[Rezension]: Richard Lorenz – So dunkel die Nacht

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Richard Lorenz konnte mich schon letztes Jahr mit seinem 2014 erschienen Debütroman “Amerika-Plakate” begeistern. Ich war gefangen und fasziniert von der Sprache die er gewählt hat, um seine Geschichte zu erzählen. Auch die Geschichte an sich wusste durch seinen übernatürlichen Realismus zu überzeugen und ich war eigentlich nur traurig als ich das Buch zuklappen musste, da ich dann die Welt von Leibrand wieder verlassen musste. Doch seitdem hat mich der Stil des Autors und auch das Buch innerlich nicht mehr losgelassen, weshalb ich wie elektrisiert reagiert habe, als Frank Duwald auf seinem Blog ankündigte, dass es eine neue Weihnachtsgeschichte  von Richard Lorenz auf seiner Seite geben würde. Anders als die erste, die ihr hier (klick, ebenfalls eine Empfehlung) findet, sogar in einem lesefreundlichen, kostenlos herunterladbarem pdf inklusive Illustrationen, die Alexandra F. mit ihrem Projekt Wortrausch beisteuerte. Noch aufgeregter war ich, als die Neuigkeit umging, dass es diese Geschichte sogar in Druckform geben wird, denn der Verleger Eric Hantsch (Cthulhu Libria) hatte eine Kleinstauflage des Buches von 80 Stück in einem besonderen Format versprochen. Aus diesem Grund habe ich das Lesen der Geschichte aufgeschoben und bis jetzt gewartet. Es ist zwar nicht ganz aktuell, da Weihnachten vorbei ist, aber das Fest ist nur ein kleiner Aufhänger der eigentlichen Geschichte, die wieder im von Richard Lorenz typischen Stil geschrieben ist und doch einmal mehr zu faszinieren weiß. Folgt mir also in die finstere Nacht.

Ein Zug. Er ist am Heiligen Abend auf dem Weg nach Prag und bleibt auf dem Weg dahin in einem Schneesturm stecken. Die Passagiere, die nun in der Enge des Zuges eingeschlossen sind, werden wir nun näher kennen lernen. Allen voran Babette, die ihre Tochter besuchen will und die eine besondere Gabe hat. Sie kann sich in die Menschen einfühlen und kann erahnen, was sie umtreibt und zu was sie fähig sind. Die Insassen im Abteil müssen sich nun die Zeit vertreiben, bis der Zug wieder anrollen wird. Es liegt eine Art Spannung in der Luft, die sich vor allem auf das einzige im Abteil anwesende Kind überträgt. Um die Angst ein wenig zu dämpfen, erzählt Babette eine Geschichte, die sie und ihre Katze betrifft, die sie bei sich hat. Diese Katze ist keine gewöhnliche, denn sie besitzt die Gabe, die Fluch und Segen zugleich sein kann (der Spannung wegen, werde ich hier nicht sagen, was es ist). Sie ist eines Tages ihrer Mutter über den Weg gelaufen, als sie mit Babette und ihrer Zwillingsschwester schwanger war. Die Zwillingsschwester überlebte die Geburt nicht. Bei der überlebenden Babette weicht die Katze von nun an nicht mehr von deren Seite, was sich bis zum heutigen Tag nicht geändert hat. Was hat es mit der Katze auf sich? Auf welche Art wird sich die Spannung im Zugabteil lösen, die Babette zu spüren glaubt? Warum glaubt Babette, dass jemand in dem Abteil sterben wird? Das sind Fragen, die ich an dieser Stelle offen lassen möchte, um euch den Spaß an dieser Novelle nicht zu nehmen.

Wer von euch hat Stephen King gerne gelesen? Wer tut es heute noch gern? Bitte die Hände heben (Hand in die Luft gestreckt). Wer beide Fragen mit ja beantworten kann, wird sich mit dieser Geschichte garantiert anfreunden können. Sie hat einen Einschlag, der Stephen King zu Ehre gereicht. Man ahnt vom ersten Wort an, dass etwas in der Luft liegt. Die Charakterisierung aller Figuren ist mehr als gelungen und besonders in Babette kann man sich richtig hinein versetzen, auch wenn in dieser Novelle vieles in Andeutungen verschwindet. Die Spannung steigt von Seite zu Seite und löst sich auf eine Art und Weise auf, wie man es nicht mal eine Seite vorher erahnen könnte. Dabei findet Richard Lorenz immer wieder passende Worte, um diese Spannung aufzubauen und gleichzeitig die Geschichte von Babette und ihrer Katze zu erzählen. Die Anleihen der Geschichte erinnern an Amerika-Plakate, man könnte meinen, sie spielen im selben Universum. Für viele mag das abschreckend oder gar langweilig klingen, was es keineswegs ist. Richard Lorenz lässt die Anklänge von Amerika-Plakate ein, gibt der Novelle trotz dessen einen eigenen Sound, der sie unverkennbar werden lässt.
Diese Novelle liest man an einem Stück, wenn einem zwei Stunden Lesezeit am Stück vergönnt sind. Trotz der düsteren Gedanken und Anspielungen hat sie doch etwas lebensfrohes. Jeden zweiten Satz möchte man sich am liebsten ausschneiden (wenn das Buch nur nicht so kostbar wäre) und irgendwo ankleben, um jeden Tag an die erwähnten Weisheiten erinnert zu werden. Zumindest kann man sie sich notieren und merken. Die meisten haben einen so positiven Klang, dass man nach der Lektüre einfach mit einem Lächeln in die reale Welt wieder eintritt. Für so viel Einfühlungsvermögen und Können, dass so an die LeserInnen zu bringen, kann man einfach nur Danke sagen und freut sich auf weitere Romane, Novellen, Kurzgeschichten etc. von Richard Lorenz.
Ein weiteres Schmankerl in diesem Büchlein sind die Grafiken von Alexandra F. und ihrem Projekt Wortrausch, die essentielle Punkte der Geschichte in abstrakten Gemälden wiedergeben. Sehr gelungene Bilder, die den morbiden Charme dieser Geschichte in Farbgebung und Gestaltung widerspiegeln. 


Wer es noch nicht gemerkt hat: Ich mag die Art, wie der Autor schreibt und ich mag auch diese Geschichte. Da ich das auf eine diffuse Art und Weise vorher schon geahnt habe, bestellte ich von der limitieren Auflage 2 Bücher. Nicht um 2 davon zu besitzen und eines davon irgendwann gewinnbringend zu veräußern. Nein, wo denkt ihr hin. Ich habe eines gesichert, damit ihr es gewinnen könnt. Es ist das Buch mit der Nummer 75 von 80 existierenden Exemplaren. Dazu müsst ihr mir nur eine klitzekleine Frage (bitte per Mail – siehe Impressum) beantworten, die eigentlich kinderleicht ist (ein bisschen Recherche ist aber gefragt):

Wie heißt der zweite Roman von Richard Lorenz, welcher Ende Februar bei der Edition Phantasia erscheinen wird?


Der Einsendeschluss für das Gewinnspiel ist Freitag, der 01.03.2016. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ich wünsche euch viel Glück und für den Gewinner/die Gewinnerin viel Spaß mit diesem Schmuckstück.

7 Kommentare zu „[Rezension]: Richard Lorenz – So dunkel die Nacht

Gib deinen ab

  1. Lieber Marc,
    nun will aber wirklich jeder, der deine Besprechung gelesen hat, wissen, was es mit Babette und ihrer Katze auf sich hat. Müssen denn die Blog-Beiträge immer gleich so verlockend sein, dass sich die Leseliste ins Unendliche erstreckt? – Und die Covergestaltung hat mich auch gleich angesprochen.
    Viele Grüße, ClaudiA

    Liken

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