[Sonntagsleserei]: August 2015

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Es ist unglaublich, wie das Jahr seinem Ende entgegen jagt. Währenddessen im Literatur(Blogger)land? Der große Preis (Deutscher Buchpreis) lugt mit der Longlist um die Ecke, die Flüchtlingsthematik kommt auch in den Blogs an und allerlei Bücher wurden vorgestellt. Aber der Reihe nach.

Netzrundschau
Caterina von Schöne Seiten hat auch im August wieder eine Netzrundschau geschrieben, in der sie die folgenden Themen zusammenfasst: Blogger für Flüchtlinge, Buchpreisblogger und die bisherigen Rezensionen zu den Büchern der Longlist und die Hotlist, eine Liste der besten Bücher aus unabhängigen Verlagen. Wer sich über diese Themen schlau lesen möchte kann das dort gerne tun. Ich möchte das hier nicht doppelt verlinken.

Die grenzenlose Besprechung
„Das grenzenlose Und“ von Sandra Weihs, in der Frankfurter Verlagsanstalt veröffentlicht wurde im August mehrfach besprochen. Das Programm des Verlags steht seit einiger Zeit bei mir im Fokus und damit auch dieses Buch, welches in diesem August mehrmals besprochen wurde – drei dieser Rezensionen möchte ich euch genauer vorstellen.
Da wäre einmal Sophie von Literaturen. Sie hat „eine Geschichte [gelesen], die trotz mancher Überzeichnung zu fesseln versteht“.

Marina von literaturleuchtet meint, dass man bei der „Thematik leicht in einem allzu dramatischen oder kitschigen Szenario enden kann. Sandra Weihs passiert das nicht. Sie beeindruckt durch ihre freche, klare und doch einfühlsame Erzählart“. Dieses Buch hat sie „sowohl inhaltlich als auch sprachlich überzeugt“!

Nina vom Blog Frau Hauptsachebunt meint, wenn man auf der „Suche nach einem eindringlichen und berührenden Roman ist, der zum Nachdenken anregt ohne schwermütig zu wirken, der nachhallt ohne zu belasten, der einem auf jeder Seite bewusst macht, warum Lesen zu den schönsten Hobbys der Welt zählt, der sollte sich „Das grenzenlose Und“ von Sandra Weihs nicht entgehen lassen“.

Blick gen Osten
Im August wurden einige Bücher vorgestellt, die den Blick in Richtung Osteuropa schweifen ließen und dabei nicht unterschiedlicher sein könnten. Mal wurde vergangenes, mal aktuelles besprochen.
Ilja von Muromez stellt Olivier Rolins „Der Metereologe“ vor, welches aufzeigt, dass selbst Systemtreue nichts bringt, wenn man denunziert wird. Es zeigt einen Blick in die Sowjetunion der 30er Jahre und die frühen Jahre unter Stalins Herrschaft.

Es sind die kleinen Zufälle wie ein Fund eines verstaubten Buches voller Briefe, die manchmal Größeres entstehen lassen. Warum Rolin sich berufen fand, das Leben von Alexei Wangenheim [Hauptcharakter im Buch, Anm. d. Verf] festzuhalten? Dafür findet er eine plausible Erklärung.»Die grausame Geschichte dessen, was ›realer Sozialismus‹ war, ist bei uns immer noch weitgehend unbekannt, und so fehlt uns ein riesiger Teil des Jahrhunderts, aus dem wir kommen und das wir aus Gewohnheit schrecklich nennen.« Zeit, es nachzuarbeiten.

Ruth von Ruth liest hat Ilija Trojanows „Macht und Widerstand“ gelesen und kurz vorgestellt. Dieses Buch ist für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und Ruth meint, dass es „ein literarisch wie politisch hoch interessantes Werk ist, das hoffentlich mit seiner Nominierung für den Deutschen Buchpreis viele Leser finden wird“.
Vom inhaltlichen Ansatz her verspricht es nur gutes und ist vorgemerkt.

Das dritte Buch mit dem Thema Osten ist Jennifer Dubios‘ „Das Leben ist groß“, welches auf Zeichen&Zeiten vorgestellt wurde und vom Zeitraum, in dem es spielt, das aktuellste der drei Ostblockbücher ist, die ich für euch herausgesucht habe. Was ist das Fazit von Constanze zu dem Buch?

Dubois’ Roman ist […] nicht nur ein faszinierendes Porträt eines unruhigen und kritikwürdigen Landes gelungen. Er widmet sich auf eindrucksvolle Art und Weise dem schwierigen Umgang mit dem Tod und dem Gefühl der Aussichtslosigkeit. Das Gedanken-Karussell, das sich um diese Themen kreist, und das Schicksal Irinas berühren, aber erscheinen nie sentimental. Manchmal ist sogar ein leicht humorvoller, gar trotziger Unterton zu spüren. 

Aber die Liebe, …
Und noch einmal Ilja, der mit „Bankrott“ von Pierre Brost ein Buch vorstellt, welches zerstörerische Werk die Liebe verrichten kann, wenn sie unerwidert bleibt. Ein ähnliches Thema gab es bei mir vor einigen Tagen mit „Zerteiltes Leid“ von David Wonschewski. Das Buch aus dem Dörlemann Verlag geht anders an dieses Thema heran, indem diese unerwiderten Gefühle in den titelgebenden Bankrott führen.

 Wenn auch die Sprache des Franzosen nicht immer überwältigen kann, sich phasenweise nichts Nennenswertes finden lässt, worüber es sich zu verharren lohnt, handelt es sich um einen Roman, der sich abhebt, weil der Schriftsteller eine etwas andere Liebesgeschichte aus seiner Feder zaubert. Kein Kitsch, keine Klischees, keine Amor-Pfeile und Schmetterlinge, mehr und dafür eine dienliche Erzählung über das Scheitern.

Das zweite Buch unter dem Thema Liebe hat im August Mareike vom Bücherwurmloch vorgestellt. In „Herrlichkeit“ von Margaret Mazzantini geht es um eine gleichgeschlechtliche Liebe zwischen zwei Männern über soziale Grenzen hinweg. Für Mareike ihr Buch des Monats August:

Dabei geht es in Herrlichkeit gar nicht so sehr um Homosexualität an sich, sondern vielmehr darum, dass ein Mann einen Menschen liebt – der zufällig auch ein Mann ist. Es erstaunt mich immer wieder, wie leicht und virtuos die italienische Autorin mit derart schwermütigen und wuchtigen Themen umgeht. Sie hat keine Angst vor dem Schmerz, sie ergründet ihn, zeigt ihn in all seinen Farben und Tiefen. Wenn ich ihre Bücher lese, spüre ich, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.

Wenn es dunkelt
Neben all den Longlistbüchern gibt es noch ein paar andere heiße Eisen, die viel gelesen und besprochen werden. Eines davon ist „Nachts“ von Mercedes Lauenstein. Stellvertretend für die ganzen Besprechungen aus dem August (und natürlich auch den September) nehme ich diejenige, die bei buchwelten von Sabine erschienen ist. Ihr Fazit:

Ein ungewöhnliches Buch, das eher einer Geschichtensammlung als denn einem Roman gleicht, das mich aber gefesselt und begeistert hat.

Wie im Wahn
Sophie von Literaturen hat mit „Asche“ von Sven Heuchert ein Buch gelesen, dass mehr die düstere Seiten der menschlichen Seele in Kurzgeschichten beleuchtet.

Sven Heucherts Stories sind lesenswert und eindringlich, wenn auch in ihrer Gesamtheit etwas zu sehr auf Krawall gebürstet. Abgründe sind nicht nur mit abgründiger Sprache und Gewalt darstellbar. Deshalb beweisen gerade die leiseren Passagen und Momente, dass Heuchert sein Handwerk beherrscht, dass er in den Bann zu ziehen versteht mit beiden Seiten der Medaille.

Allgemeines
– Vorbehalte ablegen
Thomas von Brasch&Buch hat seine Vorbehalte gegenüber Rainald Goetz abgelegt und seinen Roman „Johann Holtropp“ gelesen. Seine Ansichten wurden widerlegt und er empfand die Lektüre entgegen seiner vorgefertigten Meinung als überhaupt nicht tröge.

– Lesetagebuch
Kathrin von Phantasienreisen hatte schon vor einigen Wochen angekündigt, ihr Schreiben im Blog etwas umzustellen und mehr den Tagebuchcharakter herauszustreichen. Den Anfang macht dabei „Les Misérable“ von Victor Hugo und die Suche nach der idealen Übersetzung.

Was macht einen freien Autor aus?
Dieser Frage geht der Bücherkinder-Blog
in einem interessanten Interview mit dem Autor Frank Maria Reifenberg nach.

Ich wünsche euch allen einem schönen Sonntag und viel Spaß beim durchforsten der Beiträge oder bei eurer Lektüre.

Weitere Sonntagsleser im August
Kathrin von Phantasienreisen
Anna von Buchpost mit ihrem Blogbummel

5 Kommentare zu „[Sonntagsleserei]: August 2015

Gib deinen ab

  1. Vielen Dank für die Verlinkung zu meinem Beitrag und all die anderen Empfehlungen! Muromez‘ Beitrag zu „Der Meteorologe“ ist mir doch glatt entgangen.

    Mir gefällt übrigens sehr, wie du deine Empfehlungen unter inhaltliche Überthemen stellst. Daran lassen sich gut (eventuelle) Trends erkennen ;)

    Hab einen schönen, entspannten Sonntag!

    Beste Grüße aus NRW
    Kathrin

    Gefällt 1 Person

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