[Rezension]: Susanna Tamaro – Mein Herz ruft deinen Namen

Susanna-Tamaro-624x1024An dieser Stelle einmal wieder vielen Dank an die Bibliophilin für die Bereitstellung dieses Buches zur Rezension. Dieser Beitrag ist auf Ihrer Seite zuerst erschienen und nun gibt es meine Eindrücke zu dem oben genannten Buch auch auf diesem Blog zu lesen (mit einer kleinen Abänderung im Fazit zwecks einer Wortdopplung, die mir nicht gefiel) und ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre.

Philosophische Melancholie

Susanne Tamaro ist eine italienische Schriftstellerin, die mir bisher völlig unbekannt war und mit dem Roman „Geh wohin dein Herz dich trägt“ weltweit erfolgreich wurde. Ich sehe es mir selber mal nach, dass ich zu der Zeit, als das Buch erschien, mit Literatur nichts am Hut hatte und so ein Welterfolg meinen Horizont nicht berührte. Frau Tamaro lebt und arbeitet derzeit in Rom und Orvieto und hat mehrere Romane und Kinderbücher veröffentlicht. Mit „Mein Herz ruft deinen Namen“ liegt nun die (fast) taufrische deutsche Übersetzung ihres 2011 in Italien erschienen Werks vor.

Am Anfang des Buches lernen wir einen Mann namens Matteo kennen, der sich gänzlich aus dem normalen Leben zurückgezogen hat und als Einsiedler auf einem namenlosen Berg lebt. Immer mal wieder kommen entweder zufällig oder aus freiem Willen Menschen an seiner Hütte vorbei und verweilen ein wenig. Die meisten sind irritiert ob seiner offenen Art und das er keine Gegenleistungen verlangt für seine Getränke und Speisen, die er seinen Gästen anbietet. Wir haben es anscheinend mit einem Menschen zu tun, der viel in seinem Leben erlebt hat, der in sich ruht und den nichts mehr aus der Fassung bringen kann. Die Frage, die sich schon in den ersten Zeilen stellt, ist die, was das Leben mit ihm angerichtet hat, die so eine Gelassenheit herbeiführt. Die Beantwortung füllt den restlichen Roman aus. Wir erfahren, dass er eine Frau namens Nora hatte und mit ihr einen Sohn. Doch warum wirkt er so melancholisch, wenn er sich in Briefform an sie wendet? Was ist in der Vergangenheit geschehen, dass ihn so hat werden lassen, wie er den Menschen im hier und jetzt entgegentritt? Und was bringt einen Menschen dazu, die Einsamkeit zu suchen? Hat er etwas zu verbergen oder flieht er vor etwas? Die Beantwortung dieser Fragen geben erschreckende Einblicke in das Leben von Matteo, der zweimal in einen schrecklichen Abgrund ohne erkennbaren Boden zu stürzen drohte.

 
„Wir alle haben eine Definition, die uns erlaubt zu leben, und diese Definition ist unser Floß, dank dessen wir im Sturm der Tage nicht untergehen und ohne wahnsinnig zu werden bis zur Mündung gelangen.“

 
Durch die Empfehlung von Dorota bin ich zu diesem Buch gekommen und ohne sie wäre ich nie im Leben auf diese Autorin aufmerksam geworden, da ich um diese Art von Büchern bisher einen riesengroßen Bogen gemacht habe. Doch als sie mir das Buch empfahl hat mich die Leseprobe gleich so gepackt, dass ich wissen wollte, was diesen Mann in seinem Leben so bewegt hat, dass er die Einsamkeit gesucht und sich mit ihr arrangiert hat. Aus diesem Grund bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe zugesagt, dass Buch zu lesen und zu rezensieren. Angeboten hat sie es mir als eine gefühlvolle Geschichte, was eigentlich nur der halben Wahrheit entspricht, denn eigentlich bekommt man eine Lebensgeschichte von einem Mann erzählt, der so viel hat einstecken müssen, dass man daran nur zerbrechen kann, was er auch beinahe macht. Doch er findet seinen Rettungsanker und wirft ihn auch in der rauen See seines Lebens aus, um endlich zur Ruhe zu kommen. Die Sprache, die in der deutschen Übersetzung verwendet wird, ist eine weiche, die für mich darstellt, dass der Erzähler oder Briefeschreiber eine Läuterung durch gemacht hat durch das, was in seinem Leben passiert ist. Da wir Menschen allem einen Sinn geben wollen, indem wir in jedem Schicksalsschlag auch eine Chance sehen beziehungsweise ein Zeichen, bekommt der Roman auch einen philosophischen Überbau, der jeden Menschen ansprechen sollte, der ein Herz besitzt und sich Zeit nimmt, über sein Leben nachzudenken. Das ist für mich eine der größten Stärken dieses Romans, da es einen jeden einzelnen auch passieren kann, dass das Schicksal Karussell fährt, nur das eben die Situationen die jeder zu meistern hat, nicht diese Dimension annehmen muss, wie in dem Buch beschrieben (aber auch die ist nicht so unrealistisch). Es gab eigentlich keine langweiligen Passagen, durch die man sich durchbeißen musste. Man leidet mit Matteo mit, wenn seinem Leben die Wendung aufgezwungen wird, die ihn zu dem hat werden lassen, der er im hier und jetzt ist. Durch die Thematik ist es aber auch keine leichte Lektüre für zwischendurch, denn die Melancholie, die in diesem Buch anschlägt, kann einen an einem schlechten Tag schon mal aus der Bahn werfen und man sollte sich bei der Lektüre gewiss sein, dass man einen heiteren Ausgleich für danach findet.

Als Fazit für mich ziehe ich, dass dieses Buch kein heiteres Vergnügen darstellt, denn es beschreibt das pure Leben, aber eben von seiner dunkleren Seite. Auf seine Art und Weiße hat es Spaß gemacht es zu lesen, denn es gefiel mir gerade auf der sprachlichen Ebene sehr gut und ich würde es jedem weiter empfehlen, der mit Thematiken umzugehen weiß, die einem danach etwas schwerer im Magen liegen bleiben.

 
P.S.: Ein passenderes Cover hätte man für dieses Buch gar nicht wählen können.
 

2 Kommentare zu „[Rezension]: Susanna Tamaro – Mein Herz ruft deinen Namen

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