[Sonntagsleserei]: Der Sonntagsleser – KW ähm… April 2015

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Durch die österlichen Feiertage und, man mag es dem April kaum zutrauen, Schönwetterperioden geschuldet, habe ich nun für mich persönlich beschlossen, wie schon einige andere vor mir, die Reihe der Sonntagsleser nur noch monatlich zu veröffentlichen.
Auf der einen Seite kann man so die Beiträge besser filtern als im wöchentlichen Rhythmus. Zum zweiten kommt der Zeitfaktor ins Spiel, da ich, wie oben schon angedeutet, in den letzten Wochen kaum dazu gekommen bin, die Beiträge gescheit in eine Form zu bringen und das über den Sommer sicher nicht besser wird.
Was hat mich nun im April begeistert? Während ich zurzeit nicht so recht mit meinem Lesepensum voran komme, fasziniert es mich immer wieder, in welchem Maß andere ihre Bücher lesen und auch vorstellen. Hut ab von mir an euch alle an dieser Stelle. Die Themen waren wieder breit gestreut, aber es ist vor allem auffällig, wie häufig Bücher besprochen werden, die menschliche Abgründe aufzeigen und vertiefen. Auch ich entdecke an mir, dass mich diese Stoffe mehr faszinieren als ein 0815 Durchschnittswehwehchen. Liegt das in der Natur des Menschen, dass er sich, wenn es ihm gut geht und er nichts zu befürchten hat, nach den Grenzerfahrungen schlimmer Dinge sehnt? Eine Frage, die man gerne gesondert diskutieren kann.

Nun aber direkt hinein in das Best of April:
Tobi von Lesestunden hat in Umfang und Form eine faszinierende Interpretation des Titels „Horcynus Orca“ von Stefano Darrigo, welches für den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse nominiert war und Mara von buzzaldrins als Bloggerpatin hatte. Mara und Tobi hatten ihre liebe Mühe mit diesem dicken Buch, welches dem Übersetzer Moshe Kahn viele Jahre seines Lebens gekostet hat. Wobei Tobi anmerkt:

Vierzig Jahre nach dem Erscheinen ist es Moshe Kahn gelungen, den lange als unübersetzbar geltenden Roman zum ersten Mal in eine andere Sprache zu übertragen. Er hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für das sizilianische Italienisch mit seinen bildstarken und metaphernreichen Dialekten und erdigen Phonemen eine deutsche Entsprechung zu finden, die den großen Wurf des Romans, seine sprachliche Finesse und seine weiten Anspielungsräume lebendig werden lässt. Eine Glanztat.

Eine solche Glanztat hat auch Tobi mit seiner mehr als umfangreichen Rezension vollbracht und mir persönlich aufgezeigt, dass dieses Buch für mich (vorerst) nicht infrage kommen wird.

Brasch&Buch hat diesen Monat Robin Sloans „Die sonderbare Buchhandlung des Mr.Pemumbra“ begeistert gelesen und dechiffriert und reiht sich damit ein in die ca.50%, die dieses Buch gern gelesem haben.

Robin Sloan liefert mit seinem Roman eine grandiose Satire, die nicht nur humor- und liebevoll die […] verfeindeten Jünger zweier Glaubensbekenntnisse persifliert, sondern es ist ihm zugleich gelungen einen wirklich spannenden Fantasy-Thriller ohne magische Effekthascherei zu schreiben, der sehr plausibel den aktuellen Clash der Medienkulturen beschreibt. Für mich war es ein großer, sehr empfehlenswerter Spaß.

Der Buchbube stellte im April Steven Galloways „Der Illusionist“ vor, dass auf verstrickte Art und Weise Harry Houdinis Leben einbindet. Für mich klingt das Buch nach einem abenteuerlichen Zaubertrick, bei dem man am Ball bleiben muss und das sich diese Mühe lohnt.

Zudem hat Steven Galloway in seinen Roman jede Menge Zeit- und Gedankensprünge eingebaut, was es manchmal gar nicht so einfach macht, die kunstvoll konstruierte Handlung vollends zu überblicken. Aber genau das ist es ja, was dieses lesenswerte Buch mit einem guten Zaubertrick verbindet: Verwirrung stiften, falsche Fährten legen und täuschen — bis sich am Ende die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Illusion komplett aufgelöst haben.

Sophie von Literaturen stellte im April Jürgen Bauers „Was wir fürchten“ vor, in dem es vor allem um Angst- und Wahnvorstellungen geht und wie man mit diesen sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat. Was nach einer interessanten Lektüre klingt, fasst Sophie so zusammen:

Jürgen Bauers Roman ist nicht nur ein galantes Verwirrspiel zwischen Wahn und Wirklichkeit, sondern der gelungene Beweis dafür, dass nicht alles im Leben kontrollierbar ist.

Vor kurzem las ich mit „Honig“ meinen ersten Roman von Ian McEwan und war von diesem sehr begeistert. Constanze von Zeichen&Zeiten stellte uns um April seinen neuen Roman „Kindeswohl“ vor, der die Themen Religion und eben das wohl der Kinder thematisiert. Klingt aktuell, klingt spannend, merke ich mir vor.

Lustauflesen.de stellte ein Buch vor, dass schon allein wegen seines Titels Aufmerksamkeit generiert. Er erzählte uns über seinen Lesezwischenstand bei dem Buch „Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ von Frank Witzel. Jochen Kienbaum empfindet den Einstieg „eine Herausforderung für den Leser, aber auch ein großes Vergnügen“. Sein Schlussfazit nach halber Lektüre lautet:

„Soviel steht fest: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 ist ein grandios komponierter Roman, in dem sich formale Struktur und Inhalt so zwingend und notwendig gegenseitig bedingen, wie ich es selten zuvor erlebt (erlesen) habe. Das Buch ist sowohl aberwitziges Schelmenstück, als auch übergenaue Alltagsgeschichte unseres Landes. „

Für mich steht der Roman damit auf der Merkliste, allein schon aus dem Grund in die Atmosphäre dieser Zeit eintauchen zu können.

Als ambitionierter Jogger, der zurzeit eine Winterpause eingelegt hat, interessierte mich das Buch „42,195“ von Matthias Politycki schon bei Erscheinen, welches Claudia vom Grauen Sofa nun vorstellte und mich damit für dieses Buch nur noch mehr interessierte. Zur Leipziger Buchmesse habe ich eine Talksendung im NDR (leider habe ich keinen Link dazu gefunden) mit ihm gesehen, bei der über sein Buch gesprochen wurde und er manche Dinge ansprach, die mir das Buch schmackhaft machten. Claudias Meinung zum Buch:

„Dem Leser jedenfalls geht auf den 42,195 Kilometer die Puste nicht aus, er bricht auch im Ziel nicht tot zusammen, sondern blickt zurück auf ein Leseerlebnis, bei dem er über das Laufen hinaus so manches über das Leben und das Schreiben erfahren hat, bei dem er geschmunzelt und gelacht hat, sich amüsiert hat über die wunderbaren Inkonsequenzen des Autors, wenn nicht beim Training, so doch bei allerhand anderen Dingen, und sich dabei ertappt beim Gedanken daran, dass es doch da im Schrank noch diese Laufschuhe gibt…. Es muss ja nicht gleich die Strecke zwischen Marathon und Athen sein.“

Die Bücherliebhaberin stellte die Frage, warum wir so wenig lateinamerikanische Literatur lesen. Muss ich mich auch mal hinterfragen, warum? Ich werde mich damit mal näher auseinander setzen.

Große Verlage gibt es zu Hauf und ihre Bücher überschwemmen den Markt. Doch was ist mit den kleinen, unabhängigen Verlagen? Die trafen sich in Lübeck und Sophie von Literaturen war dabei. Vielen Dank für den interessanten Bericht und die Eindrücke.

Caterina von Schöne Seiten hat in ihrer neuen Rubrik Seitenblicke diesen Monat die Klappentexterin interviewt mit sehr interessanten Einblicken in ihr Blogger- und Bücherleben.

Apropos kleine Verlage. Vor einigen Tagen erschien in der Süddeutschen ein sehr schöner Artikel über den Verlag, der nur ein paar Kilometer von meinem zu Hause ansässig ist und von dem ich immer wieder gerne Bücher lese. Der Artikel zeigt, was man mit Leidenschaft und Durchhaltevermögen alles erreichen kann. Wer von Ars Vivendi ein Buch sein eigen nennen möchte, sollte demnächst bei mir die Augen offen halten, denn ich verlose eins aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm anlässlich meines zweiten Bloggeburtstags.

War jemand von euch schonmal in New York? Dann ist dieser Blogartikel sehr lustig und eine richtig schöne Idee.

Auch wenn der Tanz in den Mai dieses Jahr schon Geschichte ist, gibt es dazu noch einen Klassiker aus der elektronischen Musikrichtung und ich oute mich hiermit mal als Hörer und Genießer dieser Musik. Ich werde ab sofort versuchen zu jedem Buch einen passenden Titel aus diesem Bereich zuzuordnen. Sei es unbekannt, bekannt, alt oder neu. Vielleicht endecken ja einige etwas für sich (sofern sie diese Musik hören).

Allen die mitlesen einen wunderschönen ersten Mai und ein schönes verlängertes Wochenende.

Weitere Sonntagsleser im April:
Anna von Buchpost
Kathrin von Phantasienreisen

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3 Kommentare zu „[Sonntagsleserei]: Der Sonntagsleser – KW ähm… April 2015

Gib deinen ab

  1. Liebe Anna,

    vielen Dank, dass meine Rezension in deinem Monatsrückblick Erwähnung findet. Das freut mich sehr, dass die Buchbesprechung auf Interesse stößt. Schade, dass ich damit eher abschrecke, denn das Buch ist echt klasse und lesenswert. Natürlich schreckt der Umfang und das Niveau erst einmal ab, aber dafür wird man wirklich mit wunderschönen Sätzen und einer tiefgehenden Erzählung belohnt. Aber ich will nix sagen, ich hab angesichts der Menge auch erst gezögert ;)

    Liebe Grüße
    Tobi

    Gefällt mir

    1. Hi Tobi,
      Jetzt mach ich mir Gedanken wo du die Anna ausgepackt hast ;-)
      Werde mir dieses Buch auf jeden Fall vormerken, nur ist dieses Jahr schon ganz schön verplant und mit „Unendlicher Spaß“ wartet vom Umfang her ein ähnliches Kaliber auf mich.
      LG Marc

      Gefällt mir

  2. Hallo Marc,

    schöne Linksammlung :) Erstaunlich, wie viele Beiträge mir im April durch die mangelnden Internetmöglichkeiten entgingen. Das Projekt mit dem Reiseführer aus den ’90ern begegnete mir zwar in den Social Media-Kanälen, aber ich fand bisher nicht die Zeit, mich näher damit zu beschäftigen – und dass es eine eigene Website zum Projekt gibt, entging mir erst recht. Auf jeden Fall mehr als einen Klick wert! :)

    Viele Grüße
    Kathrin

    Gefällt 1 Person

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