[Projekt Stephen King]: Das Jahr des Werwolf

Eine relativ kurzweilige Gruselgeschichte

Wer sich etwas intensiver mit dem Schaffen von Stephen King auseinandersetzt, der wird unwiderruflich auf dieses schmale Büchlein stoßen. War es mir vor diesem Leseprojekt nur sehr vage bekannt, hat sich das nun schlagartig gedreht, denn ich habe ein kleines Buch gelesen, welches im Stile einer fortgesetzten Kalendergeschichte gehalten war, nicht gut, aber auch nicht unbedingt schlecht. Vorher war mir „Das Jahr des Werwolf“ nur in dem Sinne bekannt, dass diese Geschichte ein Drehbuch von Stephen King für einen Film war. Doch es war umgekehrt. Erst gab es dieses Buch, dann das Drehbuch und zuletzt den Film, der unter dem Namen „Silver Bullet“ in den Kinos lief. Doch ist die Geschichte selbst es wert, gelesen zu werden? Im Vergleich zu seinen großen Werken geht diese Geschichte etwas unter,  da es das Konzept der kalendarischen Erzählweise schon so mit sich bringt. So schleppt sich der Beginn etwas und wirkt in der Sprache nicht unbedingt typisch King und auch die Ausarbeitung der Charaktere ist durch das Konzept beeinflusst. Alles in allem eine kleine nette Gruselgeschichte für zwischendurch, aber nicht unbedingt eine für bleibende Eindrücke.

Zwölf Vollmonde, ein Jahr voller Schrecken

Der Januar und der Februar beginnen mit zwei Morden, beide in der Vollmondnacht, und setzen die erste Duftmarke, die nun in dem kleinen Städtchen Tarker’s Mills das ganze Jahr umhergeht. Diese Stadt liegt ganz in der Nähe zu bekannteren Orten, die in Stephen Kings Schaffen Bedeutung erlangten und noch erlangen werden, und wir werden dort auch nie wieder zurückkehren (zumindest nach meinem Wissensstand). Der titelgebende Werwolf wird gleich präsentiert, allerdings wird noch nicht gesagt, wer es ist und warum auf einmal ein Werwolf in der Stadt umhergeht. Alles wird nach und nach, Kalenderblatt für Kalenderblatt offenbart. Und so lernen wir den Jungen Marty Coslaw kennen, der mit viel Glück am vierten Juli den Angriff der Bestie überlebt und dem Werwolf ein Auge mit einem Knallfrosch zerstört. Nun ist der Junge, dem viele seine Geschichte nicht glauben wollen, auf der Suche nach einem Mann mit nur einem Auge. Als er diesen zu Halloween ausfindig macht, weiß er, was er zu tun hat. Das Morden geht weiter und in Marty reift ein Plan heran, um dem Schrecken ein Ende zu bereiten.

Ein komisches Zwitterwesen

Irgendwie kann ich diese Geschichte nicht richtig einordnen. Zum einen birgt es die gewissen Zutaten, die eine Geschichte Kings ausmachen, zum anderen hindert das gewählte Format, alles besser auszuarbeiten. Dadurch wirkt die Geschichte um Marty Coslaw und dem Werwolf, die sich während des Jahres herauskristallisiert, irgendwie unrund und sprachlich nicht richtig typisch Stephen King, zumindest teilweise. Man könnte es noch nicht einmal als Fingerübung bezeichnen. Der Schreibstil ist irgendwie hölzern zu Beginn, was sich zum Glück im Verlauf etwas bessert, und auch die Ausarbeitung der Charaktere ist sehr oberflächlich. Einzig Marty und der Werwolf bekommen etwas mehr Hintergrund. Nur der Ort Tarker’s Mills ist wie eine kleine Albtraumstadt, die typisch ist für die Werke von Stephen King und ist für mich eine der positiveren Lichtblicke in diesem Büchlein. Man muss es leider so sagen, dass dieser schmale Band als breit angelegter Roman mit all den angedeuteten Figuren in einer besseren Ausarbeitung eindeutig mehr Drive gehabt hätte. Auch die finale Auseinandersetzung wirkt leider wie ein schlechter Witz, wenn man länger darüber nachdenkt. Schade, denn die Geschichte hat an sich ein sehr gutes Potential, nur eben nicht in dieser kurzen Form.

Was mich aber begeistert hat an diesem Buch, sind die Illustrationen von Bernie Wrightson. Das Buch habe ich gebraucht gekauft und da waren diese Zeichnungen, zu jedem Monat eine, mit enthalten und gaben dem Buch die Atmosphäre, welche das geschriebene Wort leider nicht vollends vermitteln konnte. Eigentlich gab es insgesamt nur drei Momente, die richtig typisch King waren und die aufzeigen, was für ein Potential in dieser Geschichte steckte. Wie oben schon angedeutet ist es ein kurzweiliges Lesevergnügen mit einigen Abstrichen, wenn man es im Gesamtwert von Stephen Kings Schaffen sieht. Schade!

Weitere Besprechungen zum Buch findet ihr bei:

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