[Projekt Dark Tower]: Song of Susannah (dt. Susannah)

Die vorletzte Etappe

Die Reise zum Turm, die ich 2016 zum vierten Mal begonnen hatte, der ich in den zurückliegenden Jahren so viel Raum auf dem Blog gegeben hatte, die ich zwischenzeitlich immer mal wieder aus den Augen verloren glaubte, geht so langsam dem Ende entgegen und ich sehe diesem Ende wieder einmal und diesmal sogar mehr als bei den drei Mal zuvor mit Wehmut entgegen, denn dieser Lesedurchgang war anders, intensiver, was auch damit zu tun hatte, dass ich nun völlig befreit und mit besseren Voraussetzungen an die Teile 5, 6 und 7 herantreten konnte als es vor knapp 15 Jahren das letzte Mal der Fall gewesen war. So lag nun mit Susannah beziehungsweise Song of Susannah, wie der sechste Teil im Original heißt, der Part vor meiner Nase, der mich bisher am wenigsten interessiert hatte von all den Teilen, den diese Reihe umfasst. Bisher sah ich diesen Abschnitt immer nur als Vorbereitung auf den letzten großen Akt an, als eine Art Intro beziehungsweise Interlude in die ganz große Show, die zum Schluss folgen sollte – das Erreichen und Erstürmen des Dunklen Turms. Daher war ich all die Male zuvor diesem Buch etwas voreingenommen gegenübergestanden. Das hat sich nun definitiv geändert. Ich sehe es zwar immer noch als schwächer gegenüber den anderen Teilen an, aber nicht mehr mit einem ganz so großen Unterschied.

Mittwelt, Endwelt, New York, Maine

Susannah knüpft dabei direkt an das Ende von Wolfsmond an, was sich als Vorteil erweist, wenn diese Bücher direkt hintereinander gelesen werden. So fällt der Einstieg nicht allzu schwer und die Geschichte kann sofort durchstarten. Die Wölfe sind besiegt, Calla Bryn Sturgis kann aufatmen und hat nun endgültig Ruhe vor diesem Horror, der ihnen einmal pro Generation widerfahren ist (für die Besprechung zum fünften Band, hier entlang: klick). Doch das Ka-Tet um Roland plagen ganz andere Sorgen. Im Tumult des Kampfes ist Susannah, die mitterweile von ihrem selbst geschaffenen (?) Alter Ego Mia gesteuert wird, nach New York geflohen und hat mit der Schwarzen Dreizehn, einer magischen, mächtigen Zauberkugel (die mächtigste von dem sogenannten Merlins Regenbogen – wer mehr darüber möchte, sollte die Besprechung zu Glas lesen: klick), gleich die Möglichkeit genommen, ihr zu folgen. So stehen die Revolvermänner vor der unlösbaren Aufgabe, eine der Ihren zu retten und dabei auf die Magie zu vertrauen, die noch zurückgeblieben ist.
Gleichzeitig müssen sie auch noch im Kampf gegen den Scharlachroten König das verlassene Grundstück mit der Rose von einem gewissen Calvin Tower zurückholen, denn auf diesem steht die Eine Rose, die eng mit dem Dunklen Turm verbunden ist und deren Zerstörung auch unweigerlich die Zerstörung des Turms und damit die der gesamten bekannten Existenz zur Folge hätte. Wie nahe am Untergang alle sind merken die Revolvermänner und auch alle in Calla Bryn Sturgis, als es zu einem Balkenbeben kommt, bei dem eine der unsichtbaren Verbindungen zwischen dem Dunklen Turm und der Wächterportale zusammengebrochen ist. So bleibt laut Roland nur noch die Verbindung übrig auf dessen Pfad sich das Ka-Tet befindet und wenn diese zusammenbricht, dann fällt alle bekannte Existenz in ein dunkles Chaos.
Unter all diesen Voraussetzungen müssen sich Roland, Eddie, Jake, Oy und Callahan auf den Weg machen, um zum einen Susannah zu retten und zum anderen, um die Rose vor der Zerstörung zu bewahren. Ein in vielerlei Hinsicht unmögliches Unterfangen, dass schon damit anfängt, dass sie die magische Tür, die Mittwelt mit der uns bekannten Erde verbindet, wieder zu aktivieren, da diese Magie durch die Mitnahme der schwarzen Zauberkugel erloschen scheint. Und was danach kommt, das weiß nur Ka (die Bezeichnung für das Schicksal in Rolands Welt).

Die große Verknüpfung (Vorsicht Spoiler!)

Hatte ich bisher mit diesem wilden Ritt von einem Buch immer etwas zu kämpfen, so war er nun, bei diesem Lesedurchgang, genau richtig. Erzähltechnisch finde ich ihn zwar immer noch ein wenig zu unausgegoren und zu hastig dahin geschrieben, aber das nur am Rande. Vielmehr konnte ich mich nun endlich einmal darauf einlassen, was Stephen King neben der ganzen Grundstory, dem Weg zum Dunklen Turm, hier in diesem Buch noch alles etabliert hat. Es ist nämlich eine ganze Menge und Turmneulinge sind an dieser Stelle natürlich mächtig aufgeschmissen, um das alles, was da an Informationen auf einen beim Lesen einprasselt, einzuordnen, was man natürlich auch meiner Zusammenfassung oben anmerkt, bei der eigentlich nur noch Kenner der Reihe so richtig durchblicken, was ich da zusammengefasst habe.

Da ist zum einen der Punkt der Schwangerschaft von Susannah, bei der eigentlich die abgespaltene Persönlichkeit Mia schwanger ist. Doch halt, eigentlich ist es gar keine Persönlichkeit, die Susannah schon immer besaß, sondern sie wurde ihr vielmehr eingepflanzt, da sie aufgrund ihrer Schizophrenie empfänglich dafür war und zu genau diesen Zwecken von Mächten des scharlachroten Königs missbraucht wurde. Dann ist dann noch der Rest von unserem Ka-Tet, die sich zum einen auf den Weg in das Jahr 1977 machen, um die Rose zu retten und in das Jahr 1999, um das gleiche mit Susannah zu machen. Und sie alle merken, diese Jahre und die Welt, in der sie gelandet sind, ist genauso wie Mittwelt, eine essentielle. Hier kann keine Zeit zurück gedreht werden, alles, was passiert, bleibt geschehen. Was tot ist, bleibt tot, was gesagt wurde, bleibt gesagt und so weiter. Und doch können Eddie, Susannah und Jake miteinander zwischen diesen Zeiten kommunizieren, durch welche Kraft auch immer. Und nun kommt noch etwas weiteres essentielles ins Spiel und es wird vollkommen verrückt: Stephen King tritt als er selbst auf. Er bringt sich als der Wörterschmied in Stellung, der Roland und alle anderen Figuren durch eine Kraft jenseits unserer Vorstellungsvermögen (die hier als Gan bezeichnet wird), erschaffen hat und dadurch hat real werden lassen. Dadurch macht sich Stephen King natürlich essentiell für diese Reihe und muss ebenso beschützt werden, denn ohne Wörterschmied kann Roland nie den Dunklen Turm erreichen. 

All das hat mich bei den vorherigen Lesedurchgängen von diesem Band sehr verwirrt zurückgelassen und regelrecht erschlagen. Ich muss auch sagen, dass ich damals ein sehr ungeduldiger Leser war und es einfach nicht abwarten konnte, endlich zum Turm zu gelangen. Dadurch bin ich jedes Mal durch diesen sechsten Band der Reihe gehechelt, um zum letzten Teil der Reihe zu gelangen. Aus diesem Grund war Susannah für mich immer nur diese schon erwähnte Zwischenstation, die dieser Roman als Titel wahrlich nicht verdient hat. Nun hat sich mittlerweile im Allgemeinen eine gewisse Reife auf mein allgemeines Lesen gelegt und ich sehe dabei speziell manche Werke von Stephen King mit anderen Augen, so auch Susannah. Es ist bei weitem nicht so schlecht, wie ich es bisher immer gesehen habe. Vor dieser vierten Runde hatte ich immer ein wenig Angst davor, die Bände 5 und 6 zu lesen, da ich sie in weniger guter Erinnerung hatte. Diese Zweifel sind nun, nachdem ich speziell diese beiden Bücher erneut ausgelesen habe, verflogen. Da dieser sechste Band direkt an den fünften anschließt, ist man sofort in der Geschichte drin, es braucht kaum noch große Erklärungen und das Tempo wird von Anfang hoch gehalten.

All things are 19

Es sind viele Ebenen, auf denen dieser Roman spielt und er zeigt nun essentielle, spirituelle Dinge auf, die vorher noch gar nicht so bewusst da waren. Es geht nun nicht mehr nur darum, den Turm zu erstürmen und ihn zu retten, nein, es geht um die Rettung der gesamten Existenz. Es sind nämlich Kräfte am Werk, die genau das verhindern wollen und wenn der Turm fällt, fällt auch alles, was je existiert hat, ins Dunkel. Dadurch hebt Stephen King ab hier diese Reihe zu etwas ganz Großem, zu seinem zentralen Werk, auch weil er sich selbst mit einbindet, was in meinen Augen nur eine logische Konsequenz seines Schreibens ist. Aber das ist noch nicht genug, denn er stellt auch den Turm in das Zentrum seines ganzen Schaffens, was in Susannah erstmals konkret ausgesprochen wird und auch das klingt logisch, denn alle Abnormalitäten, die in Kings Werken den Alltag durchbrechen, können, wenn man will, mit dem Turm erklärt werden oder einfach mit der 19, die ja seit dem fünften Band in Kings Werk eine zentrale Rolle spielt und die ganz eng mit seinem Unfall am 19.06.1999 verknüpft ist. Und das dieser Unfall noch eine Rolle spielen wird, das deutet das Ende von Susannah ganz stark an.

Um es kurz zu machen: Dieses Buch ist temporeich, actiongeladen und mit viel Spannung versehen. Ganz nebenbei erhöht King den Einsatz für sein Ka-Tet ins enorme und die Mythologie um den Dunklen Turm wird allein in diesem Buch enorm erweitert und dadurch erfährt die Reihe eine enorme Aufwertung, denn nun ist es nicht mehr nur die Suche nach dem Dunklen Turm, sondern nun geht es um alles und alles was den Kampf entscheidet ist am Ende Ka oder in unserer Sprache, das Schicksal. Ich muss also nach der Lektüre meine Meinung bezüglich Susannah ändern, denn es ist bei weitem nicht so schlecht, wie ich es in Erinnerung hatte. Es hat nun eine große Aufwertung erfahren und passt nun richtig gut in diese Reihe ein.

 

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3 Kommentare zu „[Projekt Dark Tower]: Song of Susannah (dt. Susannah)

Gib deinen ab

  1. Ich finde es wieder total spannend zu lesen wie du das Buch wahrgenommen hast. Ich habe meine Besprechung des sechsten teils gerade erst runtergetippt und mir extra etwas Zeit gegeben, um vorher nochmal zu sortieren, was meine Probleme damit waren. Irgendwann demnächst erscheint das dann.
    Aber soviel kann ich schon sagen, dass mir das Buch eben auch zu sehr als Zwischenstation und relativ redundant erschien. Mit redundant meine ich beispielsweise das relativ längliche Rumwundern und sich zurechtfinden müssen Mias in einer fremden Welt. Das hatten wir ja nun schon öfter in der Reihe. Und das ist natürlich verständlich, dass es vorkommt. Aber in dem Detailgrad habe ich das nicht gebraucht und mich etwas geärgert als das Buch dann stattdessen an so einer prekären Stelle endete. Das ist alles sehr …. sagen wir mal „wirksam“. Klar, man will sofort weiterlesen. Aber mir auch etwas zu gewollt und zu gestreckt in der Mitte. Und wieder sitze ich hier und denke mir, dass ich das vielleicht auch mehrmals lesen muss und sehe es dann vielleicht wie du!

    Natürlich gibt es auch eine Menge, was ich faszinierend finde wie das Verweben mit echten Ereignissen aus Stephen Kings Leben und eben die Meta-Ebene. Ein bisschen hat es aber auch das Geschmäckle einer Mary Sue. Ich bin da auch etwas hin- und hergerissen. Aber ich sehe es so: wäre es ein schlechtes Buch, hätte man keine Lust darüber zu reden.

    Gefällt 1 Person

    1. So, nun komme ich endlich mal dazu, dir auf deinen Kommentar zum 6.Teil der Reihe zu antworten.
      Ersteinmal Danke, für deinen ausführlichen Kommentar zu der Besprechung und auch zum Buch selbst. Es ist wirklich schön zu sehen, wie unterschiedlich diese ganzen Teile wahrgenommen werden. Ich hatte mich ja für die Teile ab Wind an eine Leserunde angeschlossen, damit ich beim Turm voran komme. Ich hatte ja schon 2017 mit meiner vierten Reise begonnen. Nun ist der Abschluss endlich nahe.
      Wenn du den siebten Band lesen wirst, dann wird sich dein Eindruck des Zwischenbandes noch weiter verstärken. Die ersten 100 Seiten von „Der Turm“ hätten auch locker noch bei Susannah mit ran gehängt werden können und die Wirksamkeit wäre trotz allem immer noch dieselbe gewesen. Letztendlich muss man einfach sagen, dass die Teile 5 bis 7 einfach ein großer, zusammenhängender Band sind, die der EInfachheit halber in drei Teile aufgeteilt wurden und diese Aufteilung ist bei Susannah etwas unglücklich gewählt. Wenn man einen Vergleich ziehen will, dann erzielt das Ende bei weitem nicht dieselbe Wirksamkeit wie das Ende von Band 3, als das Ka-Tet mitten im Wettstreit mit Blaine The Paine waren.

      Insgesamt überwiegt nun bei mir die Faszination, wie es King geschafft hat, aus diesem mäandernden Stoff in den Bänden 5 bis 7 einen fulminanten und vor allem auch zusammenhängenden Schluss zu zaubern. Ich hatte es schon damals beim ersten Lesen gespürt, doch nun viel mehr, dass es King geschafft hat, aus den vielen losen Fäden ein gutes Ende hinzubekommen, mit einer Magie in dieser Welt, die alle Universen zusammenhält. Letztendlich kann nun mit der Reihe all sein Schaffen, all seine unwirklichen Szenarien und Horrorstoffe erklärt und zurückgeführt werden. In meinen Augen ein grandioser Schachzug,

      Wie weit bist du eigentlich mit dem 7.Band? Hast du ihn schon begonnen oder wartest du lieber noch damit?

      Viele Grüße
      Marc

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