[Notiz]: Elektronisch Lesen – Eine persönliche Bestandsaufnahme

Electrified

Vor knapp drei Jahren habe ich bei mir auf dem Blog die Kategorie „Elektronisch Lesen“ eingeführt (mittlerweile aber schon wieder Geschichte), um dort spezielle Themen rund um das Lesen mit elektronischen Hilfsmitteln vorzustellen oder einfach auf Formate aufmerksam zu machen, die sich vornehmlich mit dem Vertrieb von elektronischen Büchern beschäftigen. Ich hatte viele Ideen in der Schublade, wollte euch zum Beispiel das Format „A story a day“ vorstellen, welches der Verlag Voland&Quist als App auf den Markt brachte (mittlerweile leider wegen nicht laufender Zahlen eingestellt – laut eigenen Aussagen gerade mal knapp über 100 Abonnenten) oder die kleine Reihe von Hanser (Hanser Box), die sich auf keine konkreten Themen beschränkte, sondern sowohl literarisches oder auch Essays zu politische Themen vorstellte. Leider scheint auch diese Reihe keine Fortsetzung gefunden zu haben. Woran liegt es, dass diese Formate, bis auf wenige, nicht funktionieren? Sie bieten doch im Kleinformat das an, was viele für die Zukunft prognostizieren. Nämlich das Lesen von kurzen Texten, welche den Leser nur kurz beanspruchen beziehungsweise für eine halbe Stunde ausreichend ist, um es in der Mittagspause oder auf dem Weg zur/von der Arbeit lesen zu können. Ich gehe auf diese Dinge aus meiner persönlichen Sicht ein und stelle auch meinen persönlichen Zwiespalt unter das Brennglas der Betrachtung, da auch mich die ewige Debatte Buch gegen elektronisches Buch ständig beschäftigt und auch ich immer wieder einen inneren Kampf mit mir ausfechte, ob es denn das gedruckte Buch unbedingt braucht und ich mich einfach mit der elektronischen Variante begnüge.

Kleine Formate, politische Themen, kurzweilige Prosa

Als ich mich vermehrt dem elektronischen Lesen zuwandte schien es einen kleinen Umbruch zu geben. Vor allem dahingehend, dass kleine Bücher mit maximal 100 Seiten recht gut über den elektronischen Weg zu vertreiben sind. Mir ging es jedenfalls so, dass ich diese Formate offen aufgenommen habe. Vor allem die zwei oben erwähnten von Voland&Quist und von Hanser haben es mir mit ihrer Kürze und ihren Möglichkeiten angetan. Aber auch andere Formate und Verlage sind in diesem Metier aktiv oder waren es. So haben zum Beispiel die Verlage mikrotext und Frohmann ihre publizistischen Anfänge in der rein elektronischen Form. Doch es stellte sich schleichend ein Abnutzungsprozess ein, der dazu führte, dass sie mir aus dem Fokus gerieten und ich sie nicht mehr genutzt habe und das obwohl ich das elektronische Format recht gerne nutze. Doch ich verlor irgendwann die Lust daran.
Bei der App „A story a day“ zum Beispiel war der Beginn erfrischend, die Texte anders, mal kurz und knackig, mal eine Kurzgeschichte mit mehreren Kapiteln. Jedoch wiederholte sich das Schema irgendwann, es kam nichts „Neues“ mehr und ich wurde dem ganzen überdrüssig und habe dann irgendwann das Abo abbestellt. Doch was hätte man anders machen können? Zum Beispiel den täglichen Rhythmus aufbrechen. Ab einem gewissen Zeitpunkt, insbesondere bei längeren Texten, kam man nicht mehr hinterher mit dem Lesen und hat sich nur noch die interessanten Sachen angeschaut. Wenn auch das zu viel wurde, gingen sie in den Zwischenspeicher und wurden irgendwann vergessen. So ging nach und nach der Sinn der Sache verloren, es war nicht mehr eine Geschichte pro Tag, sondern verlief eher in die Richtung „Ich speichere eine Geschichte pro Tag“. In etwa erging es mir mit der „Hanser Box“, dort nur im monatlichen Rhythmus.

Neue Wege

Im Prinzip empfinde ich es als schade, wenn neue Wege über einen längeren Zeitraum nicht funktionieren und so keine größere Leserschaft erringen. Bei der App von V&Q zum Beispiel haben sich laut Aussage vom Verlag gerade mal etwas über 100 Leute für das Abo angemeldet und dieses genutzt. Zu wenig, um dieses Angebot lukrativ weiter zu betreiben, geschweige denn auszubauen. Bei der Hanser Box fehlen leider solche Zahlen, aber gelohnt hat sich das im finanziellen Sinne sicher auch nicht, sonst wäre es weiter gelaufen. Doch was macht zum Beispiel ein Verlag wie mikrotext zum Beispiel anders? Was ist das großes Plus, was über Wasser hält? Dort empfinde ich es zum Beispiel so, dass sie mittlerweile ihre Veröffentlichungen auch als Print an den Mann bringen und somit beide Fraktionen bedienen und sich somit sicher sein können, dass ihre Bücher gekauft werden. Ich werde dieser Frage nachgehen und mir in den nächsten Monaten wieder verstärkt solche Formate zur Brust nehmen und auf Herz und Nieren überprüfen.

Und bei mir so? Unendliche Möglichkeiten


Doch wie läuft das elektronische Lesen in meinem Leben mittlerweile ab? Seit zirka drei Jahren nutze ich nun einen eBook- Lesegerät und bin vollauf zufrieden damit. Jedoch möchte ich auch die Bücher aus Papier nicht missen. Der Tolino wird dabei sogar zweifach genutzt – zum Lesen und als Leselampe. Jeder, der einen eBook- Reader sein eigen nennt, wird den unbestreitbaren Vorteil sofort ins Feld führen, dass man immer und überall das gleiche Gewicht mit sich herum trägt und trotzdem tausende von Büchern bei sich hat. Gerade bei Terminen, wo man nicht unbedingt den nächsten dicken Schinken von 1000 Seiten mitschleppen will, spielt sich dieser Vorteil aus. Auch ich nutze das Gerät vornehmlich unterwegs zum Lesen. Zu Hause habe ich dann doch lieber ein gedrucktes Buch in der Hand und da kommt der zweite Vorteil der neueren Gerätegenerationen ins Spiel – die mit dem beleuchteten Display. Wenn ich auf der Couch sitze habe ich meine neue, große Leselampe. Da brauche ich das Gerät nicht. Aber ich lese ja auch im Bett und da ist dieser Tolino ein wahres Geschenk. Im Leben vor diesem Gerät war ich immer auf der Suche nach einer Leselampe, die man sich oben ans Buch klipsen kann und dann hat man Licht auf den Seiten. Doch diese waren immer zu hell und ich habe nie, wirklich nirgends eine gefunden, bei der man die Helligkeit regulieren kann. Immer nur volle Pulle Helligkeit. Das ging mir auf die Nerven und vor allem meiner Frau, die ich dann vom Schlafen abgehalten habe. Doch seitdem ich den Tolino habe, sieht die Welt schon ganz anders aus. Das ist die beste Leselampe, die ich je gesehen habe. Er leuchtet die komplette Breite der Seiten aus und man kann die Helligkeit des Lichts einstellen! Seitdem nutze ich den Tolino zweigleisig.

Und bei mir so? Raus aus der Leseflaute, hinein in den prallen Bücherberg

Zusätzlich werde ich diesen Tolino immer in Erinnerung behalten, weil er mich damals, als ich ihn geschenkt bekommen habe, aus einer akuten Leseflaute heraus geholt hat. Ende 2014 hatte ich sowas von keinen Bock mehr aufs Lesen und auf Bücher, dass ich mich gar nicht mehr wieder erkannte. Das lag damals vor allem daran, dass ich wirklich nur die letzten Stunden des Tages nutzen konnte und eigentlich mehr schlafend als wachend manche Bücher in mich rein gequält habe. Mit dem Tolino öffneten sich dann mit einem Mal wieder Möglichkeiten (und auch mein Wachzustand war wieder ein anderer – diesen Faktor sollte ich nicht unterschlagen). Somit kann ich das elektronische Lesen nicht mehr aus meinem Leben wegdenken. Doch es hat bei mir das gedruckte Buch nicht verdrängt, wie man wunderschön an meinem Buchregal sehen kann. Ich fahre mit dieser Zweigleisigkeit recht gut, habe meine Freude am gedruckten Buch und an der elektronischen Form ebenfalls.

Habt ihr denn noch Tipps zum elektronischen Lesen? Kennt ihr noch weitere Verlage, die entweder rein elektronisch veröffentlichen oder zumindest über diesen Weg begonnen haben? Es würde mich freuen, wenn ein paar Hinweise zusammen kommen.

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6 Kommentare zu „[Notiz]: Elektronisch Lesen – Eine persönliche Bestandsaufnahme

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  1. Hallo Marc! CulturBooks kennst du sicher. Die fallen mir da zuerst ein, weil sie auch digital begonnen haben, dann so erfolgreich waren, dass Printbooks erschienen, aber bis heute zweigleisig und sehr vielfältig fahren. Da lohnt es sich immer mal reinzuschauen.

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Marc,
    ich kann mir meinen E-Reader gar nicht mehr aus meinem Lesealltag wegdenken. Lesen heißt für mich Print, eBook als auch Hörbuch. Je nach Lebenslage, Tagesform und Gemütszustand entscheide ich anders und kann doch immer lesen und hab überall ein Buch dabei. Da ich so überhaupt nicht groß auf Cover schaue, schmerzt es mich nicht, dieses z.B. nicht bunt auf meinem Reader zu sehen. Bin ich unterwegs oder beim Arzt oder sonstwo, schleppe ich keine Bücher mit, die sind im Handy mit dabei. Das ist für mich eine große Erleichterung.
    Ich lese so gar keine Kurzgeschichten. Sind mir einfach zu kurz, damit ich große Lesefreude entwickeln kann. Deswegen sind so Aktionen, wie du sie oben beschrieben hast, nichts für mich. Sowas bekomme ich auch kaum mit. Aus meiner Sicht kann ich deshalb verstehen, dass sie recht schnell wegen zu geringer Zahlen eingestellt worden sind.
    GlG, moner

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Marc,

    sehr spannendes Thema, das auch bei mir viele unbeantwortete Fragen lässt.

    Auch wenn ich das gedruckte Buch bevorzuge, gibt es Situationen oder Texte, bei denen ich lieber auf den E-Reader zurückgreife. Kurzgeschichten, Novellen oder manche Klassiker lese ich am liebsten in digitaler Form. Und E-Reader und kurze Texte sind auch die perfekte Kombination für die Situationen, in denen ich auf das Digitale zurückgreife: beim Warten vor Terminen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Reisen.

    Regelmäßiger habe ich allerdings auch nie auf kurze Texte zurückgegriffen (und auch zum E-Reader greife ich nur sporadisch). Zum einen mag ich längere Texte grundsätzlich mehr, weil ich gern länger in einer Geschichte verweile. Zum anderen wurde mir das Angebot irgendwann zu viel. Die Hanser Box fand ich z.B. eine tolle Idee und hatte mir auch etliche Titel abgespeichert. Allerdings wurde mir das Angebot irgendwann zu groß und damit auch zu unübersichtlich zum Stöbern und Entdecken. Zum Teil hatte ich auch das Gefühl, dass sich Themen wiederholten, wodurch die Reihe schnell an Reiz verlor. Bei einigen Autor*innen entstand für mich auch der Eindruck, dass hier bestimmte Themen und Kurzgeschichten, die in Verbindung mit einem Roman standen, regelrecht „ausgeschlachtet“ wurden. Das war z.B. bei den Texten von Raquel J. Palacio der Fall, die mir „Wunder“ ein tolles Jugendbuch geschrieben hatte, von der in der Hanser Box dann aber zig Geschichten erschienen, die Ereignisse aus dem Buch aus Sicht einer jeweils anderen Nebenfigur schilderten. Bei der Hanser Box dachte ich mir daher schon früh, dass es wohl eine bessere Entscheidung gewesen wäre, dieses Angebot als ein stark begrenztes Projekt laufen zu lassen.

    Ich weiß auch nicht, was besser wäre: Greift man bei kurzen, digitalen Angeboten lieber auf bewährte Autor*innen zurück oder nutzt man sie eher als Möglichkeit, um neuen Autor*innen und ungewöhnlichen Textformaten, Schreibstilen und Themen eine Plattform zu geben?!
    Oder wäre es vielleicht eine Alternative, die digitalen Medien für Fortsetzungsgeschichten zu nutzen? In vergangenen Jahrhunderten wurden manche Geschichten ja auch häppchenweise über mehrere Monate hinweg in Zeitungen veröffentlicht, bevor sie als vollständiger Roman zu kaufen waren. Ich persönlich hätte darauf tatsächlich Lust und wäre bei so einem Angebot sofort Kundin. 😀

    Gefällt 1 Person

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