[Pojekt Dark Tower]: Die verborgene Tür in Atlantis – Ein Gastbeitrag von Sven Fischer


Heute kommt wieder ein wenig Leben in das Projekt Dark Tower, indem ich euch einen Gastbeitrag von Sven, der den Blog 
„It’s a blob“ betreibt. Er beschreibt darin seinen Einstieg in die Welt des dunklen Turms. Viel Spaß damit.
Auch bei mir tut sich wieder etwas in Sachen Dark Tower. Nachdem ich eine Weile in Derry unterwegs war, brauchte ich ein klein wenig Abstand von King. Doch nun habe ich wieder ein paar Seiten von „The Drawing of the three“ gelesen und war sofort Feuer und Flamme. Bald und hoffentlich noch in diesem Jahr mehr auf dieser Welle.

Einer der ersten Blogger, dem ich in WordPress gefolgt bin, ist Marc von Lesen macht glücklich. Nichtzuletzt bin ich durch seine Beiträge über den Dunklen Turm von Stephen King gekommen, zu dem ich ja nun auch schon einige Beiträge veröffentlicht habe:

Dabei hat mich besonders das Projekt Dark Tower interessiert, an dem ich gerne Anteil haben wollte.

Projekt Dark Tower

Marc selbst ist, wie er auf seinem Blog schreibt, auf die Idee zum Projekt gekommen als er an einer anderen Aktion teilnahm. Bei dieser ging es darum einen Klassiker vorzustellen. Schnell habe ich herausgefunden, dass Marc Fragen und Aktionen etwas unorthodox beantwortet. So stellte er The Stand von Stephen King vor und von da war der Weg nicht mehr weit zum Projekt Dark Tower. Ich wusste aber auch, dass ich meinen Beitrag etwas unorthodox gestalten wollte. Da ich selbst nicht nur über Bücher schreibe, sondern auch gern koche, hatte ich die Idee Revolvermann-Buritos zuzubereiten. Allerdings fehlten mir noch die Ideen und ein Rezept (mittlerweile habe ich aber doch weitere Ideen und vielleicht kommt da noch was), außerdem soll der Artikel etwas mit der persönlichen Leseerfahrung zu tun haben.

Stephen King

Bevor ich vom Dunklen Turm erfahre habe, hatte ich angefangen Stephen King zu lesen. Ich war vierzehn oder fünfzehn, alles was ich über King wusste, war, dass er Horrorgeschichten schreibt und diese zu lesen war für mich eine persönliche Mutprobe. Das erste Buch, dass ich las war The Stand, dann kamen Carrie, The Green Mile, der Sturm des Jahrhunderts, das Mädchen und irgendwann schließlich Atlantis oder Hearts in Atlantis wie der englische Titel lautet.

Hearts in Atlantis

Hearts in Atlantis ist gleichzeitig eine Sammlung von Novellen als auch ein Roman. Der Roman besteht aus fünf Novellen und kritisiert den Vietnamkrieg oder vielmehr wie Veteranen von der (amerikanischen) Regierung und Bevölkerung behandelt werden. Für den Überblick hier ein kleiner Abriss über die fünf Novellen. Ich hab die Personen farblich markiert, damit man einigermaßen den Überblick behält.


Niedere Männere in geben Mänteln

Bobby, ein Junge kurz vor der Pubertät, verlebt einen Sommer mit seinen Freunden Carol und John. Bobbys Vater ist verstorben und er und seine Mutter leben in armen Verhältnissen, weil der Vater angeblich Schulden hinterlassen. Dies stimmt aber nicht und die Mutter geht nur eigennützig vor. Als ein neuer Nachbar, einzieht sieht Bobby eine Vaterfigur in diesem. Weil die Mutter merkt, dass sich Bobby, dank des neuen Nachbarn, emanzipiert, versucht sie diesen zu denunzieren. Das gelingt ihr als sie den Nachbarn, mit Bobby und dessen Freundin Carol in einer scheinbar verfänglichen Pose findet. Dem vorangegangen ist aber, dass Carol vom Rowdy Willie verprügelt wird und Bobby ihr nur helfen wollte. Außerdem stiehlt Willie einen Baseballhandschuh von Bobby. Der Nachbar verschwindet danach auf mysteriöse Weise.

Herzen in Atlantis

Pete ist Student und verliebt sich einerseits in Carol und wird andererseits süchtig nach dem Kartenspiel Hearts. Durch das Spiel vernachlässigt er die Uni und verliert beinahe sein Stipendium. Ohne Stipendium würde er ins Militär eingezogen und müsste in den Vietnamkrieg ziehen. Er überwindet aber seine Sucht und wird von der Friedensbewegung angezogen. Carol wird eine Terroristin für diese Organisation, was irgendwie schon paradox ist.

Blind Willie

Willie hat im Vietnamkrieg gemeinsam mit John gedient und empfindet für die von ihm Getöteten und auch dafür wie er Carol in seiner Kindheit gequält hat, tiefe Schuld. So scheint er sich verantwortlich dafür zu fühlen, dass Carol Terroristin geworden ist. Aus Buße führt Willie ein Doppelleben und verkleidet sich als Geschäftsmann um seine Frau zu täuschen und dann als Bettler. So bettelt er jeden Tag und spendet das erbettelte Geld an die Kirche.

Warum wir in Vietnam sind

John, der beste Freund von Bobby aus Kindheitstagen, hat mit Willie im Vietnamkrieg gedient. Auf der Beerdigung eines Vietnamveteranens brechen die Erinnerungen über John herein. Durch einen Herzinfarkt und eine Vision kommt er ums Leben. In der Vision fallen verschiedene Alltagsgegenstände brutal auf die Erde herab und verletzen Menschen schwer. Einer der Gegenstände ist Bobbys Baseballhandschuh der diesem von Willie gestohlen wurde. Nach dem Ende der Vision sind alle Gegenstände verschwunden, nur der Handschuh liegt noch in Johns Schoß.

Heavenly Shades of night are falling

Bobby und Carol treffen sich auf Johns Beerdigung wieder. Carol ist verkleidet anwesend und gibt sich erst im Nachhinein und nur für Bobby zu erkennen. Aus Johns Testament hat Bobby seinen Baseballhandschuh bekommen, in welchem sich eine Nachricht vom mysteriösen Nachbarn aus Niedere Männer in gelben Mänteln befindet, welche Carol zu Tränen rührt.


Niedere Männer in gelben Mänteln

Wie komme ich jetzt aber von Hearts in Atlantis zu The Dark Tower? Ganz einfach. Der mysteriöse Nachbar ist niemand geringeres als einer der stärksten Brecher Ted Brautigan. Niedere Männer in gelben Mänteln ist sogar sein allererster Auftritt in einem Werk von King. An der Seite von Bobby erfährt man so einige Dinge und Andeutungen über Mittwelt, den scharlachroten König, den Brechern, Algul Siento, dem Rosenfeld und dem Turm. Ted ist aus Algul Siento in Bobbys Welt geflohen und versteckt sich in dessen Nachbarschaft. Die namensgebenden niederen Männer sind Taheen. Ted bittet Bobby, darum bestimmte Warnzeichen zu beachten und sie an Ted weiterzugeben. Bobby will das erst tun, sagt Ted dann aber doch nicht, dass er die Anzeichen der niederen Männer gesehen hat, weil er befürchtet, dass Ted wieder verschwinden könnte. So ist er letzten Endes daran Schuld, dass die Taheen Ted finden. Bobby kann sich das nicht verzeihen und wird kriminell. Nachdem er im Gefängnis einsaß, erhält er einen Brief von Ted in dem nichts außer Rosenblätter sind. Dennoch weiß Bobby nun, dass Ted in Sicherheit ist und kann sich seinen Verrat selbst wieder verzeihen.

Ted will Bobby und seine Freunde vor den Gefahren Mittwelts schützen und verrät ihm nur Andeutungen über seine Welt, lediglich in einer Vision Bobbys erhascht er einen Blick auf den Turm selbst. Doch schon diese kleinen Blicke, Andeutungen, Wimpernschläge haben mich für den Dunklen Turm angefixt. Teds Zaubereien haben mich fasziniert, es waren keine großen magischen Gesten mit denen man Eis, Drachen oder dergleichen beschwört. Es war eine subtilere Magie. Die Welt in Der Dunkle Turm steht und die Geschichten darüber haben mich angezogen. Hearts in Atlantis ist meine Tür zum Dunklen Turm gewesen. Ich empfehle es jedem, der sich für die Figur Ted Brautigan oder die Brecher interessiert. In Der Turm hat man oft das Gefühl, dass die Brecher etwas uneigenständig handeln. In Atlantis erfährt man, dass die Brecher und besonders Ted mehr als nur Teil einer Geschichte sind. Für mich ist Hearts in Atlantis sogar ein wichtiger Bestandteil des Dunkle-Turm-Zyklus, obwohl es offiziell nicht dazugehört.

Ein Kommentar zu „[Pojekt Dark Tower]: Die verborgene Tür in Atlantis – Ein Gastbeitrag von Sven Fischer

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