[Rezension] [Debütpreis 2018]: Christian Y. Schmidt – Der letzte Huelsenbeck

Ein Buch wie ein einziger beschissener Rausch

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Copyright © Rowohlt Verlag

Wie soll man eine Besprechung zu einem Buch schreiben, zu dem man keinen Zugang fand? Welches einem einiges abverlangte und es sich doch nicht öffnen wollte für den eigenen Geist? In diesem besonderen Fall ist es für mich schwierig das zu beantworten. Es gab gute Passagen, die sich wieder mit wirren Abschnitten abwechselten. Es ergab alles irgendwie Sinn, aber es war mir zu abstrakt und zu durcheinander, als das ich das gut finden konnte. Der Augenöffner zum Schluss ist dagegen gelungen, den ich an dieser Stelle nicht erwähnen möchte, um diesen Aspekt beim Lesen des Buches nicht vorweg zu nehmen, denn dieses Ende ist ganz nach der Art von M. Night Shymalan und seinen Filmen. Es holte mich dann wieder ein wenig ab, da es schon wieder so absurd war, dass es manches, was vorher war, relativierte. Doch ein Problem bleibt bestehen – der Hauptcharakter. Wenn man mit diesem nicht klar kommt, dann hat es das Buch und die zwischen den Buchdeckeln befindliche Geschichte allgemein schwer.

Die Hauptfigur, eine charakteristische Dampfwalze

Ein Friedhof, eine Beerdigung, ein Lachsack, eine Keilerei, ein Steinwurf und dieser landet bei unserer Hauptfigur Daniel am Kopf. So fängt das Buch an und das Unheil beginnt. Er ist gerade erst zurück in Deutschland, war vorher einige Jahre in Asien beheimatet und ist bei der Beerdigung seines alten Freundes Viktor dabei. Zusammen mit ein paar anderen Freunden hatten Viktor und Daniel die Huelsenbecks gegründet, eine dadaistische Gruppe, die dem Dada fröhnten und komische Aktionen planten, um der Gesellschaft den Konsumspiegel vorzuhalten. Doch darum geht es in diesem Buch nur am Rande. Vielmehr steht eine Reise im Mittelpunkt, die die Huelsenbecks unternommen haben und für die Daniel nach dem Steinwurf an seinem Kopf nun Recherchen anstellt, denn es tauchen auf einmal viele Ungereimtheiten auf. Und noch ein kurioser Fakt taucht am Horizont auf, der gleich zu Beginn klar aufgezeichnet wird. Daniel schreibt uns diese Geschichte der Recherche aus dem Jenseits auf, denn er kennt das Datum seines Todes und ist sich des Zustandes bewusst, dass er nicht mehr lebt. Dazwischen passieren allerlei kuriose Dinge und es werden jede Menge Drogen aller Art konsumiert.
Bei alldem benimmt sich Daniel wie der Elefant im Porzellanladen. Er will unbedingt die Wahrheit über die USA-Reise mit seinen Freunden herausfinden und befragt nun alle noch verbliebenen aus der ehemaligen Gruppe oder vielmehr geht er ihnen damit auf die Nerven, denn je mehr er nachbohrt, umso mehr Ungereimtheiten tauchen auf, die Daniel erneut anstacheln, die Wahrheit hinter der USA-Reise herauszufinden, die sich als großer Flop für die Huelsenbecks herausstellte, denn danach löste sich die Gruppe auf.

Dadaistischer Hirnschmalz mit einem Hauch von Twin Peaks verrührt

Bis zu ungefähr einem Viertel des Buches, als Daniel bei seinem Psychiater vorstellig wird und der mit etwas zwielichtigen Methoden, die etwas mit der Serie Twin Peaks zu tun haben, war ich noch begeistert bei der Sache und war frohen Mutes hier ein frisches und munteres Werk zu lesen. Doch dann wurde es immer wirrer und kurioser, was zwar mit dem, was am Ende offenbart wird, durchaus Sinn ergibt, aber mit fortlaufender Geschichte war mir das zu wechselhaft, zu viele Drogen, zu unstet in seiner Art, es zu erzählen und ich kam nicht mehr damit zurecht. Es war an sich nicht schlecht geschrieben, sonst hätte ich es womöglich abgebrochen, jedoch war es nicht so gut, dass es mich durch die wirren Gedanken von Daniel getragen hätte. So habe ich ein in meinen Augen Durchschnittswerk gelesen, welches mich nicht sonderbar gefesselt hat und in der Erinnerung zwar mit dem Debütpreis immer verhaftet bleibt, aber sonst keinen sonderlichen Eindruck hinterlassen hat. Von einem Lesen würde ich insofern nicht abraten, wenn man auf wilde Drogeneskapaden steht und auch mit einem überraschendem Ende bedacht werden will. Alle anderen sollten einen Bogen darum machen.

An dieser Stelle danke ich dem Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des elektronischen Leseexemplars zur Bewertung im Zuge des Debütpreises. Weitere Besprechungen zum Buch findet ihr unter anderem auf den folgenden Blogs (unter anderem auch die Jurykollegen zum Debütpreis):

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4 Kommentare zu „[Rezension] [Debütpreis 2018]: Christian Y. Schmidt – Der letzte Huelsenbeck

Gib deinen ab

  1. Wirklich ein Buch, das viele zwiespältige Gedanken auslöst. Es wäre super geeignet es in einer Gruppe zu diskutieren. Doch ich hätte es gerne sin der Mitte abgebrochen. DOch Beginn und Ende empfand ich als gelungen.
    Viele Grüße
    Silvia

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Silvia,

      ja, zwiespältige Gedanken trifft es bei diesem Buch ganz gut und es ist definitiv eines, über das man gerne stundenlang diskutieren kann. Gerade die Mechanismen im Gehirn und wie das in dieses psychedelische Buch hineinspielt. Manche Stellen waren gelungen, vieles zu sprunghaft und in der Summe leider nicht befriedigend. Ob das beim zweiten Mal lesen besser aussehen würde?

      Gruß
      Marc

      Gefällt mir

  2. Ist ein tolles Buch, aber man muß sich dafür wohl auf den Seelentrip einstellen, ich verstehe ja nicht so viel von Drogen, dafür habe ich schon einige Psychosen bei Freunden, die vielleicht auch vorher gekifft haben, miterlebt und daher konnte ich das Buch und seinen Inhalt auch gut nachvollziehen, auch wenn es dann letztlich bei mir, leider, leider, auch nur auf Platz vier gerutscht ist.

    Gefällt 1 Person

    1. So richtig konnte ich mich auf den Seelentrip dann doch nicht einlassen und es war in vielen Stellen dann doch zu konfus für mich, was in der Mischung mit dem unsympathischen Hauptcharakter keine gute Kombination war. Das Buch hatte zwar gute Passagen, aber in der Summe dann doch zu wenig, um bleibend in Erinnerung zu haften.

      Liebe Grüße
      Marc

      Gefällt mir

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