFadyen solide Unterhaltung darstellen, mehr aber auch nicht. Sie sind spannend geschrieben und man will wissen, wie es ausgeht. Zwischendrin stört manch aus- beziehungsweise abschweifende Passage den Lesefluss. Die Grausamkeiten die McFadyen in diesen Büchern thematisiert sind teilweise hart an der Grenze des Ertragbaren und man will es so eigentlich nicht lesen, denn wer mit offenen Augen Nachrichten schaut, der weiß, dass es in der Realität meist noch schlimmer zugeht und will dann nicht auch noch zum Vergnügen so etwas serviert bekommen. Doch mit Ausnahme vom 1.Teil hält er sich mit solchen Beschreibungen angenehm zurück, so dass das Vorantreiben der Geschichte und das Aufdecken des Bösewichts im Vordergrund stehen. Die Auflösungen der jeweiligen Fälle werden dann aber nicht so gut herbeigeführt. Meist hat man das Gefühl, dass die FBI-Agenten gar nichts zur Auflösung des Falles beitragen, sondern mehr von den Tätern selbst zum Jackpot geführt werden und das sogar weil die das wollen. Das verhagelte mir besonders beim 4.Band die Freude am gesamten Buch.

Als Fazit würde ich sagen, dass diejenigen, die auf etwas härtere Krimikost ohne Anspruch stehen ihre wahre Freude an den Büchern haben werden. Alle anderen sollten die Finger davon lassen. Ich persönlich werde wohl kein weiteres Buch dieser Reihe mehr lesen, weil mir das alles irgendwie zu billig gemacht ist und naja, dann doch zu fad ist, um meine Lesezeit damit zu „vergeuden“ (auch wenn das jetzt nach einem härteren Urteil klingt als das, was ich vorher geschrieben habe).

 

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