[Rezension]: Rike Drust – Muttergefühle. Zwei

Mit dem Zweiten wird alles besser

IMG_20180315_194108_949.jpgVor etwas mehr als 4 Jahren, mein Blog war noch in den Babyschuhen und die Papafreuden ebenfalls, war ich auf der Suche nach Büchern, die sich mit dem Elterndasein beschäftigen und dies auch unverkrampft taten. So lief mir auf mehreren Blogs, denen ich damals zu folgen begann, das Buch „Muttergefühle“ von Rike Drust über den Weg. Dieses Buch war eine Offenbarung. Kein Blatt vor den Mund nehmend beschrieb die Autorin in diesem Buch verschiedenste Situationen während der Schwangerschaft und den ersten Monaten mit dem Kind. Auch Probleme und schwierige Gegebenheiten wurden nicht ausgeblendet und auf eine angenehme Art an die Leserschaft gebracht. Es ist zwar alles aus einer persönlichen Sichtweise geschrieben und man kann vieles nicht allgemein ummünzen. Was man aber übernehmen kann, ist diese offene Art, was das Elternsein und Kinderfragen angeht. Gerade beim ersten Kind stürmen so viele Eindrücke auf einen als Eltern ein und prasseln Ratschläge im Stakkato in den Kopf, dass man kurz vorm durchdrehen ist. Für alle, die nicht weiter wissen und auch mal herzlich über diese ganzen Elternprobleme lachen wollen, wenn die Tränensäcke nach einer babywachen Nacht gen Fußboden wachsen, dem sei dieser erste Teil ans Herz gelegt. Ich jedenfalls habe meine Frau und mich in vielen Situationen wieder gesehen.

Nun hat Rike Drust den zweiten Teil nachgelegt, denn mit Kind Nummer zwei gab es wieder ein paar Dinge, die erzählt werden wollten. Doch etwas war anders gegenüber dem ersten Teil und das hat mit der Entspanntheit zu tun, die man automatisch bekommt, wenn ein zweites Kind zur Familie stößt. Eines ist aber immer noch gewiss und hat sich nicht verändert, dass man sich beim Thema Familie immer noch den Mund verbrennen kann, denn die Trolle sind nicht weit, die es besser wissen und einen maßregeln wollen, die ihre Wahrheit als die einzig wahre auf der Welt sehen. Und gegen diese Haltungen muss angeschrieben werden.
Rike Drust erzählt im zweiten Muttergefühlebuch wieder im lockeren Hamburger Plauderton von vielen kleinen Geschichten aus ihrem persönlichen Alltag, wie er sich mit zwei Kindern eben gestaltet. Die Schlafprobleme werden ebenso thematisiert, wie die immer noch existierende Teilzeitfalle für Frauen, die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, die Liebe innerhalb der Familie, die Veränderungen des Körpers, den Spaß, den man mit zwei Kindern haben kann, aber auch der Stress, der sich daraus ergibt und vieles mehr.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mit dem zweiten Kind einfacher, aber auch gleichzeitig anstrengender wird. Man muss die Liebe nun auf zwei Köpfe verteilen, was nicht immer gelingt und auch der Alltag gestaltet sich jeden Tag neu, die Aufmerksamkeit muss mal von einem Kind zum anderen Kind gelenkt werden und manchmal kommen beide gleichzeitig an und das Chaos ist vorprogrammiert. Dem entgegen sind viele Handgriffe in Fleisch und Blut übergegangen, den vielen kleinen Fragezeichen, vor die uns ein Baby stellt, steht man als Eltern beim zweiten Kind gelassener gegenüber. Ebenso macht man nicht mehr jede Mode mit und hört mehr auf sein Bauchgefühl. All das beschreibt Rike mit einem herzlichen Ton, der Freude macht, das zu lesen. Die kleinen Kapitel sprühen jedes Mal vor (Lebens-)Freude darüber, dass zwei Kinder ihr Leben bereichern und positiv verändern. Es erwartet einen dabei kein in sich geschlossener Text, der viele Ratschläge gibt und von A, wie Abnehmen nach der Schwangerschaft bis Z, wie zügiges Anziehen, weil wir zum Kindergarten/Schule müssen, behandelt. Vielmehr werden unzählige kleine persönliche Episoden geschildert, die wie von einer Taschenlampe angestrahlt, diese kurz beleuchten, um sich dann wieder etwas anderem zu widmen oder die Lampe ganz auszuschalten. Dieses Buch macht sehr viel Freude, gerade und auch, weil viele Gegebenheiten mit dem eigenen Familienleben übereinstimmen. Deshalb konnte es auch vorkommen, dass es bei manchen Passagen zu heftigen Schmunzelattacken kam, da meine Frau und ich uns in dem Text von Rike bestätigt sahen, wenn auch unter anderen Grundvoraussetzungen. Die Erfahrungen jedoch und was wir daraus für uns gelernt haben, waren bei uns ähnlicher Natur.
Dieses Buch werde ich, genauso wie den ersten Teil, gerne in Erinnerung behalten. Nicht unbedingt wegen den einzelnen Geschichten oder Gegebenheiten aus Rikes Leben. Vielmehr sollte man sich diese positive Lebenseinstellung der Autorin zu Herzen nehmen und jeden Tag mit einem Lächeln verbringen. Das sorgt für ein positives Lebensgefühl und lässt einen auch die schwierigen Phasen im Leben mit Kindern an einen vorbei ziehen. Dieses Motto werde ich mir beim nächsten Mal, wenn eines der Kinder nicht hören will, wieder vorsagen müssen, wenn das Lächeln wieder gefriert und einem langsam der Geduldsfaden aufdröselt. Danke für eine erneut ehrliche und lustige Lektüre.

Ich danke der Autorin und dem Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars. Es hat wieder einmal sehr viel Freude bereitet, dieses Buch zu lesen. Und es hat die Augen dafür geöffnet, dass es auch bei anderen Familien chaotisch zugehen darf (!), kann (!) und sogar muss!!!!

 

5 Kommentare zu „[Rezension]: Rike Drust – Muttergefühle. Zwei

Gib deinen ab

  1. Oh wie cool – war gerade auf der Suche nach einem Buch, dass ich meinem Neffen und seiner Frau schenken könnte, die bald das erste Kind erwarten … dann fangen wir mit dem ersten Teil mal an. LG

    Gefällt 1 Person

      1. Ja, Remo Largo habe ich auch von meiner besten Freundin damals weitergereicht bekommen, die mir mit ihren Jungs ein paar Jährchen voraus war ;)

        Liken

Kommentar verfassen - Mit dem Absenden des Kommentars geben Sie gleichzeitig ihr Einverständnis zur Datenschutzerklärung auf dieser Seite

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

Frau Lehmann liest

Ansichten und Einsichten

Nacht und Tag

Literaturblog

Gassenhauer

Literaturblog

Bookster HRO

unabhängig | subjektiv | ehrlich

glasperlenspiel13

bücher / libros / livres

The Blog Cinematic

Film als emotionalisierende Kunstform

MonerlS-bunte-Welt

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

Der Leiermann

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

Der Schneemann

Blog zur Krimi-Radiosendung

Sören Heim - Lyrik und Prosa

Website des Schriftstellers Sören Heim

Der Hotlistblog

UNABHÄNGIGE BÜCHER – UNABHÄNGIGE VERLAGE

Literatur.denken

von Samuel Hamen

mscaulfield

gib mir kaffee und bücher und ich bin friedlich.

Angelika liest

Ein Leben ohne Bücher ist wie ein Garten ohne Rosen

the lost art of keeping secrets

Ich will keine Schokolade, ich les' lieber Thomas Mann! (frei nach der Stunksitzung 2014)

Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Anonyme Köche

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

%d Bloggern gefällt das: