[Rezension]: Daniel Faßbender – Die weltbeste Geschichte vom Fallen

Blogbuster, was? Staffel 1 mit guten Geschichten

IMG_20180821_155914_878.jpg2017 wurde unter anderem von dem Blogger Tobias Nazemi (Buchrevier) ein Preis initiiert, der jungen Autoren die Chance bieten sollte, ihre Romane, die noch in Schubläden vor sich hin schlummern, womöglich schon die Ochsentour durch mehrere Verlagshände hinter sich haben, doch noch zu veröffentlichen. Der Preis hört auf den Namen Blogbuster und war ein Renner. Das Besondere daran? 15 Buch- und Literaturblogger fungierten als Paten für die jeweiligen Bücher und haben dabei einen wahren Schatz gehoben. Das Prozedere sah vor, dass es nur einen Gewinner geben konnte, der beim Klett-Cotta Verlag sein Buch unterbekommt. Doch nicht nur der Gewinner hat seinen Verlagsvertrag bekommen, auch die, die bei der Preisvergabe leer ausgegangen sind, bekamen nachträglich eine Chance. Wenn sich mir die Gelegenheit ergibt, werde ich im Laufe der nächsten Zeit etwas näher auf den Preis eingehen und ihn etwas näher beschreiben, vielleicht auch mit dem Initiator sprechen, aber das soll Zukunftsmusik sein.
Nun habe ich mir aber erst einmal vorgenommen, ein paar der Bücher der ersten Staffel, die mittlerweile erschienen sind oder noch erscheinen werden, zu lesen und euch vorzustellen. Den Anfang macht nun Daniel Faßbender mit seinem Roman „Die weltbeste Geschichte vom Fallen“, welcher in der ersten Staffel der Blogbuster durch den Blog „Sätze&Schätze“ vertreten wurde und in der Zwischenzeit im Mirabillis-Verlag in einer kleinen, feinen Ausgabe erschienen ist. Diese Geschichte ist mir damals schon wegen seinem ungewöhnlichen Themas aufgefallen und in mein Herz gedrungen. Auch wenn ich mich damals nur mit der Leseprobe beschäftigt habe, war mir der Text und der Stil sofort sympathisch. Er hatte etwas an sich, was mich sofort mit Wärme erfüllte. Ich fand mich nicht unbedingt darin wieder, aber er erschien mir wie selbstverständlich geschrieben und so war es auch meine erste Wahl, die Lesereise der ersten Blogbusterstaffel mit genau diesem Buch zu beginnen.

Fallen als Extremsport

Wie der Titel des Buches schon sagt, geht es um das Fallen, das Wiederaufstehen, das Hoch hinaus und tief hinab. Es geht um einen namenlosen Roofer, der sich durch spektakuläre Aktionen in Stockholm im Netz einen Namen gemacht hat. Bei einer seiner Kletteraktionen auf den Funkturm wird Bozena auf ihn aufmerksam und die beiden kommen zusammen. Bozena ist fasziniert von dem jungen Mann, der immer hoch hinaus will, der den Kontakt nach unten, zur Masse nicht sucht, sondern vielmehr für sich sein will und die Zeit auf den Dächern mehr genießt als das Leben auf dem Boden unten, der sich ein Leben unter Menschen als Spießer, welches aus Eigenheim, Familie und Konsum besteht, nicht vorstellen kann. Doch verträgt sich so etwas mit einer Beziehung? So einfach dieser Ansatz auch klingen mag, so faszinierend ist die Geschichte aufgebaut, denn es kommen noch ein paar Elemente mehr ins Spiel, die auch Spannung generieren.
Auf über 100 Meter Höhe klettern und dort vielleicht noch eine Art Stunt üben? Da wird den meisten Menschen schon Angst und Bange, wenn sie allein an die Höhe denken. Doch der Roofer will mehr. Seine Aktionen in Stockholm haben ihm auch Respekt in der internationalen Rooferszene eingebracht und so wird er auch von einem der bekanntesten Roofer eingeladen, bei einer Aktion in Russland mitzumachen, die viel Nervenkitzel verspricht, die aber auch mit dem Leben bezahlt werden kann. Wie wird sich der Roofer entscheiden? Beziehung oder Nervenkitzel?
Bei alledem mischt der Autor noch eine familiäre Hintergrundgeschichte ein, die, wenn man sie beschreibt, etwas kitschig und übertrieben anmutet, aber die Motivationen der Hauptfigur, auf die Dächer Stockholms zu steigen, glaubhafter machen.

Faszinierender Blick auf eine extreme Szene

Daniel ist mit diesem Buch ein faszinierender Einblick in eine Szene gelungen, die mir vom Namen her zwar geläufig ist und mir vorher auch klar war, was diese Menschen so treiben. Mein Wissen beruht dabei auf ein paar Fernsehbeiträgen, die die Rooferszene näher beleuchteten und Zeitungsartikel. Das war es aber auch schon. Da geht dieses Buch tiefer. Doch was treibt so einen wie den Hauptprotagonisten auf die Dächer, um dort nahe der Dachkante zu wandeln, sich an die Grenze zwischen Sicherheit und Herunterstürzen zu begeben? Darauf bringt der Autor spektakuläre Innenansichten, die vieles näher beleuchten und dabei auch Bilder entstehen lassen, wie sie bei Instagram nicht besser zu finden sind. Daniel beschreibt sehr nah am Geschehen und macht dadurch das Leben eines Roofers im Kleinen richtiggehend erlebbar. Die Sucht nach der Höhe, nach der nächsten spektakulären Aktion ist auch ebenso spektakulär zu lesen. Dabei setzt der Autor auf eine Art verschachtelte Erzählweise, die im gewissen Sinne Spannung erzeugt. Er baut seine Hauptgeschichte, welches die Beziehung des Roofers zu Bozena ist, um eine Art Erzählklammer, die die spektakulärste Aktion des Roofers sein soll. Dass er dabei aber ganz andere Dinge sucht, wird ihm erst in der Höhe bewusst, für die er nicht gemacht ist. Leider hat das Buch mit ein paar Redundanzen zu kämpfen, die mir persönlich nicht zu sehr ins Gewicht gefallen ist und die Wecke(n) kamen mir gefühlt 100 mal zu oft im Text vor. Das sind aber Kleinigkeiten in einem ansonsten großartigen kleinen Roman, mit einem frischen Text und einem frischen Szenesetting.
Also noch einmal Danke. Danke an Birgit von Sätze&Schätze, die ebenjenen Schatz gehoben hat, danke an den Mirabilis Verlag, die diesen Schatz veredelt haben und auch Danke an Tobias, dass er mit dem Blogbuster solchen Büchern einen Schubs gegeben hat, damit sie das Licht der gedruckten Welt erblicken konnten.

Weitere Besprechungen zu diesem Buch, welches im Mirabilis Verlag erschienen ist, findet ihr bei:

 

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2 Kommentare zu „[Rezension]: Daniel Faßbender – Die weltbeste Geschichte vom Fallen

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