[Interview]: Nachgefragt bei… Rike Drust

IMG_20180315_194108_949.jpgVor einigen Tagen hatte ich euch das Buch “Muttergefühle.Zwei” vorgestellt. Da ich selber auch zwei Kinder habe, beide ihrer Bücher mochte und überhaupt, habe ich mit der Autorin ein Interview geführt, welches ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Viel Spaß damit und euch allen ein fröhliches und entspanntes Osterfest.

Lesen macht glücklich:
Fallen wir gleich mal mit der Tür ins Haus (in Anspielung an manch kinddurchwachte Nächte, wie sie im Buch beschrieben werden): Was macht der gesunde Nachtschlaf?

FullSizeRender.jpeg
Bildrechte©Rike Drust

Rike Drust:
Er kränkelt. Hihihi. Wir haben nicht die Sorte Kinder erwischt, die immer 12 Stunden schlafen, sondern die, die abends noch gaaaar nicht müde sind, ewig brauchen, bis sie eingeschlafen sind und ab ca Mitternacht bei den Eltern eintrudeln, um sich in deren Bett breit zu machen, Trinken zu fordern, wichtige Träume erzählen oder auf Klo müssen, sowas. Und abgesehen davon, dass mich das manchmal vielleicht nervt, finde ich das meistens ganz wunderbar, wenn wir alle zusammen in einem Zimmer schlafen und aufwachen.

Lmg:
Ja, das mit dem ewig nicht Einschlafen wollen kennen wir auch. Zerrt und zehrt oft an den Nerven.
Du schreibst am Anfang des Buches, dass du mit dir gekämpft hast, ob noch ein zweites Buch sein muss. Was war letztendlich der auslösende Grund, Muttergefühle Zweiter Teil zu machen? Oder war es mehr ein schleichender Prozess?

RD:
Ich hatte eigentlich immer Lust auf noch ein Buch, war mir aber unsicher, ob ich es so schreibe, dass nicht alle denken, ich habe ein Kind lieber als das andere. Und als ich mir sicher war, dass ich dieses Buch ehrlich und für alle respektvoll schreiben kann, sodass später nicht ein Kind denkt, ich hätte es eigentlich lieber an einer Autobahnraststätte an einen Laternenpfahl gebunden, da habe ich es dann einfach geschrieben.

Lmg:
Viele Dinge, die du ansprichst, dürfte vielen Frauen (und auch Männern – ja liebe Männer, ihr dürft das Buch auch lesen) bekannt vorkommen. Wie hast du dich den etwas sensibleren (Entwicklung Partnerschaft mit zwei Kindern, Vereinbarkeit Familie/Beruf etc.) Themen genähert?

RD:
Das Verzwickte an diesen Themen ist ja, dass sie meist in Extremsituationen auf den Tisch kommen. Deshalb habe ich mich diesen Themen auch meistens genähert, wenn es überhaupt nicht lief bei uns Zuhause. Weil ein Kind krank war, weil der Mann und ich uns schlecht abgesprochen hatten, weil wir uns zu viele Nachrichten mit Einkaufszetteln und zu wenige mit Herzchen schickten. Diese Situation habe ich dann ein bisschen auseinandergenommen und drüber geschrieben.

Lmg:
Stimmt, gerade wenn alles eitel Sonnenschein ist, wird nicht über die sensiblen Themen verhandelt. Knirscht es dagegen irgendwo im Gebälk dagegen schon. Allgemein gesagt, gibt es doch gerade bei diesen heiklen Themen sicher so einigen Gegenwind. Wie sieht Kritik an deinem Buch aus und wie gehst du damit um? (Anmerkung von mir: Ich kann mir das denken, aber für die Leser wäre es interessant)

22050952_1564847346931928_977554561514244962_o.jpg
Bildrechte©Andrea Rüster

RD:
Gut ist, dass die meisten Menschen kein Geld für ein Buch ausgeben, um danach fiese Sachen über die Autorin zu schreiben. Die Kritik bleibt in der Regel sachlich und auch für mich nachvollziehbar. Hässlicher Gegenwind kommt da eher online. Wenn viele Menschen nur meine Texte lesen, weil sie ihnen in die Facebook-Timeline flutschen, dann sitzen bei denen die Finger für Hasskommentare ziemlich locker. Da wird mir dann schon mal gewünscht, dass man mir die Kinder wegnimmt und da werde ich auch mal als dumme Fotze beschimpft. Diese ganz harten Fälle kann ich inzwischen ganz gut ignorieren und mir sagen, dass deren Hass nichts mit mir zu tun hat. Und wenn ich das Gefühl habe, bei meinem Gegenüber ist nicht Hopfen und Malz verloren, frage ich freundlich nach. Manchmal entsteht daraus eine Diskussion, manchmal nicht. Die Frau, die fand, ich lasse meine Kinder verwahrlosen, findet das immer noch. Aber ich hatte daraufhin auch schon gute Streitgespräche, die für alle respektvoll und interessant waren.

Lmg:
So stelle ich mir das vor, respektvoller Umgang miteinander. Schwarze Schafe hat man überall.
Was mir im zweiten Buch im Gegensatz zum ersten aufgefallen ist, dass du dich von Ratgebern und vom Ratholen gelöst hast (insbesondere Schlafratgeber werden im Buch angesprochen und auch Remo Largo mit seinen Babyjahren war im ersten Buch noch sehr präsent) und dein eigenes Ding in Sachen Erziehung und Leben mit zwei Kindern durchzuziehst. Aus eigener Erfahrung kann ich die gemachten Beobachtungen von dir bestätigen. Wird man mit dem zweiten Kind lockerer? Bringt die Erfahrung mit Kind Nummero 1 doch etwas?

RD:
Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob es die Erfahrung mit dem ersten Kind war oder die Tatsache, dass sich unser zweites Kind im pädagogischen Sinn pflegeleichter anfühlt. Vielleicht ist es ein Mischung.

Lmg:
Da erging es uns ähnlich. Entspanntes zweites Kind, relativ entspanntes Familienleben.
Du gehst mit vielen Sachen in beiden Büchern sehr offen um, manchmal richtiggehend brutal ehrlich. In Bezug auf die Erziehung und Partnerschaft blieb mir manchmal das Lachen im Halse stecken. Nicht weil es schlecht war, sondern eben so offen und ehrlich wie möglich und ich mich auch in manchen Dingen wieder erkannte, so dass ich richtiggehend erschrocken bin. Aber auch erleichtert, weil man durch solche Texte sieht, dass man mit seinen Problemen und Alltagszicken nicht alleine dasteht. Ist es dir auch ein Anliegen, den Leuten eben das zu sagen? Seht her, ihr seid nicht alleine mit euren Beziehungs- und Erziehungsproblemen?

RD:
Das ist eigentlich der Hauptgrund für die Muttergefühle-Bücher gewesen. Ich mag es grundsätzlich sehr, Menschen ein gutes Gefühl zu geben, und als ich Mutter wurde, habe ich von den Momenten, in denen ich mich mit anderen unterhalten habe, und beide erleichtert waren, dass es bei allen anderen genauso planlos, müde und so weiter ist, sehr profitiert. Ich war zwar immer noch müde und planlos, aber habe mich deshalb nicht mehr falsch oder einsam gefühlt. Je mehr dieses Gefühl haben, desto besser, finde ich.

Lmg:
Und noch eine nicht ganz ernst gemeinte Frage zum Schluss. Wird es ein drittes Buch geben, wenn deine Kinder in der Pubertät sind? Auf deine Sichtweisen aus der Zeit, wenn die Eltern schwierig werden, wäre ich sehr gespannt und würde diese mit Vergnügen lesen (wollen).

RD:
Besonders eines unsere Kinder würde vermutlich jede Menge Material bieten für ein Buch über die Pubertät, aber leider fand ich es beim letzten Buch schon sehr schwierig, ehrlich zu schreiben und dabei den Kindern gegenüber immer respektvoll zu bleiben. Da werde ich mich wohl auf die Suche nach einer Selbsthilfegruppe machen :)

Ich kann mir sogar genau denken, welches der beiden Kinder du meinst ;-)
Liebe Rike, vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten.

Anmerkung von mir: Dieses Interview entstand auf Basis von Emails, die ich mir mit der Autorin geschrieben habe. Das Interview zog sich krankheits- und urlaubsbedingt über mehrere Wochen. Wie das halt so ist, wenn ein Interview durchgeführt wird, bei denen jeweils zwei Kinder durch den Haushalt wuseln, den Schlaf räubern und sich manchmal eine Krankheit durch die Ritterrüstung schmuggelt.

Kommentar verfassen - Mit dem Absenden des Kommentars geben Sie gleichzeitig ihr Einverständnis zur Datenschutzerklärung auf dieser Seite

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

Fiktion fetzt.

Ein Blog über (gute) Geschichten.

Im Buchwinkel

fiction · fantasy · feminismus

The Female Reader – Blogazine für Literatur, Feminismus und Netzkultur

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

Lector in fabula

Blog für Literatur

Carolin M. Hafen

*it's the write thing to do

Linda liest

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Birgit Böllinger

Büro für Text und Literatur

Kulturbowle

KulturGenuss, Bücherlust und Lebensfreude

David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist - Romancier - bipolarer Bedenkenträger

books and phobia

- Mit Büchern gegen Depressionen & Phobien

Bücher

Bücherblog mit Leidenschaft

Frau Lehmann liest

Ansichten und Einsichten

Nacht und Tag

Literaturblog

Gassenhauer

Literaturblog

Bookster HRO

unabhängig | subjektiv | ehrlich

glasperlenspiel13

bücher / libros / livres

The Blog Cinematic

Film als emotionalisierende Kunstform

MonerlS-bunte-Welt

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

%d Bloggern gefällt das: