[Rezension]: Claudio del Principe – A Casa

Wichtigste Zutat in der Küche: Zeit

„A Casa”, dass meint daheim oder freier interpretiert zu Hause. Genauso ist auch Claudio del Principes Buch zu verstehen, denn er hat mit diesem Buch eine Art Kochbuch geschrieben, welches man zumeist wunderbar zu Hause umsetzen kann. Doch bevor ich näher auf das Buch und die Motivation eingehen möchte, warum ich es mir zugelegt habe, gehe ich noch einen Schritt in die Vergangenheit zurück. Denn ein großer Grund, warum ich dieses Buch gekauft habe, waren die im Nachhinein nützlichen Tipps zum Brot backen. Doch eines vermittelt dieses Buch viel eindringlicher. Eine Zutat, die man unbedingt in die eigene Küche mitbringen muss: Zeit. Das sollte man beherzigen, sowohl beim Backen, als auch beim Kochen und Braten. Also los, Küchenschürze umgebunden, Mehl in die Hand und kneten, was das Zeug hält.

Sauerteig …

In meinem bisher einzigen Beitrag, der nichts mit Literatur am Hut hatte, aber trotzdem ein Buch zur Vorstellung brachte, ging es um Lutz Geißlers Brotbackbuch, mit welchem ich mir das Brot backen in der einfachsten Form beibrachte. Einfach im Sinne der Zubereitung und des Backens. Beim Mischen werden nur kleinste Mengen Hefe verwendet und auch hier spielt die Zeit bei der Reife eine wichtige Rolle. Seit Mai 2017 backe ich nun selber Brot und Brötchen und kann mir kaum noch vorstellen, selber beim Bäcker etwas zu kaufen, es sei denn die Kinder wollen einmal etwas ganz besonderes haben, wozu ich mit meinem Backofen nicht in der Lage bin das zuzubereiten. Im Großen und Ganzen aber habe ich mein Zeitmanagement in der Woche relativ gut getaktet, so dass das Brot und die Brötchen bei uns nie ausgehen. Doch etwas störte mich bei all der Freude an den Hefebroten, die ich auch im Beitrag zeigte. Die Hefe selbst und die geschmacklich etwas faden Produkte, die man damit herstellt beziehungsweise dass man einige Hilfsmittel benötigt, um etwas mehr Geschmack in diese Brote zu bekommen. Ein weiterer Nachteil war, dass die Hefebrote doch relativ schnell letschert wurden und nach zwei, spätestens drei Tagen der Lagerung im Steintopf aufgebacken werden mussten, wollte man sich beim Kauen nicht abmühen oder ersticken. Deshalb war der Schritt zum Backen mit Sauerteig nur noch eine Formsache, doch mich hielt der vermeintliche Aufwand ab, den die Zubereitung und die Pflege des Sauerteiges mit sich bringt. Und was ist in der Zwischenzeit alles passiert. Mittlerweile überlege ich sogar, die zwei Sauerteige mit in den Urlaub zu nehmen – verrückt. Doch dazu gleich mehr.

Ich überlegte hin und her. Konsultierte mehrfach den Plötzblog, das brotgewordene Backuniversum des Lutz Geißler, wo er auch eine Anleitung zum Führen eines Sauerteiges eingestellt hat. Doch bei den bisherigen Versuchen, die ich nach dieser Anleitung durchgeführt habe, sind mir die Sauerteige entglitten oder weggeschimmelt und ich gab wieder auf. Ab hier kommt nun Claudio del Principe mit seinem Buch „A Casa“ ins Spiel. Eigentlich als Kochtagebuch ausgelegt, war es für mich eine Offenbarung für das Brotbacken und seitdem halte ich mich an seine Rezepte (danke an dieser Stelle an Brigitte von Feiner Buchstoff, denn über den verlinkten Beitrag bin ich erst auf dieses Buch aufmerksam geworden). Was ist das Geheimnis? Claudio erzählt es in seinem Buch genauso, wie ich mich bei all diesen Rezepten immer fühle –das meiste ist zu kompliziert und schreckt allein deshalb viele Menschen ab, es überhaupt zu probieren. Nicht so bei Claudio. Seine Rezepte sind zwar an manchen Stellen auch relativ kompliziert, aber er lässt es so leicht aussehen.
Ich habe neben den Broten auch schon ein paar der einfacheren Sachen ausprobiert und kann mit Sicherheit sagen, dass ich besseres Essen bisher nicht hinbekommen habe. Alleine die Rezepte mit der Pasta, wo man diese einfach nur noch mit Olivenöl, Pastawasser und Parmesan in der Pfanne veredelt, (verzeihe mir Claudio, wenn ich das falsch anwende) ist ein Gedicht. Auch die Rhabarbertarte habe ich ausprobiert und sie ist einfach wundervoll und war für mich eine Offenbarung, denn zum ersten Mal in meinem Leben ist mir eine Baiserschicht auf einem Kuchen geglückt (siehe Bilder).

..,. und Brotgedichte

Doch kommen wir zum essentiellen, dem Brot backen, denn das zieht sich wie ein roter Faden durch Claudios Buch. Seien es Brote, Brötchen oder Teigwaren für Nudeln oder Pizza. Der Grundstock für alle diese Backwaren (Pasta ausgenommen) ist der Lievito Madre, ein Sauerteig, der einen besonders intensive Vorbereitung benötigt, aber dann so richtig in Fahrt kommt. Alles, was man dafür braucht ist ein Apfel, Mehl und Geduld. Vom Anfang bis zum ersten Mal Brot backen vergehen zirka vier Wochen, bis man endlich sein erstes Sauerteigbrot in den Händen hält. Doch diesen Aufwand habe ich mir gerne gegeben, denn aus diesem Buch habe ich mir den Grundsatz von Claudio mitgenommen, so einfach wie möglich zu arbeiten. Während bei vielen Brot- oder Brötchenrezepten mit Vorteig, Hauptteig, Mehlsorten, Wassertemperaturen und Führungszeiten relativ schnell alles kompliziert aussieht, nehme ich mir aus „a casa“ einfach das Grundrezept des Brotes und mische meine Mehlsorten innerhalb dieser Grammangaben immer so, wie ich es gerade mag. So sind schon Brote entstanden, da wären manche Bäcker neidisch gewesen. Rund im Geschmack, fest in der Krume und ein schöner, langanhaltender Geschmack, wie man ihn heutzutage nur noch selten bekommt. Ich backe nun seit Ende Februar mit diesem Sauerteigansatz, den ich einmal als Weizensauerteig für die Brötchen und als Roggensauerteig für die Brote führe. Bei den Brötchen variiere ich noch mit Honig und Öl als Zutaten, um einen etwas süßeren Geschmack hinein zu bekommen, aber sonst wird nur mit Mehl, Wasser, Sauerteig und Salz gebacken. Nicht mehr und nicht weniger und mich fasziniert jeden Tag mehr, wie man aus diesem gemahlenen Korn und Wasser so viel Leben bekommt. Ich kann wirklich nur allen empfehlen, es einmal selbst zu probieren. Es macht Spaß, der Aufwand ist geringer als gedacht und es schmeckt so unendlich gut, dass ich euch verspreche, sofern ihr es probiert, dass ihr kein rot mehr kaufen wollt und ab dem Zeitpunkt nur noch selbst backen werdet.

Vielen Dank Claudio für deine Rezepte, für deinen entspannten Ansatz und auch für manch Hilfe zwischendurch. Der Austausch von Laie zu Profi ist etwas Besonderes und nicht selbstverständlich. Ich freue mich schon jetzt auf dein neues Buch, welches im Herbst beim AT Verlag erscheinen wird. Vielleicht schaffst du es ja mal nach Nürnberg/Fürth/Erlangen zu einer kleinen Kochrunde? Das wäre fantastisch.

Werbeanzeigen

3 Kommentare zu „[Rezension]: Claudio del Principe – A Casa

Gib deinen ab

  1. Wie schön, Marc. Du bist ja eigentlich ein alter Hase, was das Brot backen angeht, aber wie sehr Du das hier genießt ist eine Freude für mich. Claudio ist klasse, super entspannt und er ahnt in keiner Weise, wie sehr er uns mit diesem Buch und dem Schubs für den Lievito madre glücklich gemacht hat. Mir geht es jedenfalls so. Im Moment ist es mir zwar zu heiß, um zu backen, aber ich pflege meinen Sauerteig gut und er blubbert vor sich hin, wenn ich ihn wieder aufwecke. Ich habe auch einige Gerichte schon nachgekocht und wie Du sagst: es ist einfach alles köstlich. Die Ricottagnocchi sind mir vorher noch nie gelungen, jetzt mache ich sie regelmäßig und im Handumdrehen 😉 und auch Ricotta als Aufstrich habe ich neulich selbst hergestellt. Ganz einfach, aber saulecker. Ich freue mich schon wahnsinnig auf das neue Buch von ihm … Herzliche Grüße, Bri

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen - Mit dem Absenden des Kommentars geben Sie gleichzeitig ihr Einverständnis zur Datenschutzerklärung auf dieser Seite

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

Gassenhauer

Literaturblog

Bookster HRO

Unabhängig | subjektiv | ehrlich

glasperlenspiel13

bücher / libros / livres

The Blog Cinematic

Film als emotionalisierende Kunstform

MonerlS-bunte-Welt

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

Der Leiermann

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

pialalama.

#Buch&Musik

Der Schneemann

Blog zur Krimi-Radiosendung

Sören Heim - Lyrik und Prosa

Website des Schriftstellers Sören Heim

Der Hotlistblog

UNABHÄNGIGE BÜCHER – UNABHÄNGIGE VERLAGE

Literatur.denken

von Samuel Hamen

Angelika liest

Ein Leben ohne Bücher ist wie ein Garten ohne Rosen

the lost art of keeping secrets

Ich will keine Schokolade, ich les' lieber Thomas Mann! (frei nach der Stunksitzung 2014)

Die dunklen Felle

Krimis, Schafe - und Felle.

Anonyme Köche

(zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens)

Stadtbibliothek Erlangen

Wir bloggen für euch

Leckere Kekse & mehr

Kekse backen, Bücher lesen und mehr

%d Bloggern gefällt das: