[Notiz]: 10 Fragen zu Büchern 

Auf dem Blog Sätze&Schätze wurde vor einiger Zeit ein Fragenkatalog bereitgestellt, bei dem es um Bücher geht, die einen geprägt, verändert oder einfach nur begeistert haben. Da ich an solchen Fragen und Aufstellungen einfach nicht vorbei gehen kann, möchte ich auch hier meinen Senf dazugeben und euch die Bücher vorstellen, die mein Leben bisher geprägt haben. Auf geht’s. (Kleine Anmerkung: Wie konnte ich diese Fragerunde letztes Jahr nur übersehen? Viele haben geantwortet ,nun auch ich.)

1. Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?


Als bewusst selber gelesen kann ich nur das Lustige Taschenbuch anführen, da es mit einer einschneidenden Erfahrung einhergeht – der Wende. Ich war damals 8 Jahre alt und wir fuhren nach Berlin. Die weite bunte Warenwelt erfasste auch unsere Familie. Natürlich hat mich das als Knirps damals überhaupt nicht interessiert. Das einzige, an was ich mich klammerte, war das Lustige Taschenbuch. Ich weiß sogar noch welche Nummer – es war die Nummer 29 (nein gelogen – ich habe nachgeschaut). Aber das Cover ist mir heute noch präsent (Mickey als Cowboy) und die Seiten waren noch abwechselnd schwarz/weiß und farbig.
Unbewusst habe ich wohl mehrere DDR- Kinderbücher verschlungen („Vom Jochen, der nicht aufräumen wollte“, „Bettina bummelt“ oder „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“), die heute alle wieder neu aufgelegt wurden, entweder als ausgewählte Einzelbänder oder als Sammelbücher im Beltz Verlag. Als ich diese Bücher zufällig das erste Mal wieder entdeckte (in einem Buchladen im Harz) hüpfte ich vor Freude, diese Schätze wieder entdeckt zu haben. Natürlich wurden die damals erhältlichen ersten zwei Bände gleich für das noch nicht geborene erste eigene Kind zum Vorlesen gekauft.

2. Das Buch, das deine Jugend begleitete?


Wolfgang Hohlbein – Der Widersacher. Mehrmals gelesen und dann über die Jahre leider wieder vergessen. Ebenfalls begleitet hat mich die Reihe „Charity“ vom selben Autor, bei der ich immer noch auf eine Fortsetzung warte. Prinzipiell habe in meiner Jugend sehr viel Hohlbein gelesen.

3. Das Buch, das dich zum Leser gemacht hat?


Da gibt es zwei Bücher, die das geschafft haben. Einmal Stephen Kind mit der ungekürzten Ausgabe seines Werkes „The Stand“. Was habe ich geflucht bei meinem ersten Anlauf und das Buch nach 200 Seiten in die Ecke gepfeffert, weil es nicht vorwärts ging, weil zu viele Personen auf einen einprasselten und nach dem rasanten Anfang einfach nichts mehr passierte. Doch nach vielleicht einem Jahr gab ich mir nochmal einen Ruck, fing von vorne an und konnte nicht mehr aufhören. Nach einer Woche des abendlichen Lesens (gefühlt jeden Abend vor dem Schlafen 200 Seiten) war ich durch dieses Buch durch und richtig begeistert. Jahre später konnte sich dieser Eindruck bei einem zweiten Mal durchlesen verfestigen.
Das zweite Buch ist von Günter Grass. „Die Blechtrommel“ war eines der wenigen Bücher, die mich auf einer Liste ansprachen, die wir als Schüler in einem Vortrag in der 11./12.Klasse vorstellen sollten. Keiner wollte diesen dicken Schinken lesen, also schrieb ich meinen Namen dahinter. Von Neugier und Ehrfurcht geprägt packte mich dieses Drama, dass 2 Weltkriege und die Zeit dazwischen und danach umfasst. Auch dieses Buch las ich Jahre später ein zweites Mal und fand es immer noch richtig gut. Kleiner Nebenpunkt: Ich las das Buch in dem Jahr als Günter Grass den Nobelpreis für Literatur verliehen bekam – Zufälle gibt’s.

4. Das Buch, das du am häufigsten gelesen hast?


Stephen King – Der dunkle Turm (mit Ausnahme vom 8.Band: „Wind“). Alle dreimal gelesen. Zweimal auf Deutsch und einmal auf Englisch. Da nächstes Jahr dazu die Kinoverfilmung ansteht (endlich), strebe ich für 2017 ein „Dunkler Turm“- Spezial auf meinem Blog an (inklusive aller acht Romane und der bisher in meinem Besitz befindlichen Graphic Novels von Marvel). Seid gespannt.

5. Das Buch, das dir am wichtigsten ist?


Siehe Punkt 4. Dieses 7 Bücher haben mein Leben geprägt, obwohl ich sie erst sehr spät entdeckte und mich dem Schriftsteller King näher gebracht als jedes andere Buch von ihm. In diesen Büchern bringt er seine Kunst auf einen Höhepunkt, auch wenn ihm dabei zum Schluss ein wenig die Puste ausging. Trotzdem ganz großes Kino.
Wenn ich aber speziell ein Buch aus diesen 7 herauspicken müsste, dann ist es der vierte Band – „Glas“. Da bringt King eine Liebesgeschichte unter, die begeistert und die mich beim ersten Lesen so unendlich traurig zurück ließ, dass ich noch wochenlang darüber nachdachte. Lest es und ihr werdet verstehen. An diese Liebesgeschichte wird für mich nie wieder eine heranreichen.

6. Das Buch, vor dem Du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?


„Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace. Fasziniert mich schon seit seinem Erscheinen auf Deutsch und steht seit zwei Jahren im Schrank bei mir, als ich es geschenkt bekam. Ich hatte es schon mehrfach aufgeschlagen vor mir liegen und mich dann doch nicht getraut. Zu groß die Erwartungen, zu groß der Respekt.

7. Das Buch, das Deiner Meinung nach am meisten überschätzt ist?


Jedes Buch, das durch den Deutschen Buchpreis angepriesen wird. Das soll nicht bedeuten, dass diese Bücher schlecht sind – das steht außer Frage. Ich finde nur, dass die heiße Luft, die mit diesen ausgewählten Werken produziert wird leider nicht auf andere, ebenfalls gute Bücher des jeweiligen Jahrgangs übergeht. Diese Fokussierung auf 6 Werke des jeweiligen Jahrgangs, wenn wir mal im Kontext der Shortlist bleiben, ist für mich das Kriterium der Überbewertung.

8. Das Buch, das Du unbedingt noch lesen willst – wenn da einmal Zeit wäre?


Siehe Punkt 6 und außerdem noch Frank Witzels Teenager, den ich aufgrund der begeisterten Besprechung auf Jochens Blog lustauflesen.de auf den Schirm bekam.

9. Das Buch, das Dir am meisten Angst macht?


Ich nehme mal an, dass Angst hier im ursprünglichen Sinne gemeint ist. „Opernball“ von Joseph Haslinger machte mir am meisten Angst, da es mich beim damaligen Lesen richtiggehend schockierte, ob der schonungslosen Situation. Liegt schon für eine Zweitlesung bereit.
Ebenfalls richtigen Schrecken hat das Buch „Amok“ von Stephen King unter seinem Pseudonym Richard Bachmann verbreitet. In den 70ern geschrieben ist es heute noch so aktuell wie damals.

10. Das Buch, das du selbst gern geschrieben hättest?


Ganz klar: Richard Lorenz – „Amerika-Plakate“ Ein Sprache, wie aus einem Traum, die Bilder entstehen lassen, die in einem selber schlummern und durch dieses Buch ans Tageslicht kommen.

2 Kommentare zu „[Notiz]: 10 Fragen zu Büchern 

Gib deinen ab

  1. Lieber Marc,
    siehst Du, dann war es doch gut, dass ich den Beitrag nochmals hervorgekrustelt habe. Auf Deine lebhaften Erinnerungen an das erste Buch möchte ich als Mitleserin keineswegs verzichten – das ist sehr eindrucksvoll.
    Und zum Unendlichen Spaß: Ja, ich hatte es auch lange rumstehen, bis ich mich drangewagt habe. Wie es ausging, verrate ich Dir aber lieber nicht.

    Danke für Deinen anregenden Antworten!

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