[Projekt Dark Tower]: Wolves of the Calla (dt. Wolfsmond)

Bisher hatte mich Stephen King mit der Reise zum Dunklen Turm immer mitnehmen können. Selbst die kleine Zwischenepisode „The Wind through the keyhole“ war in dem Bewusstsein, dass sie nicht direkt zur Reise gehörte, wie ein kleines Märchen erzählt und wusste schon beim ersten Mal zu gefallen (klick). Doch wie sollte nun Wolfsmond bei dem vierten Versuch auf mich wirken? Und auch die zwei nachfolgenden Bände? Vor allem als ich diese zum ersten Mal gelesen habe, sind mir Wolfsmond und der nachfolgende Teil Susannah, sauer aufgestoßen. Warum das so war? Darauf möchte ich in den kommenden Zeilen näher eingehen, denn die Sichtweise hat sich, zumindest erst einmal bei diesem Buch, enorm geändert und das zum Guten. Mittlerweile sehe ich Wolfsmond als ein Bindeglied an, denn die Reise in Mittwelt findet nun ein Ende und es geht auf Endwelt zu und das Zentrum aller Universen und auch das Zentrum von Rolands Bestreben – dem Dunklen Turm. Doch bis er dorthin gelangen kann, werden Roland und seinem Ka-Tet noch einige Abenteuer begegnen.

Die Wölfe, die die Zwillinge holen

In Wolfsmond kommen Roland, Susannah, Eddie, Jake und Oy in einen Ort namens Calla Bryn Sturgis, der eigentlich nur eine Durchgangsstation werden soll. Doch die Bewohner dieses Dorfes stellen an die Revolvermänner eine Bitte, die diese den Regeln ihrer Gilde nach nicht ablehnen können. Dieser Ort und die vielen umliegenden Dörfer am Rande von Endwelt haben eine Besonderheit: es werden seit Generationen nur Zwillingspärchen geboren. Und ebenso werden seit Generationen von diesen Zwillingen immer ein Kind von den sogenannten Wölfen geholt. Zurück kommen sie zwar noch mit ihrer menschlichen Hülle, aber innerlich leer, ganz so, als wurde ihr Gehirn entfernt. Diese Kinder, die unter extremen Umständen zu Erwachsenen werden, sind dann maximal noch für die Feldarbeit zu gebrauchen, als Pflugziehhilfe. Doch etwas ist diesmal anders, denn einige der Bewohner wollen sich gegen die übermächtig erscheinenden Wölfe, die seit Generationen die Kinder fangen, in den Weg stellen und diese ein für alle Mal besiegen, denn alle haben das Gefühl, dass sie diesmal alle Kinder holen werden. So kommen die Revolvermänner gerade recht, damit sie ihre Unterstützung einfordern können.

Roland und seine Gefährten müssen diese Bitte annehmen, sofern sie einstimmig und mit voller Überzeugung des ganzen Ortes vorgetragen wird. Und noch etwas kommt den Revolvermännern entgegen, denn mit Donald Callahan, der als Pfarrer der örtlichen Kirche vorsteht, haben sie einen Mann gefunden, der zwischen den Welten umhergewandert ist, der sich sowohl in Mittwelt, als auch in den unterschiedlichen Dimensionen der Erde auskennt. Denn er war auf der Flucht vor sich selbst und vor Vampiren, die Jagd auf ihn gemacht haben. Wir als kundige Leser des Werks von Stephen King werden diesen Mann auch kennen, denn es ist der Callahan, den wir aus „Brennen muss Salem“ kennen und der es nicht geschafft hat, den großen Vampir Barlow zu besiegen, weil sein Glaube mehr und mehr an den Alkohol abhandengekommen ist. Daher macht die Einführung von Vampiren in die Welt des Dunklen Turms eindeutig Sinn. Die Geschichte, die Callahan dem Ka-Tet erzählt und was er gefährliches von seiner Reise als Mitbringsel mitgebracht hat, wird für die Gefährten noch von äußerster Wichtigkeit werden, besonders im Kampf um die Existenz aller Welten. Denn der Dunkle Turm ist in äußerster Gefahr und die Wölfe sind ein Zeichen dafür.

Ein Zwitterbuch

Mit Wolfsmond hat King den 5.Teil um die Reihe zum Dunklen Turm geschrieben und die Umstände der Veröffentlichung und was daraus noch folgt, benötigt eine kleine Vorgeschichte, bevor ich dann zum eigentlichen Kern komme. King brachte den vierten Teil „Wizard and Glass“ (Besprechung dazu siehe hier: klick) im Jahr 1996 heraus. Zwischen Band 3 und Band 4 lagen somit 6 Jahre bangen Wartens, wie denn nun die Geschichte um Roland seine Fortsetzung findet. Als die Auflösung um den Cliffhanger aus dem dritten Teil aufgelöst und eine Geschichte aus der Vergangenheit Rolands erzählt wurde, konnte nun befreit und ohne großen Ballast auf den fünften Teil hingearbeitet werden. Doch meist spielt das Leben dazwischen und so auch bei King, denn er hatte am 19.06.1999 einen fast tödlichen Unfall, der ihn monatelang außer Gefecht setzte und fast in die Medikamentenabhängigkeit getrieben hätte. Doch einen Stephen King hält nichts vom Schreiben ab, vor allem nicht, wenn es um den Dunklen Turm, sein persönliches Opus Magnum, das Zentrum all seines Schaffens geht. Und er setzte sich wieder an die Geschichte und schrieb die Bände 5 bis 7 (wahrscheinlich) in einem Rutsch herunter, zumindest suggerierte das der halbjährliche Veröffentlichungsrhythmus der Bücher in den Jahren 2002 und 2003. Daraus ergibt sich eine gewisse Änderung der Tonalität in der Geschichte, aber auch eine größere Stringenz in der Erzählung, die vorher zwar ebenfalls vorhanden war, aber eben nicht so deutlich wie jetzt. Doch vor allem die Änderung in der Tonalität, als auch die in meinen Augen grauenhafte Übersetzung ab Band 5 hatten mich damals weg vom Balken geführt und mit Ausnahme des Bandes 7 konnte ich den letzten Teilen wenig bis gar nichts abgewinnen.

In dieser Besprechung möchte ich speziell auf den fünften Teil eingehen und diesen näher beleuchten. Ich hatte gerade erwähnt, dass mich die neue Tonart in der Erzählung abgeschreckt hatte, als ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen hatte. Doch das ist eigentlich nur ein Drittel der Wahrheit. Ein anderes Drittel gehört für mich eindeutig der Übersetzung, denn diese macht vieles, was Joachim Körber vorher an Redewendungen und Begriffen eingeführt hat, aber auch den Grundton der Geschichte irgendwie kaputt. Prominentestes Beispiel ist da für mich „die Welt hat sich weiterbewegt“ (neu) und „die Welt hat sich weitergedreht“ (alt). Doch nicht nur allein dieser Frevel gegenüber dem alten Übersetzer brachte mich auf die Palme. Auch wurden neue Begriffe eingeführt, die einfach im Zusammenhang mit dem Dunklen Turm und seinem grimmigen Ton lächerlich klingen. Festmachen möchte ich das an dem Beispiel „Flitzen“, was eine Art transdimensionale Reise zwischen Rolands Welt und der unsrigen ist, ohne aber wirklich durch ein Tor gegangen zu sein und in seiner Bedeutung für den Fortlauf der Geschichte sogar wichtig ist beziehungsweise eine essentielle Tiefe besitzt. Doch „Flitzen“ klingt einfach lächerlich, wenn man eine Romanreihe wie diese in der Hand hält. Damals habe ich mir nicht die Mühe gemacht, den englischen Begriff, den King eingeführt hat, herauszusuchen. Doch bei meinem jetzigen Lesedurchgang habe ich genau das gemacht, denn King führt diesen Begriff als „todash“ ein und lässt es unkommentiert stehen. Schaut man in die Übersetzung lautet der Begriff„to dash“ eben flitzen und das ist in meinen Augen zu einfach übetragen, ohne zu überlegen, ob es vielleicht auch andere Wörter gibt, die das im Deutschen besser übermitteln, was da gemeint sein könnte. Gefühlt zieht sich das über den kompletten 5.Teil und auch die Folgebände, was auch ein Grund war, weshalb ich von da an, vor allem die neueren Kingveröffentlichungen lieber im Original lese, anstatt mich durch die Übersetzungen zu quälen. .
Und das letzte Drittel, was mich extrem nervte bisher? Das waren die Zahlen 19 und 99 und deren inflationärer Einsatz. Wer den Text bisher aufmerksam gelesen hat, der wird merken, mit welchem Datum diese Zahlen zusammenhängen und diesem Datum widmet King die letzten drei Bände, so dass er selbst das Vorwort für alle Bücher umgeschrieben hat, das er mit „Wie es ist 19 zu sein“ überschreibt. Doch trotz der Kenntnis zu seinem Unfall, der ja damals bei Erscheinen der Bücher noch recht frisch war, konnte ich mit dem exzessiven Einsatz der Zahlen, insbesondere am Anfang des Buches nichts anfangen. Sie kamen mir zu plötzlich daher und ohne große Vorrede. Sie waren einfach da und auf einmal hieß es nicht nur „all things serve the beam“ sondern auch „all things are 19“. Doch mit dem Abstand der Jahre, der Erfahrungen des Lebens und der gesteigerten Anzahl an Büchern, die ich in der Zwischenzeit allgemein gelesen habe, nimmt man so eine Zahl, die plötzlich auftaucht ganz anders wahr, gibt ihr den Raum zu Entfaltung und gibt ihr vor allem Zeit, denn King hatte damit etwas beabsichtigt, was sich erst mit den Teilen 6 und 7 erschließt und was ich an dieser Stelle noch nicht spoilern möchte. Nur so viel, es ist in meinen Augen einer der besten Ideen vom Autor, genau das so zu thematisieren und es ergibt mit all den Erklärungen drum herum absolut Sinn, gibt der ganzen Geschichte eine enorme (spirituelle) Tiefe. Doch ich kann auch die verstehen, die mit diesem Twist, der ab Band 6 so richtig zum Vorschein kommt, so gar nichts anfangen können. Eine erste Andeutung gibt es zumindest am Ende von Wolfsmond, die einen wirklich stutzig zurücklässt und Fragen aufwirft, die garantiert beantwortet werden.

Nun habe ich viel über Tonalität und Übersetzung gesprochen. Was ist aber mit dem Inhalt? Hatte ich dieses Buch bei den bisherigen drei Mal, in denen ich es las, nicht für so gut befunden (Anmerkung: Beim dritten Mal auf Englisch schon ein wenig besser) hat sich das nun beim vierten Durchgang eindeutig zum Positiven verändert. War ich bei den anderen Leseanläufen irritiert über die Geschichte, konnte ich mich nun seltsamerweise besser darauf einlassen, was zu großen Teilen auch daran liegt, dass ich mit meinem chronologischen Leseprojekt so einige Lücken schließen konnte, denn Stephen King beweist hier einmal mehr, wie gekonnt er seine eigenen Werke in den Zyklus um den Dunklen Turm einflechtet. War es bei Glas noch das Buch „The Stand“ und die Folgen der Supergrippe, die unser Ka-Tet zu Gesicht bekam, so wird es bei „Wolfsmond“ nun etwas vielschichtiger und wir merken, wie eng die Werke von King mit seinem Opus Magnum verzahnt sind. In dieser Geschichte sehen wir Donald Callahan wieder, den Priester aus „Brennen muss Salem“, bei dem diesem Mann der Glaube und somit die Möglichkeit, einen Vampir zu besiegen, abhandenkamen. Dies wird nun auch hier essentiell, da wir Callahans Geschichte, wie es ihm nach dem Fiasko in Salems Lot erging, erfahren. Dieser Einschub hat mich sonst immer maßlos aufgeregt, hielt mich ab von der hauptsächlichen Geschichte, dachte ich, nicht schon wieder etwas aus der Vergangenheit. Doch eigentlich lag es nur daran, dass ich mit dieser Figur noch nichts anfangen konnte, da ich sie bis hierhin schlicht noch nicht kannte. Nun war mir sein Schicksal, was gut ein Drittel des Buches einnimmt, eindeutig näher und ich konnte es nun in den gesamten Kontext einordnen. Aber auch der Hauptplot, der wie ein gut geschmiertes Bindeglied zwischen den Bänden 2 bis 4 und den abschließenden Teilen 6 und 7 funktioniert, bildet auch für unser Ka-Tet eine Art Übergang, denn sie sind nun an einen Punkt angekommen, bei der Turm immer näher kommt. Das wird allein schon dadurch verdeutlicht, dass sich Mitt-Welt und End-Welt bei Calla Bryn Sturgis aufeinandertreffen. Die Geschichte um die Wölfe ist erneut klassisch inszeniert, beginnt ganz behutsam und arbeitet sich langsam zum Showdown hin, der eigentlich nur ein paar wenige Seiten einnimmt und ganz dem Credo folgt, dass Roland öfter benennt und es im Gesamten wirklich gut trifft:

„First comes smiles, then lies. Last is gunfire.“  

Roland in „Wolfsmond“

Überladen? Mitnichten!

Der Turm ist nah und das merkt man dem Buch auch an. Der Einsatz wird höher, die Landschaft, in denen sich unser Ka-Tet bewegt, verändert sich und die Gefahren, denen sie sich ausgesetzt sehen, werden ebenfalls größer. Zusätzlich dazu baut King noch einen Plot mit ein, der eine der Hauptfiguren in große Gefahr bringt und damit die Gemeinschaft zerreißen könnte. Susannah hatte im dritten Band einen Dämon in ihrer Gewalt, den sie zum Sex gezwungen hat, damit sie Jake wieder nach Mitt-Welt holen können. Dies blieb nicht ohne Folgen, denn Susannah ist schwanger. Da hier aber andere Mächte am Werk sind, ist es nicht Susannah selbst, die schwanger ist, sondern eine Frau namens Mia. Durch ihre Vorgeschichte mit der Schizophrenie ist Susannah anfällig für die Aufnahme weiterer Seelen und das macht es den Kräften, die im Hintergrund daran arbeiten, dass Ka-Tet zu zerstören, leicht, die schwangere Mia in den Körper von Susannah zu transferieren. Und weil wir beim Aufzählen von Subplots sind, kommt weiterhin erschwerend hinzu, dass im New York des Jahres 1977 ein gewisser Calvin Tower, der mit dem Buchladen aus dem dritten Band, ein Grundstück besitzt, das ebenfalls die Kräfte des Bösen in ihren Händen sehen wollen. Dafür wird ein aus dem zweiten Buch bekannter Balazzar beauftragt, dieses Grundstück einzutreiben. Durch eine Magie, die kaum zu beschreiben ist, bekommen Roland und seine Gefährten Wind von dieser Sache und beschließen, das Grundstück ebenfalls zu erwerben, um es vor der Nase des scharlachroten Königs, dem großen Gegenspieler im Hintergrund, zu erbeuten.
Hier könnte man als treue Leserschaft von Stephen King einwenden, dass er mit dieser Fülle an Themen, Subplots, Nebenfiguren und vielem mehr übertreibt und sich damit keinen Gefallen tut. Dem möchte ich entschieden entgegentreten, denn Stephen King macht das genau richtig, da er die letzten drei Bände zusammenhängend geschrieben hat, ohne große Lücken an Jahren zwischen den Büchern, wie es bei den Teilen 1 bis 4 der Fall war, kann er mit vollem Besteck agieren. Dadurch ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten, genau diese Fülle an Themen einzubringen, nebenbei den roten Faden der Gesamtgeschichte zusammenzuhalten und alles auf einen Punkt auszurichten. Dabei kommen verrückte Ideen zustande, Einfälle, die einen schmunzeln lassen (insbesondere, wenn man gewisse Sachen aus der realen Welt berücksichtigt – zum Beispiel die damalige Freundschaft zwischen King und J.K. Rowling etwa) und eben seinen Unfall, die ihn zu der wohl verrücktesten Sache inspiriert haben, die man sich vorstellen kann. Wenn man aber berücksichtigt, dass die Reise von Roland zum Dunklen Turm Kings Opus Magnum ist, macht dieser eine zentrale Bestandteil der Geschichte, die vor dann vor allem die Bände 6 und 7 mit bestimmt, durchaus Sinn. Ich für meinen Teil habe nun meinen Frieden mit diesem Teil geschlossen und „Wolfsmond“ reiht sich ein in die großen Momente der Reihe. Es mag nicht sein bestes Buch geworden sein, wenn man nur die Teile zum Dunklen Turm berücksichtigt, aber es ist ein sehr ambitioniertes mit vielen Ideen gespicktes Buch und genau dem richtigen Spirit, dem diese Reise neuen Schwung verleiht. Für alle, die bis hierhin gekommen sind, geht die Reise nun weiter und sie wird fantastisch werden, da bin ich mir sicher, denn mit „Song of Susannah“ wartet schon der nächste Band auf mich, den ich bisher als den schlechtesten Teil der Reihe angesehen habe und nun guter Dinge bin, dass ich auch mit diesem sechsten Band meinen Frieden machen werde. Lange Tage, angenehme Nächte.

P.S.: Eine Vorwarnung habe ich aber noch an dieser Stelle: All diejenigen, die mit dem Dunklen Turm noch nicht angefangen haben, sollten diesen Teil unbedingt meiden, da hier so viele Anspielungen auf die vorherigen Teile aufgeboten werden, dass jede(r) hier absolut überfordert wäre. Außerdem lohnt es sich auch, vorher das Buch „Brennen muss Salem“ durchzulesen, um dem Charakter Donald Callahan ein wenig näher zu kommen. Klar soweit? Dann auf nach Mitt-Welt, Donnerhall und End-Welt, wo an den Schnittpunkten der Balken der Dunkle Turm darauf wartet, erklommen zu werden.

Weitere Rezensionen zu diesem Buch findet ihr bei

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5 Kommentare zu „[Projekt Dark Tower]: Wolves of the Calla (dt. Wolfsmond)

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  1. Vielen Dank für die Verlinkung und Schilderung deiner Eindrücke! Sehr spannend die aus mehreren Standpunkten zu hören! Ich fand beispielsweise auch immer, dass flitzen ein blödes Wort ist, aber ich hatte keinen Vergleichsrahmen. Anstatt to dash könnte man vielleicht auch eilen sagen … . Tatsächlich habe ich mir über die verschiedenen Übersetzungen noch gar keine Gedanken gemacht. Super Denkanstoß!

    Was mir hingegen schon Probleme gemacht hat war der Umgang mit den Kindern, die einst entführt wurden und als geistig behindert zurückkamen. Alles am Umgang damit finde ich unheimlich unsensibel und unreflektiert. Vom Begriff Mindere bis zur ihrer Schilderung als leer. Ich denke sowas würde, wenn es heute geschrieben worden wäre, nicht bestehen. Auch wenn zehn Mal in einer relativ rauen Westernumgebung spielt, in der eben nicht alle sehr viel Wert auf Sensibilität legen..

    Leider haben mich die Rückblicke und Callahans Story so wie dich bei deinem früheren Lesen eher genervt und gelangweilt. Da schlagen immer zwei Herzen in meiner Brust. Ist es gut, weil es den Kosmos kingscher Werke verdichtet? Oder eine schlechte Idee, weil es zuviel Raum einnimmt und man niemandem die Aufgabe mitgeben kann alle Bücher zu lesen? Ich denke es müsste einen Mittelweg geben. Musste ich Callahans ganze Abhängigkeitsstory wissen? Weiß nicht, denke nicht.

    Davon mal abgesehen hat mich Wolfsmond trotzdem gut bei Laune gehalten und wieder mit der Reihe versöhnt – Glas war leider gar nicht meins.

    Gefällt 1 Person

    1. Hi, hier muss ich noch kurz mit einklinken, weil das Thema mit dem Kids im Original weit weniger schlimm rüber kommt als in der Übersetzung. Da King im englischen einen Begriff verwendet, den es im deutschen so gar nicht gibt (roont) hat sich der Übersetzer natürlich wieder Freiheiten genommen. Ich glaube, dass hätte Joachim Körber treffender übersetzt. Aber ich verstehe deinen Standpunkt, dass es irgendwie ganz schön krass wirkt. Ich habe es für mich so interpretiert, dass es eben eine dörfliche Gemeinschaft am Ende von Mittwelt ist und sie mit solchen Problemen eben sehr schroff umgehen, um diese zu verarbeiten. Ich denke aber auch, dass es King heute nicht mehr so schreiben würde.

      Zu der Einflechtung seiner Werke: Das wird wohl auch einer der Gründe sein, warum diese Reihe eher nicht so oft als Highlight von Fans genannt wird, aber die, die es lieben, mögen es auch genau wegen dieser Verflechtungen. Ich persönlich finde sie ebenfalls richtig klasse. Wenn die Werke, von denen es abstammt, kennt, gibt es einen Mehrwert, wenn nicht, kann es schnell langweilig bzw öde werden. Ich würde nicht einmal behaupten, dass es Kings Werk verdichtet, vielmehr stellt er den Turm ins Zentrum von allem und erweitert damit den Kosmos ungemein. Ich denke, die Erkenntnis kommt dann spätestens, wenn du den 6.Teil lesen wirst 😉.

      Schade, dass Glas nicht so deins war. Hat mir ebenfalls gut gefallen. Allerdings beim vierten Mal nicht mehr so gut, wie früher. Da haben Wolfsmond und Susannah überaus gut aufgeholt.

      Like

      1. Den 6. habe ich schon gelesen ;) Aber ja, die Verflechtung wird ja schon früher bewusst. Was Callahan betrifft, denke ich heute eben immer noch, dass ich das nicht so im Detail gebracht hätte. Die Spuren der Supergrippe wie in Glas fand ich da wirkungsvoller. Nicht zu gedehnt, verständlich und der Sache dienend, auch wenn man das Buch nicht gelesen hat. Aber Band 6 war für mich v.A. wegen aller Stephen-King-Details superspannend mit einem gewaltigen Tusch am Ende. Alles andere (Mias und Suannas Geschichte) erschien mir wieder quälend langsam. Das scheint aber allgemein eine Änderung meines Leseverhaltens und meiner -vorlieben zu sein. „Früher“ konnte ich 1000-Seiten Wälzer von King und sonstwem ab, aber heute sehe ich das als ausschweifenden Luxus seitens Autor:innen, den es in den meisten Fällen nicht braucht. Auch wenn Susanna eins der kürzeren Bücher ist, passiert für mein Empfinden so wenig, dass es sich trotzdem ziemlich gezogen hat. Ich schätze ich bin dafür nicht mehr kompatibel. Ich schätze vieles an der Reihe, aber ich könnte sie nie so wie du mehrmals lesen :) Von daher chapeau ;)

        Auch das Detail mit der Originalfassung und dem Begriff roont wusste ich nicht!

        Gefällt 1 Person

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