[Rezension]: Hans Weinhengst -Turmstrasse 4

Das Elend der 20/30er des 20.Jahrhunderts in Wien

sketch1514922842333.pngGeschichten über die Zeit der Weimarer Republik und die des Nachbarlandes Österreich interessieren mich immer mal wieder. Besonders die Zeiten, in denen es den Leuten aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht mehr so gut ging, als noch zu Beginn der goldenen Zwanziger. Das „Turmstraße 4“ in diese Kerbe schlagen wird, war mir zu Beginn des Buches nicht klar. Es lässt sich vielmehr wie eine romantische Geschichte an, die zwar brutal beginnt und auch nüchtern erzählt wird, aber das Herz ging einem beim Lesen auf, wie sich Karl und Martha finden und ineinander verlieben. Doch das Herz stockte, desto weiter man liest. Fassungslos muss man mit ansehen, wie alle beteiligten Personen in dieser Geschichte immer mehr Leid ausgesetzt werden. Krankheiten, Arbeitslosigkeit und keine Perspektiven lassen kein Licht am Ende des Horizonts zu und so wird einem ganz traurig zumute, wenn man sich dieses Buch zu Gemüte führt. Doch so war diese Zeit. Sie war voller Entbehrungen, nur die wenigsten kamen unbeschadet da raus und es wundert einen nicht, dass so etwas wie der Nationalsozialismus durch die Umstände auf fruchtbaren Boden fallen konnte (auch wenn das in diesem Buch keine Erwähnung findet).
Alles beginnt mit einem Streit zwischen Martha und ihrem Vater, der ihr, wie so oft in der letzten Zeit, auflauert und sie bezichtigt, nicht fromm zu sein und mit Karl zusammen zu sein. Die Unterstellungen treffen zwar zu, aber Martha will sich das nicht mehr bieten lassen und hält dagegen. Es kommt zu einem folgenschweren Streit, bei dem Marthas Vater sie im trunkenen Zustand erwürgen will. Im letzten Moment wird eingegriffen und ihr Vater wird gefangen genommen. Widerstreitende Gefühle machen sich in der liebenden Tochter breit, aber sie weiß auch, dass es nicht rechtens war, was er gemacht hat. Trotz der Tätlichkeit gegen sie selbst, will Martha ihrem Vater verzeihen und ihn im Gefängnis besuchen. Doch durch ihren Freund Karl erfährt sie, dass er sich in der Nacht im Gefängnis das Leben genommen hat, was sie in tiefe Trauer stürzt und nur Karl kann ihr helfen, sich aus dieser zu befreien.
Durch diese Umstände kommen sich Karl und Martha immer näher und verlieben sich richtig ineinander. Sie schmieden Pläne für die Zukunft und sind trotz der Umstände, dass Karl arbeitslos ist, sich nur mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten kann und auch keine Aussicht auf eine Arbeitsstelle hat, zuversichtlich, dass sie es schaffen können. Doch eine Bekanntschaft Marthas, die sie auf Arbeit gemacht hat, treibt einen Keil in die Beziehung, der letztendlich ein Scheitern der Beziehung mit sich bringt. Karl zieht sich zurück in den Kreis seiner Familie, die ebenfalls von mehreren Schicksalsschlägen gebeutelt ist. Verzweifelt und ohne Aussicht auf eine bessere Zukunft macht sich Karl mit einem flüchtigen Bekannten auf Wanderschaft nach Deutschland, um dort sein Glück zu versuchen. Doch er merkt schnell, dass die Aussichten da ebenso düster sind, insbesondere für Flüchtlinge, wie Karl in diesem Moment einer ist.
Dieses Buch fängt lieblich an, man übersieht die drohenden Verwerfungen innerhalb der Gesellschaft und freut sich auf eine schöne Liebesgeschichte, die da angedeutet wird. Auch das Cover des Buches suggeriert und verstärkt diese Geschichte. Doch mit fortlaufender Lektüre steckt einem immer mehr ein Kloß im Hals, der bis zum Ende nicht verschwinden möchte. Es ist ein hartes Los, welches die Menschen damals annehmen mussten und Hans Weinhengst bindet diese Welt sehr real in das Buch ein, was es nicht weniger unerträglich macht. Die Menschen in dem Buch haben keinen Ausblick auf Besserung, vielmehr müssen sie einen Schicksalsschlag nach dem anderen verkraften, die auch durch die Umstände entstehen, sie müssen Hunger erleiden und haben keine Aussicht darauf, dass es besser wird. Es erstaunt, wie gleichmütig manche dieser Menschen die Situation annehmen, auch Karl scheint so einer zu sein. Er wird als Tagträumer charakterisiert, der sich der Schwärmerei hingibt und nicht arbeiten will. Doch er ist viel stärker, als es der erste Eindruck zeigt. Doch auch er muss sich über kurz oder lang den Umständen geschlagen geben. Ob es jemals Hoffnung für die Liebe und das Leben geben wird?
Dieses Buch ist sehr ernüchternd, was den Inhalt angeht, aber dafür ist es Zeitdokument, wie man es selten lesen darf. In den dreißiger Jahren geschrieben wurde es lange Zeit nicht übersetzt, da Hans Weinhengst in einer Art Sprache der Arbeiter (Stichwort: Esparanto) schrieb, was, wie es im Nachwort angedeutet wird, zu einer Art Weltsprache aufgebaut werden sollte. Wir wissen nun, dass es nicht so kam, aber „Turmstrasse 4“ lag lange Zeit eben nur in dieser Sprache vor und wurde nun duch denVerlag edition atelier in einer wunderbar illustrierten und gebundenen Ausgabe heraus gebracht. Die dreißiger Jahre in Wien werden in diesem Buch gut dargestellt, genau so stellt man sich diese Zeit und diese Not vor. Interessant zu lesen, aber bei weitem nicht nebenbei.
Es ist kein einfaches Buch, welches sich einem da bietet. Jedoch bekommt man ein Zeitdokument geliefert, was auch die Erfahrungen von Hans Weinhengst widerspiegelt, der ähnliche Erfahrungen in dieser Zeit durchgemacht hat. Vielen Dank an den Verlag edition atelier für die Bereitstellung des Rezensionexemplars.
P.S.: Bezüglich des selbstgestalteten Bildes in diesem Beitrag: Ich habe mir für 2018 vorgenommen, nicht immer nur die Bücher abzufotografieren, sondern auch ein bisschen das Zeichentablet zu malträtieren. Da sich meine zeichnerischen Fähigkeiten auf dem Niveau 2. bis 4.Klasse einpendeln, werde ich immer mal wieder meine Kinder mitmachen lassen. Dementsprechend ist der Touch der selbstgestalteten Cover ein wenig kindlicher. Ich bin gespannt auf eure Meinung dazu.

Geschichten über die Zeit der Weimarer Republik und die des Nachbarlandes Österreich interessieren mich immer mal wieder. Besonders die Zeiten, in denen es den Leuten aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht mehr so gut ging, als noch zu Beginn der goldenen Zwanziger. Das „Turmstraße 4“ in diese Kerbe schlagen wird, war mir zu Beginn des Buches nicht klar. Es lässt sich vielmehr wie eine romantische Geschichte an, die zwar brutal beginnt und auch nüchtern erzählt wird, aber das Herz ging einem beim Lesen auf, wie sich Karl und Martha finden und ineinander verlieben. Doch das Herz stockte, desto weiter man liest. Fassungslos muss man mit ansehen, wie alle beteiligten Personen in dieser Geschichte immer mehr Leid ausgesetzt werden. Krankheiten, Arbeitslosigkeit und keine Perspektiven lassen kein Licht am Ende des Horizonts zu und so wird einem ganz traurig zumute, wenn man sich dieses Buch zu Gemüte führt. Doch so war diese Zeit. Sie war voller Entbehrungen, nur die wenigsten kamen unbeschadet da raus und es wundert einen nicht, dass so etwas wie der Nationalsozialismus durch die Umstände auf fruchtbaren Boden fallen konnte (auch wenn das in diesem Buch keine Erwähnung findet).
Alles beginnt mit einem Streit zwischen Martha und ihrem Vater, der ihr, wie so oft in der letzten Zeit, auflauert und sie bezichtigt, nicht fromm zu sein und mit Karl zusammen zu sein. Die Unterstellungen treffen zwar zu, aber Martha will sich das nicht mehr bieten lassen und hält dagegen. Es kommt zu einem folgenschweren Streit, bei dem Marthas Vater sie im trunkenen Zustand erwürgen will. Im letzten Moment wird eingegriffen und ihr Vater wird gefangen genommen. Widerstreitende Gefühle machen sich in der liebenden Tochter breit, aber sie weiß auch, dass es nicht rechtens war, was er gemacht hat. Trotz der Tätlichkeit gegen sie selbst, will Martha ihrem Vater verzeihen und ihn im Gefängnis besuchen. Doch durch ihren Freund Karl erfährt sie, dass er sich in der Nacht im Gefängnis das Leben genommen hat, was sie in tiefe Trauer stürzt und nur Karl kann ihr helfen, sich aus dieser zu befreien.
Durch diese Umstände kommen sich Karl und Martha immer näher und verlieben sich richtig ineinander. Sie schmieden Pläne für die Zukunft und sind trotz der Umstände, dass Karl arbeitslos ist, sich nur mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten kann und auch keine Aussicht auf eine Arbeitsstelle hat, zuversichtlich, dass sie es schaffen können. Doch eine Bekanntschaft Marthas, die sie auf Arbeit gemacht hat, treibt einen Keil in die Beziehung, der letztendlich ein Scheitern der Beziehung mit sich bringt. Karl zieht sich zurück in den Kreis seiner Familie, die ebenfalls von mehreren Schicksalsschlägen gebeutelt ist. Verzweifelt und ohne Aussicht auf eine bessere Zukunft macht sich Karl mit einem flüchtigen Bekannten auf Wanderschaft nach Deutschland, um dort sein Glück zu versuchen. Doch er merkt schnell, dass die Aussichten da ebenso düster sind, insbesondere für Flüchtlinge, wie Karl in diesem Moment einer ist.
Dieses Buch fängt lieblich an, man übersieht die drohenden Verwerfungen innerhalb der Gesellschaft und freut sich auf eine schöne Liebesgeschichte, die da angedeutet wird. Auch das Cover des Buches suggeriert und verstärkt diese Geschichte. Doch mit fortlaufender Lektüre steckt einem immer mehr ein Kloß im Hals, der bis zum Ende nicht verschwinden möchte. Es ist ein hartes Los, welches die Menschen damals annehmen mussten und Hans Weinhengst bindet diese Welt sehr real in das Buch ein, was es nicht weniger unerträglich macht. Die Menschen in dem Buch haben keinen Ausblick auf Besserung, vielmehr müssen sie einen Schicksalsschlag nach dem anderen verkraften, die auch durch die Umstände entstehen, sie müssen Hunger erleiden und haben keine Aussicht darauf, dass es besser wird. Es erstaunt, wie gleichmütig manche dieser Menschen die Situation annehmen, auch Karl scheint so einer zu sein. Er wird als Tagträumer charakterisiert, der sich der Schwärmerei hingibt und nicht arbeiten will. Doch er ist viel stärker, als es der erste Eindruck zeigt. Doch auch er muss sich über kurz oder lang den Umständen geschlagen geben. Ob es jemals Hoffnung für die Liebe und das Leben geben wird?
Dieses Buch ist sehr ernüchternd, was den Inhalt angeht, aber dafür ist es Zeitdokument, wie man es selten lesen darf. In den dreißiger Jahren geschrieben wurde es lange Zeit nicht übersetzt, da Hans Weinhengst in einer Art Sprache der Arbeiter (Stichwort: Esparanto) schrieb, was, wie es im Nachwort angedeutet wird, zu einer Art Weltsprache aufgebaut werden sollte. Wir wissen nun, dass es nicht so kam, aber „Turmstrasse 4“ lag lange Zeit eben nur in dieser Sprache vor und wurde nun duch denVerlag edition atelier in einer wunderbar illustrierten und gebundenen Ausgabe heraus gebracht. Die dreißiger Jahre in Wien werden in diesem Buch gut dargestellt, genau so stellt man sich diese Zeit und diese Not vor. Interessant zu lesen, aber bei weitem nicht nebenbei.
Es ist kein einfaches Buch, welches sich einem da bietet. Jedoch bekommt man ein Zeitdokument geliefert, was auch die Erfahrungen von Hans Weinhengst widerspiegelt, der ähnliche Erfahrungen in dieser Zeit durchgemacht hat. Vielen Dank an den Verlag edition atelier für die Bereitstellung des Rezensionexemplars.
P.S.: Bezüglich des selbstgestalteten Bildes in diesem Beitrag: Ich habe mir für 2018 vorgenommen, nicht immer nur die Bücher abzufotografieren, sondern auch ein bisschen das Zeichentablet zu malträtieren. Da sich meine zeichnerischen Fähigkeiten auf dem Niveau 2. bis 4.Klasse einpendeln, werde ich immer mal wieder meine Kinder mitmachen lassen. Dementsprechend ist der Touch der selbstgestalteten Cover ein wenig kindlicher. Ich bin gespannt auf eure Meinung dazu.

Ich danke dem Verlag edition atelier für die Bereitstellung des Leseexemplars.

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3 Kommentare zu „[Rezension]: Hans Weinhengst -Turmstrasse 4

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