[Notiz]: Herbstvorschauwahnsinn

Hurra Hurra, die Herbstvorschauen sind da

Und weiter, immer weiter dreht sich das Hamsterrad. Bücher über Bücher, Vorschauen über Vorschauen. Da hat sich die Maisonne noch nicht einmal richtig gegen die arktischen Luftströme durchgesetzt, draußen peitscht durch die Westwindströmung noch der kalte Regen gegen die Fenster, der Winter haucht uns nochmal seinen kalten Atem entgegen und just genau da werden massenweise die Vorschauhefte in die Welt getragen. Wer in seiner Social Media Filterblase die Verlage ebenso wie die Buchblogger abonniert hat hat wird schnell merken, dass zwar der Frühling noch nicht einmal richtig in Schwung gekommen ist (na gut kurzes Intermezzo im April), aber in der Verlagswelt herrscht schon wieder Herbst. Die Vorschauhefte sind ja dazu da, um auf neue Bücher aufmerksam zu machen, den nächsten Bestseller anzutriggern und bei allen Begeisterung zu schüren. Doch irgendwie kommt es bei mir gerade zu einem gegenteiligen Effekt – ich persönlich bin überfordert, übersättigt und einfach nur noch dieses Neuerscheinungswahnsinns müde. Und wenn ich mich so durch manche Tweets oder Meinungen bei Instagram und Facebook durcharbeite, geht es nicht nur mir so. Ich beschäftige mich gern mit neuen Büchern, aber noch nicht jetzt. Ich habe doch noch nicht einmal die Frühjahrsbücher richtig durchgearbeitet, geschweige denn den letzten Herbst. Also liebe Verlage, darf ich mir die Frage erlauben:

Wen wollt ihr damit erreichen?

Und das meine ich ernst, denn irgendwie kommt es mir so vor, dass erst alle nur noch gestresst sind und dann „Mega“- erleichtert, wenn endlich die Vorschau in der Welt ist. Freude erkenne ich bei vielen nicht. Ich weiß, es muss mit diesem Produkt ebenso Geld verdient werden, wie in jeder anderen Branche und ja, auch ich liebe Bücher und schreibe seit ein paar Jahren auch gerne darüber, aber diese Endlosspirale kann doch für keinen gut sein, weder auf Verlagsseite noch auf der des Verbrauchers, sprich den Lesern.
Wen wollt ihr ansprechen? Die Feuilletonisten, die jedes Buch weit im Voraus bekommen, um dann ebenfalls für euer Produkt zu werben? Euch selbst feiern, dass ihr es wieder im Mai geschafft habt, den Herbst durchzuplanen? Oder vielleicht doch uns Leser? Warum dann aber so früh? Planungssicherheit, ich weiß. Aber das kann es doch trotzdem nicht sein. Wenn diese Sache für alle Beteiligten nur noch in Stress ausartet, dann kann es doch für niemanden gut sein, dieses Hamsterrad weiterhin am Laufen zu halten. Es kann ebenfalls nicht gut sein, mehr Bücher für weniger Leser zu produzieren. Ich bin mit konkreten Ideen auch etwas überfordert, da nur ein gewöhnlicher Freizeitleser. Und doch sollte man sich hinterfragen wie man sich die, die dem Buch abgeschworen haben, zurückholen kann beziehungsweise die, die das Produkt Buch nur als Altpapier ansehen. Mit einer Vorschauschwemme für den Herbst im Mai wird das eher nicht passieren. Da habe ich eher das Gefühl, dass sich das Karussell nur um sich selbst dreht, dass alles innerhalb der Branche bleibt (Feuilleton, befreundete Verlage, Buchblogger, Buchhändler), quasi ein geschlossener, erlauchter Kreis der Eingeweihten, der für die Außenstehenden schwer zu durchdringen ist. Die sind erst recht abgehängt.

Ein kleiner Appell an alle

Das sollte ein Appell an alle Bücherliebhaber da draußen sein, um dem Buch an sich wieder mehr Wertschätzung entgegenzubringen und es nicht nur zu konsumieren, um zum nächsten großen Ding zu wandern. Tretet mal alle auf die Bremse, genießt doch mal das Erreichte und stresst euch nicht mit dem Kommenden. Ich fand den Vorschlag vom Buchrevier, der vor einiger Zeit aufkam, keinen schlechten (leider finde ich den konkreten Beitrag nicht mehr zum Verlinken). Da kam von Tobias Nazemi die Idee, nur einmal im Jahr eine Vorschau zu bringen, sich auf weniger Bücher pro Jahr zu konzentrieren (genaue Anzahl weiß ich nicht mehr, aber um die 4 pro Verlag pro Jahr reicht doch) und das sich vor allem die zwei Buchmessen jährlich abwechseln sollten, da auch diese das Momentum aufrecht erhalten und sogar jedes Jahr erneut ein klein wenig verstärken. Ich fand diese Vorschläge gar nicht schlecht, denn dann können alle etwas befreiter an ihre Arbeit gehen, es gibt weniger Stress und man kann wieder das in den Mittelpunkt rücken, um was es letztendlich geht: Das Buch!

P.S.: Dieser Beitrag rumorte nun schon seit einigen Tagen in meinem Bauch und aus ebendiesem habe ich das jetzt innerhalb kurzer Zeit runter geschrieben. Vielleicht sehe ich das alles auch ein wenig zu streng, bitte nehmt mir das nicht übel. Aber es musste mal raus und ich hoffe, es war nicht schroff. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Lesesommer, ob mit neuen oder Backlisttiteln, und wir lesen uns dann im Herbst, wenn ich mich wirklich mit den neuen Titeln auseinander setzen möchte.

4 Kommentare zu „[Notiz]: Herbstvorschauwahnsinn

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  1. Hallo Marc,
    das Thema ploppt ja hin und wieder auf, aber leider hat sich bisher innerhalb der Verlagswelt kein Umdenken breit gemacht. Mich selbst erinnern die Herbstvorschauen im Vor-Frühling (und vice versa) immer die Schokoweihnachtsmänner im August. Statt für Vorfreude sorgt etwas, das lange vor der Saison angepriesen wird, bei mir nur für genervtes Augenrollen und ich bin dem jeweiligen Produkt überdrüssig, noch bevor seine eigentliche Zeit da ist.
    Ich habe auch vor Jahren aufgehört, Vorschauen zu sichten und mich mit Neuerscheinungen zu beschäftigen. Am Ende ist es doch sowieso so, dass um die Bücher immer ein kurzer Hype gemacht wird und ein halbes Jahr später spricht schon wieder niemand über die vermeintlichen Must-Reads. Mir ging es da früher nicht anders. Seitdem ich aus diesem Hamsterrad der Buchtrends ausgestriegen bin, weiß ich die Bücher, die ich lese, wieder mehr zu schätzen – sie bleiben mir länger im Kopf und ich überlege länger, bevor ich mir einen Titel kaufe und kann so viel klarer herausfiltern, welche Titel mich wirklich interessieren und welche nur kurzzeitig meine Neugier wecken.
    Und abgesehen davon: Es gibt so viele großartige Bücher der Backlist zu entdecken und ein Leben ist sowieso zu kurz, um alles zu lesen, was interessant scheint.
    Viele Grüße
    Kathrin

    Gefällt 3 Personen

  2. Was soll man aber machen, wenn soviele Leute schreiben, die dann ihre Bücher auch veröffentlicht und vorgestellt haben wollen und Streß muß man sich ja nicht machen, denn man braucht die Vorschauen ja nicht lesen und kann sich wenn man das möchte in aller Ruhe ja auch auf die Bücher die man schon hat oder in den Bücherschränken findet konzentrieren, ich bin ja ein bißchen süchtig auf neue Bücher und kommer meistens nicht umhin etwas zu bestellen, wenn mir etwas angeboten wird, finde das Lesen aber spannend und wenn es zu viel wird, muß man halt etwas leisertreten und das nein sagen üben und die Vorschauen sind glaube ich auch für die Verlage da, sich also keinen Streß machen und sich nicht unter Druck setzen lassen, liebe Grüße aus Wien beziehungsweise Harland bei St. Pölten und ich bin auf das Buchpreislesen und die lange Liste schon sehr gespannt!

    Gefällt 1 Person

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