[Rezension] : Gunnar Kaiser – Unter der Haut

Blogbusterinfiziert

Gunnar Kaisers Buch “Unter der Haut” ist das zweite Buch aus der ersten Blogbusterstaffel, welches ich nun gelesen habe und bei dem mich damals wie auch bei Daniel Faßbenders Buch die Leseprobe richtiggehend begeistert hat, dass ich es damals schon gerne weiter- und im ganzen gelesen hätte. Betreut wurde dieses Buch von Uwe Kalkowski und seinem Blog „Kaffeehaussitzer“, der im diesem Jahr auch in der Jury für den Deutschen Buchpreis saß und dessen Literaturgeschmack ich im Allgemeinen teile und mir auf seinem Blog schon so einige Tipps geholt habe. Somit konnte dieses Buch in meinen Augen eine sichere Bank werden. War es auch zu etwas mehr als zwei Dritteln, danach ging dem Buch leider irgendwie die Luft aus, was ich schade finde, da die Geschichte sehr spannend geschrieben war und ich den Aufbau auch sehr gelungen fand. Die Verschachtelungen der Zeitläufe, das Einflechten eines fiktiven Romans oder Tagebuchs und auch das Überthema Buch tragen diese Geschichte bis in die letzten Winkelzüge. Doch spätestens als der fiktive Roman und die Realität aufeinander zulaufen und relativ klar wird worauf die Sache hinaus gehen könnte, war das Buch nicht mehr fesselnd genug für mich und die Auflösung regt zwar zum Nachdenken an, doch irgendwie lässt sie einen auch unbefriedigt zurück. Oder ist am Ende doch alles ganz anders und Gunnar führt uns einfach nur an der Nase herum?

Auf der Suche nach dem perfekten Buch

Jonathan Rosen ist ein Jude deutscher Herkunft, dessen Eltern noch vor dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika ausgewandert sind. Jonathan selber studiert 1969 an der Columbus University in New York Literatur und erträumt sich das Leben eines erfolgreichen Autors. Der Roman steigt mit seinem definitiven Mädchen ein – Gretchen – welches aus einer U-Bahnstation wie ein Engel empor kommt und Jonathan, schönen Mädchen nicht abgeneigt, folgt ihr. In einer Bar, in dem auch er immer mal wieder vorbei schaut, geht sie hinein, trinkt einen Kaffee und verfolgt fasziniert die nun folgende Szene. Da Jonathan selber zu schüchtern ist, Mädchen anzusprechen, übernimmt das ein Mann um die 50, dem es spielerisch leicht zu fallen scheint, dieses Mädchen dazu zu bringen, alles für ihn zu tun und das mit Freude. Sie sprechen über Bücher und sie folgt ihm. Jonathan geht ihnen auch hinterher. So entsteht eine Beziehung zwischen ihm und Josef Eisenstein, dem Mann, der Gretchen anspricht, welche das ganze Buch bestimmen soll. Es geht um Literatur, dass perfekte Buch und die Suche nach diesem perfekten Buch, welches sprichwörtlich unter die Haut geht.

Welch ein Genuss das zu lesen

Der Anfang, ein Genuss, der seinesgleichen sucht. Man schmeckt die Luft dieser Metropole, vom New York der sechziger Jahre, sieht dem jungen Jonathan über die Schulter, wie er Josef Eisenstein kennen lernt, wie er ihm beibringt, Mädchen zu verführen und wie er es am geschicktesten anstellt, dass sie bereitwillig mitmachen. Aber auch alles danach lässt einen raunen vor lauter bibliophiler, musikalischer, zeitgeschichtlicher Anspielungen. Dieser Roman sprudelt davor nur so über und ist trotzdem kein reiner Namensreigen, der da aneinander gereiht wird. Alles ergibt irgendwie Sinn, verwebt sich mit dem Plot der Geschichte und könnte im weiteren Verlauf bedeutend werden. Doch kaum hat man es sich in der kuscheligen, wohligen Atmosphäre gemütlich eingerichtet, wird man in die harte Realität der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs katapultiert, in der Josef Eisenstein geboren wurde. Doch diese Kapitel sind mit der Überschrift versehen „Aus der Geschichte eines Verbrechers“ und man beginnt Unheilvolles zu ahnen. Wer ist dieser Josef Eisenstein? Ein Bibliophiler, der manisch Bücher stiehlt, um sie für sich zu behalten oder für die Nachwelt zu retten? Oder ein Irrer, der dem Traum lebt, dass perfekte Buch zu finden, zu besitzen oder womöglich gar zu erschaffen? Welche Mittel sind ihm dabei recht?
Diese zwei Pfade verwebt Gunnar Kaiser immer mehr miteinander, lässt sie aufeinander zurasen wie zwei Züge auf einem Gleis, bis sie unweigerlich zusammen treffen müssen. Das alles macht er bis zur Hälfte ziemlich geschickt, bis so nach und nach die vermeintliche Wahrheit ans Licht kommt und für mich dann die Luft raus war. Ich hatte schon davor ein kleines bisschen meine Probleme mit der Sprunghaftigkeit des Plots, der die Vergangenheit von Eisenstein beleuchtet. Es war mir irgendwie zu viel und zu wenig zugleich. Zu 95% perfekt, aber es blieben noch 5% übrig, die mich unbefriedigt haben weiterlesen lassen und spätestens als schwarz auf weiß steht, wer Eisenstein wirklich zu sein scheint, wurde es beschwerlich für mich. Die ganzen bibliophilen Anspielungen gaben mir keinen Antrieb mehr, waren eher Last statt Lust. Sprachlich ohne jeden Zweifel erhaben, aber irgendwie war mir dann egal, wie es ausgehen wird.

Diese zwei Pfade verwebt Gunnar Kaiser immer mehr miteinander, lässt sie aufeinander zurasen wie zwei Züge auf einem Gleis, bis sie unweigerlich zusammen treffen müssen. Das alles macht er bis zur Hälfte ziemlich geschickt, bis so nach und nach die vermeintliche Wahrheit ans Licht kommt und für mich dann die Luft raus war. Ich hatte schon davor ein kleines bisschen meine Probleme mit der Sprunghaftigkeit des Plots, der die Vergangenheit von Eisenstein beleuchtet. Es war mir irgendwie zu viel und zu wenig zugleich. Zu 95% perfekt, aber es blieben noch 5% übrig, die mich unbefriedigt haben weiterlesen lassen und spätestens als schwarz auf weiß steht, wer Eisenstein wirklich zu sein scheint, wurde es beschwerlich für mich. Die ganzen bibliophilen Anspielungen gaben mir keinen Antrieb mehr, waren eher Last statt Lust. Sprachlich ohne jeden Zweifel erhaben, aber irgendwie war mir dann egal, wie es ausgehen wird.

Doch irgendwas stört

Doch halt… Das letzte Kapitel, es geht auf das Ende, das Finale zu. Endgültige Aufklärung? Nein, das nicht, mehr Fragezeichen und das so, wie ich es eigentlich gerne habe. Man bleibt zurück mit einem riesengroßen Fragezeichen auf dem Kopf und will eigentlich gleich nochmal mit diesem Buch beginnen, die ganzen Anspielungen aufsaugen, auf Wahrheitsfindung gehen, sich der Bibliomanie hingeben und sich an dem absolut genial gestalteten Buch inklusive Schutzumschlag berauschen, der schon etwas vorweg nimmt, was im Buch einen immensen Raum einnehmen wird.
Aber es ist doch ein insgesamt starkes Buch, welches, wie schon mehrmals angedeutet, im letzten Drittel ein bisschen seine Wucht und Dramatik verliert. Trotz dessen ist es lesenswert, besonders, wenn man im Hinterkopf behält, dass es ein Debütroman ist. Klug konstruiert, Krimi und literarischen Hochgenuss miteinander auf wunderschöne Art vereint. Für mich persönlich braucht es wohl irgendwann noch einmal einen Leseanlauf, um auch dem letzten Drittel die Würdigung zukommen zu lassen, es in den Gesamtkontext einzubetten, ohne gelangweilt zu sein.

Aber es ist doch ein insgesamt starkes Buch, welches, wie schon mehrmals angedeutet, im letzten Drittel ein bisschen seine Wucht und Dramatik verliert. Trotz dessen ist es lesenswert, besonders, wenn man im Hinterkopf behält, dass es ein Debütroman ist. Klug konstruiert, Krimi und literarischen Hochgenuss miteinander auf wunderschöne Art vereint. Für mich persönlich braucht es wohl irgendwann noch einmal einen Leseanlauf, um auch dem letzten Drittel die Würdigung zukommen zu lassen, es in den Gesamtkontext einzubetten, ohne gelangweilt zu sein.

Wer dem Autor folgen möchte, kann dies auf seinem persönlichen Instagramaccount tun (klick für Gunnar).
Die Lobrede für Gunnars Buch auf der Seite vom Kaffeehaussitzer könnt ihr in seinem Beitrag nachlesen, wo er sich im Zuge der ersten Staffel des Blogbusters für dieses Manuskript entscheidet.
An dieser Stelle sage ich auch noch einmal Danke an Beate von der BücherInsel in Frauenaurach, die mir aus dem Gespräch heraus ihr Leseexemplar zur Lektüre überlassen hatte.

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3 Kommentare zu „[Rezension] : Gunnar Kaiser – Unter der Haut

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