[Elektronisch Lesen]: Geschichten aus der Box

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Essays zu zeitgenössischen oder historischen Themen.

Die Hanser-Box habe ich durch das Taxi-Projekt kennen gelernt, welches letztes Jahr die Runde machte. Gelesen habe ich es bisher noch nicht, aber die Idee dahinter, diverse Texte, die in Druckform nicht finanzierbar wären oder neben anderen Texten untergehen würden, fand ich spannend und meldete mich für den Box-Newsletter an, der alle 14 Tage auf die Neuerscheinung in der Hanser-Box aufnerksam macht. Was bekommt man geboten? Essays, die zeitgenössische Themen behandeln, aber auch die Geschichte beleuchten, Reden von Schriftstellern, berühmten Persönlichkeiten oder anderen, oder aber auch kurze Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind, wie eben bei der Taxi-Deutschland-Box. Diese Texte sind meist relativ kurz und lassen sich gut innerhalb einer bis zwei Stunden lesen, sind in Form und Erzählweise immer wieder neu und spannend. Wer also einen eBook-Reader besitzt oder ein Programm, welches ePub- Dateien auf dem Rechner/Tablet mit Windows/Apple lesbar macht, wird seine Freude an dem Programm aus dem Hause Hanser haben. Die Bücher, die ich mir bisher gekauft habe zähle ich euch im Folgenden auf und die Werke, die ich bisher gelesen habe, bespreche ich für euch auch kurz. Für meinen Teil freue mich immer wieder auf den Newsletter und bin jedesmal gespannt, was für ein Thema diesmal aus der Box hüpft.

Robert Koall – Dresden. Ein Winter mit Pegida

„Es gibt hier sehr viele Leute, die das so sehen. Dresden, ewige Opferstadt.“

Robert Koall wohnt und arbeitet am Staatsschauspiel in Dresden. Als Privatperson hat er sich die Pegidademonstrationen im Winter 2014/2015 angesehen und seine eigene Sichtweise in diesen lesenswerten Essay verpackt, der in verknappter Form wiederspiegelt, was die Stadt Dresden derzeit und immer noch in verschiedene Lager spaltet. Aus der persönlichen Sicht des Autors bekommt der Leser präsentiert, wie manche Teilnehmer dieser Pegida- Demonstrationen im Herbst/Winter 2014/2015 ticken und wie diese Kundgebungen das Klima in der Stadt vergiften. Für mich als gebürtiger Meißner, der in der Nähe zu Dresden aufgewachsen ist und an der TU studiert hat, kann ich vielem, was Robert Koall beobachtet hat, beipflichten. Auch, wenn man sich damit parteilich macht, empfinde ich vieles, was er da anspricht genauso. In den kurzen Augenblicken, in den ich mit meiner Familie zu Besuch in dieser immer noch wunderbaren Stadt bin, kann man die aufgeladene Stimmung förmlich mit der Hand greifen. Auch wenn niemand darüber offen spricht, in den Gesichtern und anhand der Stimmung kann man es ablesen, dass Pegida der Stadt und seinen Einwohnern nicht gut tut. Ich selber bin damals aus Gründen aus der Gegend weggezogen, die einerseits mit der Arbeit zusammenhängen, aber andererseits mit dem Problembewusstsein, was in Dresden und dem Umland vorherrschte. Aus jeder Mücke wird ein Elefant gemacht, es wurde sich über Dinge aufgeregt, der es den Aufwand nicht lohnte, dafür überhaupt den Mund aufzumachen. Diskutieren um der Diskussion willen, so empfand ich das.
Robert Koalls Essay zu den Pegida- Demonstrationen ist ein Zeitzeugnis, dass man sich unbedingt durchlesen sollte, um die Stimmung die Dresden derzeit beherrscht, nachzuempfinden. Sicher ist die Herangehensweise parteiisch, aber beim Lesen merkt man, dass Koall mehr beobachtet statt bewertet. Er gibt einfach das wieder, was er sieht und versucht, daraus Worte zu formen. Meiner Meinung nach gelingt ihm das recht gut.

 

„Dresden vollbringt immer wieder das Kunststück, im Rückspiegel den eigenen Nabel zu betrachten.“

„Es nervt wahnsinnig, jeden Tag eine Meinung haben zu müssen.“

„Jedes Bemühen um eine auch nur etwas weitergehende Auseinandersetzung mit Pegida wird von der linken Seite sofort als Gemeinmacherei verteufelt. Als bedeute jede Auseinandersetzung mit einem Anliegen auch automatisch Verständnis für das Anliegen. Als sei jeder ein Neonazi, der sich nicht öffentlich von Pegida distanziert.“

 

„Schließlich sagt er: „Montag muss man wieder auf die Straße.“
Ich sage: „Unbedingt.“
Und dann schweigen wir wieder beide und mutmaßen in brüllend lauter Stille, auf welcher Seite der jeweils andere am Montag demonstrieren wird.“


Robert Koall
Dresden. Ein Winter mit Pegida
Hanser Box 2015
ISBN 978-3-446-24972-1

Ines Geipel – Kalte Bücherverbrennung-Unterdrückte Literatur in der DDR

Hier möchte ich nur kurz darauf eingehen. Da mich das Thema Literatur in der DDR interessiert und vor allem die unterdrückte, sprang mich dieses Büchlein aus der HanserBox- Reihe sofort an. Anhand einiger Beispiele quer durch 40Jahre DDR zeigt die Autorin auf, wie im Literaturbetrieb der DDR vorgegangen wurde, um Belletristik, die nicht in das Schema der Regierung passte, auszumustern und die Autoren auf das Abstellgleis zu stellen. Das auf den kurzen Atem, den dieses Buch mitbringt, immerhin sind es aufgerundete 30 Seiten, nicht allumfassend behandelt werden kann, sollte allen, die an dieses Essay heran gehen, klar sein. Als Einstieg in die Thematik dient es allemal. Ob der reißerische Titel dem Inhalt gerecht wird mag jeder für sich entscheiden. Ich für meinen Teil würde dem zustimmen, denn es blieb durch die Verbote einiges auf der Strecke liegen, was hätte großartige Literatur werden können.  
Ihr Engagement zur Veröffentlichung unterdrückter Literatur kann man in der Büchergilde Gutenberg bewundern, in der sie die Edition „Die verschwiegene Bibliothek“ betreut, worauf ich auch schon ein Auge geworfen habe.


Ines Geipel
Kalte Bücherverbrennung
Hanser Box 2015
ISBN 978-3-446-25042-0


Umberto Eco – Sind wir denn alle verrückt?
Hanser Box 2015
ISBN 978-3-446-25103-8

Bernhard Keller – Baby Buddha
Hanser Box 2016
978-3-446-25239-4

8 Kommentare zu „[Elektronisch Lesen]: Geschichten aus der Box

Gib deinen ab

    1. Hm, da ich selber keinen Mac habe musste ich kurz recherchieren, ob die beiden mir bekannten Programme auch auf Appleprodukten laufen. Schau mal ob Calibre oder Adobe Digital Editions etwas für dich sind. Zweiteres habe ich auf dem Windows- Tablet laufen und war relativ zufrieden damit. Calibre kenne ich selber nicht, weiß aber, dass man damit auch eBooks von amazom konvertieren kann. Aber vielleicht gibt es auch sepziell auf Mac zugeschnittene Programme, die ich selber jetzt nicht kenne.

      Gruß
      Marc

      Gefällt 1 Person

      1. Ich habe mich gestern angemeldet und die ersten Dateien mal heruntergeladen und neben den PDFs, welche anscheinend keinen Reader benötigen finde ich Calibre wirklich gut. Adobe war für mich auf die Schnelle zu kompliziert, da muss ich mich noch einmal hinein fuchsen ;-)

        Vielen Dank für die Empfehlung!

        Gefällt mir

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