[Lesetagebuch]: 16.09.2016 – Urlaubsleseflaute oder wie man wieder voll durchstar… äh-blättert

Ein Eintrag in die Reihe Lesetagebuch, die sich mit der Frage beschäftigen soll, wie man den im Urlaub liest, was man mitnimmt und auch, wie man nach dem Urlaub wieder in einen Lesefluss kommt, der den Zustand von vor dem Urlaub in den Schatten stellen soll.

Die Vorbereitungen

Bevor es in den Urlaub geht muss jeder Lesefuchs für sich die Frage beantworten: Was nehme ich an Büchern mit. Wer es altmodisch mag, der schleppt sich mit 3-4 Schmökern in Papierform ab. Da macht aber die Gewichtsbegrenzung in Handgepäck und für die Koffer auf Langstreckenflügen einen Strich durch die Rechnung. Also beschränkte ich mich auf den Tolino, der schon seit Anfang des Jahres eine treue Ergänzung zum bei mir immer noch vorhandenen Papierbuch ist. Nun sollte er sich das erste Mal im Dauereinsatz beweisen. Einige Bücher wurden aufgeladen und voller Vorfreude erst einmal im Speicher versenkt. Der Akku wurde vorher einmal vollständig geladen, da ich das Kabel nicht extra mitnehmen wollte. Ich war bereit für den großen Lesespaß – während des Fluges und auf der Tour mit dem Wohnmobil.

Im Urlaub

Doch meistens treten Situationen in den Vordergrund, die einem vom Lesen abhalten und man noch nicht mal böse darüber ist. Auf dem Flug habe ich mal wieder festgestellt, obwohl der Flug so ruhig dahinging wie ein Sprung in Zuckerwatte, dass ich einfach nicht dafür geeignet bin, innerhalb gewisser Transportmittel (Auto, Bus und Flugzeug – der Zug sei hier exemplarisch ausgenommen, da funktioniert es komischerweise) zu lesen. Doch warum darüber ärgern und vor Wut die schönen Seiten dieser unverhofft gestellten Freizeit verpassen. Es gab doch noch das umfangreiche Medienangebot mit Filmen und Musik an Bord des eisernen Vogels. Es wurden einige Filme angeboten, die ich seit langem mal sehen wollte und konnte mir gleich derer drei anschauen (Hin- und Rückflug zusammengerechnet). Also mehr Gewinn als Verlust und das Lesen sollte ich doch nachholen können. Denkste! Die ersten Tage waren so voll mit Stadtbesichtigung, Kinderschleppen und einfach nur Staunen, dass Abends einem eine bleierne Müdigkeit befiel und ich nur noch wie ein nasser Sack ins Bett fallen konnte. Auch der Jetlag tat sein Übriges dazu. Versucht habe ich es trotzdem, doch nach spätestens 10 Seiten war immer Schluss bei mir.

Das wurde mit dem Wohnmobilabenteuer danach natürlich nicht besser und so konnte ich in insgesamt 21 Tagen gerade mal 2 Bücher (!!!) beenden, die einen Seitenumfang von 150 respektive 100 Seiten hatten. Es waren Daniela Kriens „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ und Peter Hennings „Der Eisvogel“. Beides mehr bedrückende Bücher, die in extremen Kontrast zu dem standen, was ich in den 21 Tagen Urlaub gesehen und erlebt habe. Vielleicht hätte ich wohl lieber fröhliche Bücher lesen sollen? Gute Frage, doch ich ziehe diese melancholischen, tragischen Stoffe magisch an und irgendwie gefallen sie mir mehr, auch wenn ich für diese Art Lektüre länger brauche.

Ebenfalls hatte ich mir vorgenommen, ein wenig in den Bücherläden des Landes zu stöbern und ein wenig zu schauen, was über dem großen Teich anders gemacht wird, welche Bücher gerade dort aktuell sind. Mehr als ein flüchtiger, sehnsuchtsvoller Blick in manche Auslage war nicht drin. Kinderarme zerrten an mir, dass ich fürchtete meine Schulter wird ausgekugelt. Eine Kugel Eis beim ausgewanderten Italiener war spannender und auch leckerer als ein paar Seiten totes Holz – fand ich auch so und ließ mir den Spannungstest in meinen Knochen gern mit mir durchführen. Die Schulter hat es überlebt.

Kurz vor dem Ende der Reise, als ich schon gar nicht mehr daran glaubte, wurde ich doch noch fündig beziehungsweise konnte ich noch einen kleinen Laden, der mehr Souvenirs als Bücher verkaufte, durchstöbern. Die Auswahl an Büchern war übersichtlich und mehr daran ausgerichtet, Reiseführer und Sachbuchliteratur anzubieten. Doch auch ein kleines Belletristikregal war vorhanden. Ein paar übliche Verdächtige konnte ich erspähen, die gerade auch in Deutschland aktuell über die Ladentheke gehen. Diese interessierten mich nicht, denn ich war eigentlich auf der Suche nach einem Buch, welches das Flair und die Rauheit des Landes Kanada widerspiegelt. Und da war es. In simplen schwarz, dick eingebunden, schwer! Mit einem schlichten Titel versehen („Badlands“) lächelte es mich gütig an und ich wollte es unbedingt haben, als Souvenir, als Buch zum Lesen. Das im letzten Drittel auch noch Bilder dieses so ursprünglichen Landes enthalten waren, konnte meine Kaufentscheidung nur noch vorantreiben. Und so kam es dann auch, dass ich genau dieses Buch gekauft habe, ganz so, als hätte es auf mich gewartet.

Nach dem Urlaub

Mit frischem Elan geht es nun wieder ans Werk, im Alltag, bei der Arbeit und auch beim Lesen. Ich habe gemerkt, dass die Zeit, in der ich nicht so viele Seiten verschlungen habe, den Kopf für neues frei gemacht hat. Ich lese immer noch parallel an den Geschichten vom Jungen in gestreiften Pyjama und bin einer fröhlichen Verschwörung verstrickt. Moment! Das habe ich doch schon im Juli getan, nicht wahr? Ja, habe ich, jedoch habe ich mich davon befreit, Bücher zwanghaft weiter zu lesen, auch wenn sie mir gefallen. Man muss einen Stoff, selbst, wenn er einem gefällt, auch mal liegen lassen können, damit man das bisherige verarbeiten kann. Nebenbei habe ich auch wieder ein Hörbuch angefangen – Melanie Raabes „Die Falle“, welches von Devid Striesow und Birgit Minichmayr gelesen wird. Bin bei etwa einem Drittel des Buches angekommen und verstehe nun, warum dieses Buch so erfolgreich ist. Gnadenlos spannend und dabei auch noch klug geschrieben, wird hier eine Geschichte aufgeblättert, die so simpel gestrickt wie genial ist. Besonders gut finde ich die Idee, die wichtigen Details des Mordes in einer fiktiven Geschichte innerhalb des Buches zu verschachteln. Umgesetzt wird dies beim Hörbuch so, dass der Hauptteil von Birgit Minichmayr gelesen wird, die das Innenleben der Hauptfigur so krass auf den Hörer überträgt, dass man richtiggehend mit ihr mitleidet und –fiebert. Den fiktiven Teil innerhalb der Geschichte übernimmt Devid Striesow, der in diesem Part der distanzierten Kühle von Minichmayrs Part etwas mehr Wärme durch seine Stimme entgegenbringt. Dieses (Hör-)Buch macht süchtig nach mehr.

Und was lest/hört ihr gerade?

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