[Rezension]: Susanne Röckel – Der Vogelgott

2 Gedanken zu “[Rezension]: Susanne Röckel – Der Vogelgott”

  1. Ich würde nicht sagen, dass der Roman keine Ambitionen zeigt, etwas zur Gegenwart oder der Vergangenheit beizusteuern. Er macht das nur nicht in dieser zeitgenössisch verbreiteten plakativen Weise. Ich kopiere das der Einfachheit halber mal aus
    meiner Besprechung rein:

    „Der Verlust der Transzendenz, die Ahnung, dass ein mechanistisches Weltbild nicht genug sein könnte, nicht nur dem Einzelnen Menschen nicht, sondern auch der Klärung der Weltzusammenhänge nicht, dass ein „Mehr“ sich aber auch nicht erzwingen lässt (es gibt keinen Weg aus Vernunft zurück zum Glauben), das Leid an der Entzauberung der Welt, vielleicht auch die Rückkehr der Magie, vielleicht aber auch ganz profaner Wahnsinn – das sind die Themenkomplexe, um die die Geschichte kreist und auf die das jeweilige Mysterium stoßen soll.
    Der Mythos vom Vogelgott, erzählt als Glauben eines kaum bekannten, einst kolonisierten Volkes, dann als Kult einer lokalen, vom dreißigjährigen Krieg geplagten und womöglich Geier anbetenden deutschen christlichen Abspaltung, zuletzt als zeitgenössische Vision verschreckter Kinder sowie als Variation auf den Prometheus Mythos, steht dabei in sinnigem Spannungsverhältnis zum Christentum: Halb sein Anderes, halb Fleisch von dessen Fleische, die gleichen Bedürfnisse erfüllend aber doch dessen äußerer und innerer Feind. Zugleich ein archaischer, ist der Vogel dabei auch ein hochmoderner Gott: Woran, wenn nicht an diese so klug und edel wirkenden fliegenden Wesen soll der in die mitleidslosen Maschinerie des modernen Alltags geworfene Mensch seine Träume knüpfen? Das scheint nicht nur Röckel zu beschäftigen: Die Sprache der Vögel, Der letzte Huelsenbeck. Die allerjüngste Literaturgeschichte weist eine beachtliche Häufung kaputter Protagonisten auf, die sich intensiv mit Vögeln (großes V!) beschäftigen.“

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    1. Hallo Sören,

      so, wie du es beschreibst, klingt es auch für mich logisch. Allein aus deinen Aussagen müsste ich das Buch noch ein zweites Mal lesen, um es für mich einordnen zu können. Danke für deine erläuternden Worte, die für mich ein wenig mehr Licht ins Dunkel bringen und mir das Buch völlig neu betrachten lassen.

      Geus
      Marc

      Gefällt 1 Person

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