[Rezension]: David Mitchell – Der Wolkenatlas

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Thema: In jedem Ende steckt ein Anfang

„Was aber ist ein Ocean anderes als eine Vielzahl von Tropfen?“

Ich fange diese Rezension mal mit einem Konjunktivgewitter an, denn wäre der Film nicht gewesen, so würde ich diese Besprechung gar nicht schreiben, geschweige denn, dass ihr sie lesen könntet. Ohne den Film, auf den ich in dieser Besprechung mit eingehen möchte (was eigentlich unausweichlich ist), wäre ein großartiges Werk der Literatur an mir vorbei gegangen. Frisch zugeklappt kann ich noch gar nicht so richtig begreifen, was ich da eigentlich gelesen habe. Ich weiß nur eins, es ist großartig, wenn nicht sogar einzigartig in meiner bisherigen Leseerfahrung. Es hat so viele interessante Facetten, Einfälle, Stile, verbindet unterschiedliche Zeitgeschehen und Genres miteinander, geht auf das große Ganze ein, beleuchtet auch das Kleine, und so vieles mehr, was sich gar nicht in Worte fassen lässt. Andersherum muss ich aber auch sagen: Wäre der Film nicht gewesen und hätte ich das Buch ohne irgendwelche Vorkenntnisse gelesen, dann bin ich mir sicher, dass die Meinung anders ausfallen würde – dazu mehr in der folgenden Besprechung. Ich muss auf jeden Fall Danke sagen an Tom Twyker und die Wachowski- Geschwister, dass sie es mir ermöglichten über ihren in meinen Augen optisch grandiosen filmischen Beitrag zu einem großartigen literarischen Werk vorzudringen und mir einen Autor näher zu bringen, bei dem es sich lohnt, die anderen Bücher in Augenschein zu nehmen und auch in Zukunft zu verfolgen, welche Werke er veröffentlicht.

„Ich erwarte, dass Sie sich eines lösungsorientierten Denkens befleißigen und mir eine Fahrkarte nach Hull verkaufen!“

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[Rezension]: J.R.R. Tolkien – Der Herr der Ringe

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Thema: Ein Buch, den Leser zu knechten, in den Lesesessel zu treiben und ihn ewig daran zu binden

„Flieht, ihr Narren!“

Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Reihe starten, in der ich Bücher vorstelle, die mein Leseverhalten hinsichtlich dem, was ich heute lese, geprägt haben und bei denen mich auch der Stoff Jahre nach dem ersten Mal lesen immer noch beschäftigt. Dabei geht es mir bei der Vorstellung dieser Bücher vordergründig nicht um den Inhalt, sondern darum, wie sich diese Bücher in mein Leben geschlichen haben und was ich für Erfahrungen mit Ihnen gemacht habe. Ich wünsche viel Spaß beim 1.Teil der Reihe „Macg’s persönliche Leseerfahrungen“.

Es gibt diese Bücher, die verfolgen einen von dem Tag an, an dem man die erste Seite aufschlägt und in die Geschichte eintaucht und die einen das ganze Leben über nicht mehr loslassen. „Der Herr der Ringe“ von J.R.R.Tolkien ist eines dieser für mich seltenen Spezies von Buch, welches mich bis jetzt jedes Mal, in denen ich es gelesen habe, in den Bann nahm. Anfang dieses Jahres habe ich es zum dritten Mal begonnen und mir richtig viel Zeit dafür gelassen, um genau zu sein waren es 5 Monate, die ich für diese 1300 Seiten investiert habe, und es war wieder einmal wunderbar. Doch bevor ich weiter ins Schwärmen komme, möchte ich einen kleinen Bogen schlagen zu der Zeit, als ich die ersten Berührungen Der Herr der Ringe hatte.

„Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden im Lande Mordor, wo die Schatten drohen.“

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[Rezension]: Wolfgang A. Gogolin – Karawane des Grauens

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Thema: Klischeesammlung zur Bestätigung der Beamtenvorurteile

Wolfang A. Gogolin, seines Zeichens selber als Standesbeamter in Hamburg tätig gewesen, hat 2002 sein Debüt mit diesem in eigenen Worten „Patchworkroman ohne Wohlfühlgarantie“ geschrieben, in dem er seine (wahrscheinlich auch eigenen) Erfahrungen in Schriftform gegossen hat, um den Menschen den Beamtenapparat näher zu bringen. Dabei traut er sich nicht zu, einen Tatsachenbericht, quasi aus dem Leben gegriffen, zu schreiben, sondern packt das Ganze in einen fiktionalen, aber leider auch trivialen Kriminalfall, der so hanebüchen ist, dass es leider schon fast schmerzt (vielleicht auch mit Absicht?). Die Wahl auf das fiktionale begründet er im Vorwort vor allem mit der Tatsache, dass er, als er im Freundeskreis seine Geschichten zum Besten gab, nur mit ungläubigem Staunen betrachtet und mit den Worten „Nun übertreib mal nicht“ bedacht wurde. In diese fiktionale Geschichte mit realen Klischees bringt er eine Ansammlung von Leuten unter, wie man sie sich im Amt vorstellen könnte (und leider auch, jedenfalls in abgemilderten Formen, in jeder anderen Berufsgruppe, die am Schreibtisch tätig ist) und das macht in meinen Augen diesen Roman eher aus, als die Kriminalgeschichte. Auf seiner eigenen Homepage kann man in Erfahrung bringen, dass Gogolin Gründungsmitglied der Literatengruppe „Wortwerk-Hamburg“ ist und nach seinem Debüt weitere Kurzgeschichten und Romane  verfasst hat. Außerdem ist er nach eigenen Angaben gelegentlich als Restaurantkritiker für Fachzeitschriften in Hamburg tätig.

„Man nannte das Zentralisierung, die Maßnahme sollte der zügigen Effektivätssteigerung dienen. Diese einzelnen Ämter waren – aus welchen Gründen auch immer – zu Abschiebestationen für Leute geworden, die man im Einwohneramt, Standesamt oder in der Personalabteilung nicht mehr haben wollte, und Beamte waren ja unkündbar. Karawane des Grauens hatten Beamte aus anderen Behörden den Umzug des Amt für Wegebau deswegen teils gehässig, teils neidvoll getauft.“

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[Rezension]: Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

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Thema: Rechtsstaatereien

Ferdinand von Schirach ist als Strafverteidiger (Strafrecht) und Schriftsteller (der bis zum Zeitpunkt dieses Romans nur Kurzgeschichten geschrieben hat, die auf wahre Fälle zurück gehen und die vor kurzem vom ZDF unter dem Titel „Verbrechen“ gezeigt wurden) bekannt. Außerdem veröffentlicht er auch unregelmäßig Artikel in einigen großen Wochenzeitschriften (z.B. Der Spiegel). „Der Fall Collini“ ist Schirachs erster Roman, der entgegen seinen Kurzgeschichten rein fiktionaler Natur ist, dabei aber auf ein in den 60er Jahren erlassenes Gesetz verweist und in die Geschichte einbaut, welches zu den größten Rechtsverbrechen in der deutschen Nachkriegsgeschichte zu zählen ist und mir bis zu dem Zeitpunkt, als ich den Roman gelesen habe, nicht bekannt war. Auf dieses Buch bin ich eher durch Zufall gestolpert, da ich gerade Lesefutter brauchte, um eine gewisse Wartezeit zu überbrücken, war es von allen zur Auswahl stehenden das interessanteste gewesen. Bereut habe ich den Kauf nicht, da es sich schon allein durch den rechtshistorischen Fakt im Gedächtnis verankert. Weiterlesen „[Rezension]: Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini“

[Rezension]: Paul Auster – Die New York Trilogie

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Thema: Wider Erwarten

Paul Auster ist mir als Autor aufgefallen, da ich mich in meinem Bemühen, den Lesehorizont zu erweitern, auch der amerikanischen Literatur zuwenden möchte (und dabei mehr als nur Stephen King entdecken will). Bekannt wurde er in den 1980er Jahren durch die Bücher, die ich in diesem Beitrag vorstelle. Wie bin ich auf diese Trilogie gekommen? Mich fasziniert die Stadt New York seit ich denken kann und da bietet sich natürlich Literatur an, die in dieser Stadt spielt und dabei noch von einem Autor geschrieben wird, der dort lebt. Da zusätzlich New York schon alleine im Titel vorkommt, war ein Ignorieren dieses Buches so gut wie unmöglich. Ich habe mit diesen 3 Titeln, die zur New York- Trilogie zusammengefasst sind, überhaupt nichts falsch gemacht. Sprachlich auf einem sehr hohen Niveau, breitet uns Auster das New Yorker Lebensgefühl in winzigen Dosen vor uns aus, welches die Stadt in den 1980er- Jahren ausgemacht hat. Weiterlesen „[Rezension]: Paul Auster – Die New York Trilogie“