[Projekt Entschleunigung]: Erste Erfahrungen und Indiebookday

Meine Bücher, die ich demnächst lesen werde

Seit Anfang des Jahres läuft mein Entschleunigungsprojekt und ich habe in dieser kurzen Zeit schon ein paar Erfahrungen innerhalb von diesem Vorhaben gemacht, die ich gerne mit euch teilen möchte. Einfach weil es sich gut anfühlt und ich für meinen Teil diese Entspannung sehr genieße und weil ich bisher so viele schöne und gute Bücher lesen durfte beziehungsweise dabei bin zu lesen, dass es gar nicht schmerzt, die großen, aktuellen Bücher des Jahres zu verpassen (sie rennen ja nicht weg).
Als kleinen Bonus habe ich noch einen kleinen Abschnitt eingefügt, der sich mit dem Indiebookday beschäftigt. Warum habe ich das eingefügt? Weil ich diesen Tag und den Fokus auf die unabhängigen Verlage für wichtig halte und deshalb mein Buchkaufverbot kurzzeitig außer Kraft gesetzt habe.

Neuerscheinungshamsterrad oder muss ich das wirklich alles sofort lesen?

Da sich das Rad der Neuerscheinungen in jedem Jahr immer schneller zu drehen scheint und es gefühlt immer zu viele Bücher sind, die potentiell gelesen werden wollen, ist es nicht schlecht, wenn man auf die Bremse tritt, einen Schritt zurück geht, tief Luft holt und auf dieses wahnsinnige Hamsterrad schaut, welches sich jedes Jahr schneller dreht. Darauf zu blicken, wie alle vom wilden Hans gebissen hinter dem next big Bestseller hinterherrennen oder wie verrückt alle ein und dasselbe Buch durchkauen, dass man schon eine Gänsehaut bekommt, wenn nach gefühlten 100 Besprechungen wahnsinnig wird, wenn man das 101.Mal dieses eine Cover sieht. Man stumpft gegenüber diesen Büchern ab und bei mir erzeugt es genau das Gegenteil dessen, was eigentlich bezweckt werden soll. Es gibt mir das Gefühl, dieses oder jenes Buch schon zigmal in der Hand gehalten zu haben und das ich es mindestens schon einmal gelesen habe. Genau aus diesem Gefühl heraus habe ich für mich Anfang des Jahres beschlossen, auf Neueinkäufe zu verzichten (mit Ausnahme der Quartalskäufe der Büchergilde und für den Indiebookday habe ich mich auch weich klopfen lassen), etwaige gute Bücher auf eine Merkliste zu setzen und meine Bestände abzubauen. Sollten sich nach einem Jahr des Wartens einige der neuerschienen Bücher als würdig erweisen, mich immer noch zu begeistern, werde ich sie mir zulegen oder zumindest in der Bibliothek ausleihen. Das ist die erste Stufe dieser Lernkurve. Ich habe keine Lust mehr, dem neuesten Schrei hinterher zu hetzen. Natürlich gehen mir da einige Dinge durch die Lappen, aber ich bin keiner der dem hinterher trauert oder sich Gedanken darum macht, dass ich auf meinem Blog Leser verliere beziehungsweise keine dazu gewinne, wenn ich das Neueste Buch nicht bespreche. Das ist für mich zweitrangig, denn ich freue mich auch darüber, wenn die, die mich auf ihre Blogroll gesetzt haben, regelmäßig vorbei schauen und sich an den Besprechungen erfreuen, die Bücher behandeln, die vor mehr als zwei Jahren erschienen sind.

Angesammelte Schätze

Bisher ist es mir im noch jungen Jahr gelungen, mich aus dem Karussell herauszuhalten und den Büchern zu widmen, die mein Regal respektive eBook- Reader bevölkern. Da ich seit über einem Jahr gemischt lese, komme ich bisher auf eine Zahl von 7 durchgelesenen Büchern (was für mich persönlich eine sehr stattliche Zahl ist) und derer drei, die ich gerade parallel bearbeite, wobei eines zum Projekt Nummer zwei in diesem Jahr gehört (Stichwort Dark Tower). Vor allem bin ich erstaunt, was für einen Fundus an guten bis sehr guten Geschichten sich in den letzten Jahren bei mir angesammelt hat. Ich habe bisher nur gute Bücher gelesen, keine Ausreißer in den Bereich eines Verrisses verzeichnen können und ein Abbruch war bisher auch nicht in Sicht. Eher im Gegenteil. Von den bisher 7 ausgelesenen Büchern sind potentiell drei dabei, die für mich persönlich schon jetzt zu den Highlights in 2017 gehören und eines der Bücher, die ich aktuell gerade lese, wird sich in diese Liste mit einreihen. Das Entschleunigungsprojekt zeigt mir damit schon zu diesem frühen Zeitpunkt des Jahres auf, dass es sich lohnt, Zeit zu nehmen, um seinen angehäuften Schätzen mehr als nur kurze Augenblicke zu widmen.

Indiebookday und meine eigenen Gedanken im Zusammenhang mit dem Entschleunigungsprojekt

Indiebookschönheiten im Doppelpack

Da ich den Artikel auch in nahem Zusammenhang mit dem Indiebookday geschrieben hatte, möchte ich auch ein paar Erfahrungen teilen, die ich im Zusammenhang mit diesem speziellen Buchkauftag gemacht habe, der sich am Samstag, den 18.03. zum fünften Mal stattfand.


Als ich anfing mit Lesen, war es mir schnurz, woher ein Buch stammte, Hauptsache die Geschichte gefiel mir. Da ich meist bei Taschenbuchausgaben landete, waren die Verlage also wurscht. Auch als ich mit dem Schreiben über Bücher anfing, war es mir nicht bewusst, wie vielfältig die Verlagslandschaft eigentlich ist. Ein paar spezielle Verlage fielen einem immer ins Auge, aber das waren meist die üblichen Verdächtigen von den großen Häusern. Doch mit meinem Blog ging auch gleichzeitig der Blog We read Indie an den Start und auch der Indiebookday war noch relativ jung. Der Fokus legte sich zwar nicht sofort auf diese Verlage, aber das Interesse war geweckt.
Letztes Jahr nahm ich am Debütpreis als Juror teil und wurde dabei auf viele Bücher aufmerksam, die in kleinen, unabhängigen Verlagen erschienen sind. Diese Bücher ließen mich nicht nur mit ihrer Geschichte begeistert zurück, sondern auch teilweise, wie diese Bücher aufgemacht waren. Das Augenmerk richtete sich nun auch auf den Buchumschlag, die Bindung, den Textsatz, die Wertigkeit des Papiers und viele andere Punkte, die mir vor 10 Jahren vollkommen egal waren. Eine völlig neue Welt offenbarte sich. Davon abgesehen empfand ich die Geschichten, die in den unabhängigen Verlagen erscheinen, vielschichtiger, interessanter und spannender im Sinne des Kontextes, was sie erzählen. Wenig Mainstream, dafür vielfältige, zeitgenössiche Romane, die nicht immer dem selben Abläufen und Mustern folgen. Natürlich sind da auch Stoffe dabei, an denen man sich reiben kann (siehe zum Beispiel meine Besprechung zu dem Buch „Meine fünf Jahre als Vater“ erschienen im Luftschaft Verlag) und die einem einiges abverlangen oder deren Texte so absurd gestaltet sind, dass man allein deswegen dran bleiben will. Ich habe dann mal für mich in den letzten Wochen und Monaten durchgezählt und geschaut, wie viele Bücher ich aus unabhängigen Verlagen gelesen habe und gemerkt, dass die Quote gegenüber den großen Verlagshäusern unablässig steigt. Ich kann nur sagen, schaut auf die unabhängigen Verlage, lest deren Bücher und kauft sie euch, denn sie stehen für eine lebendige Buch- und Geschichtenlandschaft und bringen dadurch Schwung in die Bude.
Wer sich informieren möchte, welcher Kriterien für einen unabhängigen Verlag angesetzt werden, der schaut mal unter dem folgenden Link: Kurt Wolff Stiftung. Bei dem schon genannten Blog We read Indie sind einige unabhängige Verlage aufgeführt (klick).

7 Kommentare zu „[Projekt Entschleunigung]: Erste Erfahrungen und Indiebookday

Gib deinen ab

  1. Hallo :)

    Durch die Stöberei beim Litnetzwerk bin ich endlich einmal wieder hier bei Dir auf dem Blog gelandet und ich finde Deine Herangehensweise an die Bücher sehr interessant. Ich selbst habe zwei Lieblingsverlage – keine Indies – bei denen mich das neue Programm immer sehr reizt, aber auch die Backlist sehr verführerisch ist. Umgekehrt habe ich durch viele Gewinne eine stattliche Anzahl ungelesener Bücher im Regal und ich bemühe mich, dass sich beides so ungefähr die Waage hält, wenn es ums Lesen geht. Entschleunigung bräuchte ich wohl mehr im beruflichen Teil meines Lebens, aber das ist ein anderer Punkt und die Bücher helfen dabei durchaus – egal, ob neu oder Backlist.

    Ich muss wirklich öfter mal bei Dir vorbeischauen und mich gerade bei der Entschleunigung wohl auch mehr inspirieren lassen.

    Danke für diesen schönen Artikel!

    Liebe Grüße
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sarah,

      schön, dass du mal wieder vorbei schaust.
      Entschleinigung ja, aber mit ein bisschen Gas geben. Ich habe das Projekt mittlerweile etwas aufgeweicht, zu groß wurde der Drang, in die Buchhandlung zu gehen ;-) Das werde ich wohl auch noch in einen abschließenden Beitrag erzählen.

      Liebe Grüße
      Marc

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  2. Hallo lieber Marc,
    war ich schon mal bei dir hier? Ja? Nein? Warum denn nicht? Ich entschleunige gerade mein Leben, in dem ich vor allem Dinge tue, die mir gut tun. Nicht in eine Buchhandlung zu gehen, gehört da eindeutig nicht dazu. 😉
    Ich finde es manchmal auch sehr befremdlich, wie diverse Bücher plötzlich zu hundertfach in die Bloggerkamera gehalten werden, wie es zu diesen Büchern dann etliche Rezensionen gibt. Ich habe auch den einen oder anderen Verlag, dessen Bücher ich lieber lesen möchte, als diesen „gehypten“, oftmals doch auch Einheitsbrei.
    Ganz liebe Grüße
    Karin

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Karin,

      ich glaube, das war dein Premierenbesuch und ich sage herzlich Willkommen :-)
      Mittlerweile war ich auch wieder in der Buchhandlung meines Vertrauens und habe eingekauft, also soviel zum Thema Entschleunigen ;-) Was mir aber in dem ganzen Zirkus weiterhin aufstößt, sind die Vorschauen weit vorab, da will ich lieber zurück blicken und mir Bücher vornehmen, die schon fast wieder in Vergessenheit geraten in diesem ultraschnellen Hamsterrad.

      Liebe Grüße
      Marc

      Liken

  3. Huhu, das mit der Entschleunigung finde eich eine tolle Idee und mich gewinnt man so als Leser sogar noch eher dazu. Mir geht es nur auf die Nerven, wenn ich auf jedem einzelnen Blog immer und immer und immer wieder die selben Bücher sehe und nirgends mehr auch nur etwas Vielfalt und Individualität ist. Ich mag Blogs, die auch ältere Bücher und Bücher abseits des Mainstreams besprechen, die dafür sorgen, dass ich auch noch vollkommen unbekannte neue Schätze finden kann. Ich werde daher genau darauf achten, was du uns so vorstellen wirst und ich glaube, ich schließe mich an, ich hatte erst einen Buchkaufrausch :D. Wobei ich bewusst Bücher genommen hab, die auch schon älter sind. Und jetzt widme ich mich einfach mal den RuB hier bei mir und schaue, was ich so für Schätze stehen habe :).

    Und danke für den Blogtipp, ich kannte We read Indie noch gar nicht!

    glg Franzi

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Franzi,

      Antwort hat ein wenig auf sich warten lassen.
      Ich versuche da ein bisschen dem Mainstream aus dem Weg zu gehen, obwohl ich diese Bücher auch teilweise da habe. Bespreche ich sie halt später, sozusagen antizyklisch, was ja der Entschleunigung ebenso entspricht, dem neuesten Trend nicht hinterher zu hecheln.
      Freut mich, wenn du hier ab und zu vorbei schauen möchtest.

      Liebe Grüße
      Marc

      Liken

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