[Rezension]: Elmore Leonard – Road Dogs

Eine Pulp Fiction Variation

„Als sie draußen waren, knöpfte sich der Kubaner Foley vor.
‚Hast du mich gerade einen schmierigen Kubaner genannt?‘
Knallhart jetzt, der Zwerg.
Foley sagte: ‚Wenn du dich nicht mit den Brüdern anlegen willst, stellst du dich am besten genau so blöd, wie die tatsächlich sind, dann finden sie dich lustig. Hast du gehört, wie die gelacht haben? Und die lachen nicht oft. Das verstößt gegen ihren Verhaltenskodex.‘
So kam es, dass Foley und Cundo Freunde wurden.“

So möchte ich die Besprechung für dieses Buch namens Road Dogs einleiten, indem es um Freundschaft und Verrat geht, um Verbrechen und die Leute, die diese begehen.
Wie in dem Zitat angedeutet, werden die titelgebenden Road Dogs Jack Foley und der Kubaner Cundo Freunde unter besonderen Umständen. Sie sind beide inhaftiert. Der eine, Cundo, wegen Totschlags und Jack wegen Banküberfällen. Jack hat es dabei besonders hart erwischt, denn er bekam die Höchststrafe von 30 Jahren aufgebrummt, um an ihm eine Exempel zu statuieren und weil ein FBI- Beamter namens Lou Adams eine Aussage getätigt hat, laut der Foley an die 200 Banken überfallen haben soll. Da Cundo Jack gerne hat und ihn im Gefängnis auch braucht, um über die Runden zu kommen, stellt er den Kontakt zu seiner Anwältin her, die sein Strafmaß erheblich zu reduzieren weiß, indem sie den vorangegangenen Prozeß wieder aufrollt und einige Unstimmigkeiten an den Tag legt und natürlich so einige Tricks auf Lager hat. Somit kommt Jack Foley sogar noch vor Cundo frei und wird von ihm dazu eingeladen, bis er wieder auf freiem Fuß ist, bei ihm in LA einzuziehen und ein Auge auf seine Frau Dawn zu haben, die Cundo zwar abgöttig liebt, ihr aber auch aufs äußerste misstraut.
Als Jack seine Haftstrafe abgesessen hat, kommt der schon genannte FBI- Agent Lou Adams mit der Drohung auf ihn zu, dass er ihn auf Schritt und Tritt beobachten wird, denn er weiß, dass Jack nichts anders kann und irgendwann wieder eine Bank überfallen wird. Mit dieser Warnung im Gepäck begibt sich Jack nach LA, wo er auf Dawn trifft und sich sofort in sie verguckt. Da sie sich als Medium sieht und vermeintlich Gedanken lesen kann, begreift sie die Situation als Chance, um ihren Mann Cundo endlich loszuwerden und den ganzen Reichtum, den er sich aufgebaut hat, für sich zu besitzen. Dabei hofft sie auf Jacks Hilfe, die er anfangs auch bereit ist zu geben. Doch er überlegt es sich anders, als Cundo endlich auch auf freien Füßen ist. Daraus entsteht eine explosive Mischung, denn Dawn wartet nun schon 8 Jahre darauf, Cundo alles abzujagen, was er besitzt und da sie auf Jacks Hilfe nicht bauen kann, versucht sie die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und ist bereit bis zum Äußersten vorzugehen.

Dieses Buch von Elmore Leonard, der letztes Jahr im August im Alter von 77 Jahren gestorben ist, hatte ich schon etwas länger auf dem Zettel. Ich war auf einen kleinen fiesen Krimi gefasst und habe etwas bekommen, was ich nicht so recht einordnen kann. Es haben zwar Gangster, Bankräuber und FBI- Agenten mitgespielt, doch irgendwie fühlte sich alles seltsam an. Zum einen, weil mit Dawn eine Person eingeführt wurde, bei der ich ständig das Gesicht von Cameron Diaz vor Augen hatte. Sie würde perfekt in diese Rolle passen und Leonard hat sich wahrscheinlich von ihrem Aussehen für diese Figur inspirieren lassen. Die anderen Gründe sind, dass es hier immer eine Spur zu lässig zuging, bis auf Foley keine sympathische Figur zugegen war und im Verlauf der Geschichte immer noch eins drauf gesetzt wurde, bei dem ich mir dachte, was das nun wieder soll und nur den Impuls in mir auslöste, die ganze Zeit mit dem Kopf zu schütteln.
Die gesamte Geschichte war unausgewogen und es war kein roter Faden erkennbar. Es lässt einen alles kalt, was auf dem Papier vor sich geht und man fiebert mit keiner der Hauptfiguren so richtig mit, da bis auf Dawn keiner eine Motivation erkennen lässt, warum sie tun, was sie tun. Es plätschert alles so dahin, es werden lässige Sachen gesagt oder getan und es werden ein paar Leute umgebracht, einfach, weil jemand anderes das so will. Es passte mir persönlich hinten und vorne nicht. Das man sich durch das Buch nicht durchkämpfen musste, lag ganz eindeutig an der prägnanten Sprache Leonards, die wunderbar von Conny Lösch und Kirsten Riesselmann ins Deutsche übertragen wurde. Sie bewahrt einen davor, das Buch vorzeitig beiseite zu legen und es lässt sich relativ schnell weg lesen, damit man sich danach besseren Stoffen zuwenden kann.
Insgesamt ein Buch, dass man liest und schnell wieder vergisst. Ich fand es belanglos und es hat mir wenigstens einen Punkt aufgezeigt – um den Schriftsteller Elmore Leonard werde ich  in nächster Zeit einen größeren Bogen machen.

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