[Rezension]: Bill Bryson -Eine kurze Geschichte von fast allem

Viel Erdgeschichte auf ein paar Seiten Buch oder hemdsärmelige Wissenschaft

Bill Bryson ist einer, der ein Sachbuch so schreiben kann, dass es spannend wird. Keine trockenen Fakten, sondern ein vor Zitaten und Anektoden strotzender Text, den er mit seiner unwiderstehlichen Art präsentiert und mit einer kräftigen Prise Augenzwinkern würzt. Bisher habe ich von diesem Autor nur das Buch über Australien gelesen als ich vor einigen Jahren selber dort war. Das Buch, welches ich euch heute vorstelle, ist eines seiner größten Erfolge als Autor. Die Geschichte von fast allem ist eine Art Wissenschaftsbuch ohne Wissenschaft, sondern mit einer eher hemdsärmeligen und begeisterten Herangehensweise.

Was wissen wir über die Welt? Ihre Entstehung, ihre Geschichte? Wie sind wir entstanden, wie ist die Erde, das Universum entstanden? Was hält diese Welt, wie wir sie kennen zusammen? Welche Mechanismen kennen wir und wie kann man sie beschreiben? Wie wird es weitergehen mit uns? Allein an dieser kleinen Auswahl an Fragen erkennt man, dass die Erde, der Weltraum, das Leben, das Anorganische eine Fülle an Fragen und Antworten parat hält, dass ein Menschenleben gar nicht ausreicht, alles zu erfassen. Und doch hat Bill Bryson den Versuch unternommen, zumindest ansatzweise, bei vielen Themen an der Oberfläche zu kratzen, um die darunter liegenden Wissensschichten freizulegen. Er wollte sein Wissen über die Welt erweitern und in Buchform den Leser motivieren, dies ebenfalls zu tun. Darüber hinaus soll das Buch auch eine Anleitung sein, sich über das Geschriebene hinaus ein Bild zu machen, sofern man das möchte. Wie der Titel des Buches schon verrät, geht Bill Bryson den Weg, so viel wie möglich in die knapp 600 Seiten zu packen, wie es nur möglich ist. Da bekommt Albert Einstein ebenso viel Platz wie die Evolutionstheorie oder die Plattentektonik, nicht mehr als ein paar Seiten. Dabei stellt Bryson innerhalb der jeweiligen Kapitel lose Zusammenhänge her oder baut die jeweiligen Schritte in der Entwicklung auf. Dabei verzichtet er auf jeglichen Ansatz uns ein Lehrer zu sein. Vielmehr entdeckt er die Welt wie durch die Augen eines Kindes und das vermittelt er dem Leser auch. Ob er dabei die Dinge verstanden hat, über die er schreibt, spielt eine eher untergeordnete Rolle. Es geht vielmehr darum, was alles passiert ist in der langen Zeit, seit es die Erde gibt und das ist eine Menge.

Beim Lesen kann man sich der Masse an Fakten schnell erschlagen fühlen und ich gebe an dieser Stelle auch den Rat weiter, dass man dieses Buch in kleinen Häppchen genießen sollte, sonst geht einem schnell die Puste aus und man legt das Buch recht schnell beiseite. Die schiere Masse hat mich teilweise etwas aus dem Rhythmus gebracht und an manchen Stellen auch die Vorstellungskraft ganz schön gefordert. Besonders, wenn Bryson mit Zahlen um sich wirft und ein Superlativ an das nächste reiht, wurde mir als Leser ganz schwindelig zumute. Dazu kommt an manchen Stellen, besonders, wenn es um Vulkanismus und die Plattentektonik geht, ein mulmiges Gefühl der unterschwelligen Angst. Wir leben als Menschheit als Ganzes in sehr ruhigen Zeiten, was unseren Planeten betrifft, und doch zeigt uns die Erde manchmal ihr hässliches Gesicht, wenn Tsunamis über die Länder rollen oder Erdbeben vielfach Menschenleben fordern.

Gerade diese Mischung aus Ehrfurcht, Fakten und ein wenig Sensibilisierung für die Beschaffenheit unserer Erde verleiht dem Buch etwas Besonderes. Es geht eine Art Magie von den Seiten aus, die auf mich als Leser übergriffen und zum Weiterlesen motivierten. Bryson versteht es, aus trockenen Fakten einen witzigen Text zu zimmern, so dass man das knapp 600- Seiten Buch immer wieder gern zur Hand nimmt und darin lesen mag. Für Wissbegierige, die ein paar Fakten über unsere Erde und die Entstehung des Lebens lernen möchten, ist das Buch ebenso geeignet wie für alle, die einen sympathischen Text mit Wissensthemen lesen wollen.

3 Kommentare zu „[Rezension]: Bill Bryson -Eine kurze Geschichte von fast allem

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  1. Seit diesem Buch bin ich Bryson-Fan. Klar ist es faktenreich – wie könnte man sich bei einer Geschichte von fast allem auch kurz fassen – aber wie Du schreibst, es ist auch so witzig und unterhaltsam. Manche rümpfen da auch ein wenig die Nase – was witzig ist, kann nicht wissenschaftlich fundiert sein. Aber Bryson ist da einfach ein Vorzeigeautor: Gescheit und einer, der das richtig gut rüberbringt, was man wissen muss…

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    1. Ich bin seit seinem Australienbuch von ihm angefixt (welches ich passenderweise während meines Aufenthaltes da gelesen habe) und finde vor allem seine Beobachtungsgabe bemerkenswert. Werde weitere Bücher von ihm lesen und vorstellen.

      Gefällt 1 Person

      1. Letztes Jahr las ich Sommer 1927 – und obwohl jetzt nicht so technikbegeistert und auch kein ausgesprochener Fluggeschichtenfan – ich fand das klasse. Er verknüpft einfach auch sehr gut eine Geschichte (hier die Lindberghs) mit Zeitgeschehen etc. und bringt das spannend rüber. Jetzt krieg ich Lust auf Australien :-)

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