[Rezension]: Anke Schipp – Hunger, Pipi, Durst – Eine Chaosfamilie macht Urlaub

Hunger Pipi DurstIch bin an dieser Stelle mal so frei und gebe ein paar Fakten von Anke Schipp wieder, die ich auf der Seite der FAZ gefunden habe, für die sie seit 2001 in dem Ressort Leben tätig ist. Sie wurde 1966 in Mainz geboren und studierte Germanistik, Theater-, Film und Fernsehwissenschaft und auch Geschichte in Gießen und Frankfurt. Während des Studiums war sie als freie Mitarbeiterin beim Hessischen Rundfunkt tätig. Über ein Journalistikaufbaustudium von 1994 bis 1996 in Mainz kam sie zuerst als Redakteurin zur Rhein-Main-Zeitung, ehe sie 2001 zur Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wechselte, für die sie in dem schon erwähnten Ressort hauptsächlich über Modethemen berichtet. Das vorliegende Büchlein ist eine Art Reportage über einen 15-tägigen Urlaub, den sie mit ihrem Mann und ihrer zu diesem Zeitpunkt 5-jährigen Tochter unternommen hat.

Der ganz normale Ferienwahnsinn
 
Das Buch beinhaltet den ganz normalen Wahnsinn, den jede Familie befällt, die in den Sommermonaten in den Urlaub fahren will. Anke Schipp beschreibt darin einzelne Momentaufnahmen aus einem Urlaub, den sie mir ihrer Familie an der Nordsee verbracht hat. Die Themen drehen sich dabei um den unvermeidlichen Stau, in den man schon auf der Anreise gerät, um das liebe und auch nervige Kind (man sollte es nicht verschweigen), um den Partner, der sich keinen Kopf um die jeweilige Tagesplanung macht, um Urlaubsbekanntschaften, die man unbedingt vermeiden will und die sich dann doch als nett herausstellen, ein Urlaubsdomizil, in das man unter normalen Umständen keinen Fuß setzen würde und und und. Diese Liste kann man beliebig fortsetzen und Anke Schipp und ihre Familie geben wirklich alles, um so viele kleine Fettnäpfchen wie irgend möglich in Angriff zu nehmen, um dann mit voller Wucht hinein zu springen.

 

Auf dieses Buch bin ich, wie ich in meiner Urlaubsleseankündigung schon andeutete, über einen Artikel in der FAZ aufmerksam geworden. Dieser stellt eine Leseprobe aus dem Buch dar (das 1.Kapitel wird in dem Artikel wieder gegeben) und ich dachte mir an dieser Stelle, dass muss ich unbedingt lesen, denn der Humor und auch die realistische Beschreibung der Situation um die Anreise (bis auf die Sache mit der abgeschnittenen Plastikflasche – Leute, die das Buch gelesen haben oder lesen werden, verstehen, was ich meine) haben mich sofort begeistert und ich wollte wissen, was für Situationen die Schipps in ihrem Urlaub noch so zu meistern hatten. Dabei kamen gar nicht die absurden Situationen zum Vorschein, die ich ursprünglich erwartete, sondern der ganz normale Ferienalltag, den jede Familie kennen sollte und der mir so nur noch im Bewusstsein ist, als ich selber Kind und Jugendlicher war. In diesem Sinne betrete ich in den nächsten Jahren auch Neuland und muss mich mit der Situation auseinandersetzen, mit Kind und Kegel in den Urlaub zu fahren, statt selber von meinen Eltern durch die Gegend gescheucht zu werden. Der jetzige Urlaub war zwar auch anstrengend, aber in Hinsicht auf die Anforderungen, die das Kind selbst an seine Eltern stellt noch relativ entspannt. Das ist Familie Schipp schon auf einer anderen Ebene, auf die sich die Episoden bewegen. Die meisten Probleme, die auftauchen, werden entweder vom Mann oder von ihrer Tochter verursacht und verhindern dadurch einen entspannten Urlaub für Frau Schipp beziehungsweise (und das ist jetzt die Männersicht) finde ich, dass sie sich an manchen Stellen einfach zu viele Gedanken macht und die Sachen nicht einfach mal laufen lässt. Dabei beschreibt sie die Situationen so normal wie möglich, ohne blumige Vergleiche anzustellen, womit sich wahrscheinlich jeder identifizieren kann und auch wiedererkennt. Ich fand das für die Thematik passend und gerade das Anke Schipp fast ohne Übertreibungen auskommt, macht es zu einer realistischen Reportage (ob Namen und andere Angaben stimmen sei mal dahin gestellt) über ein Thema, welches viele Familien beschäftigt, die in den Sommerurlaub fahren.

In einem anderen Blog (siehe hier) wird gesagt, dass wahrscheinlich nur Frauen zu diesem Buch greifen werden, da Männer mit diesem Thema nichts anfangen können. Auf einer gewissen Art und Weise kann ich diese Aussage nach dem Lesen von diesem Büchlein nachvollziehen, da viele Dinge, die angesprochen werden, aus Frauensicht beschrieben sind. Doch genau das war für mich das interessante daran, weil man als Mann einen Einblick in die Gedankenwelt einer Frau im Urlaubsfieber bekommt und dadurch vielleicht für zukünftige Reisen ein paar Fettnäpfchen umgehen kann.

Dieses Buch kann ich jedem ans Herz legen, der selber Kinder hat und entweder schon Urlaubserfahrungen mit diesen durch hat oder noch die noch vor einem liegen. Die Episoden sind aus dem Leben gegriffen und werden ungeschminkt und sehr realitätsnah dargestellt, so dass man sich selber darin wieder finden kann. Die Sprache, der sich Anke Schipp bedient, ist der Alltagssprache entlehnt und bietet jede Menge Witz ohne dabei zu übertreiben.

 

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