[Projekt Dark Tower]: Turmdämmerung?

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Die Verfilmung des Zyklus steht nun auch in Deutschland in den Startlöchern. Ab dem 10.08.2017 kann man sich nun eine Woche nach offiziellem Start in den USA auch hier ein Bild von dem Konzentrat an Film machen, der es unweigerlich darstellen wird. Bevor ich in den kommenden Zeilen etwas näher auf zwei Kritiken aus dem deutschen Feuilleton eingehen möchte, erwähne ich, dass ich den Film aufgrund von Urlaubsvorbereitung und -ausführung wohl erst in frühestens zwei Wochen ins Kino gehen kann und mir somit bisher nur die Trailer und einige Kritiken bleiben, um mitreden zu können. Mir fehlen also die kompletten knapp 90 Minuten des Films, um eine detaillierte Kritik meinerseits loszuwerden.

Vor einigen Wochen, es war im Mai, kam der erste Trailer zu „Der dunkle Turm“ weltweit an die Öffentlichkeit. Gegenüber dem Trailer von „ES“, einer weiteren Verfilmung eines Kingromans, der auch in diesem Jahr ins Kino kommt und der schon jetzt einige Rekorde brach, verlief die Aufregungskurve beim Trailer um den Revolvermann in eher verhaltenen Bahnen. Ich hatte aber Gänsehaut, da einige der Aussprüche in den Trailer übernommen wurden und der Look an sich in meinen Augen recht gut getroffen wurde. Andererseits konnte man aus dem Trailer schon erkennen, dass es keine eins zu eins- Umsetzung des Stoffes werden wird. Diese Befürchtungen wurden Wirklichkeit, als wenig später Informationshäppchen zu dem Film verbreitet wurden, die besagten, dass dieser Film als eine Art Fortsetzung zu sehen sei und eine Art Startschuss für eine Sammlung an Serien und weiteren Filmen sein soll. Kurze Zeit später kursierte noch die Nachricht, dass der Film auch noch weniger als 100 Minuten Spielzeit haben soll, was bei einer Verfilmung eines 4000 seitigen Mammutwerkes nicht gerade für Freudensprünge sorgt und dementsprechend waren die Reaktionen. Nun läuft das Endergebnis seit Anfang August in den amerikanischen Kinos und ab dem 10.08. in Deutschland und die Reihe an negativen Kritiken reißt nicht ab. Seien sie verhalten, die gewisse Punkte an dem Film kritisieren oder unverhohlen offen den Film an den Pranger stellen. Dieser Artikel ist jetzt sozusagen eine Art Luft ablassen meinerseits, da mich diese ganzen Kritiken langsam nerven und manchmal in meinen Augen, auch wenn ich den Film noch nicht kenne, als ungerechtfertigt anzusehen sind. Anhand zweier Artikel möchte ich diese Meinung ein wenig vertiefen.
Heute sind einmal im Spiegel und auf der anderen Seite in der FAZ jeweils eine Besprechung zum genannten Film erschienen. Beiden Artikeln merkt man an, dass der Film nicht zum großen Wurf gelingt, aber die Herangehensweise beider Texte ist vollkommen unterschiedlich und ließt man nur einen der beiden, geht man mit völlig unterschiedlichen Meinungen in den Tag und vielleicht zählt auch hier wieder, dass, wenn im Spiegel ein Film verrissen wird, dass er eigentlich nicht schlecht sein kann. Fangen wir auch mit dem Spiegelartikel an.
Dieser ist von Tim Slagman geschrieben, der mir durch ein wenig Recherche als Kulturjournalist angezeigt wird. Er ist schon einige Zeit im Geschäft und weiß somit, wie man solche Artikel zu schreiben hat. Ließt man sich die Filmkritik zu „Der dunkle Turm“ oberflächlich durch, so könnte man meinen, dass der Mann sich auskennt. Doch geht man tiefer rein und schaut sich gewisse Passagen an, merkt man, dass er sich die meisten Informationen wahrscheinlich im Netz zusammen gesucht hat (falls Tim sich hierher verirrt – so wirkt es leider). Wer die Bücher kennt, der merkt, dass der die Vorlage nicht zur Gänze erfasst (oder überhaupt gelesen?) und nur Allgemeinplätze zu diesem Werk vorzuweisen hat, die in meinen Augen völlig zusammenhanglos in den Text geknallt werden, um mit Wissen über diesen enormen Zyklus zu glänzen. Im Endeffekt rennt er dem großen Pulk der negativen Kritiken hinterher, die seit ein paar Tagen über den großen Teich schwappen. Zwar gut geschrieben, aber schlecht zusammengesetzt und in meinen Augen völlig am Ziel vorbei geschrammt.
Dem entgegen schreibt Dietmar Dath in der FAZ einen völlig anderen Text. Dath, den ich für seine Kritiken an den Romanen von Stephen King sehr schätze und bei dem ich weiß, dass er die Bücher um den dunklen Turm auch wirklich gelesen hat (siehe zum Beispiel hier – ich warne vorsichtshalber mal vor Spoilern), macht in seiner Kritik alles richtig. Er geht auf die Schwächen des Filmes ein, die definitiv vorhanden sind, setzt sie in den Kontext der Vorlage und macht daraus einen runden Text, der aufzeigt, auf was man sich einlässt, wenn man den Film anschauen will. Vor allem macht er ihn nicht runter, wie es im Spiegel geschieht. Er warnt vor, macht aber auch gleichzeitig Mut, dass der Film nicht völliger Schwachsinn ist, wie ich es in den letzten Tagen öfter lesen musste und wie es sich wie ein roter Faden durch alle Kritiken (englische und deutsche) zieht. Bei dem Großteil hat man das Gefühl, dass sie die Vorlage nicht kennen und einfach allen anderen ihre Meinung nachplappern. Leider sind diese in der Mehrheit und dadurch gehen die wirklich konstruktiven Kritiken unter. Die, die sich der Vorlage bewusst sind und auf Schwächen beziehungsweise auch Stärken des Filmes eingehen, statt nur mit dem Baseballschläger volle Pulle auf das Werk einzuschlagen. Die zweite Kategorie und auch der Text von Dietmar Dath machen mir Mut, dass der Film der Auftakt zu einer Reihe von Serien und weiteren Filmablegern ist und in einigen Jahren noch darüber gesprochen wird. Bei den ganzen negativen Kritiken wird immer davon ausgegangen, dass diese 90 Minuten alle acht Bände ineinander vereinen, was vollkommener Quatsch ist und so auch nicht die Absicht der Produzenten von diesem Film war.
In der Summe freue ich mich immer noch auf den Film, bin aber ein wenig gedämpft in meiner Vorfreude. Was will man auch in neunzig Minuten erzählen, wenn nicht nur eine kurze, gestraffte Introduktion des Stoffes? Ich bin aber auch positiv überrascht, dass man nicht einen Dreistünder daraus gemacht hat, was in den heutigen Zeiten aufgeblasener Blockbuster ein wohltuendes Gegenstück an Konzentration auf die wesentlichen Zutaten ist. Sobald ich den Film gesehen habe, werde ich euch natürlich an dieser Stelle meine ausführliche Meinung kundtun.

P.S.: So und nun bin ich aber wirklich im Urlaub.

P.P.S.: Wer den Film schon vorher sieht, kann unter diesen Text selbstverständlich eine Kurzkritik loswerden. 

4 Kommentare zu „[Projekt Dark Tower]: Turmdämmerung?

Gib deinen ab

  1. Hatte heute morgen beide von Dir genannten Rezis gelesen und sehr ähnlich gedacht wie Du – meinen herzlichen Dank fürs In-Worte-setzen :-) Bin neugierig, wie Dein Eindruck werden wird, ich selbst schau mir den Streifen wohl erst späre an. Dafür lese ich momentan die ersten fünf Bände der Comic-Adaption …
    Liebe Grüße und noch schönen Urlaub!

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo,

    Hab nun nicht die Spiegelkritik gelesen, wohl aber den Text von Herrn Dath.

    Ich erwarte nicht dass er perfekt sein wird. Ich erwarte auch nicht das alles aus den Büchern erwähnung findet. Ich frage mich auch ernsthaft, wie man das auch nur erwarten kann bei solch einer Länge, das hinterfragen dessen ist mir schon schleierhaft. Ich denke, ich werde Freitag einen Film sehen, der mich unterhält, und der einige anleihen an King’s Werke hat. Mehr nicht.
    Mehr sollte man denke ich auch nicht erwarten. Denke nämlich genau das ist das Problem.Es sit ein Mix einiger Elemente die wir kennen aber anders kombiniert. Ich werde ihn Freitag sehen und werde dir dann selbstverständlich gern schreiben was ich davon gehalten habe.
    Liebe Grüße
    Hans

    Gefällt 1 Person

  3. Hi Marc,
    bei mir wird es leider auch noch ein paar Tage dauern bis ich den Film sehe. Ich liege gerade mit Sommergrippe im Bett.
    Ich hatte die Kritik bei Spiegel gelesen und sie sehr gemischt aufgenommen. Sie war ja zwei geteilt und meinte, dass sie einerseits als Actionfilm funktioniert, andererseits als Film für Fans total schlecht sei und auch zu wenig erklärt. Er kritisiert, dass Walter der Hauptantagonist ist und der eigentlich Antagonist nur nebenbei erwähnt wird. Dabei musste ich zurück an Schwarz denken. Der Roman hat zumindest mich auch sehr im Dunkeln gelassen, insbesondere wenn es um den scharlachroten König ging. Ich hab also den Eindruck, dass der erste Dunkle Turm Film vieles so ähnlich macht wie die ersten Bücher. Es ergäbe auch gar keinen Sinn, wenn man versucht hätte in einem Film das gesamte Multiversum aus der Dunkle Turm zu erklären. Ich hatte außerdem irgendwo gelesen, dass der Film erstmal diejenigen abholen soll, die sich nicht im King-Multiversum auskennen. Das scheint ihm ja selbst nach der Spiegel-Kritik gelungen zu sein. Ich gehe also auch davon aus, dass man durchaus seinen Spaß mit dem Film haben kann.
    Grüße
    Sven

    Gefällt 2 Personen

  4. Lieber Marc,

    ich habe heute Abend den Film gesehen. Hier meine Bewertung: http://www.books2cats.wordpress.com. Ich kann nichts Negatives sagen. Es war ja klar, dass 7 Bände nicht in 95 Minuten gepresst werden konnten. Hintergrundwissen war aber durchaus angebracht, denn vieles blieb unbeantwortet, z.B. wer der Crimson King ist. Erwähnt wurde er, aber nur am Rande.

    LG und viel Spaß beim Filmschauen,

    Susanne

    Gefällt 1 Person

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