[Abgebrochen]: Lionel Shriver – Eine amerikanische Familie

Düstere Zukunftsaussichten

IMG_20180426_201849_447.jpgNach Jürgen Bauers Roman “Ein guter Mensch“, welcher thematisch, so dachte ich, in eine ähnliche Richtung schlägt, war ich gespannt auf das vorliegende Buch. Es sollte darin auch die Wasserknappheit eine Rolle spielen. So dachte ich jedenfalls, als ich das Buch begann. Doch das war nur ein Randaspekt, der behandelt wurde. Es kommen noch einige Dinge mehr hinzu, die die Lektüre für mich zu einer nervenden Veranstaltung machten, die ich bis auf Seite 198 durchgehalten habe. Danach blätterte ich lustlos durch den restlichen Roman, aber auch wenn ich immer mal wieder eine Seite herauspickte und weiterlesen wollte, kam ich einfach nicht rein in dieses Buch.
Dabei ist das Grundszenario ein gar nicht mal so schlechtes. Die Autorin schaut in eine gar nicht so ferne Zukunft und zeigt uns am Leben einer Familie in Amerika, was alles in der Zeit von jetzt bis zur Zeit, in der der Roman spielt, schief gehen kann, wenn wir nicht aufpassen. Ich nutze dieses Buch also, um bei mir nun die Rubrik „Abgebrochene Bücher“ einzuführen. Dabei möchte ich nicht nur die Bücher kurz abhandeln und gut ist. Ich möchte auch versuchen für mich selber und auch für euch zu ergründen, was falsch lief zwischen mir und dem abgebrochenen Buch. Was hätte anders laufen können? War ich nicht bereit? Oder das Buch dann doch zu schlecht?

Eine neue Währungsunion und Amerika am Abgrund

Wir befinden uns im Jahr 2029 und die Welt ist nicht mehr dieselbe wie aktuell. Wobei so ganz richtig ist es nicht. Die Technikfixiertheit ist immer noch vorhanden, wenn nicht sogar noch schlimmer geworden. Jedoch ist es nicht mehr 5 vor 12 sondern nur noch ein paar Sekunden vor dem großen Knall. Die EU, so habe ich es jedenfalls heraus gelesen, existiert nicht mehr so, wie sie heute ist, neue Allianzen haben sich gebildet und China hat seine gewonnene Vormachtstellung zementieren können. Amerika, schon länger im Abwärtstrend, röchelt auf dem vorletzten Loch, als der Präsident eine Art Cut verkündet, um sein Land gegenüber den anderen abzuschotten. Der Bevölkerung werden die schon leeren Taschen noch mehr geschröpft und die allgemeine Stimmung scheint immer mehr zu kippen. Wird aus Resignation nun Wut? Kommen die Leute nun aus ihren Löchern heraus, um sich den aktuellen Umständen entgegenzustellen?

Zu viel Geschwafel um Finanzen, die nicht mehr vorhanden sind

Ich bin eigentlich einer, der mindestens 95% der gelesenen Bücher immer eine Chance gibt, bis zum Schluss durchzukommen. Und sei es nur, damit ich mich da durchquäle und das nächste Buch umso besser genießen zu können. Doch immer mal wieder mogeln sich die restlichen 5% durch, bei denen die Qual so überhandnimmt, dass sie mich lähmt, mir die Luft nimmt und ich kaum ein anderes Buch mehr zur Hand nehmen kann, da ich nur noch lustlos in allem herum blättere. Diese 5% färben quasi mit ihrem unruhigen Geist auf die anderen Lektüren über und das haben die restlichen Geschichten nicht verdient, die ich dann vielleicht schlechter in Erinnerung behalte, als sie tatsächlich sind. Also breche ich das betreffende Folterbuch ab und habe dazu nichts mehr zu sagen. Das will ich nun jedoch ändern, sobald ich mich über eine gewisse Zeit mit dem Buch herumgeplagt habe. Somit ist es keine richtige Besprechung, vielmehr ein Eindruck meiner Gedanken, warum ich es abgebrochen habe.
Gut, was war es erst einmal, was mich an „Eine Amerikanische Familie“ gereizt hat? Das Ausgangsszenario hat es mir angetan, mit seiner nicht weit in der Zukunft liegenden Geschichte. Angelehnt an Entwicklungen, die quasi heute ihren Startpunkt haben, entwickelt die Autorin gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Faktoren weiter und geht dabei den sehr negativen Weg. Auch das Klima entwickelt sich in dem Szenario zum schlechten, Wasserknappheit, Dürren, Ernteausfälle – das volle Programm. Und hier hakte es für mich schon das erste Mal. Ich erwartete eher ein Szenario, welches den Schwerpunkt auf die ökologischen Folgen des menschlichen Handelns legt, dabei eben eine amerikanische Familie zeigt, die mit den Folgen des Weltklimas zu tun haben. Doch das wird immer mal wieder „nur“ beiläufig eingestreut und ist nicht das Hauptthema. Im Gegenteil bekommt man als Leser eher wirtschaftliche Probleme an die Stirn geschmissen. Da wird endlos übers Erben, übersteigerte Preise, Währungsunionen und viele weitere ökonomische Punkte diskutiert, dass es mir schon nach 100 Seiten zum Hals heraus hing. Ich bekam da überhaupt keinen Fuß hinein. Dazu war mir keine der Figuren überhaupt nur ansatzweise nah. Zum einen weil entweder die Namensgebung so offensichtlich dämlich war (Goog und Bing) oder ich überhaupt keine Sympathie für sie hegen konnte. Zusammen mit dem endlosen Geschwafel war meine Geduld bald überspannt und ich wollte auch nicht mehr wissen, wie es weitergeht.
Erschwerend kam noch hinzu, dass die Autorin versuchte, gewisse technische und gesellschaftliche Dinge in diese knapp 15 Jahre in die Zukunft weiterzuentwickeln und immer mal wieder vereinzelte Stichpunkte einbaute, um diese Entwicklungen anhand konkreter Beispiele während dieser Zeitspanne zu verdeutlichen. Doch genau diese hatten für mich einen gewissen Grad an Lächerlichkeit (Schwarzenegger als amerikanischer Präsident (?)) oder waren für diesen Zeitraum von heute an gerechnet in meinen Augen zu unrealistisch angesetzt (diese ganzen Flexgeräte, die als technische Weiterentwicklung zu unseren heutigen Smartphones in meinen Augen dann doch zu abgehoben wirkten – insbesondere, wenn man den Zwischenfall der „Steinzeit“ mit einberechnet, als das gesamte Internet und die Stromversorgung in den USA [weltweit?] ausgefallen waren). Auch die Namen der Figuren, die eben eindeutig dem Internetzeitalter entlehnt sind, gingen mir teilweise auf die Nerven und ich konnte die betreffenden Figuren nicht ernst nehmen. Und dann, wie schon gesagt, ging es oftmals um das Geld. Alle redeten darüber, keiner hatte was und es herrschte nur Aufregung aller Orten. Es mag zwar realistisch sein, aber mich hat es irgendwann gelangweilt und schlussendlich nur noch genervt, was mich dann zum Abbruch des Buches bewogen hat.
Im Nachhinein habe ich dann noch herausgefunden, dass dieselbe Autorin das gefeierte Buch „Let’s talk about Kevin“ geschrieben hat, welches auch erfolgreich verfilmt wurde. „Eine amerikanische Familie“ jedenfalls war ein Schuss in den Ofen. Wer ein Buch über die Folgen möchte, welches sich direkt auf das Klima bezieht, sollte zu Jürgen Bauers „Ein guter Mensch“ greifen. Es ist näher dran am Thema, bleibt aber unbestimmter, wann alles passiert. Wie man aber aktuell an Kapstadt sieht, kann das beschriebene Szenario jederzeit eintreten. Und das ist erschreckender und furchteinflößender als über jedes Gespräch übers Geld. Vielen Dank an dieser Stelle an den Piper Verlag, die mir über das NetGalleyportal ein elektronisches Leseexemplar zur Verfügung gestellt haben. 

Richtige Besprechungen, die außerdem mehr mit dem Buch anfangen konnten, findet ihr auf den folgenden Blogs. Nachdem ich mir diese Rezensionen durchgelesen habe und mit meinen Gedanken reflektierte, kam ich zu dem Schluss, dass dieses Buch noch einen zweiten Anlauf verdient hat. Ich bin eindeutig falsch an die Sache heran gegangen und muss mich mit ein bisschen Abstand noch einmal mit diesem Stoff beschäftigen. Doch vorerst muss es in meinem Kopf ruhen.

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