[Rezension]: Joanne K. Rowling – Harry Potter und der Stein der Weisen (Hörbuch)

Ein guter (Stein)- Wurf

Als Joanne K. Rowling dieses Buch geschrieben hat, dachte sie wahrscheinlich selbst nicht daran, dass es so einen Erfolg haben wird, 6 weitere Teile nach sich ziehen (auch wenn sie selbst behauptet, den Schluss für schon damals niedergeschrieben zu haben) und auch im Kino so erfolgreich adaptiert wird. Das konnte man beim besten Willen nicht vorhersehen und das macht es immer wieder spannend, wie sich manche Geschichten entwickeln und beim Publikum aufgenommen werden. Ich für meinen Teil habe mit Harry Potter bis zum 4.Teil nichts anfangen können beziehungsweise habe es bewusst gemieden. Vom ersten Teil hat man ja in Deutschland noch recht wenig mitbekommen, doch spätestens mit „Der Gefangen von Askaban“, ging das Harry Potter- Fieber auch in den hiesigen Landen los. Buchläden, die um Mitternacht aufmachen, um das Buch in Massen loszuschlagen und davor wartende Kinder inklusive Betreuungspersonen, die dem Buchhandel ebendiese Bücher dankbar aus den Händen gerissen haben.  Das hat mich regelrecht von diesen Büchern weggetrieben und dieser Massenhype um eine einzelne Geschichte, mag sie noch so charmant sein, hat mich einfach nur angewidert. Doch irgendwann zwischen Teil 4 und Teil 5 habe ich meinen inneren Schweinehund überwunden und griff zum ersten Teil. Ab da war ich Fan. Auch wenn die Bücher und die Geschichte im Gesamten unverkennbare Schwächen aufweisen, so ist es doch im Kleinen sehr detailliert geschrieben und so liebevoll umgesetzt, dass man es einfach nur gerne haben kann. Zusätzlich versteht es die Autorin, eine Spannung aufzubauen, dass man aus dem Lesen gar nicht mehr heraus kommt. Die Bücher 3-5 zum Beispiel habe ich jeweils in wenigen Nachtaktionen durchgeackert (hach, zu Zeiten des Studiums hatte man noch Zeit).

Nun habe ich mich, da seit einiger Zeit ein Büchereiausweis meine Brieftasche beschwert, für die Hörbüchern als drittes Medium neben dem Buch und den Filmen entschieden, um den Vorschusslorbeeren, die dieser Umsetzungsart der Harry Potter- Reihe vorauseilen, auf den Zahn zu fühlen. Ich war gespannt und legte los. CD1 eingelegt und unversehens zieht einen die Stimme in das Geschehen hinein. Man ist sofort Feuer und Flamme weiter zu hören und das bei einem Buch, welches ich als das kindlichste und einfachste aller 7 in Erinnerung habe. Rufus Beck als Vorleser versteht es, die ganz eigene Stimmung der Geschichte auf den Hörer zu übertragen, er gibt jeder Figur ihre ganz spezielle Intonation, die auch zu ihr passt (außer bei Snape, dazu komme ich später noch) und man merkt ihm den Spaß an, den er beim Vorlesen dieser Geschichte gehabt haben muss.

Zur eigentlichen Geschichte des ersten Teils braucht man fast gar nichts mehr zu schreiben, da die Geschichte um Harry Potter mittlerweile in den kulturellen Kanon eingegangen ist und viele Begriffe, im Jahr 1997 noch gänzlich unbekannt, heute beim bloßen nennen vielen Menschen einen verklärten Glanz in die Augen treibt. Deshalb nur ein kurzer Abriss:
Harry Potter wächst bei den Dursleys auf, die nicht seine leiblichen Eltern sind, da diese bei einem Unfall umgekommen sein sollen, als Harry ein Jahr alt war. Sie behandeln ihn schlecht und ziehen immer ihren eigenen Sohn Dudley vor. Warum Harry so behandelt wird, kann er sich nicht erklären (der Leser/Zuhörer weiß da natürlich mehr). Was aber Harry weiß, ist der Umstand, dass um ihn herum immer mal wieder ungewöhnliche Sachen passieren. Entweder wird er von wildfremden Menschen angesprochen, die ihm für etwas danken, wovon er nicht weiß, dass er es getan hat oder er lässt Dinge verschwinden/geschehen, was sich nicht erklären lässt. Jedes Mal, wenn das passiert, verhängt sein Onkel drastische Strafen, wie Hausarrest oder Schlimmeres, ganz so, als möchte er dieses Tun damit vertreiben und unterbinden. Doch eines Tages flattert ein Brief in das Haus der Dursleys, der an Harry adressiert ist. Als immer mehr Briefe ins Haus flattern, fliehen die Dursleys vor diesen komischen Briefen, die genau wissen, wohin sie zugestellt werden müssen. Pünktlich zu Harrys 11.Geburtstag ist es dann soweit und er wird eingeweiht, dass er ein Zauberer ist und als solcher mit seinem 11.Geburtstag in die Schule für Zauberei und Hexerei nach Hogwarts eingeladen ist. Von nun an beginnt für Harry ein Abenteuer, dass er sich so in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt hat. Doch dunkle Schatten lauern am Horizont, die auch mit dem Tod seiner Eltern zusammenhängen und Harry in große Gefahr bringen könnten.

Der erste Teil ist von seiner Gesamtkonzeption zwar schon mit gruseligen Einlagen versehen, doch stehen dem die kindlichen Elemente gegenüber, die dieses Buch für Kinder ab, ich sage jetzt mal 8-10 Jahren, interessant machen könnten. Gerade die Einführung des titelgebenden Charakters, sein Leben unter den Dursleys und wie er nach und nach in die Zaubererwelt eintaucht, sind richtig niedlich geschrieben und lassen einen wieder in die eigene Kindheit zurückreisen, als man noch Entdecker war und mit leuchtenden Augen neue Welten für sich einnahm. Die Autorin hat sich gut in Harry Potter und seine Situation hineinversetzt und transportiert das glaubwürdig an den Leser. Auch die große Geschichte um Lord Voldemort und, ähnlich wie in allen Märchen und märchenhaften Geschichten, der Kampf gut gegen böse, wird im ersten Teil der Reihe sehr sanft eingeführt und die noch jungen Leser an dieses Thema herangeführt. Es gibt zwar einige gruselige Passagen (so zum Beispiel der Part, als Harry mit Malfoy, Hagrid und Neville im verbotenen Wald sind und nach einem verletzten oder toten Einhorn suchen), doch die sind in diesem ersten Buch noch in einer geringen Anzahl vorhanden und bei jedem Märchen von der Gebrüder Grimm findet man gruseligere Sachen. Weitaus wichtiger ist zu erähnen, dass dieses Buch spannend geschrieben ist. Rowling treibt die Geschichte bis zu ihrem Höhepunkt mit einem Tempo voran, dass man das Buch kaum aus den Händen zu legen vermag. Sehr spannend geschrieben und auch nach mehrmaligem Lesen/Hören/Sehen immer noch nicht langweilig (mit einem gewissen Abstand dazwischen). Manch (ganz) kleiner Minuspunkt ist zu verzeichnen, die aber auf die große Geschichte an sich keine Auswirkungen haben und die man auch gerne überlesen kann. Ob es vielleicht kleine Anschlussfehler sind, die sich bei der Lektüre der folgenden Bände mit Fragezeichen versehen lassen oder die Wahl der sprachlichen Mittel, die an vielen Stellen doch recht einfach gehalten sind, bei jedem dieser Punkte braucht man nicht mal ein Auge zudrücken, da sie kaum ins Gewicht fallen.

Das Hörbuch wird, wie oben schon erwähnt, von Rufus Beck gelesen. Ein bekannter Synchronsprecher und Schauspieler. Ich hatte mich immer gewundert, was den immensen Erfolg dieser Hörbücher ausmacht. Nun weiß ich es – es ist diese Stimme von Beck, die jedem Charakter eine einzigartige und unverkennbare Intonation verleiht, so dass man sich, ohne die Filme zu kennen, sofort ein Bild der einzelnen Figuren machen kann. Einzig bei Snape hatte ich ein Problem, da ich jeweils die Original- und die Synchronstimme von Alan Rickman im Kopf hatte und die war so unverwechselbar gut, dass Beck es schwer hatte, mit diesem Charakter stimmlich bei mir zu punkten und mir mit diesem gewählten Akzent im Hörbuch als einer der wenigen nicht gefallen hat. Wobei ich aber anmerken muss, dass es im umgekehrten Fall, wenn ich das Hörbuch zuerst gehört hätte, wahrscheinlich die Stimme(n) im Film auf verlorenem Posten gewesen wäre(n). Wenn man bis hierhin kein Fan war vom Vorlesen lassen, dann ist man es spätestens mit diesem Hörbuch, denn es macht richtig Spaß, diesem Hörbuch und der Stimme Becks zu lauschen.

Insgesamt ist dieses (Hör)-Buch ein wunderbarer Einstieg in die Welt von Harry Potter, für die kleinen, aber auch für die großen (Vor)-Leser. Es ist spannend geschrieben, steckt wortwörtlich voller Magie, lässt einen nicht mehr los, manchmal ist es gruselig (aber nicht mehr als es Märchen sein müssen) und präsentiert eine Welt, wie man sie sich in den kühnsten Kinderphantasien nicht vorstellen kann. Ich wollte dem Hype damals nicht glauben, verstand aber in der Zwischenzeit, warum die Massen so auf dieses Werk abgefahren sind. So etwas lässt sich nicht planen, es passiert einfach und der Erfolg gibt der Autorin recht, dass es das passende Buch zur rechten Zeit gewesen ist. Auch wenn ich die Geschichte in seiner Gänze schon kenne, bin ich gespannt, wie Rufus Beck die weiteren Teile vertont hat und werde euch darüber berichten.

2 Kommentare zu „[Rezension]: Joanne K. Rowling – Harry Potter und der Stein der Weisen (Hörbuch)

Gib deinen ab

  1. Hat dies auf Lesen macht glücklich rebloggt und kommentierte:

    Da ich mich mittlerweile wieder an die Bücher heranmache, gibt es nochmal den Rückblick auf meinen Beitrag zum ersten Teil als Hörbuch. Da sich an dieser Meinung nichts weiter verändert hat, gilt es weiterhin. Bald folgt Besprechung zu Teil zwei.

    Gefällt mir

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