[Rezension]: Elisabeth Tova Bailey – Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

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Wie man sich das Leben mit einer Schnecke teilt

„Bei guter Gesundheit erscheint es einem selbstverständlich, dass das Leben einen Sinn hat, und es ist erschreckend, wie rasch eine Krankheit diese Gewissheit zunichte machen kann.“

Zu diesem Buch hatte ich Ende 2014 die Besprechung bei Mara von buzzaldrins gelesen, die dieses Buch als leises Buch anpreist und ihm soviel abgewinnem konnte, dass es sogar unter ihren Topbüchern für dieses Jahr landete. Vor einigen Tagen (noch 2015) bin ich in unserer hiesigen Bibliothek zufällig darüber gestolpert (es lag relativ gut sichtbar in der Nähe des Eingangs aus) und erinnerte mich diffus an Maras damalige Empfehlung. Leider sprang der Funke bei mir nicht ganz über und das letzte Drittel des Buches habe ich nur noch grob überblättert. Dabei fing das Buch sogar richtig gut an.

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Die Autorin schreibt über ihre Vergangenheit, über eine Krankheit, die sie monatelang ans Bett fesselt und fast gänzlich von der Gesellschaft anderer Menschen abschneidet. Anfänglich noch mit Hoffnung auf Besserung, ändert sich ihr Leben radikal und sie ist auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Eines Tages bringt ihr eine Freundin einen Blumentopf vorbei, an deren Pflanze zufällig eine Schnecke hängt. Die Autorin, die als Journalistin arbeitet, macht sich Gedanken über das Leben der Schnecke, wo sie wohl gelebt haben mag, wie sie sich nun in der neuen Umgebung fühlen mag. Sie richtet ihren Tagesablauf, auch aus den schon genannten gesundheitlichen Gründen, nach dem Leben der Schnecke aus, welches sich größtenteils nachts abspielt. Sie beobachtet ihren neuen Mitbewohner, füttert ihn und macht sich Sorgen, wenn es der Schnecke einmal nicht so gut geht. Die Gedanken zum Leben einer Schnecke werden mit allerleit wissenschaftlichen Abhandlungen und Zitaten erweitert, die die Autorin zusammengeführt hat, nachdem sich ihr Zustand wieder gebessert hat.

Dass dieses Buch eine Art Biografie beziehungsweise Sachbuch ist, wusste ich durch die Besprechung bei buzzaldrins. Soweit konnte ich mich darauf vorbereiten. Der Anfang, als es mit dem gesundheitlichen Problemen der Autorin losgeht, sie ans Bett gefesselt, einen geringen Umkreis ihrer Umwelt wahrnehmen kann und dann Bekanntschaft mit einer Schnecke macht, ist spannend geschrieben und stimmte in manchen Momenten auch nachdenklich, lässt einen über die Vergänglichkeit des als selbstverständlich hingenommenen Lebens nachdenken. Wie schnell kann es einem eben so ergehen, wie der Autorin? Wie geht man mit der Situation um? Ich stelle mir das schwierig vor, besonders, da die Monotonie der Tage einen übermannen kann. Die Schnecke gibt der Autorin eine gewisse Stuktur in ihren Alltag, sie hat eine Aufgabe. Aus diesen Gründen habe ich das Buch gemocht, wie Autorin diese Situation beschreibt und auf das Leben einer Schnecke eingeht. Jedoch stellte sich bei mir während der Lektüre eine Art Ermüdung ein, da ich den Wechsel aus Beschreibung des Lebens der Autorin und den wissenschaftlichen Abhandlungen zu den Schnecken als sehr anstrengend empfand und die wissenschaftlichen Zitate meist lustlos überblätterte. Irgendwann war ich aus dem Buch ganz raus und habe mir gesagt, dass ich es dann abbreche, da ich für mich keinen Mehrwert mehr erkennen konnte.

Insgesamt schreibt die Autorin recht unaufgeregt und sachlich, wie man es von einer Journalistin erwwarten kann. Es kann sehr trocken wirken, was mich letztendlich wahrscheinlich auch davon abgehalten hat weiterzulesen. So wie sie das Leben der Schnecken im Allgemeinen beschreibt, so geht sie auch bei ihrem eigenen Schicksal vor. War das für mich am Anfang des Buches nocht recht spannend, wurde es für mich mit zunehmender Seitenzahl immer trockener. Dadurch konnte mich das Buch letztendlich nicht fesseln und hat mich auf halber Strecke verloren, was ich als schade empfinde, da die Ausgangssituation mehr versprochen hatte. Somit kann ich Maras euphorischer Stimme (und auch den anderen positiven Wertungen – siehe unten) nicht zustimmen und habe für mich zwar kein schlechtes, aber für mich persönlich kein lesenswertes Buch gesehen.

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Elisabeth Tova Bailey
„Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“
aus dem Englischen: Kathrin Razum
Originaltitel: The Sound of a wild Snail eating
Nagel&Kimche, 2012
ISBN: 978-3-312-00498-0

Weitere Besprechungen zu diesem Buch findet ihr bei(m):

2 Kommentare zu „[Rezension]: Elisabeth Tova Bailey – Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Gib deinen ab

  1. Mir ist dieses Buch kürzlich empfohlen worden, nachdem ich das Sachbuch „Schnecken“ von Florian Werner in meinem Blog vorgestellt habe. Insofern hatte ich bei meiner Lektüre ganz andere Voraussetzungen und habe es regelrecht verschlungen. Alles was dir an diesem Buch missfiel, war für mich interessant, vor allem natürlich die Infos über die Biologie der Schnecken, die ich gar nicht trocken fand, und die weiterführenden Literaturtipps, z.B. zu Patricia Highsmith. Und ich habe mir ähnliche Gedanken gemacht wie du, wie man selbst mit so einer Situation umgehen würde. Daher hat es mich sehr berührt. Für dich war es vielleicht einfach das falsche Buch zum falschen Zeitpunkt.
    Liebe Grüße, Petra

    Liken

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