[Rezension]: Jules Verne – Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde Kopie

Tiefer immer tiefer

Jules Verne ist ein französischer Autor des 19./20.Jahrhunderts, dessen bekannteste Werke „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“, „Reise um die Erde in 80 Tagen“ und das vorliegende, welches zu seinem Frühwerk zu zählen ist. Mehr könnte ich aus dem Stehgreif, wenn ich danach gefragt würde, was Jules Verne für Bücher geschrieben hat, nicht aufzählen, was hoffentlich keine Schande ist. Dieses Buch bekam ich eher durch Zufall in die Finger (wie auch „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“), da beide durch meine bessere Hälfte in unser gemeinsames Buchrepertoire eingegangen sind. Da ich immer mal wieder einen leisen Hintergedanken hegte, Jules Verne zu lesen, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und begab mich hinab in die finstersten Gänge, die der Yokul am Sneffels zu bieten hat.

Professor Otto Lidenbrock und sein Neffe Axel wohnen zusammen mit der Haushälterin Marthe in Hamburg. Otto Lidenbrock unterrichtet in dem Fach Mineralogie und bringt eines Tages ein altes isländiches Buch aus dem 12.Jahrhundert nach Hause, welches er so eben erworben hat und seinem Neffen vorstellen will. In diesem Buch befindet sich ein Pergament, welches zufällig zu Boden gleitet und in dem sich eine geheime Botschaft in Runenschrift befindet, die von einem gewissen Arne Saknussem, ein isländischer Alchimist des 16.Jahrhunderts, geschrieben wurde. Nach einem langen Hin und Her, den Text zu entschlüsseln, fällt die Lösung dem Neffen Axel eher per Zufall vor die Füße und die Botschaft lautet wie folgt:

„Steige hinab in den Krater des Yokul am Sneffels, auf den der Schatte des Scartaris kurz vor dem Kalenden des Juli fällt, kühner Reisender, und Du wirst zum Mittelpunkt der Erde gelangen. Was ich getan habe. Arne Saknussem.“

Zuerst will Axel verhindern, dass Otto Lidenbrock erfährt, was der Text besagt, aber nachdem dieser allen verbietet, dass Haus zu verlassen und der Hunger bei Axel übermächtig wird, weiht er seinen Onkel in das Geheimnis der Botschaft ein. Lidenbrock ist sofort elektrisiert und befiehlt seinem Neffen die Koffer zu packen, denn sie werden das tun, was Axel befürchtet hatte: zum Yokul aufbrechen und eine Reise zum Mittelpunkt der Erde unternehmen. Mit allen Vorbereitungen und Beschaffung der Nötigen Instrumente und der Verpflegung für die Reise ging es einige Tage später auch los. In Island angekommen wurde den Beiden ein Begleiter namens Hans zur Seite gestellt, der sich während der Reise als treuer Gefährte der Beiden erweisen sollte. Die Abenteuer und Gefahren, die den Dreien nun bevorstehen, hat, außer vielleicht Arne Saknussem, noch kein Mensch durchstehen müssen und wird sie an die Grenze dessen bringen, zu was der Mensch imstande ist zu leisten.


Dieses Buch, Mitte des 19.Jahrhunderts geschrieben und erschienen, ist eine reine Abenteuerreise, die keinen großen literarischen Anspruch mit sich bringt. Sie will unterhalten und Spannung erzeugen, was sie in meinen Augen leider nur bedingt schafft, was an der Grundvoraussetzung liegt, dass nur 3 Menschen die Reise in Untergrund antreten und das in Tagebuchform so verfasst ist, dass zumindest der Autor (Axel) die Reise unbeschadet überstehen wird. Würden Otto Lidenbrock oder Hans in der Erde zurückbleiben? Daran hatte ich meine Zweifel.
Sprachlich war das Buch auf einem relativ einfachen Niveau gehalten, so dass man eigentlich alles verstand und die Fachbegriffe, wie zum Beispiel Maßeinheiten, wurden entweder mit Fußnoten oder innerhalb des Textes erklärt. Es ist nur stellenweise etwas sperrig und ungewohnt zu lesen.
Von den Personen blieben einem somit auch nur 3, mit denen man sich identifizieren konnte. Davon war Otto Lidenbrock ein energischer Besserwisser und Rechthaber, der zu allem eine eigene Meinung hat und (leider) auch (fast) immer recht behält mit dem, was er behauptet, was ihn in meinen Augen ein wenig unsympathisch erscheinen lässt. Dann haben wir noch Hans, von dem wir so gut wie nichts erfahren, da der Kniff angewendet wird, dass er nur Isländisch spricht und die wenigen Sachen, die er zu sagen hat, mit Otto Lidenbrock in eben dieser Sprache bespricht, so dass man von ihm kein klares Bild bekommt. Er macht die Reise mit, weil er dafür bezahlt wird, aber andere Motivationen kann man nicht erkennen. Dafür hilft er den beiden Hauptprotagonisten immer mal wieder aus der Patsche. Bleibt noch der gute Axel, der eigentlich so gut wie gar keine Lust hat auf diese Reise und zu Beginn und selbst als sie schon unter der Erde sind, immer wieder versucht, seinem Onkel das Ganze auszureden, was ihm natürlich nicht gelingt. Da er als Autor des Tagebuches meist seine Sichtweisen übermitteln kann, fällt eine Identifikation mit ihm am leichtesten. Leider hat er den Makel, dass er zwar versucht seinem Onkel immer mal wieder zaghaft zu widersprechen, aber niemals so richtig widersetzt und alles mitmacht, was von seinem Onkel vorgegeben wird (auch aufgrund seiner schlüssigen, schlaumeierischen Erklärungen), was ihn ein wenig zu einem Duckmäuser macht. Alleine mit den Charakterisierungen seiner Figuren macht es sich Jules Verne zu einfach, was sich in der Entwicklung der Geschichte und dem Spannungsaufbau fortsetzt. Die einzige Frage ist ja, ob sie den Mittelpunkt der Erde erreichen und wenn ja, wie sie wieder zurück kommen. Dabei lässt er sie mehr oder minder mit Zufällen versehen in Gefahrensituationen stolpern, aus denen sie eigentlich nur mit Dusel oder durch das Geschick von Hans wieder heraus kommen. Man macht sich während des Lesens eigentlich nie Sorgen um alle drei.

Insgesamt finde ich, dass es eine leicht zu verdauende Lektüre ist, die extrem aus der Zeit gefallen ist und an manchen Stellen sperrig anmutet (gerade bei den Maßeinheiten und manchen Gerätschaften, die vorgestellt werden). Die Geschichte lässt sich trotzdem leicht lesen und macht stellenweise sogar Spaß, doch manchmal ist sie auch unfreiwillig komisch. Sie wird wohl diejenigen am meisten ansprechen, die alte Abenteuerliteratur mögen, in denen es noch recht einfach zugeht. Doch genau das ist es, was mich insgesamt an diesem Buch stört, denn die Charaktere und die Entwicklung der Geschichte waren für mich zu einfach beziehungsweise zu vorhersehbar, was den Lesegenuss für mich ein wenig gemildert hat. Der Grundgedanke an sich ist interessant und bietet genug Stoff, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen, was Jules Verne auch gemacht hat. Wie schon gesagt, für Liebhaber von Abenteuerliteratur bestens geeignet und ebenso zum Vorlesen für die (schon etwas älteren) eigenen Kinder.

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