[Notiz]: Wieso, Weshalb, Warum? – Fragen über Fragen 


Vor einigen Wochen machte in der Buchblogszene die Frage nach dem Warum die Runde. Warum liest man? Was hat einen dazu gebracht zu lesen? Und warum ist man dabei geblieben? Diese eine Frage beschäftigte Dutzende Blogger, die sich Gedanken machten und diese in unterschiedlichen Beiträgen artikulierten. Auch ich habe mich an der Aktion beteiligt und erfreute mich ebenfalls an den anderen Texten. Alle Links sind bei Sandro Abbate abgelegt (siehe hier), der diese Aktion mit seiner Frage auch ins Rollen gebracht hat.

Nun hat sich Tobi von dem Blog Lesestunden seine Gedanken zu dieser Frage gemacht. Er kam zu dem Schluss, dass diese eine Frage nicht genug sei, um herauszufinden, was hinter der Person steht, die für ihr Leben gern liest. Tobi hat mich, seit er seinen Blog eröffnet hat und mit Besprechungen zu Klassikern und schön gebundenen Büchern füllt, an der Angel. Auch ich habe nun mehr den Blick für das schöne Buch oder für den neu übersetzten Klassiker. Manche seiner Besprechungen waren der Grund dafür, dass das besprochene Buch auch in meinem Bücherschrank gelandet ist oder zumindest auf der Warteliste steht. Wenn er dazu aufruft, ein paar Fragen zu beantworten, bin ich gern mit an Bord. 

Warum liest du?

Man könnte auch süffisant zurück antworten: Warum nicht? Eigentlich ist es eine Tätigkeit, die in Fleisch und Blut übergegangen ist. So wie man sich früh seinen Kaffee macht (übrigens ein Getränk, welches ich gern zum Buch lesen neben mir stehen habe) oder abends seine Schnitte schmiert. Doch werden die meisten Menschen, die nichts mit lesen am Hut haben, dem entgegen setzen, dass es doch eine der einsamsten und langweiligsten Tätigkeiten ist, die man ausüben kann. Denen schleudere ich wiederum entgegen, dass es mitnichten so ist. Man lernt viele spannende Charaktere kennen, reist in Länder, die man entweder nicht besuchen möchte oder die es gar nicht gibt. Man betritt mit den Texten den Kopf eines anderen, liest seine Gedanken und erfreut sich daran (oder ärgert sich, wenn es einem nicht gefällt). Man reibt sich an den Texten und lernt für das weitere Leben. All dies sind Gründe, warum ich lese. Und natürlich auch, weil es Spaß macht.

Was liest du? Welche Genres bevorzugst du? Liest du auch Klassiker? Welche Autoren favorisierst du? Oder hast du keine bevorzugten Autoren?

Ich lese U- und E- Literatur, was früher, vor allem zu Schulzeiten, ganz anders war. Da war mehr Unterhaltungsliteratur gefragt, bei allen anderen bin ich nicht über die ersten 10 Seiten hinaus gekommen, weil es mir gähnend langweilig erschien. Heute geht es bei mir querbeet zu. Hier mal ein spannender Krimi, dort ein zeitgenössischer Gesellschaftsroman. (Fast) alles dabei, was man sich denken kann. Manchmal schiebe ich sogar ein Groschenroman ala John Sinclair ein, wenn mir danach ist. Selbst alten Schinken räume ich immer mal wieder den Raum ein, wobei ich gestehen muss, dass mich an vielen Stellen die antiquierte Sprache und die Lebensumstände in manchen klassischen Romanen vollends fremd sind und ich damit überhaupt nicht klar komme. Aber ich versuche es immer wieder. Kann man sich überhaupt vorstellen, bei der ganzen Masse an Stoffen überhaupt einen Lieblingsautor zu haben? Eigentlich nicht, aber hier kann ich den Bogen wieder zur U- Literatur schlagen, denn von Anfang an und immer noch ist mein Lieblingsautor Stephen King. Er schreibt so, dass man sich bei jedem Buch, was man von ihm in die Hand nimmt, wie zu Hause fühlt. Er ist mein ganz persönlicher Märchenonkel, bei dem es nie langweilig wird, auch wenn er manchmal ein und dieselbe Geschichte in einer anderen Variation schreibt.



Die Frage nach dem Wo und wieviel

Die Örtlichkeiten ändern sich immer mal wieder. Derzeit ist es meist abends zu Hause vor dem Schlafen oder in den wenigen Pausen, die mir am Tag bleiben, egal wo diese stattfinden. Mittlerweile habe ich mir auch angewöhnt, während ich zu Arbeit fahre, ein Hörbuch anzuhören, um mir die Bücher, die ich vielleicht auch mal lesen will, auf diese Weise zu Gemüte zu führen. Was die Menge angeht ist es bei mir immer abhängig davon, wie die Tage und Wochen vorher liefen (mit den Kindern, der Arbeit etc.) und an was für Büchern ich gerade dran bin. Sind es eher die leichten Lektüren oder diese Texte, bei denen es nur so flutscht, bekomme ich pro Monat an die 5 Bücher unter. Meistens tendiert es zu 1-3, aber eines schaffe ich mindestens immer. Lesepausen gibt es dabei keine, denn ein Tag ohne Lesen ist ein verlorener Tag und wenn es nur die 10 Minuten am Abend sind.

Über die Qualität und Quantität

Ich bin ein bekennender Langsamleser. Meistens geht es sogar soweit, dass ich mir eine Seite noch einmal durchlese, wenn ich mit den Gedanken gerade woanders war. So komme ich nie über ein gescheites Stundenpensum, wie es Petra in ihrem Beitrag geschrieben hat. Diese Zahl von 100 Seiten pro Stunde sind für mich ferne Welten. Abhängig vom Genre, Autor und ob ich rings um mich herum Ruhe habe gehen maximal 50 Seiten pro Stunde, meist ist es weniger. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mehrere Bücher parallel lese. So kann es mir auch mal passieren, wenn ich sturmfrei habe und Strohwitwer bin, dass ich mir einen Stapel von 5 Büchern bereit lege und in allen 5 Kapitelweise lese. 5 Bücher ist auch die Maximalanzahl an Büchern, die ich mir zutraue, parallel zu lesen. Alles weitere würde meinen Horizont, die Dinge zu erfassen und abzuspeichern, übersteigen.

Tb, Hardcover oder elektronisch? Die unvermeidlichen Fragen nach dem Format

Alles. Ich bin bei Taschenbüchern genauso dabei wie bei einem gebundenem Buch. Wobei ich in den letzten Jahren mehr dazu tendierte, Hardcover in meinen Bücherschrank zu lassen. Diesen Trend hat aber wiederum der eBook- Reader durchbrochen, den ich seit Anfang des Jahres in meinem Besitz habe. Dieser hat mich dazu gebracht, die Bücher, die ich von vornherein nur einmal lesen werde, als elektronisches Buch zuzulegen und habe mir mittlerweile eine Regel aufgestellt, dass ich nur noch wirklich schöne Bücher (schöne Aufmachung – vielleicht sogar mit grafischer Begleitung des Textes, Textsatz, interessante Neuinterpretierung des Textes, eine richtig gute Idee in der Umsetzung der Geschichte etc.) als klassische Papierausgabe kaufe und den Rest als eBook konsumiere. 
Ich habe es damit auch angedeutet, dass mittlerweile die Optik eines Buches und seine gesamte Aufmachung immer mehr in den Mittelpunkt meines Interesses rückt. Früher war mir das schnuppe, doch mittlerweile gibt mir das schon ein gutes Gefühl, wenn ich eine besondere Ausgabe in den Händen halte. Dafür gebe ich auch gerne ein paar Euro mehr aus. Konkret könnte ich jetzt keinen Preis nennen, aber wenn es wirklich gut gemacht ist, würde ich auch bis zu 50,-€ gehen, um ein Buch zu kaufen (wie zum Beispiel beim Schiff des Theseus). Verlagsseitig lege ich dabei keine Prioritäten fest, eher in die umgekehrte Richtung meide ich gewisse Verlage, weil ich weiß, dass deren Angebot nicht dem entspricht, was ich gerne lese.

Versorgungslücken

Wenn ich mir  Bücher kaufe, dann meistens beim Händler meines Vertrauens (die Bücherinsel in Frauenaurach – viele Grüße an Beate an dieser Stelle) oder bei der Büchergilde (bzw. eines ihrer Partnerbuchhandlungen im Raum Erlangen/Nürnberg, wovon es zum Glück gleich zwei hier gibt, die ein ausgesprochen gutes Sortiment haben, besonders die Buchhandlung von Ilse Wierny in Erlangen kann ich euch diesbezüglich allen ans Herz legen). Gebraucht habe ich mir bisher nur einmal ein Buch gekauft und Antiquariate bzw. Trödelmärkte noch nie gezielt aufgesucht, um mir ein Buch zu kaufen. Das werde ich wahrscheinlich erst tun, wenn die Muse und die Zeit dazu gekommen ist. Aktuell ist das durch eng gestecktes Zeitmanagement kaum möglich. 
Wenn ich mir mal kein Buch kaufe, dann leihe ich mir auch eins in der Bibliothek aus, was aber seltener vorkommt und das Buch gerade auch richtig gut passen muss. Meistens läuft das so ab, dass ich mir ein Buch ausgeliehen habe und es auch ungelesen wieder zurück gab, weil es einfach zeitlich nicht gepasst hat. Und Bücher selber verleihen? Habe ich bisher selten und bei den wenigen Gelegenheiten nur gute Erfahrungen gemacht. Viel lieber verschenke ich Bücher, egal ob sie mir gefallen haben oder nicht. Denn es ist mir jedes Mal eine Freude zu sehen oder zu hören, dass das, was man selber gelesen hat, auch andere lesen werden. Und ich muss mir keine Sorgen machen, ob das Buch wieder zu mir zurück kommt, denn das unterbinde ich durch das Verschenken von vornherein (wer ab und zu mal bei mir auf dem Blog vorbeischaut, bekommt da auch unter der Rubrik Gastrezension eine (fast) immer aktuell gehaltene Liste von Büchern, die ich nur gegen die Leistung einer Gastrezension verschenke, wobei ich da anmerken muss, dass ich es da mit der Rezension nicht so genau nehme, da es mich vor allem freut, wenn die Bücher weiterhin gelesen werden).

Die Menge machts. Und wohin mit dem ganzen Papier?

Als ich mit meinem Blog anfing gab es so etwas wie einen Stapel ungelesener Bücher gar nicht. Meist habe ich mir ein Buch gekauft (es geschenkt bekommen) und auch im fast selben Atemzug gelesen. Doch seit dem Beginn meines Blogs und seit ich Mitglied in der Büchergilde bin, wächst der Stapel Monat für Monat im bedenklichen Maße. Vor allem die unendlich vielen Buchtipps auf den anderen Blogs machen mich stellenweise fertig, da ich jedes einzelne, sofern mich der Inhalt anspricht, sofort lesen möchte. Ich glaube, dass mein Stapel der noch nicht gelesenen Bücher mittlerweile bei ungefähr 30-40 angelangt sein müsste, gezählt habe ich aber nicht.
Mittlerweile habe ich mir ein Entspannungskonzept zurecht gelegt, dass ich diese Bücher erst einmal in die Merkliste von amazon lege (uiii böse Falle, das böse a- Wort) und immer mal wieder überprüfe, ob ich diese Bücher denn überhaupt noch haben will. Mittlerweile bin ich durch den Tolino so entspannt geworden, dass ich mir meistens die gemerkten Bücher als eBook kaufe und dann elektronisch lese, vor allem dann, wenn ich diese nur einmal lesen werde. Das entspannt ungemein.

Ich weiß nicht mehr wohin damit….

Bücher gibt es aktuell an zwei zentralen Orten in der Wohnung. In einer offenen Schrankwand im Wohnzimmer (Staub putzen macht da besonders viel Spaß), im Schlafzimmer (ein Bett mit eingebauten Regal und dahinter – das gibt viel Platz) und natürlich bei den Kindern im Spielzimmer. 
Sortieren habe ich früher mal gemacht, als ich noch Single war und mir mit so einer Tätigkeit die Zeit vertrieben habe. Da gab es entweder den Sortierwahn nach Farbe oder nach Autor. Mittlerweile habe ich das aber aufgegeben, da es mir zu sinnlos erscheint und auch wenig zielführend, bei der Fluktuation die meine Bestände regelmäßig durchleben.


Über den Umgang mit Büchern oder wie ich lese

Viele markieren ja in ihren Büchern die wichtigsten Stellen mit Merkzetteln. Das habe ich eine Zeit lang auch gemacht, bin aber davon wieder abgerückt, da es mir immer zu aufwendig war, diese Zettel nach der Lektüre durchzugehen und das Entfernen danach hat nur noch genervt. Mittlerweile mache ich mir viel lieber nebenbei Notizen (in einem extra Heft) und versuche diese dann in spätere Besprechungen einfließen zu lassen. Viel lieber nutze ich während des Lesens eines klassischen Papierbuches ein besonderes Lesezeichen, welches mir meine Frau zum Geburtstag vor zwei Jahren geschenkt hat. Wer so ein Lesezeichen hat knickt keine Seiten mehr um, damit er sich die Stelle merkt, an der gerade eine Unterbrechung eintritt. Ist das spezielle Lesezeichen gerade nicht zur Hand nutze ich alles Mögliche als Lesezeichen, was mir gerade in die Hand kommt und das Buch nicht kaputt macht (Werbelesezeichen oder Papierschnipsel zum Beispiel). 
Apropos Unterbrechungen. Meist versuche ich, sobald ich ein Buch unterbrechen muss, das Kapitel zu Ende zu lesen. Ausnahmen sind natürlich, wenn die Unterbrechung durch die Kleinen zustande kommt. Dann höre ich selbstverständlich auch mitten im Satz auf. Von der Unterbrechung zum Abbruch ist es ein weiter weg, aber manchmal kommt auch das vor. Selten, aber es kommt vor. Meist versuche ich auch dabei etwas Gutes an dem Buch zu finden oder lege es erst einmal nur beiseite, um ihm eine zweite Chance zu geben. Mittlerweile habe ich nicht nur einen Stapel ungelesener Bücher angehäuft sondern auch einen kleinen angelesener und weggelegter Bücher, kann man das mit SAUWB abkürzen? 
Besondere Bücher, die ich gerne gelesen habe und die mir im Gedächtnis haften bleiben wie klebriger Kaugummi, versuche ich meist ein zweites Mal zu lesen. Ganz gelingt mir das in den letzten Jahren nicht, aber ab und zu versuche ich ein erneutes Lesen eines schon erlebten Romans dazwischen zu schieben. Vom Genre ist eigentlich alles dabei, Fantasy, Krimi, Thriller, Horror und Zeitgenössisches. 

Wenn deine Bücher plötzlich alle verloren gehen (z.B. Feuer, Hochwasser, böse Fee, …), welche drei Bücher würdest du dir sofort neu bestellen?

Wenn ich Trauer und Schmerz über diesen immensen Verlust verwunden habe… Nein Scherz. Falls dieser Fall jemals eintreten sollte, dann würde ich mir ohne mit der Wimper zu zucken folgende Bücher kaufen

Richard Lorenz – Amerika Plakate


Stephen King – The Stand (in der vollständigen Ausgabe – vielleicht auch gleich mal auf Englisch)

JRR Tolkien – Der Herr der Ringe

Danke Tobi für Fragen, die zum Nachdenken angeregt haben, über die Frage „Warum ich lese?“ weiter hinaus zu gehen und mein eigenes Bücherinteresse durchzudeklinieren. Ich hoffe ihr habt Spaß mit den Aussagen. Fragen, die ich nicht beantwortet habe, standen für mich entweder nicht zur Debatte oder waren so abwegig, dass eine Antwort eigentlich gar nicht gegeben werden muss (hinsichtlich Bücher wegschmeißen).

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3 Kommentare zu „[Notiz]: Wieso, Weshalb, Warum? – Fragen über Fragen 

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    1. Das Platzsparargument ist wirklich kaum zu schlagen ;-) ich habe mich mittlerweile an das Lesen damit gewöhnt, möchte aber auch das Papierbuch nicht missen. Die Mischung machts.
      Der SAUWB sollte eine Übertreibung zum SUB sein… Nieder den schrecklichen Abkürzungen :-)
      Gruß
      Marc

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