[Projekt Stephen King]: Das Spiel mit dem Feuer

Ist das noch von Stephen King?

Auch neben und vor dem Projekt, alle Bücher von Stephen King in chronologischer Reihenfolge zu lesen, habe ich schon einige Bücher von ihm verschlungen und ganz sicher waren da mittelmäßige Geschichten dabei. Vor allem bei seinen Kurzgeschichten ist so einiges durch meine Finger gewandert, was mich manchmal doch verwundert zurückließ und die Frage aufkam, ob das wirklich Stephen King geschrieben hat. Nun habe ich Feuerkind gelesen und bin das erste Mal während dem aktuellen Projekt auf einen Roman gestoßen, der mir zumindest in der ersten Hälfte so gar nicht zugesagt hat und ich mir eben diese Frage gestellt habe: Hat das Buch wirklich Stephen King geschrieben?

Regierungsexperimente

Was mich diese Frage stellen lässt? Zum einen werden wir diesmal direkt und von Anfang an in das Geschehen hinein geworfen. Entgegen der Bücher vorher, in denen der Aufbau behutsam  erfolgte. Da sind Andy und seine Tochter Charlie auf der Flucht vor Leuten, von denen Andy sagt, dass sie vor der Firma sind und diese Leute wollen ihm seine Tochter wegnehmen. Warum das so ist wird ebenfalls relativ schnell klar, denn beide sind psychisch paranormal begabt. Andy kann mittels seiner Gedanken die Leute beeinflussen und ihnen Dinge in ihren Kopf einflüstern, so dass sie zum Beispiel nach seinem Willen handeln oder er sie völlig willenlos macht. Charlie dagegen kann mittels ihrer Gedanken noch einiges mehr anstellen. Das schlimmste Monster, was in ihr lauert, ist die Möglichkeit Feuer zu entfachen. Einfach aus ihrem Kopf heraus. Doch Charlie selber will dieses Ungetüm vielmehr an der kurzen Leine lassen, was im weiteren Verlauf der Geschichte noch wichtig wird und mir das Buch dann doch noch gerettet hat. 

Es ist für mich persönlich nichts schlechtes, erst einmal in das Geschehen geworfen zu werden und die Hintergründe erst später zu erfahren. Wenn denn die Figuren dazu stimmen würden. Diese jedoch sind mir in der ersten Hälfte des Buches fremd, ja fast sogar ein wenig unsympathisch. Selbst bei Charlie hat es King nicht geschafft, mich für dieses Mädchen und ihre Tragik zu interessieren geschweige denn einzunehmen. Alle Charaktere wirken farblos und uninspiriert dahingeschrieben. Besonders schlimm empfand ich die Szene als Andy und seine zukünftige Frau  Vicky und Mutter von Charlie sich bei einem Experiment kennenlernen, welches das gesamte Geschehen erst ins Rollen bringt. Da stimmte in meinen Augen irgendwie nichts. War zum Beispiel zwischen Johnny und Sarah in Dead Zone das Knistern und die Tragik ihrer Beziehung zwischen jeder Zeile zu spüren, merkt man davon zwischen Andy und Vicky überhaupt nichts, was auch daran liegen mag, dass sie sich während dem freiwillig unterzogenem Drogenrausch und den damit verbundenen Nebenwirkugen kennenlernen. Das Experiment selber ist eine Sequenz im ersten Teil, welcher für mich diese typische Stephen King- Stimmung aufkommen lässt und sehr gruselig geschrieben ist – einer der Lichtblicke. 
Insgesamt jedoch ist diese erste Hälfte zäh ausgearbeitet und es fühlte sich, ich wiederhole mich gerne, überhaupt nicht nach King an (außer in wenigen Szenen, wie die eben angesprochene). Erst in der zweiten Hälfte des Buches kommt King wieder in seine Form zurück. Da stimmen Aufbau und Charakterisierung der Figuren. Da kommen mir auch Charlie und Andy McGee endlich näher und ich kann mit ihnen mitleiden. Und auch die Geschichte wabert nicht mehr vor sich hin, sondern nimmt enorm Fahrt auf. Besonders fasziniert haben mich in diesem Abschnitt die psychologischen Aspekte der geistigen Beeinflussung anderer Menschen und welche Auswirkungen das haben kann. Das  war von King wieder sehr plastisch dargestellt und auch so gut beschrieben, dass man glauben könnte, diese Pyrokinese beziehungsweise psychische Beeinflussung gibt es wirklich.

Der Feuerteufel von Virginia


Feuerteufel klingt jetzt etwas negativ, denn das ist Charlie garantiert nicht. Sie ist vielmehr das Opfer der Umstände und ihre Eltern versuchen, das Beste aus ihrem Kind zu machen, indem sich ihre Erziehungsaufgaben dahingehend erweitern, die psychischen Fähigkeiten von Charlie zu erziehen und zu lenken. Das will die im Buch als die Firma beschriebene Organisation um jeden Preis verhindern, denn Charlie ist ja ein Forschungsobjekt erster Güte, welches es einzufangen und zu testen gilt. Wie immer und wie auch im echten Leben steht vor allem eine Menge Geld auf dem Spiel und wenn die falschen Leute da ran gelassen werden, dann geht gehörig viel schief.
Besonders faszinierend fand ich in diesem Buch all die Faktoren, die sich um die Beeinflussung von Menschen drehen. Sei es, wie es der böse Charakter John Rainbird, durch taktische Spielchen, oder durch übernatürliche Beeinflussung, wie sie Andy McGee betreibt. Beide Arten sind gefährlich und führen nur zu Unheil und jeder Menge Schmerz, was natürlich in einem für Stephen King typischen Showdown mündet. Doch wie er den Weg dahin im zweiten Teil des Buches beschreitet und damit diese Geschichte rettet ist wieder einmal phänomenal gut. Da steckt wirklich Feuer drin.
Insgesamt ist es, wie eingangs beschrieben, ein mittelmäßiges Buch, da vor allem der Einstieg sehr zäh gerät und die Identifizierung mit den Figuren nicht gelingen will. Das macht es erst einmal schwer, in die Geschichte zu finden. Doch ab der zweiten Hälfte des Buches, als der Fokus auf die Beeinflussung von Menschen liegt und wie man das „Talent“ von dem kleinen Mädchen hervorbringt, ist es wieder King, wie ich ihn mag und schätze, inklusive dem feurigen Ende und Charakteren, mit denen man dann doch noch mitleidet.  

Weitere Besprechungen zum Buch findet ihr bei:

2 Kommentare zu „[Projekt Stephen King]: Das Spiel mit dem Feuer

Gib deinen ab

  1. Huhu Marc!
    Wir unterhielten uns ja schon ein wenig drüber, ich kann durchaus verstehen, wieso es dir am Anfang mit den beiden so ging. Sie sind im Gegensatz zu vielen anderen Personen eher undurchsichtig, man bekommt wenig von ihren Emotionen mit. Irgendwie hat mich der innere „Stranger Things“ Vergleich das jedoch recht gut überstehen lassen. Umso gespannter bin ich auf den zweiten Teil, dem ich mich nun heute widmen werde, denn der wird sicherlich noch richtig spannend.

    Alles Liebe!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

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