[Projekt Stephen King]: Das Jahrzehnt der ikonischen Horrorfiguren oder die 1980er

Drei Jahre ist es nun her, seit ich durch den Buchperlenblog inspiriert mit meinem Projekt Stephen King begonnen habe. Zu Beginn des Projekts Stephen King dachte ich „Na mal sehen, wie lange ich das durchhalte und wie viele Bücher ich von King ertrage, bis ich das Ganze wieder aufgeben werde“. Nun, 23 Bücher später und den Umfang von zwei Jahrzehnten, in denen diese 23 Bücher veröffentlicht wurden, kann ich sagen, dass ich definitiv so schnell nicht aufgeben werde und ich auch die verbleibenden 32 Jahre (+ noch kommende) seines Schaffens definitiv noch erlesen will. Auf manche seiner Bücher bin ich schon sehr gespannt, wie sie auf mich wirken werden (zum Beispiel das Experiment Regulator/Desperation oder The Green Mile), bei anderen lasse ich einfach auf mich zukommen, ob sie beim zweiten oder dritten Mal die gleiche Wirkung entfalten wie beim ersten Lesen beziehungsweise ob sie mich gleich zum ersten Mal in den Bann ziehen werden (zum Beispiel Duddits, Das Mädchen, Das Spiel oder Puls). Es wird sicher mindestens noch weitere drei Jahre dauern, sich durch die aberwitzige Anzahl an Seiten zu lesen. Es müssen wohl mehr als 20000 sein, nachgezählt habe ich (noch) nicht. Zum Glück sind die ganz dicken Klopper mit ES und The Stand schon durch. Nun möchte ich die Gelegenheit dieses kleinen Jubiläums nutzen, um ein wenig auf das vergangene Jahrzehnt aus dem Schaffen von Stephen King zurückzublicken. Für die siebziger Jahre habe ich das schon gemacht (siehe hier: klick), nun möchte ich das gerne auch für die Achtziger machen. Und am Ende von diesem Beitrag haben Gabriela vom Buchperlenblog, die mich vor drei Jahren zu diesem Projekt quasi motiviert hat, und ich noch einen kleinen Fragenkatalog abgearbeitet, den wir uns quasi selbst gestellt haben. Seid gespannt, was dabei herauskommt.

Ikonische Horrorfiguren, wohin das Auge reicht

In meinem Beitrag zu den ersten Bücher von Stephen King, die in den 1970ern erschienen sind, hatte ich geschrieben, dass ich erstaunt war, wie vielseitig dieser Autor schon zu Beginn seiner Karriere war und das seine Geschichten schon zu diesem frühen Zeitpunkt sehr ausgereift wirkten. Vor zirka zwei Jahren startete ich den Schritt in die Achtziger Jahre und schaute voller Vorfreude auf dieses Jahrzehnt, dass so viele Horrorikonen aus dem Schaffen von Stephen King hervorbrachte. Da wären Pennywise und Annie Wilkes zu nennen, aber auch ein Friedhof, der Tote wieder zum Leben erweckt, ein überaus lebendiges Auto namens Christine oder ein tollwütiger Bernhardiner sind da zu nennen. Die 1980er sind aber auch die Geburtsstunde von unheldenhaften Figuren wie Roland Deschain aus der Reihe um den Dunklen Turm oder den Verlierern des Alltags, die dem Bösen ins Auge blicken und dabei ihre eigenen Ängste überwinden müssen.
Insgesamt umfasst dieses Jahrzehnt im Schaffen von Stephen King 19 Bücher, angefangen bei Feuerkind aus dem Jahr 1980, abgeschlossen mit dem autobiographisch eingefärbten Stark – The Dark Half aus dem Jahr 1989. Zwei von diesen Büchern habe ich nicht abgeschlossen, da ich überhaupt nicht mit diesen zurecht gekommen bin. Das wäre zum einen die Horroranthologie „Danse Macabre“, in dem er über die Einflüsse und die Entwicklung von Horrorstoffen in Film und Literatur schreibt. Dort habe ich absolut keinen Zugang gefunden und mit vielen der bis zum ersten Drittel aufgezählten Filme und Bücher konnte ich leider nichts anfangen. Einzig der Bezug zu dem Film „Alien“ war da, der in diesem Buch auch das aktuellste Werk darstellt und für heutige Verhältnisse wirkt das leider alles etwas antiquiert und für mich persönlich nicht meinen eigenen Seh- und Lesegewohnheiten. Vielleicht probiere ich es irgendwann noch einmal mit diesem Buch. Das zweite Werk, das ich nicht beenden konnte, war „Der Talisman“. Obwohl ich wirklich ein Fan von Werken bin, in denen ein junger Mensch nahe dem Teenageralter eine gefährliche Reise antreten muss, um sich selbst oder eine Welt zu retten, bekam ich hier keinen Fuß in die Geschichte, quälte mich regelrecht durch die Seiten. Irgendwann nach einem Drittel habe ich aufgegeben und verschob die Lektüre von diesem Buch bis ich bei der Fortsetzung „Das schwarze Haus“ angekommen bin. Irgendwie ärgert es mich, dass es noch nicht klappen wollte, sollen auch Anspielungen auf den Dunklen Turm in diesen zwei Romanen enthalten sein, denen ich unbedingt auf den Grund gehen möchte/wollte. Vielleicht klappt es beim zweiten Anlauf. Dazu kamen noch die Bücher „Schwarz“ und „Drei“, die ich im Rahmen des Projekt Dark Tower schon gelesen hatte und diese somit beim Leseprojekt nicht berücksichtigt wurden. Somit habe ich innerhalb von knapp 2 Jahren 15 Bücher von Stephen King/Richard Bachman gelesen und etwas mehr 9000 Seiten. Beeindruckende Zahlen, von denen ich niemals gedacht hätte, dass ich sie in diesem Zeitraum schaffen würde. Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich innerhalb dieser zwei Jahre noch ein paar seiner aktuelleren Werke gelesen habe (Später, Billy Summers und die Mercedes- Trilogie), womit sich die Zahl sogar noch erhöht. Doch ich möchte in diesem Beitrag nur die Werke aus den 1980ern betrachten.

Ein Werk für die Ewigkeit und viele weitere Highlights

Dieses Jahrzehnt hat Stephen King körperlich und geistig viel abverlangt. Wer seine halbe Biographie „Das Leben und das Schreiben“ kennt, der weiß, dass die Achtziger bei Stephen King von Alkohol- und Drogenproblemen geprägt waren. Zu seinem Buch Cujo schreibt der da zum Beispiel, dass er dieses Buch angeblich mit Tampons in der Nase geschrieben hat, um die Blutungen zu unterbinden, die durch das Schnupfen von Kokain auftraten. Auch kann er sich nicht mehr daran erinnern, wie er an diesem Buch geschrieben hat. Auch über das Buch Tommyknockers gibt es von ihm anderweitig Aussagen, dass es wohl ein Meisterwerk geworden wäre, wenn er es nicht im Rausch geschrieben hätte. Doch wie würden wir im Nachgang seine Werke betrachten, wenn er clean geblieben wäre? Hätte er trotzdem so abgedrehte Geschichten abgeliefert? Oder wären sie nur halb so verrückt geworden und normaler, wenn sie nicht im Rausch entstanden wären? Das lässt sich heute, 40 Jahre später schlecht beurteilen. So, wie es passiert ist, hat er uns viele erinnerungswürdige Szenen und Werke geschrieben, die allgemein und auch bei mir persönlich langfristig haften bleiben.
Da wäre natürlich das Überwerk zu nennen, die Sonne, um die alle Bücher kreisen wie Planeten. Nach The Stand in der ungekürzten Fassung sein zweitlängster Roman, mittlerweile schon zweifach verfilmt und mit einer Figur, die Kindern das Fürchten lehrt und den Erwachsenen Genugtuung gibt, das Clowns doch nicht so lustige Gestalten sind, wie sie immer tun. Die Rede ist natürlich von ES. Ein überbordendes Werk, dessen Horror eigentlich zweitrangig ist, der vielmehr mitgeschleift wird und die Atmosphäre liefert für eine viel tiefgreifendere Geschichte, in der es um Freundschaft geht, um Rassismus, um Ausgrenzung, Gewalt an Kindern, Misogynie, Mobbing und wie all das durch die eben genannte Freundschaft überwunden werden kann. Dabei steht die Horroikone Pennywise nur für all die schlechten Dinge, die Menschen anrichten und eine Gruppe von Kindern kämpft dagegen an. Man mag einwenden, dass einiges an diesem Buch überflüssig erscheint, manchmal sogar redundant und am Ende mag er es auch übertreiben. Und doch ist trotz dieser Kritik an diesem Mammutwerk ein Buch entstanden, dass auf ewig in den Köpfen der Menschen bleiben wird und vielleicht sogar das erste sein, was die Menschen mit dem Namen Stephen King in Verbindung bringen, wenn sie diesen Namen hören. Für ein Horrorbuch, das schon 36 Jahre auf dem Buckel hat ist das keine schlechte Leistung.
Das Stephen King aber auch noch anders kann als nur übernatürlichen Horror schreiben, beweist er immer wieder aufs Neue. In den Achtzigern hat sich ein Name etabliert, den man zu Beginn nicht mit Stephen King in Verbindung brachte: Richard Bachman, ein Pseudonym mit einer komplett frei erfundenen Biographie. Unter diesem Pseudonym hat er Werke veröffentlicht, die grimmiger und bösartiger sind, als seine King- Geschichten, die letztendlich bis auf wenige Ausnahmen immer hoffnungsvoll enden. Das machen die von Richard Bachman nicht. Sie bieten Ausweglosigkeit wohin das Auge reicht und haben dabei einiges an Sozialkritik im Gepäck, was vor allem das Werk „Running Man“ oder auf Deutsch „ Meschenjagd“ im Vordergrund steht. Dieses Buch darf man nicht mit der Verfilmung verwechseln, in der Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle spielt. Zugunsten von ihm wurde daraus ein Actionspektakel, was nur noch die Grundidee mit dem Buch gemeinsam hatte. Lasst euch also nicht von dem Film abschrecken und lest dieses Buch, das mit einem fantastischen Ende aufwartet.
In seiner Autobiographie beschreibt King auch, wie er seine eigenen Ängste in seine Bücher projiziert. So vor allem in den Büchern „Sie“ und „Stark – The Dark Half“ geschehen. In Erstgenanntem geht es um die Angst vor der Konfrontation mit einem fanatischen Nummer 1 – Fan, woraus King ein wahnsinnig dichtes Kammerspiel entworfen hat. Und bei dem zweiten Buch geht es um die Verselbstständigung von einem Pseudonym eines Autors. Auch wenn stellenweise übernatürliche Begebenheiten auftreten, zeigen diese beiden Bücher vor allem eines auf, dass King ein richtig guter und vielfältiger Figurenschreiber ist. Allein, wie er es bei „Sie“ schafft, mit nur zwei Figuren eine so dichte Handlung aufzubauen und Spannung aufrechtzuerhalten, ist es wert dieses Buch zu lesen. Er schreibt zwar weiterhin brutal und dies auch sehr detailreich. Was früher als Mutprobe durchging, dies lesen zu wollen, ist als Erwachsener eher Nebensache. Vielmehr spielt der Aufbau der Geschichte und die Figurenzeichnung eine größere Rolle als die Schockmomente. Und da ist ihm mit den beiden letztgenannten Büchern jeweils ein richtig gutes Stück Literatur entstanden, für das er früher leider viel zu wenig geachtet wurde. Wird ihm zwar egal gewesen sein, denn der Erfolg gibt ihm Recht, jedoch sind die Bücher aus literaturtheoretischer Sicht weitaus mehr als billiger Schund. Vor allem wenn man betrachtet, wie er in „Stark – The Dark Half“ diese Metaebene des Pseudonyms einbaut, die ihn mit Richard Bachman im realen Leben beschäftigt hat und die in diesem Buch mehrfach durchgreift, weil es eben um ein lebendig gewordenes Pseudonym geht und man ständig denkt, dass ein Teil von diesem Buch auch von Richard Bachman hätte stammen können. Dies treibt Stephen King in den 90ern mit zwei Titeln sogar noch auf die Spitze, worauf ich zu entsprechender Zeit eingehen werde (es handelt sich um die Bücher Desparation und Regulator).

War dieses Jahrzehnt etwa schon der Höhepunkt?

Man könnte meinen, dass die Achtziger im Schaffen von Stephen King seinen Höhepunkt darstellen und viele würden damit einhergehen, denn in den 1990ern bis hin zu seinem Unfall 1999 hat er nicht so viele Bücher geschrieben, die sich unbedingt in die Köpfe der Menschen gebrannt haben. Wenn ich die Liste so durchgehe und mit dem abgleiche, was meist so als Lieblingsbuch von diesem Autor genannt wird, dann sticht vor allem „The Green Mile“ und vielleicht noch „Needful Things“ hervor. Alle anderen werden weniger genannt oder tauchen gar nicht erst auf. Dem gehe ich natürlich noch auf den Grund, ob das wirklich stimmt. Ob sein Schreiben wirklich einen Knacks erlitten hat oder ob mir diese Bücher vielleicht gar genau so gut gefallen und sich in diesen mir bisher unbekannten Werken nicht doch der eine oder andere Geheimtipp versteckt. Ich bewege mich nun auf viel Neuland zu, denn mit Ausnahme von „Needful Things“ und den Büchern um den Dunklen Turm („Drei“ und „Glas“) kenne ich kein einziges dieser Werke. Daher kann ich nicht beurteilen, ob die Achtziger schon der Höhepunkt seines Schaffens waren oder nicht.
Da ich noch einige gute Bücher aus den 2000ern und später kenne würde ich diese These einfach verneinen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass er in dieser Perfektion und Dichte weiterhin geschrieben hat. Wenn ich alle zurückliegenden Bücher Revue passieren lasse, sind keine wirklich schlechten Bücher dabei. Vielmehr werden in einer Top Ten meiner persönlichen Favoriten aus seinem Werk einige der Bücher auftauchen, die in diesem Jahrzehnt erschienen sind. Und auch die restlichen Bücher, die da nicht hinkommen werden, sind auch guter Durchschnitt. Selbst „Der Talisman“ würde ich an dieser Stelle nicht als schlecht bezeichnen, da ich denke, dass dieses Buch einfach zur falschen Zeit bei mir anklopfte oder ich im ersten Moment etwas anderes erwartet habe. Der zweite Versuch wird es dann zeigen.

Wenn mich jemand um Rat fragt, mit welchem Buch soll ich denn anfangen, wenn ich das erste Mal Stephen King lese? Dann sage ich: Auf jeden Fall mit den Novellen anfangen. Warum? Sie zeigen seine Schreibfertigkeiten in einem verdichteten Szenario und haben trotzdem genug Platz, um den Figuren Raum zu geben. Wenn es trotzdem ein Roman sein soll, dann beginnt nicht gleich mit den dicken Kloppern, sondern mit den etwas „schlankeren“ Werken. Allgemein lässt sich aber sagen, dass man mit den Büchern aus diesem Jahrzehnt generell einen guten Anfang macht, denn sie sind größtenteils alle spannend geschrieben, mit vielfältigen Szenarien versehen und beschreiben manchmal sogar Dinge, die einen über den Horror und die Lektüre selbst hinaus weiter beschäftigen.

Und was bringt das chronologische Lesen?

Zu Beginn dieses Projekts war ich mir unsicher, ob es einen Nutzen hat, sich so vertieft mit einem einzigen Autor auseinanderzusetzen und ob ich daneben noch Zeit haben werde, mich mit anderen Büchern zu beschäftigen. Und ich stellte mir ebenfalls die Frage, ob ich mich chronologisch da durchkämpfen könnte. Ich habe zwar zwischendurch immer mal wieder einen aktuelleren King dazwischen geschoben, aber im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass sich die chronologische Reihenfolge wirklich lohnt. Es bringt mir wirklich etwas, so intensiv in das Werk von Stephen King einzusteigen. Man lernt diesen Autor ein bisschen besser kennen, wie seine Bücher ticken und welche Albträume uns dieser Mann beschert. Auch dachte ich zu Beginn, dass sich ein gewisser Ermüdungseffekt einstellen könnte, wenn man hintereinander weg die Bücher eines Autors liest. Auch hier kann ich sagen, dass dieser Effekt nicht eintritt. Und so gehe ich voller Zuversicht in das neue Jahrzehnt seines Schaffens und freue mich auf eine Erweiterung des Kosmos und das er mir noch mehr aufzeigt, welch ein guter und leider auch (damals) verkannter Schriftsteller in ihm schlummert(e).

Fragen über Fragen

Für diesem Beitrag haben Gabriela und ich auch ein paar paar Fragen ausgearbeitet, die wir uns dann auch selbst beantworten. Sie beinhalten solch banales Nachhaken nach dem besten Buch bisher und welche Erfahrungen wir bisher mit dem Projekt gesammelt haben. Aber lest selbst.

  • Hättest du gedacht, dass du schon drei Jahre dieses Projekt „überlebt“ hast? Gab es Phasen, in denen du dachtest ich lasse es lieber sein?

Gabriela:
Als ich mit dem Kingprojekt anfing, dachte ich ehrlich gesagt gar nicht, dass es mich so viel Zeit kosten würde. Klar, es sind enorm viele Bücher, die King geschrieben hat und es kommen jedes Jahr mehr dazu. Aber drei Jahre und ich bin noch nicht mal bei der Hälfte angelangt? Wahnsinn. Auf der anderen Seite bleiben so natürlich noch mehr Geschichten zum Erleben übrig, was würde ich schließlich machen, wenn das Ende erreicht ist? Und vom Bleibenlassen brauchen wir gar nicht reden, Aufgeben ist nicht drin!

Marc:
Anfangs dachte ich noch, dass ich es wohl nicht durchhalten werde. Aber mittlerweile freue ich mich auf jedes neue Buch innerhalb dieser Reise, dass ich bescheuert wäre, jetzt aufzugeben. Dazu freue ich mich zu sehr auf die kommenden, mit teils gänzlich unbekannten Bücher. Zwischendrin habe ich gar nicht mehr daran gedacht aufzuhören. Ich brauchte Pausen, dass schon, aber aufhören kam spätestens nach einem Jahr nicht mehr in Frage.

  • Welcher ist bis zum jetzigen Zeitpunkt des chronologischen Lesens deiner Meinung nach der beste Roman aus Kings Feder?

Gabriela:
Da gab es durchaus einige, die mich wirklich mitgerissen haben. Aber, um ganz ehrlich zu sein: ES ist und bleibt einfach in seiner Gesamtheit mein Lieblingsking. 1536 Seiten muss man erst einmal füllen können mit so viel Grusel und Geschichten in Geschichten, das Buch macht einfach sehr viel Spaß. Und Pennywise nährt immerhin seit jeher meine Angst vor Clowns.

Marc:
Wenn man sich auf ein einziges Buch konzentrieren muss, ist diese Antwort echt schwer, da ich persönlich aus den bisher gelesenen 24 Büchern drei bis 5 Favoriten habe, die ich sich aktuell die Waage halten. Wenn ich aber nur eines nennen soll, dann ragt für mich tatsächlich ES aus allen heraus. Dieses Buch hat einfach alles in sich vereint, für das ich King so schätze. Eine große, ausufernde Geschichte, viele kleine Details und eine wahnsinnige und gut aufgebaute Geschichte, die selbst das etwas „große“ Finale nicht schmälern kann, obwohl ich da diesen abgedrehten Moment sehr faszinierend finde, als Bill in irgendeiner Dimension ans Ende der Zeiten kommt und sein Verstand das fast nicht mehr greifen kann. Diese Szene spiegelt so sehr wieder, wie es im Kopf von Stephen King zu der damaligen Zeit ausgesehen haben muss. Völlig krass und abgedreht.

  • Welchen Roman/welche Geschichte war für dich eine echte Überraschung?

Gabriela:
Da fällt mir spontan „Die Augen des Drachen“ ein. Ich hatte wenig, um nicht zu sagen rein gar nichts darüber gewusst, als ich mit diesem Buch anfing – und dabei ist eine so wunderbare, märchenhafte Geschichte, die den Leser hier erwartet! In diesem Stil hätte ich gern noch mehr Bücher gelesen.

Marc:
Da gibt es eigentlich sogar zwei. Zum einen „Brennen muss Salem“, die für ein Buch direkt nach dem Debüt schon erstaunlich reif geworden ist und eine Dracula-ähnliche Geschichte in die aktuelle Zeit holt. Sie ist langsam erzählt und voller Grauen ohne zu viel zu „zeigen“, eigentlich ein typischer Vampirroman im kingschen Stil. Die zweite Überraschung war für mich Dead Zone, weil es so locker geschrieben war und eine grundheraus sympathische Hauptfigur zeigt, die ohne eigenes Zutun in einen Schlamassel gerät, den diese eigentlich gar nicht haben will, letztendlich aber doch annimmt, um die Welt vor einem grausamen Fehler zu beschützen. Sehr gelungen und ein Buch, das bei mir bestimmt in der Endauswertung in der Top Ten landen wird.

  • Welches Buch hat dir bis hierhin gar nicht zugesagt?

Gabriela:
Zum einen „Sprengstoff“. Da kam ich weder mit dem Protagonisten zurecht noch mit der irgendwie dünnen Grundstory. Und „Der Talisman“, den King zusammen mit Peter Straub schrieb, das war einfach nichts handfestes. Oder auch „Das Monstrum / Tommyknockers“ – es wird die ganze Zeit nur gebuddelt und gesoffen und noch mehrgebuddelt und … Nein, einfach nein.

Marc:
Bisher gab es ein paar Bücher, die stückchenweise nicht so meins waren. Da wäre zum Beispiel „Feuerkind“ zu nennen, das mich in der ersten Hälfte überhaupt nicht abholen konnte. Auch unlängst „Tommyknockers“, weil es in der ersten Hälfte sehr unstet wirkte. Einen wirklichen Flop sehe ich zwar nicht, aber aktuell sind zwei Bücher dabei, die ich nicht so gut bewerten würde beziehungsweise aus der Wertung heraus lassen würde. Zum einen Sprengstoff und wie oben schon erwähnt Der Talsiman.

  • Deine Erfahrungswerte aus den bisher drei Jahren Projekt Stephen King: Was würdest du wieder so machen und was ändern?

Gabriela:
Bedenkt man, wie lang das Projekt nun schon geht, hätte ich für mich selbst nicht direkt einige Bücher ausschließen sollen, die ich zu dem damaligen Zeitpunkt quasi erst frisch zugeschlagen habe. Ich denke, wen ich chronologisch bei diesen Büchern angelangt bin, werde ich sie sicherlich doch noch einmal lesen. Ansonsten bin ich so ganz zufrieden, wie es läuft. Es gibt Phasen, in denen ich ein Buch nach dem anderen von King lese, und dann gibt es Phasen, in denen das Projekt ruht. Das ist völlig okay so.

Marc:
In manchen Momenten einfach mal eher ein King- Buch in die Hand nehmen. Ansonsten würde ich alles ganz genauso machen. Da ich es recht langsam angehe, wirken die Geschichten besser nach und ich kann sie inhaltlich und im großen Kontext besser verarbeiten.

  • Bereust du es diese Reise angetreten zu haben?

Gabriela:
Auf gar keinen Fall. Denk nur an all die Finsterlichkeiten, die mir sonst entgangen wären!

Marc:
Auf gar keinen Fall (ein großes Grinsen dazu denken)!

  • Wo siehst du dich innerhalb von diesem Projekt innerhalb der nächsten drei Jahre?

Marc:
Es wäre schön, in drei Jahren vielleicht mit dem Projekt fertig zu sein. Aber ich will mir da keinen Druck machen und sage einfach: Ich möchte so weit wie möglich kommen, aber mit Genuß.

Gabriela:
Vielleicht ist es bis dahin dann beendet, wer weiß? :D

  • Welcher Charakter ist dir in den bereits gelesenen Büchern am besten im Gedächtnis geblieben – und warum?

Gabriela:
Mit wohligem Grausen denke ich ja hier direkt an Jack Torrance. Wurde er in der allzu bekannten Verfilmung einfach nur als Trunkenbold dargestellt, ist er in Kings Geschichte so viel mehr. Ein kaputter Mensch, der von einer dunklen Macht im Overlook Hotel beeinflusst wird, der sich gegen seine eigenen Monster wehrt und verliert. Stephen King kann seinen Protagonisten sehr vielschichtige Charaktere geben, wie er in Shining nur allzu gut beweist.

Marc:
In ewiger Erinnerung wird mir wohl für immer Roland bleiben. Dieses Raubein, das zu Beginn der Reihe um den Dunklen Turm über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen, nur um sich dann nach und nach seinem Ka-Tet zu öffnen, ist einfach ein richtig schöner Charakterbogen. Außerdem ist es einer der wenigen Figuren, die ich beim Lesen ständig vor Augen hatte und nein, in meiner Welt sah er nicht wie Clint Eastwood aus.

Welchem Monster würdest du wahrlich nicht gern im Dunkeln begegnen wollen?

Gabriela:
Ganz klar Pennywise. Egal ob als Clown, garstiger Vogel oder riesige Spinne. Egal in welcher Form, Pennywise ist das wahre Grauen!

Marc:
Anny Wilkes aus „Misery“! Dieser Person ist nicht mal bei Tageslicht über den Weg zu trauen, so wechselhaft ist ihr Gemüt, so grauenhaft sind ihre Taten. Da kann kein anderes erfundenes Monster mithalten.

Und wer sich die Rezensionen durchlesen will, die ich zu den jeweiligen Büchern geschrieben habe, den verweise ich auf die folgende Seite:

6 Kommentare zu „[Projekt Stephen King]: Das Jahrzehnt der ikonischen Horrorfiguren oder die 1980er

Gib deinen ab

  1. Sehr spannend :) Ich habe auf euren Blogs das Leseprojekt verfolgt – und das sehr gern. Zwar habe ich selber im Moment eher eine King-Krise (nachdem ich seit Teenagertagen bis in meine Zwanziger ein Riesen-King-fan war), aber mir fehlen auch immer noch die einen oder anderen Bücher.
    Ich finde die Frage auch sehr spannend, ob man chronologisch lesen soll. Zwar sehe ich das nicht als Muss, aber es ist sehr aufschlussreich. Stephen King hat eine Menge an Werkzeug dazugewonnen seit „Carrie“ (bspw.) – war mein Eindruck.
    Vielen Dank für die ausführliche Zusammenfassung … und viel Spaß bei den nächsten Kingschen Werken. :) Ich lese gerade Susannah aus der Turm-Reihe.

    Gefällt 1 Person

    1. Das freut mich, dass du das Projekt weiterhin verfolgst. Es ist auch wahnsinnig aufregend, das alles zu lesen, auch weil mir noch so viel von seinen Büchern fehlt. Gerade jetzt mit den anstehenden 90ern habe ich so einiges, was ich zum ersten Mal lese.

      Hm, ob man ihn nun chronologisch lesen muss, sollte jeder für sich entscheiden. Was ich aber spannend finde bei dieser Herangehensweise, wie man nach und nach seine ganzen Querverweise entdeckt. Das hat man nicht, wenn man es queerbeet liest und da entgehen einem einige Insidergags und Anspielungen. Oftmals sind sie wirklich nur kleine Anspielungen, aber manchmal gewinnen diese auch an Bedeutung.

      Und Werkzeuge hat er definitiv dazubekommen. Auch jetzt noch, wie ich finde. Er schreibt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt reifer und literarischer. Ich finde ja sein neuestes „Billy Summer“ wirklich literarisch sehr gut gelungen.

      Grüße
      Marc

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  2. Hey Marc,

    total spannender und toller Beitrag zum Meister :-)

    Ich habe total Lust, die Fragen auch zu beantworten, auch wenn ich erst zwei Jahre dabei bin (und vorher den „Dunklen Turm“ gelesen habe). Ich habe den Beitrag gerade vorbereitet. Er wird morgen online gehen (0:00 Uhr).

    Freue mich schon auf die weiteren Jahre :D

    Liebe Grüße Melli

    Gefällt 1 Person

    1. Hall Melli,

      auf die kommenden Jahre. Es bleibt weiterhin spannend und aufregend, das Werk von King zu entdecken.

      Und deine Antworten auf die Fragen muss ich mir noch anschauen und bei dir einen Kommentar hinterlassen.

      Viele Grüße
      Marc

      Gefällt mir

  3. Huhu Marc!
    Auch wenn ich die Reise ja mit dir zusammen angetreten bin und all die Bücher gelesen habe, die du auch in den letzten 3 Jahren gelesen hast, fand ich deinen Beitrag doch nochmal echt spannend – großartig, was wir alles schon für Bücher entdeckt haben! Ich freu mich als nächstes auf jeden Fall sehr auf Needfull Things, das Buch habe ich beim ersten Lesen auch schon sehr geliebt.

    Auf die nächsten 3 Jahre!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Gabriela,

      ich finde es ebenfalls spannend zu sehen, was wir da in dne zurückliegenden drei Jahren erlesen haben. Wirklich großartige Sachen dabei. Und es liegt noch einiges vor uns. Es bleibt auf jeden Fall spannend. Wie ich im Beitrag schon angedeutet habe, kenne ich bis auf die Turmbücher und Needful Things kein einziges der Bücher aus den 90ern. Da gibt es also viel Neues zu entdecken.

      Freue mich auf die nächsten drei Jahre (und wahrscheinlich mehr, bei dem Tempo)
      Marc

      Gefällt 1 Person

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