[Projekt Stephen King]: Richard Bachman – Der Fluch

Richard Bachmann kann auch Horror

Mit Der Fluch erschien in den Achtziger Jahren das vorerst letzte Buch, das Stephen King unter seinem Pseudonym Richard Bachmann veröffentlichte. Die ursprüngliche Idee war, dass diese Bücher seine etwas andere, aber dennoch abseitigere Seite von ihm als Autor zeigen sollten. Doch sie sollten nicht unter dem Namen Stephen King veröffentlicht werden und so war das Pseudonym Richard Bachman, inklusive fiktiver Biographie nebst Frau (der Der Fluch sogar gewidmet war)  geboren. Hier konnte er sich mit den Geschichten austoben, die er unter dem Namen Stephen King nicht veröffentlichen wollte beziehungsweise sehen, wie sich diese ohne seinen Namen verkaufen würden.
Allerdings bekam irgendwann jemand Wind von dieser ganzen Sache und die ganze Idee war beerdigt, so auch die Kunstfigur Bachman im wahrsten Sinne, die King an Pseudonymkrebs sterben ließ. Doch ein vorerst letztes Werk gab es dann doch noch und was für eines. In den Neunzigern erschienen zwar dann noch zwei Bachman-Bücher, die quasi in seinem „Nachlass“ gefunden wurden, aber darauf gehe ich an geeigneter Stelle ein. Es ist nicht unbedingt der beste Roman von Bachman, aber es macht von all seinen Werken am meisten Spaß, es zu lesen. Eine herrlich überdrehte Geschichte um einen Mann, der durch einen Fluch beständig abnimmt und schlussendlich versucht, diesen Fluch mit allen Mitteln abzuwehren. Wie man es von King/Bachman gewohnt ist, geht da so einiges schief bei dieser Angelegenheit. Doch dazwischen haben wir als Leser*Innen viel Spaß daran, wie Billy Haleck, die Hauptfigur, an diesem Fluch verzweifelt und dabei immer fragwürdiger und dünnhäutiger agiert bis es um Leben und Tod geht.

Eine ungewollte Diät

William „Billy“ Haleck nimmt ab. Das wäre an sich auch ein guter Umstand, denn er ist eindeutig zu dick und sein Essverhalten ist auch entsprechend. Das Billy abnimmt wird zuerst freudig zur Kenntnis genommen, da auch sein Arzt meinte, er müsse dringend etwas gegen sein Übergewicht tun, sonst winkt bald ein Herzinfarkt. Durch dieses Abnehmen erblüht auch die Beziehung zu seiner Frau nach einer schweren Zeit zu neuem Leben. Denn vor einiger Zeit ist es zu einem Vorfall gekommen, bei dem Billy eine Zigeunerin überfahren und getötet hat. Im Zuge der Gerichtsverhandlung wurde er vom Richter von aller Schuld frei gesprochen. Doch nach dieser Verhandlung kam ein alter Mann auf ihn zu, berührte ihn an der Wange und sagte nur ein Wort: „Dünner“. Genau dieser Vorfall drängt sich mit dem weiteren Abnehmen Billys immer mehr in den Vordergrund. Denn an seinem Gewichtsverlust ist vor allem seltsam, dass er entgegen seinen Essgewohnheiten abnimmt und zwar so drastisch, dass es nicht mehr zusammenpasst. Irgendwann bekommt es Billy mit der Angst zu tun und macht sich auf die Suche nach dem Zigeuner, der ihn mit den Fluch belegte, damit er ihn wieder davon befreien kann. Doch das stellt sich als schwieriger heraus als gedacht. Als auch sein Arzt und seine Frau sich gegen ihn stellen und ihn für verrückt erklären lassen wollen, bleibt Billy keine Wahl mehr. Er macht sich auf die unmögliche Suche und wird dabei vor einige Probleme gestellt, wobei das Abnehmen wohl noch das geringste Übel darstellt.

Ein seltsam unterhaltsamer Zwitter

Wie eingangs schon erwähnt hat Stephen King das Pseudonym Richard Bachman aus der Taufe erhoben, um seine weniger horrorlastigen Geschichten unter die Leute zu bringen und um zu schauen, ob diese Geschichten auch ohne seinen berühmten Namen funktionieren. Unter diesem anderen Namen hat er Geschichten auf den Markt gebracht, die alltäglicher, natürlicher wirkten und so mehr etwas von Suspense oder Thriller hatten, selbst wenn sie in einer eher dystopischen Zukunft spielten. Doch übernatürlicher Horror kam da nicht vor. Bis jetzt! Ob es damit zu tun hatte, dass auf einmal der Name Stephen King hinter Richard Bachman aufgedeckt wurde? So ist nun jedenfalls ein Zwitter aus beiden Welten entstanden, die sowohl Bachman- als auch Kingelemente enthält.
Daraus entwickelt sich ein rasanter Spaß, bei dem die Hauptfigur zu Beginn den Fluch schon abbekommen hat und wir als Leser in Rückblenden erfahren, wie es dazu gekommen ist. Doch allein die Komponente des Fluches passt so überhaupt nicht zu Bachman und ist eindeutig von Stephen King beeinflusst. Da wäre dann vielmehr der Gedanke (auch auf zukünftige Projekte, die in den 90ern noch kommen), ob Bachman nicht doch durch King beeinflusst wurde? Anders lässt sich dieses zwitterhafte Auftreten von der Geschichte nicht erklären. Die DNA ist eindeutig Bachman, aber einzelne Sequenzen (der eigentliche Fluch, das mysteriöse Abnehmen, eine Figur, die eigentlich bei King mal kurz auftauchte etc.) sind Stephen King zuzuordnen. Und so ist dieser letzte Band von Bachman als „lebender“ Autor eine Mischung aus beiden Schriftstellern.
Dabei ist diese Geschichte so bitterböse wie man es von Bachman gewohnt ist. Da gibt es nirgendwo einen Hauch an positivem Lebensmut oder überhaupt sympathische Personen. Alle haben irgendwie Dreck am Stecken oder wollen dem Anderen eine Auswischen. Selbst die Hauptfigur Halleck hat selbst in positiven Momenten nur die Rache im Kopf, was ihm letztenendes zum Verhängnis wird. Schade um ihn und die anderen scheint es nicht zu sein. Übrig bleibt am Ende ein spannender Mysterythriller von Stephen Kings Pseudonym, den er dann wenig später an Pseudonynmkrebs sterben lässt, was Stephen King zu einer weiteren, ganz eigenen Geschichte inspirierte. Aber dazu dann mehr, wenn ich mit meinem Leseprojekt an dieser Stelle angekommen bin.

Weitere Besprechungen zu diesem Buch findet ihr bei:

Ein Kommentar zu „[Projekt Stephen King]: Richard Bachman – Der Fluch

Gib deinen ab

  1. Hallihallo =)
    Ich sehe in dieser Rezension immer wieder dieses eine Wort, welches mir auch immer wieder durch den Kopf ging wahrend des Lesens: Dieses Buch macht auf positiv-trashige Art einfach viel Spass!

    Und ich gebe dir absolut recht, um den unsympathischen Protagonisten wars wirklich nich besondere schade. 😂

    Alles Liebe!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

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