[Rezension]: Alain Monnier – Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe

Kühlschränke und die Liebe.jpgUm das Glück zu finden braucht es einen langen Atem

„Ich erlaube mir, Nachdruck auf diesen Punkt zu legen, um mit einer weitverbreiteten Vorstellung aufzuräumen, Ernsthaftigkeit vertrage keine Leichtigkeit, oder Fröhlichkeit könnte unangebracht sein.“

Dieses Buch sprang mich letztes Jahr im Sommer in der Buchhandlung regelrecht an. Die bunte Aufmachung des Covers und der ungewöhnliche Titel haben mich zu dem Buch greifen lassen und ich habe es gekauft, ohne den Klappentext gelesen zu haben. Manchmal liebe ich es einfach, überrascht zu werden, überrascht von der Geschichte und dem Stil, wie diese dem Leser präsentiert wird. Wenn man also ganz ohne Erwartungen an ein Buch heran geht, kann man eigentlich nicht enttäuscht werden, oder doch? Wobei es mit der fehlenden Erwartungshaltung nicht ganz stimmt, denn allein der Titel und das Cover versprechen eine eher leichte Unterhaltung, auf die ich mich dann auch eingestellt und die ich auch bekommen habe. Warum dann erst jetzt die Besprechung? Da ich das Buch immer in kleinen Happen abends gelesen hatte und andere Bücher immer wieder dazwischen funkten, hat sich die Beendigung des Buches bis jetzt gezogen. Das ist aber kein Negativkriterium, ich habe es einfach genossen, in diesem sanften Buch immer mal wieder ein paar Seiten zu lesen, um es dann wieder wegzulegen. Es ist leichte Unterhaltung, die einen zum Schmunzeln bringt, ob der seltsamen Situation und der Liebesgeschichte, die sich langsam einschleicht. Einzig die letzten 20 Seiten des Buches fallen ein wenig aus dem Rahmen und ziehen die Gesamtwertung ein wenig runter. Es wollte einfach nicht zum Rest passen und kam zu hektisch daher.

Marie ist eine aufgeweckte, aber gegenüber Männern etwas unterkühlt agierende junge Frau. Sie lebt in Toulouse und wir begleiten sie ein Stück in ihrem Leben, welches sich durch eine eigentlich normale Tätigkeit in ein kleines Chaos wandelt und manche ihrer Charaktereigenschaften aufweichen wird. Marie bestellt sich einen Kühlschrank und in freudiger Erwartung schaltet sie ihn nach der Lieferung ein – nichts passiert. Sie lässt über die Firma, bei der sie den Kühlschrank bestellt hat, einen Handwerker zu sich nach Hause kommen, der ihr sagt, dass ein spezielles Teil kaputt ist und er dieses nicht vorrätig hat. Ab diesem Zeitpunkt löst das eine Reihe von Ereignissen aus, die zur Folge haben, dass Marie bald eine Wohnung voller Kühlschränke hat, sie eine nationale Berühmtheit wird (und auch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt wird), ihr alle möglichen Firmen Kühlschränke für ihre unfreiwillige „Kunstinstallation“ stiften möchten und, dass ist die wichtigste Änderung, sie wird durch diese Art Sturm, der ohne Vorwarnung in ihr Leben einbricht, gelassener und vor allem freundlicher zu ihren Mitmenschen, da sie diese meistens durch Sticheleien oder muffelige Art auf Distanz gehalten hat. Besonders deutlich wird der Strudel, in den sie geraten ist, beim Schriftsteller, mit dem sie eine mehrjährige Freundschaft verbindet. Der Schriftsteller war aber irgendwann auf mehr aus, traute sich nur nicht. Marie merkte das und spielte mit ihm. Doch die Sache mit den Kühlschränken bringt diese unausgesprochene, funktionierende Verbindung zwischen den beiden ins Wanken.

„Die überraschendsten Erfahrungen müssen keineswegs auch die verrücktesten sein.“

Dieses Buch ist eine Gute-Laune-Lektüre. Es öffnet einem das Herz und die Seele, so dass man da mal wieder frischen Wind reinlassen kann. Wenn man sich auf den Umstand mit den Kühlschränken einlässt, der mittendrin doch etwas seltsam anmutet, und einige Personen, die auf den ersten Blick unsympathisch erscheinen, ignoriert, bekommt man eine erfrischende Liebesgeschichte serviert, die anfangs gar nicht so aussieht und auch das es fröhlich zugeht, ist bei der manchmal cholerisch wirkenden Marie auch nicht zu erwarten. Doch mit jedem neuen Kühlschrank, der in ihrer Wohnung aufschlägt wird Marie gelassener und dem Leser wird ein immer größeres Lächeln entlockt. Eigentlich ist dieses Buch die perfekte Sommerlektüre. Luftig und leicht fliegt die Geschichte dahin und man meint, die warme Sonne auf der Haut zu spüren und dass einem eine frische Brise die Nase umweht, während man das Buch liest. Einzig der gehetzt wirkende Schluss vermiesen ein wenig die Laune, da es das Buch irgendwie unrund wirken lässt und die vorher aufgebaute Beziehung der Figuren untereinander als belanglos erscheinen. Mit einem etwas größeren Fragezeichen wird der Leser dann auch entlassen, denn der Ausgang von allem wird offen gelassen, was ich aber wiederum nicht schlecht finde, denn das wahre Leben hat ja auch keine abgeschlossenen Geschichten zu bieten und so ist es der Fantasie des Lesers überlassen, wie sich Marie weiter entwickeln wird. Dieses Buch kann ich allen ans Herz legen, die eine kleine bis mittelgroße romantische Ader in sich tragen und die auch kein Problem mit etwas seltsam anmutenden Handlungssprüngen haben. Für den bald kommenden Frühling/Sommer das passende Buch für das Reisegepäck. Es belastet die Tasche nicht und hinterher fühlt man sich irgendwie beschwingter.

 Alain Monnier
„Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“
Übersetzung aus dem Französischen: Lis Künzli
Original: Givrée (2006)
Arche Verlag, 2015
ISBN 978-3716027349

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