[Rezension]: Lena Avanzini – Tod in Innsbruck

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Ein Krimi der etwas anderen Art

Die Lektüre von diesem Kriminalroman habe ich einem Blogbeitrag von adamitsou (die, so wie es scheint, ihren Blog nicht mehr weiterpflegen wird), zu verdanken, ohne den ich nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden wäre. Es ist diese Art von Krimi, die ich gerne lese, da er nicht nach Schema F verläuft, denn der Anlass, der den Einstieg in das Buch bildet, rückt mit weitergehender Lektüre immer mehr in den Hintergrund und wird durch eine Mordserie verdrängt, die sich wie ein zweites Bild über das ursprüngliche schiebt und den ersten Eindruck verändert, ähnlich dem, wenn man eine Wohnung renoviert, die Tapete abzieht und es kommt etwas völlig unerwartetes zum Vorschein. So ist es auch bei „Tod in Innsbruck“. Ein anfänglicher Tod einer Schülerin der Musikschule erweist sich als natürlicher Tod. Über diesen Ausgangszustand legt sich so nach und nach ein Kriminalfall, bei dem Menschen umkommen, die unmittelbar oder indirekt mit der toten Musikschülerin zu tun hatten. Hängt es am Ende doch miteinander zusammen?

Aber von vorn. Isa, die 16 Jahre alte Schwester von Vera, ist tot. Sie starb an Herzversagen. Laut dem Arzt, der den Tod feststellte, war Isa schwer magersüchtig und hatte zudem einen Herzfehler. Am Tag des Todes hat sie es mit dem Schwimmen übertrieben, was letztendlich das Herzversagen hervorgerufen hat. Doch Vera kann nicht glauben, dass ihre Schwester einfach so mit dem Hungern angefangen hat und geht den Ursachen auf die Spur. Ein Brief an Vera, den ihre Schwester nie an sie abgeschickt hatte und den Vera im Nachlass ihrer Schwester findet, unterfüttert Veras Ahnungen mit Indizien. Sie setzt sich in den Kopf, den Tod von Isa aufzuklären und denjenigen zur Rechenschaft zu ziehen, der sie dahin getrieben hat. Sie setzt ihr Medizinstudium aus und zieht für die Zeit der Aufklärung nach Innsbruck.

Zur selben Zeit, als Vera sich in Innsbruck aufhält, beginnt eine Mordserie, die der Polizei mächtige Rätsel aufgibt. Ein Opfer wird gefunden, aber erst nur die Gliedmaßen. Die Teile können keiner vermissten Person zugewiesen werden. Die Polizei tappt im Dunklen, bis die nächste Leiche auftaucht, die in einem Zusammenhang mit dem Handeln von Vera steht, denn sie hatte mit dem Mordopfer am Abend vor seinem Tod einen Streit gehabt und Vera rückt damit automatisch in den Fokus der Verdächtigen.

Viel erzählt und doch nur angedeutet, denn dieser Roman lebt von seinen Nuancen, die ich hier nicht mal ansatzweise wiedergeben kann, ohne mich zu verheddern. Da ist einmal der Tod von Isa, der als Aufhänger der ganzen Geschichte fungiert und Veras Ermittlungen einleitet. Dann spielt Innsbruck und das Flair dieser Stadt eine Rolle, zwar nicht für den Fall, aber für den Leser und wie sich Vera in dieser für sie relativ neuen Umgebung zurecht finden muss. Außerdem spielt der Krimi in einem Musikmilieu, in dem sich Isa und dann auch Vera im Zuge ihrer Ermittlungen bewegen, eine gewichtigere Rolle, auch für den Fall. Und zu guter Letzt kommt auch noch die Seite der Polizeiarbeit ins Spiel. Das alles wird auf extrem kurzweiligen 250 Seiten festgezurrt und liest sich richtig locker weg. Durch die vielen Handlungsfäden kommt man kaum zum Luft holen und nach anfänglichen Fragezeichen, ob das überhaupt ein Krimi ist, den man gerade liest, steigert sich das Buch immer mehr, bis es zum Finale kommt – Überraschungen inklusive, denn die Autorin versteht es, den Leser an der Nase herumzuführen und so in die Irre zu schicken, dass man bis zuletzt nicht den Täter errät. Wenn es dann soweit ist und sich der Schleier lüftet, hält man kurz den Atem an, ob der Fantasie der Autorin. Ich sag für mich eins, mit dieser Offenbarung hätte ich in der Mitte des Buches überhaupt nicht gerechnet. Vom Lesefluss her kommt man gut durch die Thematik und man braucht keine höheren Ansprüche an den Text. Es ist kurzweilig geschrieben, enthält für einen Krimi extrem wenig blutige Details und wartet mit überraschenden Wendungen auf. Von meiner Seite eine volle Empfehlung für Krimifans oder solche, die es noch werden wollen.

Lena Avanzini
„Tod in Innsbruck“
Hermann-Josef Emons Verlag, 2012
ISBN 978-3-86358-152-7

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