[Notiz]: Longlist. Shortlist. Alles Mist? – Gedanken zur Listengestaltung oder wie sie den gemeinen Buchkäufer beeinflusst

Jedes Jahr wieder kommt es im Frühjahr und, wie jetzt zum kommenden Herbst, eine heiße Diskussion um Nominierungen, die ganz viele Literaturblogs beschäftigen. Wer wissen will, wer auf dieser Liste steht, kann das auf der offiziellen Seite des Deutschen Buchpreises nachlesen.
Die vielfältigen Diskussionen, die diese Nominierung nach sich zog, kann man zum Beispiel in den Blogs buzzaldrins, SchöneSeiten, Klappentexterin, Literaturen und vielen anderen nachlesen. Das die Meinung dabei ganz schön differiert ist dabei fast schon selbstverständlich, denn alle Meinungen unter einen Hut zu bringen, ist fast unmöglich. Ebenfalls heiß diskutiert wird die Liste im Feuilleton (zum Beispiel bei der FAZ und dem Tagesspiegel). Dabei sticht in den Blogs und den Feuilletonbeiträgen vor allem hervor, dass junge weibliche Autoren ebenso fehlen wie die unabhängigen Verlage. Das in so einer Liste jeder auch seine Interessenlage vertreten sehen will, kann ich zwar ein stückweit verstehen, doch sollte man sich entspannt zurück lehnen und einfach die Tatsache genießen, dass wenigstens zweimal im Jahr über das gute alte Buch diskutiert wird. Was ist denn weiter passiert, als das ein paar Experten aus über 150 Büchern 20 ausgewählt haben, die diese als die Besten erachten? In meinen Augen nichts besonderes. Der deutsche Buchpreis (und auch der Preis zur Leipziger Buchmesse) ist doch im erweiterten Sinne ein verkaufsförderndes Argument und dann erst eine Bepreisung eines sicher guten, aber doch nicht des besten Buches eines Jahrgangs. Dazu sind die Geschmäcker doch zu sehr verschieden, als das man jeden damit zufrieden stellen könnte. Was der eine als das beste Buch ansieht ist für den anderen der größte Quatsch auf Erden, der nur künstlerischen, aber nicht unterhaltsamen Ansprüchen genügt. So erging es mir zum Beispiel mit „Der Turm“ von Uwe Tellkamp, der den Preis 2008 gewonnen hat. Sicher ein künstlerisch sehr anspruchsvolles Buch, welches mich stellenweise auch bewegt hat, mir aber in der Summe zu anstrengend war, um es als Lesegenuss anzusehen.
Für mich persönlich ist die Longlist der geeignete Zeitpunkt wieder ein paar Bücher auf die Warteliste zu setzen, die ich ohne vielleicht nicht auf meinen Schirm bekommen hätte. Doch wichtig ist mir das nicht. Die meisten Literaturtipps hole ich mir seit einiger Zeit sowieso aus den Besprechungen in den Blogs und liege da meist gut bis sehr gut, wenn man seinen Geschmack in den entsprechenden Blogs gefunden hat und mit den jeweiligen Besprechungen zurechtkommt. Seit ich diesen Blog betreibe setze ich mich nun etwas konkreter mit Buchpreisen und dabei eben speziell mit dem Deutschen Buchpreis auseinander. Dabei fällt mir vor allem an mir persönlich auf, dass ein gewisses Interesse an den nominierten Titeln in der Zeit bis zur Buchmesse aufflammt, aber dann wieder extrem nachlässt und ich meine Wunschliste danach eher wieder durch die Besprechungen in den Blogs erweitere. Dabei stellt sich mir die Frage, wie man die Liste im Allgemeinen bewerten sollte. Sind sie nicht eigentlich ein Instrument, welches durch die Blogger ad absurdum geführt wird? Gibt es zu viele von solchen Preisen oder sollten es eher noch mehr werden, um noch mehr Autoren und auch den unabhängigen Verlagen mehr Aufmerksamkeit zu schenken? Sollten die Blogger bei der Nominierungsprozedur mit hinzugenommen werden, um ein breiteres Meinungsspektrum zuzulassen? Gerade die letzte Frage sollte mit einem klaren Ja beantwortet werden, denn ich habe in den letzten Monaten einige engagierte Blogger im Netz kennen gelernt (beziehungsweise deren Blogs), die im Literaturbetrieb tätig sind, die unverkrampft und ohne Beeinflussung durch irgendwelche Vorgesetzten oder Werbeträger ihre Sicht der Dinge vorbringen und völlig neue Ansätze in die Welt der Rezension beziehungsweise Buchbesprechung einbringen. Das sollte man bei der Nominierung von baldigen Preisträgern im Literaturbereich heutzutage unbedingt berücksichtigen. Ansonsten ist mir eine solche Liste, wie ich es vielleicht durch meine Ausführungen verdeutlichen konnte, relativ egal. Sie sind eine schöne Anregung, das eine oder andere Buch zu lesen. Doch der Sieger oder die Nominierten müssen für einen persönlich nicht zwangsläufig die besten Bücher eines Jahres darstellen. Ich freue mich jedenfalls auf die Aktion von longlistlesen (initiiert von buzzaldrin, dasgrauesofa und glasperlenspiel und unterstützt durch den Deutschen Buchpreis selber), was ein Nachfolgeprojekt der Aktion 5lesen20 aus dem Vorjahr ist (eine Übersicht findet ihr hier) und durch die sicher einige interessante Besprechungen ins Netz zu den 20 nominierten Büchern kommen und ich mir ein Bild machen kann, ob und welche ich von diesen lesen möchte.

In diesem Sinne, frohes Lesen und habt immer das passende Buch für die gerade anstehende Situation parat.

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3 Kommentare zu „[Notiz]: Longlist. Shortlist. Alles Mist? – Gedanken zur Listengestaltung oder wie sie den gemeinen Buchkäufer beeinflusst

Gib deinen ab

  1. Du hast ja so recht. Vielleicht arid Listen und Preise gut als Tipps und Anregungen. Aber wir waren Kritikern hochgejubelt Bücher schon immer ein wenig suspekt. Woher wollen die wissen, ob ich das Buch auch spannend und künstlerisch ansprechend finde? Warum sind unter den gepriesenen Autoren SO viele Männer? Warum sind unter den Kritikern auch so viele Männer? Mir geht es (leider) oft so, dass die Bücher, die mich RICHTIG mitreißen und beeindrucken von Frauen geschrieben sind – mit Ausnahmen, versteht sich. Meinem Freund geht es genau umgedreht. Von daher kann man davon ausgehen, das Shortlists und Longlists immer arg Geschmackssache sind… Liebe Grüße, Marlene

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