[Rezension]: Pedro G. Ferreira – Die perfekte Theorie

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Philosophie und Physik werden eins – Die größte gedankliche Meisterleistung der Menschheit

Auch wenn ich mit diesen Worten vielleicht ein wenig zu hoch greife, so finde ich doch, dass diese unfassbare Relativitätstheorie eines der größten Meisterleistungen menschlichen Denkens ist, die je zu Papier gebracht wurde. Selbst heute verzweifeln oder erfreuen sich Studenten, Gelehrte und Professoren an dieser Theorie, die vor knapp 100 Jahren von Albert Einstein erdacht wurde und die durch vielfältige Tests und Nachweise bestätigt wurde. Pedro G. Ferreira, seinerseits selber in der Relativitätsforschung tätig und begeisterter Anhänger dieser Theorie hat nun eine Biographie dieser Relativitätstheorie heraus gebracht, die ihre Entstehung und vor allem ihre Weiterentwicklung näher betrachtet.

Physik, Mathematik oder Astronomie war für viele sicher ein rotes Tuch in der Schule und die meisten haben sich damit bestimmt auch nicht weiter beschäftigt, als sie eine Ausbildung gemacht haben oder zur Uni gingen. Mir haben diese Fächer immer zugesagt und mich in den Ingenieurberuf geführt und auch die Relativitätstheorie und ihre ganzen Ableger, die sich mittlerweile in der Astronomie und anderswo tummeln, um mehr über die Anfänge unseres Universums zu erfahren, haben es mir immer wieder angetan und gelegentlich lese ich auch gerne ein Buch darüber. Es muss ja nicht mit Formeln und abstrakten Herleitungen gefüllt sein, sondern soll zum Nachdenken anregen, über unser Dasein und wie unsere Welt und das schwarze Etwas über unseren Köpfen funktioniert. Diese Voraussetzungen haben mich zu diesem Buch geführt, was eine Art Biographie der allgemeinen Relativitätstheorie darstellt, die Albert Einstein 1915 veröffentlichte und das Ganze, bis dahin existierende physikalische Verständnis, welches auf die Mechanik von Newton zurück zu führen ist, in Frage stellte beziehungsweise in einem Maß erweiterte, wie es die wenigsten Menschen zur damaligen Zeit erfassen konnten. Vor allem finde ich faszinierend, dass er sich diese Theorie allein durch Gedankenexperimente herleitete und zu Papier brachte. Erste Bestätigungen konnten erst im Jahre 1919 vorgenommen werden, als eine Sonnenfinsternis die Erkenntnis brachte, dass das Licht, welches ein Himmelsobjekt abstrahlt, durch die Gravitation von Planeten und Sternen, abgelenkt wird.

Sicher haben ein paar Physik- und Astronomieinteressierte in den Nachrichten Mitte März ein bedeutendes Ereignis erfassen können, dass ein nächster Schritt zur Vereinheitlichung der Quanten- und Relativitätstheorie sein könnte und einen Blick in die Anfänge unseres Universums erlaubt. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Sachbuch erscheint und manche Aussagen, die in diesem Buch getroffen werden, von der Aktualität der Ereignisse bestätigt oder widerlegt werden. In diesem Fall möchte ich ein Zitat aus dem Buch wiedergeben:

„Aber es besteht das unerschütterliche Vertrauen, dass es die Wellen da draußen wirklich gibt. Einsteins Theorie sagt ihre Existenz voraus, und wenigstens indirekt wurden sie bereits durch den sanften, aber stetigen Schwund der Umlaufbahn des Millisekunden-Pulsars nachgewiesen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Gravitationswellen sichtbar gemacht werden, und dann wird ein Forschungsgebiet, das mit Webers großer Sensation begann, mit einem Flüstern enden: dem Flüstern der flirrenden Raumzeit, während sie die Erde durchläuft.“

und dann auf den folgenden Link verweisen, den ich im Netz gefunden habe (siehe hier) und der das Phänomen in meinen Augen am besten beschreibt. Als ich das Buch vor ein paar Tagen gelesen habe, kamen mir gleich die Neuigkeiten in den Sinn, die über die im Buch beschriebenen Gravitationswellen berichteten und die in diesem Buch ein ungelöstes Rätsel bleiben – so schnell kann es gehen.
Diese Biographie der Relativitätstheorie geht relativ chronologisch vor und man kann am Anfang noch gut folgen. Es werden Dinge genannt, die, so finde ich, zum allgemeinen Wissen der Menschheit geworden sind. Man muss nicht wissen, wie diese Theorie im Speziellen aufgebaut ist (und glaubt mir – im Buch ist von nichtlinearen, partiellen Differentialgleichungen die Rede – da würde selbst so manchem Mathematikstudent der Kopf rauchen), um zu verstehen, wie sie funktioniert. Vieles kann durch Beschreibungen und kleine Beispiele erklärt werden und wird dadurch auch verständlich. Doch desto weiter die Biographie in die Entwicklung von Einsteins Theorie vordringt, umso unübersichtlicher wird es im Buch. Immer mehr Personen bringen Ideen ein, wie man die Gleichungen anwenden kann. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts kristallisieren sich nach und nach zwei essentielle Dinge heraus, die mittels der Relativitätstheorie beleuchtet werden können und erklärbar sind. Zum einen wird immer deutlicher, dass unser Universum, wie wir es kennen, einen Anfang hat und diesen können wir mittels der Relativitätstheorie und den angeschlossenen Beobachtungen ermitteln und „beobachten“. Und zum zweiten die Vereinbarkeit der Quantentheorie mit der allgemeinen Relativitätstheorie zur sogenannten Quantengravitation. Beide Schlachtfelder können mit den weiter oben erwähnten Gravitationswellen neue Impulse erhalten, worauf Ferreira in seinem Buch auch hinweist und damit ist die Relativitätstheorie so aktuell wie nie.
Diejenigen, für die die oben genannten Fächer ein rotes Tuch sind, sollten dieses Buch mit Vorsicht genießen. Es ist zwar alles gut und verständlich vom Autor erklärt, aber teilweise sind die Ideen so abstrakt, dass sie das eigene Vorstellungsvermögen, auch das meinige, ganz schön fordert und auch an ihre Grenzen bringt. Ich für meinen Teil fand es ganz interessant zu sehen, wer alles in dem Süppchen über die Jahre mitgekocht hat und es sind mir auch einige bekannte Namen unter die Augen gekommen, die ich von meinem Studium her mit ihren Leistungen noch kannte (die nicht unbedingt mit der Relativitätstheorie zu tun hatten). Der ersten Hälfte des Buches konnte ich deshalb auch noch relativ gut folgen und mir das meiste vorstellen. Doch als es zu den Errungenschaften kam, die im letzten Drittel des 20.Jahrhunderts und zu Beginn des 21. in der Erforschung der Relativitätstheorie eine Rolle spielten, bin ich nicht mehr so gut mitgekommen und es wird auf jeden Fall mehrere Leseanläufe benötigen, um davon das Meiste zu erfassen. Zu viele Namen mit zu vielen Ideen haben bei mir den Lesefluss und das Verständnis für das Gelesene erheblich verlangsamt, da mit zunehmender Zeit seit Einführung der Relativitätstheorie die Quer- und Rückverweise natürlich zunehmen.

Insgesamt liest sich das Buch aber recht locker weg, auch wenn ich der Meinung bin, dass es mit gewissen Vorkenntnissen leichter fällt, in dieses Buch zu finden und es zu genießen. Die Sprache ist nicht zu theoriegeschwängert, so dass man trotzdem auch ohne jedwede Vorkenntnis einfach in dieses Buch kommen kann. Ich empfehle es aber auch denjenigen, die Interesse an der Geschichte der Relativitätstheorie haben, denn diese ist spannend und birgt viel Potential zum Nachdenken, womit ich auch den Bogen zu meiner Überschrift schlagen möchte, denn wo, wenn nicht in der Relativitätstheorie und ihrer Erforschung unseres Universums, kann so vortrefflich über unser Sein und unsere Welt philosophiert und gestritten werden.

Vielen Dank an dieser Stelle an den C.H.Beck Verlag für die Bereitstellung des Rezensionexemplars und gesondert an Frau Liegel, dass es trotz Verzögerung doch noch mit der Zustellung geklappt hat.

Weitere Besprechungen zu diesem Buch findet ihr bei:
Böx Bücherblog

4 Kommentare zu „[Rezension]: Pedro G. Ferreira – Die perfekte Theorie

Gib deinen ab

  1. Vielen Dank für deine ausführliche Besprechung und den link zu den Gravitationswellen! So hat man gleich einen praktischen Bezug zu einem Anwendungsgebiet der Relativitätstheorie. Das Buch liegt mittlerweile ganz oben in meinem Stapel. Das Thema ist jedenfalls spannend genug, um sich auch durch schwierigere Kapitel durchzukämpfen.

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    1. Ich hoffe, du hast beim Lesen auch soviel Spaß, wie ich und man kämpft sich wirklich durch die schwierigeren Kapitel, wobei die eher unübersichtlich sind (Querverweise), als schwer zu verstehen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie du dieses Buch empfinden wirst.
      Liebe Grüße und danke für den lieben Kommentar.

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  2. Deine Besprechung kannte ich bisher gar nicht. Aber schön zu sehen, dass dir das Buch auch gefallen hat. Witzig fand ich, dass wir das Buch beide vor demselben Hintergrund fotografiert haben :-D

    Gefällt 1 Person

    1. Es war ein sehr interessantes Buch. Da ich mit Physik sowieso ein bisschen was anfangen kann und die Relativitätstheorie mit seinen abstrakten Ideen auch gefällt, war der Einstieg in das Buch leicht. Sehr interessant fand ich vor allem, wie weitgefächert die Theorie angewandt wurde und immer noch wird.
      Grüße
      Marc

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