[Debütpreis 2018]: Meine Entscheidung – Keine großen Überraschungen

Debütpreis 2018 – Große Unterschiede in der Qualität, keine schwere Entscheidung

Auf die erneute Arbeit in der Jury hatte ich mich auch in diesem Jahr sehr gefreut und schaute gespannt der Verkündung der Shortlist entgegen. Sie überraschte mich wieder einmal und hatte Bücher mit sich gebracht, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte.

Doch, wie es manchmal so ist im Leben, grätscht einem genau dieses zwischen die Beine. Wenn jemand in der eigenen Familie stirbt, auch wenn es abzusehen war, zieht es einem erstmal den Boden unter Füßen weg und alles andere tritt in den Hintergrund. So geschah es vor Weihnachten und ich sah mich nicht in der Lage, die Juryarbeit angemessen zu verrichten und trat zurück. Deshalb habt ihr auf dem Blog, entgegen der zwei Jahre vorher, nichts mehr davon gehört, obwohl ich wieder ein paar Beiträge dazu machen wollte und einige Ideen hatte.

Doch ich merkte, dass Literatur und eine Aufgabe helfen können, über Verluste hinwegzukommen, und so habe ich in den zurückliegenden Wochen alle Bücher nun doch so gelesen, als würde ich die Juryarbeit erledigen und ich es als schade empfinden würde, meine Meinung nicht in eine Bewertung für den Preis einfließen zu lassen. So möchte ich euch an dieser Stelle meine Entscheidung mitteilen, wie ich die Platzierungen aufgeteilt habe und das auch kurz begründen. Die Besprechungen zu diesen Büchern werde ich in den nächsten Wochen nachreichen.

  • Platz 5: Christian Y. Schmidt – Der letzte Huelsenbeck

Ein ganz und gar seltsames Werk, durch das ich mich irgendwie durchgemogelt habe. Es war für mich nichts Halbes und nichts Ganzes und fand keinen Zugang zu dieser drogenumnebelten Geschichte. Sprachlich und inhaltlich zu durcheinander. Kurz gesagt: Es hat sich diesen fünften Platz redlich verdient und andere Werke wären auf der Shortlist besser aufgehoben gewesen – Ein Fehlgriff.

  • Platz 4: Marie Gallmischeg – Alles was glänzt

Ich komme mit episodenhaftem Schreiben einfach nicht klar. Wie schon im letzten Jahr mit Juliana Kalnays „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“, war auch dieses Buch keines für mich persönlich und ich empfand auch allgemein die Geschichte um den Berg und das dazugehörige Aussterben vom Dorf als unrund. Sprachlich waren zwar ein paar schöne Sätze dabei, mehr aber auch nicht. Die Lektüre hat zwar Spaß gemacht, bleibend wird sie leider nicht sein. Kein Fehlgriff, aber auch nichts hinreißendes für mich.

  • Platz 3: Verena Stauffer – Orchis

Einen Punkt vergebe ich für dieses Buch Es hat mich zwar inhaltlich nicht abgeholt, dafür aber sprachlich umso mehr, was Martina von Literatur leuchtet sogar der Grund war, diesem Buch ihren ersten Platz zu geben. Leider war mir der Hauptcharakter sehr unsympathisch, doch die vielen schönen Beschreibungen machten es wieder wett. Verdienter dritter Platz in meinem Ranking, aber auch nicht mehr.

  • Platz 2: David Fuchs – Bevor wir verschwinden

Was ich mir für dieses Jahr insbesondere auf die Bewertungsfahne geschrieben habe war das Wort Relevanz. Unter dieser Prämisse habe ich die Bücher insbesondere beleuchtet und da stachen für mich die Plätze 1 und 2 dann doch stark gegenüber der Konkurrenz heraus. Bei David Fuchs und seinem „Bevor wir verschwinden” ist es vor allem das Thema Tod und wie nüchtern dieser beschrieben wird. In einer Diskussion in unserer internen Jurygruppe auf Facebook war das vor allem ein Thema, ob man über so etwas überhaupt Bücher beziehungsweise Romane lesen muss. Ich sage, ja man muss darüber lesen, schreiben, diskutieren dürfen. Auch durch meinen privaten Trauerfall war ich darauf sensibilisiert, auch wenn dieser nichts mit Krebs zu tun hatte. Ich werde in meiner Besprechung näher darauf eingehen.

  • Platz 1: Bettina Wilpert – Nichts, was uns passiert

Wer meinen Jahresrückblick gesehen hat und auch so bei mir in den sozialen Netzwerken folgt, wird sich denken können, dass nur dieses Buch auf Platz 1 landen konnte und dem ich auch von ganzem Herzen den Preis gönne. Es war das einzige, welches ich schon im Vorfeld gelesen habe und welches ich auch vor Verkündung der Shortlist als einen meiner großen Favoriten auserkoren habe. Dagegen konnten die anderen vier Bücher nicht mehr bestehen. Eine faire Chance habe ich aber jedem Buch gegeben, soviel ist sicher.

Das Buch beschreibt völlig unaufgeregt die Folgen einer vermeintliche Vergewaltigung und geht dabei so nüchtern wie möglich vor, unterscheidet nicht zwischen Opfer und Täter und zeigt vor allem auf, wie es der Titel schon sagt, dass es jedem von uns passieren kann. Vergewaltigung ist nicht, was nur spontan passiert, sie kann auch im Freundeskreis und sogar in einer Ehe stattfinden. Ein Buch, welches definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient und von daher mein klarer Platz 1, mit Abstand.

Und nun drücke ich trotz meiner Platzierung allen AutorInnen die Daumen und möge das beste Buch gewinnen. Und wenn der Preis vom Blog Das Debüt dann verliehen wurde, habe ich noch ein kleines Schmankerl für euch. Haltet einfach die Augen auf dem Blog auf.

Natürlich dürfen an dieser Stelle die Danksagungen nicht fehlen. An erster Stelle gehört Dr. Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger vom Blog Das Debüt ein ganz großes Dankeschön für die Organisation des Preises, für diese Leseausdauer und die Geduld mit unserer Meinung. Natürlich geht auch ein Danke an die Verlage Verbrecherverlag, Kremayr&Scheriau, Haymon Verlag, Luchterhand und Rowohlt für die komplikationslose Bereitstellung der Leseexemplare.
Und natürlich zum Schluss noch ein ganz großes Dankeschön an alle weiteren 13 Jurymitglieder für in diesem Jahr zwar etwas weniger intensive Diskussionen, aber trotz allem großen Austausch. Nächstes Mal wird das wieder besser, versprochen. In der Jury waren vetteeten: Martina von Literatur leuchtet, Petra von Literaturreich, Silvia von Leckere Kekse, Eva von Literaturgeflüster, Angelika von Angelika liest, Katja von Zwischen den Seiten, Janine von Frau Hemingway, Jessica von Miss Paperback, Ruth von Ruth liest, Friedricke von Frintze, Louisa von Das Bücherregal, Jennifer von Lesen in Leipzig und mit mir der Hahn im Korb Fabian von Mokita. (P.S. Verlinkungen mache ich in den Tagen noch fertig, jetzt muss der Beitrag erstmal raus.

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5 Kommentare zu „[Debütpreis 2018]: Meine Entscheidung – Keine großen Überraschungen

Gib deinen ab

  1. „Der letzte Huelsenbeck“ https://literaturgefluester.wordpress.com/2018/11/29/der-letzte-huelsenbeck/ ist ein tolles Buch, wenn es vielleicht auf der literarischen Linie mit Wilpert https://literaturgefluester.wordpress.com/2018/12/04/nichts-was-uns-passiert/und Gamilscheg https://literaturgefluester.wordpress.com/2018/11/23/alles-was-glaenzt/ nicht ganz zu vergleichen ist. Es ist ein Drogenrausch und ein Weg in oder durch eine Psychose.
    Ich habe ihm aus obigen Gründen keinen Punkt gegeben, sondern Wilpert, Gamilscheg und Fuchs https://literaturgefluester.wordpress.com/2018/11/07/bevor-wir-verschwinden/ gereiht, weil mir das Realistische neben dem Sprachlichen auch wichtig ist und dem „Huelsenbeck“ Platz vier gegeben.
    „Orchis“ https://literaturgefluester.wordpress.com/2018/04/08/orchis/, was ja auch als sprachlich toll gehandelt wurde, war bei mir Platz fünf und ansonsten habe ich ja geschrieben, ich hätte diesmal würfeln können und es war ein toller Jahrgang, obwohl ich auf der Longlist ja auch meine Favoriten hatte.
    https://literaturgefluester.wordpress.com/2018/12/08/wuerfelspielereien/
    Alles Liebe und alles Gute, liebe Grüße aus Wien!

    Gefällt mir

  2. Ich freue mich sehr, dass es du es doch noch geschafft hast alle Bücher zu lesen und einen Beitrag über die Entscheidung zu schreiben. Du bist sonst der aktivste Juror und deine Stimme hätte uns einfach gefehlt.
    Wir haben auch die gleiche Bewertung abgegeben! Allerdings habe ich die beiden Bücher auf Platz fünf und vier so kritisch beurteilt wie du.
    Jetzt freue ich mich auf deine Rezensionen , Soweit sie noch kommen
    Alles Gute
    Silvia

    Gefällt 1 Person

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