[Rezension]: Erich Kästner – Pünktchen und Anton (Hörbuch, 2015)

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Spannende Berliner Ansichten


Das Erich Kästner gute Kindergeschichten geschrieben hat, sollte hinlänglich bekannt sein. Auch auf diesem Blog gab es schon Besprechungen zwei seiner Klassiker – „Emil und die  Detektive“ beziehungsweise „Das doppelte Lottchen“. Die Geschichte um Luise Pogge und ihren Freund Anton Gast in „Pünktchen und Anton“ wird beim Aufzählen der bekannteren Werke von Kästner meist sträflich vernachlässigt, was jedenfalls der Eindruck seitens des Verfassers von diesem Beitrag ist. Das soll nun geändert werden. Also, Bühne frei für die freche Luise, die zusammen mit Anton einem Verbrechen auf die Spur kommt. Für diese Rezension wurde zur Audioumsetzung dieses Buches gegriffen, welche 2015 mit Bastian Pastewka als Sprecher neu eingelesen wurde. 


Luise Pogge ist eine Tochter aus besserem Hause. Ihr Vater ist Fabrikbesitzer und bringt, ganz wie damals üblich, das Geld nach Hause, während seine Frau und die Mutter von Luise die Tage zu Hause verbringt, sich mit Kultur beschäftigt und ihr Kind lieber dem Kindermädchen überlässt. Das Kindermädchen, Fräulein Andacht, wird noch eine gewichtige Rolle in der Geschichte spielen. Luise also, wegen ihres etwas geringerem Wuchs auch Pünktchen genannt, ist ein ganz verrücktes Mädchen. Sie spielt immer wieder Theater zu Hause, bindet ihren Hund Piefke mit in diese Vorstellungen ein, der aber keine Lust dazu hat. Manche würden sagen, sie ist ein aufgewecktes Mädchen. Doch der Haushaltshilfe, Dicke Berta genannt, ist aufgefallen, dass Luise in der letzten Zeit immer ein bisschen blass um die Nase aussieht. Woran das wohl liegen mag? Ist daran das Kindermädchen Fräulein Andacht schuld? 
Mit dieser ist Luise immer wieder unterwegs. Vor allem zu Anton, einem Jungen aus ärmeren Verhältnissen, der für seine Mutter kocht, da es um ihre Gesundheit nicht gerade gut bestellt ist. Ihr wurde ein Gewächs entfernt, weshalb sie sich zu Hause ausruhen muss und kein Geld verdienen kann. Um sich Essen und andere Dinge leisten zu können, geht Anton auf der Straße bis in den Abend hinein betteln. Luise hilft ihm dabei. Eines Abends gehen Luise und Anton mit Fräulein Andacht in ein Lokal, wo sie sich mit ihrem „Bräutigam“ trifft, einem hinterlistigen Halunken, dem man schon von weitem ansieht, dass er nichts Gutes im Schilde führt. Doch was heckt er aus? Wie kommen Anton und Luise diesem Tun auf die Schliche? …


Erich Kästner und seine Kindergeschichten – eine wundervolle Verbindung. Auch wenn er als ernsthafter Autor gescheitert ist, konnte er sich im Metier der Kinder- und Jugendliteratur umso mehr austoben. Gerade da blitzt sein ganzes Können auf, vor allem die Erwachsenen mit einem erheiternden Augenzwinkern zu demaskieren und diesen den Spiegel vorzuhalten. Es ist nicht immer ein seichtes Thema, welches Kästner in seinen Kinderbüchern aufgreift. Er präsentiert es aber immer wieder auf eine so leichtfüßige Art und Weise, dass einem nicht schwer ums Herz wird. Man weiß, dass diese Geschichten im Kern herzensgut sind und nie einen Ausgang haben, bei dem am Ende das Buch zugeklappt und erleichtert ausatmet wird, weil es ein so böses Ende genommen hat und es nun zu Ende ist. Und doch lässt es einen darüber nachdenken, was er da zu Papier bringt. Das alles vereint er auch in „Pünktchen und Anton“, bei dem sich Kästner vor allem die Gegensätze zwischen Reichtum und Armut zur Brust nimmt und aufzeigt, dass diese Grenzen zwischen diesen beiden Welten überwunden werden können. Dazu nutzt er nicht nur die Geschichte, sondern er bringt auch nach jedem Kapitel kleine Nachdenkereien ein, die ein Hauptmotiv des vorangegangenen Kapitels aufgreifen und noch einmal deutlich werden lassen, welches Anliegen Kästner damit verfolgt hat. Manchem mag das anmaßend erscheinen, aber es regt das Nachdenken bei den Kindern an. Zumal diese Nachdenkereien zeitlos sind. Sie passen wunderbar auch in die heutige Zeit und lassen sich im Jetzt anwenden.
Diese leichtfüßige Art des Buches steht und fällt in einer Hörbuchversion mit der Erzählerstimme. Für die vorliegende Besprechung wurde das neueste Audioerlebnis konsumiert, in der Bastian Pastewka als Sprecher fungiert. Er gibt allen Rollen über seine Stimme eine eigene Charakteristik, auch wenn man den Pastewka immer raus hört, was größtenteils kaum als störend empfunden werden kann. Besonders die Berliner Schnauzen (Dicke Berta, Bräutigam und Klepperbein) kommen richtig schön zum Tragen. Was beim Hören noch auffällt, mehr als beim Lesen, ist, dass die Stimmung der Stadt richtiggehend konserviert und an den Hörer übertragen wird. Die Luft schmeckt nach 20er Jahre, die alten Autos sind wieder lebendig und die Leute kleiden sich anders als heute. Es überträgt sich auf das innere Auge beim Zuhören. Unterstützt wird das Ganze durch den Einsatz von kleinen Musikstücken am Ende der jeweiligen Kapitel, die das Flair der Stadt Berlin aus der Zeit auf das lauschende Ohr übertragen. 


Da kann man nur sagen: Vielen Dank für das erneute Einspielen dieses Kinderbuchklassikers. Er wurde nicht seiner zentralen Elemente beraubt, durch die stimmliche Entfaltung der einzelnen Personen bekommt das Buch einen besonderen Charakter.  Bei einer Laufzeit von nicht einmal 3h lässt sich dieses Hörbuch wunderbar auf der Reise in den Urlaub hören. Auch wenn es abgedroschen klingt, ist es ein Hörspaß für die ganze Familie. 


Erich Kästner
„Pünktchen und Anton“
ISBN 978-3837308396
Oetinger Media GmbH 2015
Sprecher: Bastian Pastewka
Komponist: Marc Schubring, Carsten Gerlitz

 

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5 Kommentare zu „[Rezension]: Erich Kästner – Pünktchen und Anton (Hörbuch, 2015)

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  1. Danke für diese schöne Rezi. Sie fällt bei mir unter zeitlose Kinderbücher.

    Ich habe damals, als kleines Kind, Pünktchen und Anton geschenkt bekommen und die Geschichte heiß und innig geliebt. Dieses kleine Pünktchen, das sooo gut rechnen konnte, mit ihrem großen Herzen. Und Anton, der Junge, der das Leben meistert. Beide Figuren waren und sind immer noch meine Lieblingsfiguren.

    Das Buch habe ich immer noch. Es hat das gleiche Cover wie Dein Hörbuch, und einen schönen roten Rand unten.

    Da ich Pastewka kenne, wäre es bestimmt ein Genuß das Hörbuch zu kaufen.
    LG
    Margarete

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    1. Hallo Margarete,
      Pünktchen kann man einfach nur lieb haben. Zusammen mit Anton zwei herzallerliebste Kinder.
      Die Hörbuchversion kann ich nur empfehlen und ist wirklich ein Genuss

      Liebe Grüße
      Marc

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  2. Pünktchen und Anton ist für mich DER Roman von Erik Kästner, einen besseren hat er nie geschrieben. Ich hatte damals die Kasette geschenkt bekommen und es war eine meiner ersten und ich habe sie abgöttisch geliebt. Ich habe der Hülle damals sogar „Stickerpünktchen“ verpasst.

    An dieser Geschichte hängen so viele Erinnerungen… Danke für das Vergegenwärtigen dieser ;-)

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