[Rezension]: Richard Lorenz – Frost, Erna Piaf und der Heilige

Ein Buch über den Tod, die Unsichtbaren unserer Gesellschaft und der Umgang mit beidem »Er hat gesagt, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt. Dass man jemanden mag und dem dann hilft, und so. Dass man keinen vergisst. Weil irgendwann sterben wir, und dann ist alles zu spät. Das hat er gesagt.« Das Buch von … Weiterlesen [Rezension]: Richard Lorenz – Frost, Erna Piaf und der Heilige

[Rezension]: Michael Kraske – Vorhofflimmern 

Die roten Socken auf rechts gedreht  „Ankommen war ein Parcours aus Fettnäpfchen.“ (Vorhofflimmern, Seite 22) Michael Kraskes Roman „Vorhofflimmern“ kam zufällig am Buchregal vorbei, als die für diesen Blog eigens erstellte, persönliche Shortlist für den Bloggerpreis des besten Debüts für den Blog erstellt wurde (Link). Diese Liste ist natürlich nicht die offizielle, aber ob „Vorhofflimmern“ … Weiterlesen [Rezension]: Michael Kraske – Vorhofflimmern 

[Rezension]: Daniela Krien – Irgendwann werden wir uns alles erzählen 

DDR-Lolita auf dem Land Eingangs erwartete ich von diesem Roman nichts, den ich mir nur aufgrund der Autorin anschaute, auf die ich durch diverse Besprechungen zu ihrem Buch „Muldental“ aufmerksam wurde. „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ ist ihr Erstlingswerk und ist eine Art Lolita-Roman geworden, der in der ostdeutschen Provinz zur Wendezeit angesiedelt ist … Weiterlesen [Rezension]: Daniela Krien – Irgendwann werden wir uns alles erzählen 

[Rezension]: Lisa Kränzler – Nachhinein

Ungleiche Blutsgeschwister Namen sind wie Schall und Rauch. So ein Gedanke schießt einem sofort durch den Kopf, wenn man Lisa Kränzlers Debüt „Nachhinein“ liest. Da werden die Hauptfiguren, aus deren Sicht wir die Geschichte erzählt bekommen, zwar mit Namen versehen, aber so verschlüsselt, dass wir ihre wahre Identität nicht erfahren. Alle weiteren Personen im engeren … Weiterlesen [Rezension]: Lisa Kränzler – Nachhinein

[Rezension]: Peter Henning – Die Ängstlichen

Aufrechterhaltung des erarbeiteten Status Hanau, eine Kleinstadtidylle im Dunstkreis von Frankfurt, ist der Schauplatz verschiedener Dramen innerhalb der Familie Jansen und deren Sprösslinge. Alles beginnt mit einem riesengroßen Unwetter, welches über Hanau hereinbricht, wie der Weltuntergang. Dieses Unwetter spült dabei einige Sachen an den Tag, die vorher im Verborgenen lagen und so eine Dynamik in … Weiterlesen [Rezension]: Peter Henning – Die Ängstlichen

[Rezension]: Marion Brasch – Wunderlich fährt nach Norden

Komischer Kauz auf spontaner Reise Wer Marion Braschs Buch „Wunderlich fährt nach Norden“ aufschlägt, sollte sich darauf gefasst machen, eine Geschichte zu lesen, die dem Namen des Hauptakteurs entspricht – sie ist verwunderlich, bezaubernd, irritierend. Es ist eine Wundertüte, deren Inhalt nicht jedem schmecken wird. Auf gewisse Begebenheiten muss man sich einlassen, damit sich ein … Weiterlesen [Rezension]: Marion Brasch – Wunderlich fährt nach Norden

[Rezension]: Richard Lorenz – So dunkel die Nacht

Richard Lorenz konnte mich schon letztes Jahr mit seinem 2014 erschienen Debütroman “Amerika-Plakate” begeistern. Ich war gefangen und fasziniert von der Sprache die er gewählt hat, um seine Geschichte zu erzählen. Auch die Geschichte an sich wusste durch seinen übernatürlichen Realismus zu überzeugen und ich war eigentlich nur traurig als ich das Buch zuklappen musste, … Weiterlesen [Rezension]: Richard Lorenz – So dunkel die Nacht

[Rezension]: Sven Heuchert – Asche

imageKeine friedliche Welt

Eine Kurzgeschichtensammlung auf die ich durch Sophies Besprechung auf dem Blog Literaturen aufmerksam geworden bin. Durch die Veröffentlichung bei dem Digitalverlag edel&electric ist das Buch nun auch bei mir auf dem Lesegerät eingezogen und ich konnte mich dem Bann, den diese Geschichten erzeugen nicht entziehen. Es sind kurze, brutale und trotz allem auch ruhige Ausschnitte aus einem Leben in  Deutschland, welches man nicht auf den ersten oder zweiten Blick sieht. Es sind vielmehr Geschichten, die sich im Verborgenen, im Kleinen abspielen, deswegen aber nicht minder schlimm sind. Man muss zweimal hinschauen, um zu verstehen, was da gerade passiert und warum das so ist. Erklärungen? Gibt es keine. Alles passiert. Einfach so und die antreibenden Mittel sind Wut, Angst und Resignation. Alles zusammen ergibt eine explosive Mischung, an die Sven Heuchert die Lunte legt und diese auch anzündet.

Weiterlesen „[Rezension]: Sven Heuchert – Asche“

[Rezension]: David Wonschewski – Zerteiltes Leid

Zerteiltes Leid

Wie Liebe in Wahnsinn umschlägt

It’s a Man’s Man’s Man’s World, heißt es in einem Lied. Und ich habe noch einmal nachschauen müssen, um bestätigt zu finden, dass es tatsächlich gleich dreimal wiederholt werden muss in diesem Lied. Es ist eine Männer-, Männer-, Männerwelt. Dreimal wiederholen, mit verbaler Gewalt durchsetzen muss man es. Denn wiederholt man es nicht und wendet auch keine Gewalt an, verpufft es und erweist sich als die große Unwahrheit, die es ist. Denn wir leben in keiner Männerwelt. Wir leben in einer Frauenwelt.“

Uta Wensch wurde ermordet. Vermeintlich von dem in Haft sitzenden Janusz Jaroncek. Er war zu besagtem Tatzeitpunkt am Tatort, wurde von mehreren Zeugen gesehen und hat der Spurensicherung eine saubere Beweislage hinterlassen. Und doch steht nicht zu 100% fest, dass Jaroncek Uta Wensch umgebracht hat. Aus diesem Grund wird er verhört und von Wissenschaftlern untersucht, um aus ihm eine Art Geständnis zu bekommen. Dabei ist der Polizei jedes Mittel recht, um die Wahrheit herauszufinden. Es entwickelt sich eine Art Kammerspiel zwischen dem Stalker Jaroncek und einer Beamtin, die ihn verhören soll. Doch ist wirklich alles so, wie es scheint?

„Mord erreicht die höchste Intimität, die zwischen zwei Menschen zu erreichen ist. Bringt ein Mensch einen anderen um, so ist er ihm näher, als ein Kuss oder Sex sie jemals hätte zusammenbringen können. Der Mord ist die ultimative Vereinigung. Auf ewig sind Mörder und Ermordeter miteinander verbunden, denn nach dem Tod kommt nichts mehr. […] Gemeinsam rasen Mörder und Ermodeter auf die Ziellinie zu und sind auf ein und demselben Fotofinish.“

Janusz Jaroncek ist ein wirrer Typ, ein Eckenplauderer, der seine Wahrheiten an den Straßenecken dieser Welt hinausschreit. Ihm ist es egal, dass keine zuhören will – Hauptsache er ist seine Wahrheit los. Dieser Janusz hat ein Problem, welches auf den Namen Uta Wensch hört. Er ist ihr seit seiner Jugend verfallen und läuft ihr hinterher. Sie, die ihn abweist und nichts mit ihm zu tun haben will, ist das Objekt seiner Begierde. Und trotz aller Abweisungen reist er ihr in ihre Urlaubsdomizile hinterher, spioniert sie aus, schreibt ihr Liebesbriefe. Das geht gut, solange sie seine Avancen einfach ignoriert und an sich abprallen lässt.
Nun sitzt Janusz in Untersuchungshaft, weil ihm der Mord an ebenjener Uta Wensch angelastet wird. In ihrer Wohnung überrascht und gnadenlos ermordet soll er sie haben. Die Arme aufgeschlitzt und sie dann in der Wanne ausbluten lassen. Und trotz einer erdrückenden Beweislast ist die Schuld Jaronceks nicht zu 100% bewiesen. Es ist an einer namenlosen Beamtin, Janusz zu verhören und ihm ein Geständnis zu entlocken. Dabei soll sie ihre weiblichen Reize ausspielen, denn Janusz hat eine Schwäche für die Weiblichkeit und die Frauen an sich. Ein gestörtes Verhältnis zu seiner Mutter (er nennt sie Mummy) und seiner Schwester hat ihn zu einem Weichling werden lassen, der im Anblick der weiblichen Reize nervlich zusammenbricht und keine normalen Handlungen mehr zustande bringt. Dieser Schwachpunkt soll im Verhör ausgenutzt werden, um ihm die Wahrheit über die Nacht, in der Uta Wensch gestorben ist, zu entlocken.

Weiterlesen „[Rezension]: David Wonschewski – Zerteiltes Leid“