[Rezension]: Dennis Lehane – Shutter Island (Hörbuchversion)

Shutter Island - Hörbuch CoverInsel der Verwirrung

Moment, ist das etwa Ben Stillers Synchronstimme, die mir da entgegenschallmeit? Ja, sie ist es. Ungewohnt, eine so bekannte Stimme zu hören (dabei machen das doch so viele, als ob Synchronsprecher als einzige Einkunftsquelle ausreicht). Nach ein paar Eingewöhungsminuten, um den Umstand zu verarbeiten, dass der Synchronsprecher von Ben Stiller auch die Rolle spricht, die im Film von Leonardo di Caprio verkörpert wurde, konnte ich mich in das Geschehen hineinziehen lassen. Ähnlich wie im Film, den ich damals ein halbes Jahr nachdem er Kino war, auf meiner heimischen Mattscheibe sah, ist man gefangen von der Atmosphäre, die einem ebenso im Hörbuch entgegenschlägt. Und obwohl ich wusste, wie die Geschichte enden wird, war es ein spannender Trip, den es lohnt sich anzuhören. Mit einer Gesamtlänge von knapp 8h ist das Hörbuch auch nicht zu lang, so dass man recht flott durch die an Wendungen nicht arme Geschichte durchkommt. Einen einzigen Punkt habe ich aber in der Gesamtwertung des Hörbuchs zu bemängeln. Auch wenn es ein gekürztes Hörbuch ist, sollte der letzte entscheidende Satz des Buches mit übernommen werden, da dieser einen letzten Hinweis gibt, wie man das davor gehörte einordnen könnte. Letztendlich bringen das Buch, das Hörbuch und auch der Film eine spannende Geschichte an den geneigten Leser, Zuhörer und Zuschauer, bei der man sich ständig fragt, was nun Realität und was Einbildung ist.

Teddy Daniels und sein Partner Chuck Aule, der Teddy für den kommenden Fall neu zugeteilt wurde, sollen auf der Insel Shutter Island eine Vermisste namens Rachel Solando aufsuchen, die unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Da beide Bundesmarshalls sind, ist dieser Fall kein gewöhnlicher, denn auf der Insel werden geistesgestörte Schwerverbrecher untergebracht, die in normalen Gefängnissen niemand mehr haben möchte, da sie als gemeingefährlich und unberechenbar eingestuft wurden. Shutter Island ist somit eine Art Endstation für die Gefangenen, die größtenteils Mörder sind.
Der Chefarzt der Anstalt, Dr. Cawley (im Film war diese Rolle von Ben Kingsley besetzt, der diesem Mann etwas unnahbares gab), führt die beiden in die Akte Mrs. Solando ein, die ihre drei Kinder umgebracht hat, indem sie sie im See ertränkte, nur um dann in aller Seelenruhe mit ihren toten Kindern am Frühstückstisch zu sitzen und den Tag mit einem Kaffee zu beginnen. Sie wird als gemeingefährlich eingestuft und ist ohne eine Spur zu hinterlassen einfach aus ihrer Zelle verschwunden. Erste Anhaltspunkte bietet ein Zettel, auf dem eine Art Code geschrieben steht, den einzig Teddy in der Lage ist zu entschlüsseln.
Nach einiger Zeit wird Rachel Solando gefunden und den beiden Marshalls präsentiert. Der Fall gilt als abgeschlossen und der Dienst der Marschalls wird nicht mehr in Anspruch genommen. Da die Insel aber durch einen Hurrikan von der Außenwelt abgeschnitten ist, müssen Teddy und Chuck auf der Insel verbleiben. Das gibt Teddy die Gelegenheit Chuck in die wahren Beweggründe einzuweihen, warum er auf der Insel ist. Der Fall um die Vermisste sollte nur ein Vorwand sein, denn Teddy vermutet auf der Insel einen Patienten namens Andrew Laeddis, der in keiner Akte aufgeführt wird und der laut Teddys Informanten hier untergebracht sein soll. Laeddis ist der Mörder seiner Frau, der das Haus, indem die beiden wohnten, in Brand gesteckt hat und Teddys Frau ist in diesem Feuer umgekommen.
Als der Hurrikan immer stärker wird und Teile der Anstalt verwüstet, ergibt sich die Gelegenheit für Teddy und Chuck in den Block C einzudringen, wo die gefährlichsten Patienten der Anstalt untergebracht sind. Dort erhoffen sich die beiden, Informationen über den Verbleib von Laeddis oder Laeddis selber zu finden. Doch auf einmal ist nichts mehr, wie es scheint. Die rätselhaften Ereignisse nehmen zu und Teddy vermutet, dass alle auf dieser Insel etwas zu verbergen haben.

Mein erstes Hörbuch überhaupt. Da ich mich vor einigen Wochen in den Kindern wegen mal wieder in einer Bibliothek angemeldet habe und in den letzten Monaten der Lesefluss etwas stockte, dachte ich mir, ich probiere es mal mit Hörbüchern. Jeden Tag 40 min während dem Weg zur Arbeit und wieder zurück (statt lauter Technomusik) in ein Hörbuch rein zuhören kann doch nicht schaden. Ich habe mir dazu Shutter Island ausgesucht, da ich den Film schon kannte und damit die Geschichte. Ich empfand den Film damals als eher gruselig und von diCaprio richtig gut gespielt. Damit war eine gute Grundlage gelegt, dass man sich in dieses neue Metier im wahrsten Sinne einhören kann. Als auf den ersten Metern eine mir bekannte Stimme auf die Gehörgänge schlug, war ich ein wenig irritiert. Doch das legt sich schnell, da ich durch eben diese Stimme schnell in der Geschichte war. Sie trägt die Nuancen der einzelnen Charaktere und wie diese in der Geschichte angelegt sind an den Hörer wunderbar heran. Ich mochte dieser Stimme von Oliver Rohrbeck (vor allem bekannt als Stimme einer der ???) sehr gern zuhören. Die Anspannung, die sich immer bedrohlicher über den Verlauf der Geschichte aufbaut, wird auf das Hörbuch sehr gut übertragen. Dass das Hörbuch ein gekürztes ist (es geht „nur“ knapp 8h auf 6 CDs verteilt), merkt man ihm kaum an. Im Gegenteil, damit ist man schneller drin und die Spannung ist richtig zum Greifen. Es gibt nur einen einzigen negativen Aspekt, den ich an dieser Stelle anbringen muss und das betrifft den Schlusssatz. Ich empfinde diesen als so essentiell, dass ich es als enttäuschend empfinde, dass dieser nicht in das Hörbuch übertragen wurde. Er gibt meiner Meinung nach der ganzen Geschichte erst den letzten Schliff und man denkt erst recht über das Vorangegangene nach. Ob es so war, wie es gelaufen ist oder ob Teddy doch andere Pläne hatte und einen wacherer Geist ist, als er eigentlich dargestellt wird. (Anm. d. Autors: Ich formuliere das bewusst schwammig, da ich keine Spoiler in die Besprechung bringen möchte).

Alles in allem ist dieses Hörbuch ein guter Einstieg in diese Welt. Einerseits ist es schön kurz, womit die Spannung richtig schön zur Geltung kommt und andererseits gibt die Geschichte genug Wendepunkte, dass man kaum ausschalten möchte. Der einzige negative Punkt, der den wirklich allerletzten Satz betrifft, kann man verschmerzen und zieht auch die Gesamtwertung des (Hör)-buches nicht herunter.

Dennis Lehane
Shutter Island
Gelesen von Oliver Rohrbeck
Lübbe Audio (Lauscherlounge Records)
ISBN 978-3-7857-4225-9

Ein Kommentar zu „[Rezension]: Dennis Lehane – Shutter Island (Hörbuchversion)

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