[Sonntagsleserei]: Mai 2015

Der Wonnemonat bereitet mir ordentlich Kopfzerbrechen. Nicht weil es so heiß war, dass mir der Schädel platzte, sondern aufgrund der vielen lesens- und teilenswerten Beiträge. Manche haben bis zu 5! Bücher vorgestellt, da war es schwer eine Auswahl zu treffen, die euch nicht erschlägt. Ich habe es trotzdem mal versucht. Dann mal los, in nicht chronologischer Reihenfolge. Feuilleton vs. Literaturblogs Jan mit seinem Blog lesenmitlinks fasst die Debatte Feuilleton vs. Literaturblogs in einem knackig kurzen Beitrag zusammen. Losgetreten wurde diese interessante Diskussionskaskade durch Caterina von Schöne Seiten mit einem Beitrag für das Börsenblatt (siehe hier). Ergänzen möchte ich diese Debatte noch durch zwei Beiträge. Einen Text mit 8 Denkanstößen über das Verhältnis zwischen Bloggern und Journalisten und wie man dieses verkrampfte Miteinander in ein harmonisches überführen könnte hat Alexander Roth auf seinem Blog derschneeman.net veröffentlicht. Anne Kuhlmeyer präsentiert auf ihrem Blog Wort&Tat einen sehr interessanten Beitrag über die Kritik und wie man sie formuliert. Sollte man sich ab und zu durchlesen und zu Herzen nehmen. Sehr schön geschrieben und mit vielen wahren Punkten gespickt. Schattengesichtiges Frank Duwald von dandelion stellte im Mai Antje Wagners „Schattengesicht“ vor. Er befindet dabei, dass die Autorin einen Roman geschrieben hat „vor dem man sich verneigen möchte, so perfekt und meisterlich ist es“. Von dieser Autorin habe ich schon einiges gehört, aber noch nie etwas gelesen. Da höre ich doch mal auf den Literaturanfixer Frank und schreibe mir das Buch auf den Merkzettel ;-) Sandy von Tintenmeer geht für dieses Buch auf die Hintergründe zur Geschichte ein und spürt auch der Frage nach, wieviel persönliches ein Autor in sein Werk steckt.

„Das so tiefe Eintauchen in die Figuren erschaffe eine Welt unter der Oberfläche. Und diese kann nicht frei sein von den Erlebnissen, Gefühlen, Geschichten desjenigen, der die aufschreibt. Sie kann ohne all das Brimborium, den Ballast des Autors, gelesen werden. Eine gute Geschichte verliert dabei nicht an Wert. Und die meisten Geschichten werden auch nur so gelesen. Dennoch zählt am Ende aber doch auch die Bedeutung, die eine Geschichte für denjenigen hat, der sie schreibt, nicht nur die für den, der sie liest.“

Kästner in Ernst Birgit von Sätze&Schätze und Flattersatz haben sich im Mai mit einem eher ernsten Kästner auseinandergesetzt. Während Birgit die ursprüngliche Veröffentlichung des Fabian mit dem Titel „Der Gang vor die Hunde“ besprach, widmete sich Flattersatz dem Verbrennen von Büchern. Beides ernstere Bücher die sich, indirekt und direkt, mit Nazideutschland beschäftigen. Den Gang vor die Hunde habe ich vor fast einem Jahr selbst gelesen und kann es nur empfehlen. Die, die das Buch unter „Fabian“ kennen ist es interessant zu erfahren, welche Kürzungen damals bei der Veröffentlichung vorgenommen wurden und für alle anderen ist es zum Entdecken eines etwas anderen Kästners. „Über das Verbrennen von Büchern“, welches 4 Aufsätze von Kästner versammelt, die allesamt das Thema Bücherverbrennung beinhalten, ist eine Art Zeitdokument über einen Schriftsteller, der zwar nicht den Mut aufbrachte gegen das Nazisystem aufzubegehren, aber immerhin die Chupze besaß, bei dieser kulturellen Vergewaltigung unter Hitler eine Art Zeitzeuge zu sein. Wissenschaftliches A New Blog for sience is born – Böx. Er unterstützt damit Petra von Elementares Lesen der Leserschaft gutes wissenschaftliches Material zu empfehlen. Seien es Romane oder wissenschaftliche Abhandlungen, nichts ist vor ihnen sicher. Willkommen an dieser Stelle in der Literaturbloggerwelt. Im Monat Mai stellte Böx den Roman „Extinction“ von Kasuaki Takano vor. Er nimmt in diesem Buch auch die wissenschaftliche Sicht mit auf den Prüfstand und sein Fazit lautet „wer also etwas über Pharmakologie lesen und dabei noch unterhalten werden möchte, sollte auf jeden Fall mal einen Blick in “Extinction” riskieren!“ Petra von Elementares Lesen ist,wie es der Zufall will im Monat Mai auch vertreten. Sie stellt das Buch „Die Macht des Unwahrscheinlichen“ von David J. Hand vor, in dem es um unglaubliche und extreme Zufälle geht, die eigentlich gar nicht so selten sind. Ihre Beurteilung lautet:

„Das Buch ist von feinem Humor gezeichnet und sehr verständlich formuliert. Es geht dem Autor weniger darum, wie man Wahrscheinlichkeiten berechnet (das wird natürlich auch erklärt), sondern dass wir ein Gespür für die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen entwickeln, dass wir besser einschätzen können, was wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist. Auch wenn die Welt voller Wunder und seltsamer Zufälle zu sein scheint, lassen sich manche durch die Macht des Unwahrscheinlichkeitsprinzips doch erklären.“

Elizabeth Kolberts Sachbuch „Das sechste Sterben“ wurde bei Zeichen&Zeiten besprochen. In diesem Buch geht die Autorin auf Spurensuche, wie der Mensch durch sein aktives Eingreifen in die Natur Lebensräume zerstört und damit letztendlich auch sein eigenes Fortbestehen gefährdet. Klingt interessant und wandert auf den Merkzettel. Marc Elsbergs Roman „Blackout“ thematisiert einen wochenlangen Stromausfall, der fast ganz Europa im Griff hat und wird vom Buchwolf vorgestellt. Dieses Szenario des gezielten Anschlags auf das Stromnetz ist in den Augen vom Buchwolf „wunderbar spannende, kenntnisreiche und gut recherchierte Unterhaltung mit ernstem Hintergrund“. Kurz angerissen Buchrevier schreibt nicht nur eine Rezension über Joanna Rakoffs „Lieber Mr.Salinger“, sondern packt es gleich in einen wunderbar geschriebenen Brief an die Autorin. Leseschatz stellt das Buch „Jagen 135“ von Tobias Sommer vor, was schon allein durch das ungewöhnliche Cover gefällt. Anna von Buchpost stellt die ungekürzte Ausgabe von „Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“ der Autorin Selma Lagerlöf vor. Jochen Rausch habe ich schon mehrfach auf dem Zettel und nun kommt mit „Rache“ ein weiteres dazu, welches mir durch den Blog Bücherrezension von Marino Ferri schmackhaft gemacht wurde. Und als krönenden Abschluss verlinke ich noch ein Interview mit dem Verleger Stefan Weidle, welches Caterina von Schöne Seiten für ihre Rubrik Seitenblicke geführt hat. In diesem Sinne euch allen einen schönen Kindertag.

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13 Kommentare zu „[Sonntagsleserei]: Mai 2015

Gib deinen ab

  1. Merci für die zweifache Verlinkung! Auch ich habe just heute eine Zusammenfassung der Literaturblogdebatte veröffentlicht – als Auftakt meiner neuen Rubrik #netzrundschau, die dem Sonntagsleser nicht unähnlich ist, auch wenn es ganz bestimmt nicht jede Woche, sondern eher jeden Monat ein Update geben wird. ;)

    Den Artikel von Anne Kuhlmeyer kannte ich übrigens noch nicht, vielen Dank für den Hinweis darauf!

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    1. In die Netzrundschau guck ich bei Gelegenheit rein und es freut mich, wenn ich noch einen Artikel Verlinken konnte, der dir noch Unbekannt war. Liebe Grüße.

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    1. Hoffe, du konntest noch ein paar Sachen entdecken. Auf den Herrn Kästner muss immer wieder verwiesen werden. Leider konnte er kein größerer Autor ernster Schriften werden – falsche Zeit und falscher Ort.
      Liebe Grüße, Marc.

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